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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Srati-b-Uag-n r3llti stritte* Sonntag-blatt" n.JHnftrirte lanvwirthschaftliche Vettage".

St. 65. Ismerßaz hei 7. Kni

1966.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 5. Juni 1900.

- ausgestellt worden: 1. am 1/5. für den

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Im Monat Mai d. Js. sind dahier folgende Jagdscheine

Kgl. Rentmeister Herrn Schultheis dahier; Musikus Herrn Wilhelm Wenzel in Rotterterode;

Kgl. Waldwärter a. D. Herrn Wilhelm Braun in Biedebach;

Herrn Oberleutnant von Kuczkowski dahier;

Landwirth Herrn Adam Schüler in Beiershausen;

Herrn Leutnant a. D. F. Nebe in Busen­graben bei Vacha a. W.;

Gastwirth Herrn Jakob Nuhn in Nieder- aula;

Bierbrauereibesitzer Herrn Heinrich Engel- hardt dahier;

Landwirth Herrn Heinrich Heiderich II. in Lauten hausen;

Sattler Herrn Jakob Gluth in Asbach. Gastwirth Johs. Kirschner in Lauten- hausen;

Rechtsanwalt Herrn Süntheim dahier; Landwirth Herrn Valentin Lenzin Beiers­hausen;

Kaufmann Herrn Wilhelm Gies dahier; Rentier Herrn Hermann Wolff dahier;

Volontär Herrn Eugen de Grain zu Wilhelmshof;

Schornsteinfeger Herrn Johs. Raake in Friedewald;

Kgl. Oberförster Herrn Thielow in Niederaula;

Forstaufseher Herrn Bernhardt zu Bengen- dorf;

Förster Herrn Radeck in Hilmes;

Kgl. Landmesser Herrn Link aus Hersfeld;

Kgl. Gymnasial-Oberlehrer Herrn Dehn- Hardt dahier;

Geschäftsführer Herrn Peter Schlötzler dahier;

Förster Herrn Schmidt in Friedewald; Kaufmann Herrn Oskar W. Bennert aus Antwerpen;

Kaufm. Herrn Frederic Andreae von da; Kaufm. Herrn Heinrich Volkenand in Friedewald;

von Baumbach'schen Waldwärter Herrn Philipp Paul in Willingshain;

Lehrer Herrn Paulus in Kleba;

Lederfabrikanten Herrn Jean Rechberg dahier;

'31. 22/5. j, Landwirth Herrn Wilhelm Klotzbach II. in Malkomes;

32. am 22/5. für den Schreiner Herrn George Lotz II. in Lengers;

33. Kaufmann Herrn Wilhelm Huth dahier;

34. 31/5. Landwirth Herrn Georg Tobias Hilde­brand in Rohrbach;

35. Herrn Nicolaus Friedrich Lehn daselbst.

Der Königliche Landrath Freiherr von S chleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Eisenach, den 29. Mai 1900.

In Gerstungen ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen Die Schutzmaßregeln sind aufgehoben.

Großherzogl. Bezirksdirektor: Dr. Suden.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, den 5. Juni.

Ihre Kaiserlichen Majestäten machten am Sonnabend, Nachmittags, mit den Prinzen-Söhnen und dem Gefolge, wie au» Potsdam gemeldet wird, einen längeren Spazierritt. Am ersten Pfingstfeier- tage, Vormittags, besuchten Ihre Kaiserlichen M a j e st ä t e n den Gottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam. Lkach dessen Beendigung begatten Sieb Beide Majestäten mit den Prinzen - Söhnen und dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland nach dem Kabinetshaus, um dort Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit dem Kronprinzen einen kurzen Besuch abzustatten. Am zweiten Pfingstseiertage früh fand in der üblichen Weise das Stiftungsfest des L e h r - I n s a n t e r i e b a t a i l l o n s statt. Um 11 Uhr Gottesdienst, demnächst Parade des Bataillons und Speisung vor den Kolonaden der Kommuns. Um 1 Uhr war Gala-FrühstückStafel im Mufchelfaale des Neuen Palais. Nach dem Stiftungsfest nahm S e. Maje­stät der Kaiser den Vortrag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, StaatSminister Grafen von Bülow, entgegen, während des Stiftungsfestes militärische Mel­dungen. Heute Morgen machten Beide Majestäten mit dem Kronprinzen von Griechenland sowie den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert einen Spazierritt und wohnten auf dem Bornstedter-Felde dem Exrrziren des 1. Garderegiments zu Fuß bei. In das Neue Palais zurückgekehrt, nahm Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Admiralstabes der Marine, Vizeadmirals von Diederichs, entgegen und empfing um 12 Uhr den Gouverneur von Kamerun, v. Pultkammer,

zur Rückgabe der Orden seines verstorbenen Vaters. Anschließend daran empfing Se. Majestät den Vertreter des deutschen Brennerei-Gewerbes Gans Edlen Herrn zu Putlitz.

Der französische Chauvinismus ist neuerdings wieder üppig ins Kraut geschossen. Nament­lich ist die Nationalisten-Preffe von wildem Deutschenhaß erfüllt. Mit großem Raffinement wird der Versuch ge­macht, allerlei Keile in den Dreibund einzutreiben, bald die Italiener aus uns, bald Oesterreich gegen Italien, bald den Kaiser Franz Joseph gegen die deutsche Politik u. s. w. zu hetzen, mißtrauisch zu machen und einzu- nehmen. Daß bei allen diesen Versuchen das französische Ministerium des Aeußern die Hand mit im Spiele hat, unterliegt keinem Zweifel. So sind verschiedene, theils wirkliche, theils aufgebauschte, theils erfundene Begleit- Erscheinungen der Reise des italienischen Kronprinzen nach Berlin gerade von solchen Pariser Zeitungen, die demQuai d'Orsay notorisch nahe stehen, und die über auswärtige Politik nichts zu bringen pflegen, was dort nicht genehm ist, dazu benutzt worden, um in die italienische Presse eine Menge Bosheiten gegen die deutsche Regierung und den Berliner Hof zu lancieren. Noch auffaUenb.erJfi,. ^^ offiziöse Tele-

graphen-Agentur, die erst recht nicht wagt, in auswärtigen Dingen eigenmächtig vorzugehen, die anläßlich der jüngsten Berliner Feste gehaltenen Kaiserreden durch Weglassen der für Italien freundlichen Stellen geradezu gefälscht hat. Auch der Umstand läßt tief blicken, daß jetzt wieder bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit von der Presse der alte französische Lehrsatz aufgewärmt wird, daß Oesterreich-Ungarn bei dem Tode Kaiser Franz Josefs auseinander fallen müsse, und daß man in Berlin nur auf diesen Moment warte, um in die Liquidation der Habsburgischen Monarchie einzutreten. Die Wirkung aller dieser gegen uns, bald an die Adresse der öster­reichisch-ungarischen, bald an die der italienischen Presse gerichteten Bosheiten läßt sich natürlich nicht abschätzen; aber ganz ohne Wirkung werden sie schwerlich bleiben. Wird dann auch später, wie in dem Falleitalienische Kronprinzen-Reise" undBerliner Kaiser-Reden" der Schwindel aufgedeckt, so tröstet man sich in Paris, und zwar mit Recht damit, daß selbst von den handgreiflichsten Lügen und den unsinnigsten Verleumdungen, wenn sie von gewissen Pariser Zeitungen ausgehen, immer etwas hängen bleibt". Eine wesentliche Hilfe hat die Nationa- I listen-Presse in den militärischen Fachblättern erhalten,

Virginia.

Erzählung von Emil Element.

(Fortsetzung.)

Virginia hatte nicht verstehen können,was Arta zu Marius gesprochen hatte. Gleich als die verhüllte Frauengestalt den Kerker betrat, war sie von beängstigendem Unbehagen »befallen worden. Die Ahnung einer Gefahr beschlich sie. «Mit erschreckte», weit aufgerissenen Augen hatte sie nach Mden beiden gesehen.

8 Als sie die Blässe, das Entsetzen auf Marin»' - Gesicht gewahrte und seinen leidenschaftlichen Ausruf ""nahm, überkam sie eine grauenhafte Furcht. Bleich A und zitternd starrte sie nach MariuS, der finster zur Erde i blickend dastand. Er schien zu überlegen.

.-Virginia, süßer Liebling I* begann er rasch entschlossen, noilaufl seinen Arm zärtlich um ihre Schulter und strich l'edkosend wie beruhigend über der Kleinen Wange:Ich wuß dich für eine kleine Weile verlassen ! Sei unbesorgt, b°ld kehre ich zu dir zurück und bringe dir die Freiheit."

Bei dem WorteVerlassen" begann Virginia zu intern.

, »Verlassen ? du gehst fort ?" stammelte sie in boaifier Bestürzung.Mariu», gehe nicht von mir I bleibe bei mir! Bitte, bleibe bei mir I Ich fürchte so!" und sie klammerte sich in großer Angst an Marin» an.

»Sterben ich weiß!" stieß sie beinahe kreischend

aus. ^Bleibe bleibe ohne dich werde ich sterben müssen !" flehend rief sie es, in herzzerreißender Todes­angst ihre zarte Gestalt an ihn schmiegend, ihre Augen flehend zu ihm emporhebend.

Bleibe ruhig nein nein nicht fürchten gleich bin ich zurück!" In steigender Er­regung Halle MariuS, sich Gewalt anthuend, diese Worte hervorgestoben. Dann riß er sich los und stürzte, von Arta gefolgt, zur Thüre hinaus.

Ein eisig kalter Hasserblick Artas hatte Virginia bis in da» Mark getroffen, als sie bis an die Thüre nachgeeilt war. Dieser grausame Blick dann war die Thüre mit Getöse zugefallen und Virginia war allein.

Wie vernichtet blieb sie einige Sekunden aufrecht stehen. Dann brach sie überwältigt von der Heftigkeit ihrer Gefühle zusammen.

Aus die Kniee war sie gefallen; schlaff hingen die Arme an ihrem Körper herab, der Kopf war aus die Brust herabgesunken.

Marius! Marius I" rief sie endlich tief schmerzlich aus.Er ist fort er hat mich verlassen!"

Sie hob die kettenschweren Hände an ihre glühende Stirne empor. In unerträglicher Pein preßte ihr ein einziger Gedanke da» Gehirn, die Brust zusammen.

Wieder sprang sie vom Boden aus. Die Hände auf die Brust gepreßt, nach Atem ringend, keuchend lief sie im Kreise herum.

Ihr ganzes Sein, jeder Nerv, jeder Blutstropfen, jede Muskel ihres jugendlichen Körper« trieben sie in

dem Verzweiflungskampfe ihrer Seele wie sinnlos in ihrem Gefängnisse umher.

Einige Zeit währte dieser furchtbare Nervenkampf, dann löste er sich mit einem gewaltigen Schrei. Sie blieb endlich stehen. Ihre Zähne schlugen aber noch auf­einander, und ihre Glieder schüttelte ein kalter Fieber­frost. Unwillkürlich hüllte sie sich in ihre Stola ein und kauerte sich auf den Steinsitz nieder.

Langsam wurde sie ruhiger. Thräne um Thräne brach sich aus ihren Augen Bahn. Sie begann zu weinen, und so weinte und weinte sie ihre unsägliche Qual aus. Als endlich auch die Thränen versiegt waren, blieb sie regungslos auf ihrem Steine sitzen und starrte vor sich auf die Erde.

Sterben/' murmelten ihre Livpen,ich soll sterben !"

Langsam wiederholte sie das gräßliche Wort immer und immer wieder. Sie erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Jetzt erst schien ihr die Bedeutung eines nahen grauenhaften Martertodes klar zu werden.

Marius hatte ihr Hoffnung machen wollen. Sie aber wußte, daß sie verloren fei. Wieder wollte die Verzweif­lung sich ihrer bemächtigen. Kalte Tropfen traten ihr auf die Stirne, ihre Lippen wurden blau, tiefe dunkle Ringe legten sich um ihre Augen.

Da plötzlich brach ein Lichtschein durch das vergitterte Loch oben an der Mauer. In der lautlosen stille der Nacht klangen leise die Worte an ihr Ohr:Bete zu dem Herrn! Er wird dich nicht verlassen!"

Virginia hob den Kopf und horchte.