Mittwoch, den 20. Juni d. I. und Donnerstag, den 21. Juni d. I., jedesmal von Morgens präzis 7*/4 Uhr ab. im Saale des Gastwirths Herrn B. Bolender hierselbst statt.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Gutsvorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszuhändigen.
Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militärpflichtigen in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen, den Letzteren auch zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im MusterungSraum nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen, die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden sämmtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Kommission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf derenArbeits - oder Nichtarbeitsfähigkeit es beiBeurtheilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren und älteren Brüder des Reklamirten) im Termine mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht stattfinden kann.
Besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß bei den zur Vorstellung kommenden Leuten, welche behaupten an Epilepsie zu leiden, die im § 65 b der Wehr- ordnung vorgeschriebenen 3 Zeugen zur Stelle sein müssen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen und ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste sich vorzugsweise über neuere Anfälle aussprechen.
Außerdem sind auch bei denjenigen Reklamanten, welche sich außerhalb befinden und welche ihre Angehörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, die desbezüglichen Postscheine vorzuzeigen, wie auch alle angeblichen Krankheiten durchVorlagevon ärzt - lichen (KreiSphysikats-) Attesten nachgewiesen werden müssen.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben Sie den Militärpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Sodann sind dieselben noch anzuweisen, die in ihren Händen befindlichen Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen, da andernsalls der Betrag von 50 Pfg. für Ausstellung eines Duplikatscheines gezahlt werden muß.
I. II. Nr. 1754. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ziegenhain, den 2. Juni 1900.
Die in Olberode ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
I. I. Nr. 4911. Der Landrath: v. S ch w e r tz e l l.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, den 9. Juni.
Se. Majestät der Kaiser erledigte gestern im Laufe des Nachmittags, wie aus Potsdam gemeldet wird, im Neuen Palais eine Reihe von Regierungsangelegen- Heitsn und begab Sich kurz vor 7 Uhr nach dem Kasino des Offizierkorps des Leib-Garde-Husarenregiments, um dort zu speisen. — Heute Morgen um 7 Uhr stieg Se.
Wunde und bettet den Körper mit zarter Sorgfalt auf die Erde. Er beugt sich über sie, er ruft und flüstert ihr zärtlich zu : „Virginia, dein Marius ist da ! — Schlage die Augen auf! Nie mehr will ich dich verlassen, Liebling, Kleinod, mein alles!" — und mit tausend ungestümen Liebkosungen bedeckte er ihr bleiches Antlitz. „Du liebst mich ja! Virginia, erwache — erwache!" — er drückt seinen brennenden Mund auf die blutende Stelle auf ihrer Brust, fühlt immer wieder, ob ihr Herz klopft, ob sie atmet. Er kann, er will's nicht glauben, daß sie gestorben ist ! — Er drückt sie an sich — er will ihr Leben einhauchen — warmes, glühendes Leben.
Aber immer kälter wird sie unter seinen feurigen Küssen und erstarrt unter seinen fieberheißen Händen.
Da endlich begreift er: Sie ist todt! Er hat sie verloren.
Jetzt erst entringt fich seiner Brust ein markerschütternder Schrei. Vernichtet kniet er an ihrer Seite, über sie gebeugt. — Lange bleibt er so bewegungslos seinem Schmerz« hingegeben.
JnHst^ELvoller Entfernung betrachtet ihn teilnÄhmS- voll das Volk. „ , „ _ , „
Endlich schien V M zu besinnen. — Er wird sich seiner Lage bewußt. Mit der Hand fährt er sich über
Majestät im Neuen Palais zu Pferde und begab Sich nach dem Bornstedter Feld zur Besichtigung der beiden in Potsdam garnisonirenden Garde-Ulanenregimenter. Danach frühstückte Se. Majestät beim Offizierkorps des 3. Garde-Ulanenregiments und gedachte sodann dem großen Armee-Jagdrennen in Hoppegarten beizuwohnen.
Die Berliner Schulkonferenz hat am Freitage ihre Berathungen beendet. Zum Abschied« dankte Kultusminister Dr. Studt den Mitgliedern der Konferenz für den hingebenden Eifer und die Gründlichkeit, mit denen sie ihre Aufgabe erledigt hätten, und sprach die zuversichtliche Hoffnung aus, daß das Ergebniß der Verhandlungen Gott zur Ehre und dem Vaterland zum Segen gereichen würde. Als Senior der Versammmlung erwiderte Professor Dr. Mommsen. Auch er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Berathungen für die deutsche Jugend und die höheren Lehranstalten segensreiche Folgen haben möchten.
Ueber die gesundheitsgefährliche Wirkung der Alkohols nicht nur auf den Trinker selbst, sondern auch auf dessen Abkömmlinge fehlen bis jetzt die statistischen Unterlagen. Auf eine Anregung im Landtage hat der preußische Kultusminister das Königl. Statistische Bureau beauftragt, soweit das ohne zeitraubende und umfangreiche Erhebungen möglich ist, die zur Beurtheilung der Sache dienlichen statistischen Daten zu sammeln und sachgemäß zu bearbeiten.
Sie Leitung der Deutsch-sozialen Reformpartei hielt am Donnerstag Nachmittag im Reichstagsgebäude zu Berlin unter Vorsitz des Herrn Zimmermann eine Sitzung ab. Zur Berathung stand u. a. die bevorstehende Ersatzwahl in Rinteln-Hosgeismar für den zurückgetretenen Dr. Vielhaben. Auf Ansuchen war die Fraktion zu einer Vorbesprechung dieser Angelegenheit herangezogen worden.
(Volksschullehrer zum Besuche der Universität zugelassen.) Dasweimarische Kultusministerium hat den Volksschullehrern, die in der Entlassungs- und Anstellungsprüfung die erste Censur erhalten, das Recht verliehen, sich zum Zwecke des Studiums bei der Universität Jena immatrikulieren zu lassen, so daß ihnen die Möglichkeit offen steht, akademische Examina abzulegen. Schon seit Jahrzehnten war den Lehrern Gelegenheit gegeben, Vorlesungen an der Universität Jena zu hören; dazu bedurfte es nur der Genehmigung des Universttätsamtes. Doch wurden Volksschullehrer äußerst selten immatrikuliert.
In nicht allzuferner Zeit wird das deutsche Reich über sein erstes überseeisches Kabel verfügen, die telegraphische Verbindungslinie nach Amerika. Dieses Kabel wird aus drei Theilen bestehen. Das erste Stück geht von Emden nach Vigo in der spanischen Provinz Pontevedra; das zweite führt von Vigo nach den Azoren, und an diese beiden bereits fertigen Stücke schließt sich nunmehr die Legung des dritten Theiles von den Azoren nach New-Aork. Das neue deutsche Unternehmen ist mit großer Genugthuung zu begrüßen, weil damit der erste Schritt zu unserer Befreiung von der englischen Welt-Kabelherrschast gethan wird. Das Kabelnetz der Erde umfaßt gegenwärtig etwa 280 Kabel, die rund 320 000 Kilometer lang sind. Dieser Besitz vertheilt sich auf 25 Gesellschaften. Wie sehr hier England den übrigen Nationen voraus ist, geht aus der im Jahre 1894 aufgenommenen statistischen Thatsache hervor, daß von 22 damals vorhandenen Kabel-Gesell- schasten, die über 38 Kabel-Dampfer verfügten, allein 20 Gesellschaften mit 30 Schiffen im englischen Besitz waren, während auf Frankreich und Dänemark nur je eine Gesellschaft mit je 4 und 2 Schiffen entfiel und in Italien und China je ein Schiff sich im Staatsbesitz befand. Die Gefährlichkeit der Macht, die England mit seinem Seekabel-Monopol ausübt, hat endlich energische Gegen-Bestrebungen hervorgerufen, die genau so von dem nationalen Selbsterhaltungstriebe eingegeben werden wie die gleichzeitigen Flotten-Rüstungen. Die Folgen, die eintreten würden, wenn England im Kriege mit einer großen Kolonialmacht die Kabel für alle fremden Telegramme sperrte, sind kaum auszudenken. Gesetzt den Fall, daß jemals ein deutsch-englischer Zusammenstoß stattfinden sollte, so hätte die deutsche Regierung unter Umständen wochenlang auf eine Nachricht beispielsweise
die Augen, über die Stirne. — Dann erhebt er sich langsam, löst seine Toga von den Schultern und bedeckt damit die leblose Gestalt seines Lieblings.
Aus einmal hatte sich sein Aussehen verändert. Stolz aufgerichtet steht er vor den Priestern, unsägliche Verachtung auf dem Antlitze. Seine Augrn funkeln in furchtbarer Entrüstung. Er schien zu wachsen, seine Hände erhoben sich geballt, und mit dröhnender Gewalt in der Stimme ruft er: „Verflucht! — Verflucht! Schamlose Heuchler! Elende Priester!" —- seine Stimme schwoll an wie vernichtendes Donnergeroll:
„Verflucht! — Verflucht! Schändliche Priester!,— Schändliche Götter! — Herzlose, grausame Schlangenbrut, seid öeiftu^t in Ewigkeit I — Verflucht!" —
Die Priester, das Volk waren entsetzt von ihm zurückgewichen.
Zerschmetternd wirkten seine Worte auf die Schuldbeladenen.
Dann war er an die Leiche Virginias zurückgetreten. Nicht mehr in strafendem Zorne — in feierlichem Ernste sprach er die Worte: „Auch ich glaube nur an einen Gott!" Und er erhob die Hand zum Himmel: „An den Gott der Liebe und Barmherzigkeit l — An den Gott der Christen!"
aus Ostafrika zu warten, während das englische Mar» amt fortwährend über alles Wichtige auf dem Lausend; erhalten würde und seine Entschließungen darnach k un richten könnte. AehnlicheS gilt von den andern §E möchten, die mit England in Konflikt gerathen, und i ist es denn begreiflich, daß neuerdings von allen Seit- gewaltige Anstrengungen gemacht werden, um das m lisch« Seekabel-Monopol zu brechen. ' “ri
Die Deckungsfrage der Flotten-Vorlage ist in dich Tagen im Reichstage eifrig erörtert worden. st« , und bündig waren meist Rede und Gegenrede, tz Redner bemühten sich, in möglichst wenigen Worten ih« Standpunkt zu vertreten. Besondern Widerspruch er«; roe aus der Linken die Heranziehung der Kuxe zur Deckn der Flottenkosten. Der Widerspruch half dem P Ly Richter und seinen Freunden aber nichts, die Kommisst« Anträge wurden in allen Punkten mit großer Mehch
angenommen.
Der Aufstand der Boxer in China wird in» bedenklicher. Am Donnerstage soll es in der Nähe U fef Tientsin zu einer Schlacht zwischen chinesischen Trupp Re und Boxern gekommen sein. Ueber den Ausgang । bat nichts bekannt. Nach den vorliegenden Nachrichten fläch sek, sich die Hoffnungen auf ein solidarisches Einschreiten d^Sa
Mächte gegen die Boxer und ihre geheimen Freunde itigi den leitenden Kreisen Pekings, die durch die manmdie fachsten Zeichen beweisen, daß sie im Fremdenhasse bi$u Aufständischen nichts nachgeben. Der Chef des deutsch«Caj Kreuzer-Geschwaders, Vize-Admiral Bendemann, hat k Sck nach telegraphischer Meldung von Tschisu-mit ben großen Kreuzern „Hertha" und „Hansa" nach Taku begefwScf Das deutsche Delachement für Tientsin ist um 30 MaiWi verstärkt worden. in --------- ------- ■■■ । ' * iDa
8er miez in Mafrila. |
Endlich ist Buller gegen die den Laingsnek haltendchau Buren in Thätigkeit getreten, und sogar mit Erfc.Zus
Der Draht meldet:
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London, 9. Juni. General Buller meldet voizini gestrigen Tage aus Aellow Boom Farm: Am 6. d.MHes nahm General Talbot Coke mit der zehnten Brigade «trit der südafrikanischen leichten Reiterei den Vanwyke Bmder Die Verluste der Engländer betrugen 4 Todte und I der Verwundete. In der Nacht vom 6. zum 7. d. MKo, brachten wir 4 Geschütze auf den Vanwyke Berg mMi zwei andere auf den südwestlichen Ausläufer des Jnkwebhag Unter dem Schutze des Feuers dieser Geschütze gi-kass General Hildyard heute alle Gebirgsausläufer zwischeStc Bothas Paß und dem Jnkwelo an. Der vom Gene» Hildyard wohldurchdachte Angriff wurde von den TruppM m für die kein Berg zu steil war, mit ungeheurem 9W$Q1 druck ausgeführt; der Feind wurde umflügelt und gihali zwungen, sich aus der sehr starken Stellung zurückzuziehe» Ich glaube (!) nicht, daß wir irgendwelche VerlusiW» gehabt haben, und hoffe, daß wir eine Stellung geWii wonnen haben, von der aus man Laings Nek unhallb-wai machen kann. flüst
Darnach ist allerdings das Zurückziehen der naiwei Nordosten vorgeschobenen Truppen mit vollem Bedachmac erfolgt; über den eigenthümlichen „Waffenstillstand" er fiel; fährt man noch nicht» Bestimmtes. Die Hauptaktio:Bot steht Buller jedenfalls noch bevor. — Sonst sind neuMcl Kriegsnachrichten überhaupt nicht da. Interessant abMte sind genauere Meldungen über die Kämpfe, welche Einnahme PrätoriaS vorangingen. „Laffan" schreib! düst
„Nach einem heftigen Bombardement, welches d« ganzen Tag dauerte und woran ungefähr 40 ©efW^ theilnahmen, zwangen die englischen Truppen die Kom md mandos im Westen der Stadt, ihre Stellungen zu räumnt^ Das Bombardement that wenig Schaden. Der Rückzug" der Buren vollzog sich in größter Ordnung. Der Artisten °em der Buren gelang es, alle Kanonen mitzunehmen. DiM^ selben wurden am Montag nach vier Uhr nachmittagM? entfernt. Bis Mitternacht hatten sämmtliche Artisten^" und der Rest der Kommandos die Stadt verlassen. noch übrige rollende Eisenbahnmaterial, darunter verM^ schieden« Lokomotiven, dampfte um vier Uhr in riesigiE^ Prozession weg. Am Tage darauf, 5. Juni, konnte dar Lord Robert» seinen Einzug in Prätoria halten. D-We „Central News" wird gemeldet, daß General French eimE?
Und niederbeugte er sich über die Todte undflüstttls^ mit inniger Stimme: „Dir, Engel, folge ich in beiiv * Himmel!"
— Neustadt (Holstein), 8. Juni. (77 000 geschenkt) Ein eigenartiges Vorkommnis macht in euM^ Ortschaft des Holsteinischen viel von sich reden. DaseldM ,
lebte bis vor kurzem ein älterer, schwer reicher Sanbrot’1 Außerordentlich beliebt, wie er war, hatte er fast a^ Aemter, die in einer ländlichen Gemeinde vorkomnM in Verwaltung. Unter anderm war er auch mit H Hebung der Gemeindelasten betraut, ließ jährlich nungsmäßig die Steuerzettel verteilen und zahlte laufet was eben zu zahlen war. Am Jahresschluß war all^ wie es auch nicht anders zu denken war, in der gröM Ordnung. Kürzlich starb nun dieser beliebte Mann,»"'!
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seine beiden Söhne traten inzwischen ihre Erbschaft »"Mxi, Wer beschreibt aber ihr Erstaunen, als sie die Hebelst^ i„, revidierten! Ein großer Theil der Steuerzahler ist W^ Rückstand, und zwar schon seit Jahre», ausgeschriebaM,, Mahnzettel halten keinen Ersolg, und da die beiW bie Brüder sich darüber einig geworden sind, die Sache tilg
sich beruhen zu lassen, sind den betreffenden Steuerpfl'^ tigen nicht weniger als 77 000 Mk. geschenkt worden-