Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen r „IUnftrirter Sonnragsbiatt" u. „Alluftrirte landwirthschaftliche Verlage".
Sr. 03.
Donnerstag hu 31. Mai
1900.
Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Wustrirtes Somitagsblatt" ™» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Lx- pedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hertzseld, den 17. Mai 1900.
Die diesjährige Abgeordneten-Versammlung des Feuer- wehr-KreiSvereinS wird amSonntagden 10. Juni, N a ch m i l t a g s 2 U h r in der Z i n n 'schen G a st - wirthschaft zu Philippsthal abgehalten.
Die Herren Ortsvorstände wollen dafür Sqrge tragen, daß an dieser Versammlung sowie auch an den zu« künftigen Versammlungen je ein Abgeordneter der Feuerwehr sich betheiligt.
Die entstehenden Reise- und Zehrungekosten sind aus der Gemeindekasse zu vergüten.
I. 3113. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 16. Mai 1900.
Für den am l. November 1882 zu Hersfeld geborenen Handlungsgehilfen Jsidor Goldschmidt ist um Entlassung aus dem Preußischen Slaatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. 3060. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegietungS-Rath.
Ziegenhain, den 22. Mai 1900,
Die Maul- und Klauenseuche in Weißenborn ist erloschen. Die angeordneten SicherheitSMaßregeln sind aufgehoben.
Der Landrath. I. V.: B r u n n e r.
Virginia.
Erzählung von Emil Element. (Fortsetzung.)
VI.
Nachdem Marius Virginia zum Gefängniß begleitet hatte, war er zur Basilika Julia zurückgekehrt. Er fand sie leer.
Wenige Minuten hatten genügt, um dem Forum sein alltägliches Aussehen wiederzugeben.
Die Behörden, da« Volk gingen ihren gewöhnlichen Beschäftigungen nach, des Schauspieles, dem sie angewohnt hatten, kaum mehr gedenkend. Es war eben für die einen eine lästige Beruf-erfüllung, für die anderen ein abwechslungsbietender Zeitvertreib gewesen.
Marius, dessen ganzes Sein schon mit dem Geschicke des Hirtenkindes verwoben war, berührte das alltäglich ruhige Aussehen seiner Umgebung peinlich. Der Stolze, Unabhängige sühlle sich zum erstenmal in seinem Leben schwach und ohnmächtig einer schweren Sorge gegenüber, fühlte zum erstenmal das Bedürfniß nach dem Beistände anderer.
Ratlos irrte er eine Weile durch die Stadt. — Was sollte er beginnen? An wen sollte er sich um Hilfe wenden 's
Zu klar war während der Gerichtsverhandlung der tückische Haß der Priester gegen die neue Sekte hervor- getreten.
Er wußte, wessen sie fähig waren, diese falschen P iestec
Politische Nachrichten.
Berlin, 29. Mai.
S e. Maj. der Kaiser hörte am Sonntag Morgen während dir Rückfahrt nach Berlin den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff, und traf um 7,40 früh in Berlin auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Vormittags besuchten Beide Kaiserlichen Majestäten den Gottesdienst in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche. — Am Montag Morgen hatte Se. Majestät der Kaiser während des SpaziergangeS im Thiergarten eine längere Besprechung mit dem Hofgartendirektor Geitner, hörte daraus im Auswärtigen Amt den Vortrag des Staatssekretärs, StaatSministers Grafen v. Bülow und im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Hivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus, des Chefs des Marinekabinets, Vize- Admirals Freiherr» v. Senden-Bibran, sowie des Staatssekretärs des Neichs-Marineamt«, StaatSministers Tirpitz. — Heute Morgen von 8 Uhr ab exerzierte Se. Majestät auf dem Tempelhofer Felde die 2. Garde-Jnfanterie- Brigade und nahm das Frühstück beim Offizierkorps des Garde-Füsilier-RegimentS ei».
Der Staatssekretär des RcichS-MarineamlS, Vice- Admiral Tirpitz, hat sich heute in Begleitung des Kapitäns zur See HarmS, der Fregatten-Kapiläne Capelle und Kalau von Hofe und des Oberleutnants j. S. Kranz- bühler zur Besichtigung der Werft und der Garnison- Anstalt nach Kiel begeben.
Der Reichstag hat, ehe er in die Ferien gegangen, ein bedeutungsvolles Stück sozialpolitischer Arbeit zum Abschluß gebracht. Die Verabschiedung der Gesetzentwürfe betreffend die Abänderung der Unfallversicherungsgesetze und der Gewerbeordnung ist eine positive Leistung, durch welche die laufende Session den Charakter eines Marksteins in der Entwickelungsgeschichte der staatlichen Sozialpolitik empfängt. Die Unsallveisicherungs- gesetze sind durch die an ihnen vorgenommenen Abänderungen theilweise auf eine ganz neue Grundlage gestellt worden. Es sind aus ihnen Mängel entfernt worden, die, je länger sie bestanden, desto empfindlicher sich bemerkbar machten; es sind aber gleichzeitig auch Neuerungen in Geltung gefetzt, deren Einführung auf Grund der praktischen Erfahrungen sich als empfehlenSwerlh erwiesen hat. Die Novelle trägt dem vielfach hervor-
eineS falschen Glaubens, und immer mehr schwand sein Mut und seine Hoffnung.
Das Kind mit Hilfe seiner Sklaven und Klienten und Freunde befreien? Konnte er auf Erfolg eines solchen Wagestückes hoffen — durfte er von andern ein derartiges Opfer fordern? — Den Kerkermeister bestechen um sie frei zu bekommen? Er hatte den Gedanken kaum gedacht, so mußte er ihn schon verwerfen. — Wußte er doch zu gut, daß der Kerkermeister mit seinem eigenen Leben für die gefangenen Christen zu bürgen hatte.
Ein einziges Mittel fand Marius in dieser Not, die Bestechung der Richter. Schwer wurde es ihm in seinem! hohen Ehrgefühl, ein solche« Mittel zu wählen. Der Gedanke an die Gefahr, in der Virginias Leben schwebte, vermochte es, in ihm dem Widerwillen zu Überwinden, den er gegen eine so niedrige Handlungsweise empfand.
Nur einen Gedanken, einen Wunsch hegte er noch : das Mädchen zu retten, und sollte er sein ganzes Vermögen darauf verwenden müssen. Sie durfte nicht verurtheilt werden zum Tode, zu dem Martertode, der ihren reinen, keuschen jungfräuliche» Körper den Blicken des rohen Pöbels aussetzte.
Marius schauderte es beim gräßlichen Gedanken. Er wußte ja wohl, daß, um die Qual des Tode« für junge Mädchen zu vergrößern, sie nackt den wilden Thieren vorgeworfen oder durch die Straßen geschleift wurden.
Sein letzes Zögern war überwunden. Zuerst ging er
getretenen Wunsche nach einer Ausdehnung der Unfallversicherung sowohl in Bezug auf den Kreis der ver- sicherungSpflichtigen Personen als auch in Bezug auf die von den bisherigen Versicherten zu verrichtenden Arbeiten Rechnung. In dem Umfange und in der Feststellung der Entschädigungen ferner sind eingreifende Umgestaltungen erfolgt. Die finanziellen Unterlagen des Gesetzes sind verstärkt und neu geordnet. In dem Abschnitt über die Unfallverhütung ist eine Reihe schwerwiegender Abänderungen vollzogen worden. Daneben find viele technische Verbesserungen in allen Theilen des Gesetzes durchgeführt worden. Das Gelingen des Reformwerkes war bedingt von dem Verzicht der Parteien auf die Verwirklichung mancher Sonderwünsche. Schließlich aber hat die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit und Dringlichkeit der Reform auch diejenigen Bedenken zurücktreten lassen, die seitens der zunächst betheiligten Jnteressentengruppen noch bis zur dritten Lesung geltend gemacht worden sind. Die Gewerbenovelle bedeutet gleichfalls einen wichtigen sozialpolitischen Fortschritt. Indem den Angestellten des Handelsgewerbes eine reichlich bemessene Ruhezeit verbürgt und den Ladeninhabern durch die gleichzeitige Schließung der Läden eine Begrenzung des Arbeitstages gewährt «ird^.ist,MA ^ryM Male, eins Regelung der Arbeitsverhältniss? für Berüfskreise eingeleitet worden, die bisher vielfach unter Ueberanstrengung zu leiden gehabt haben. Im Anfänge, solange die Einführung der obligatorischen Ladenschlußstunde noch nicht sich völlig .eingelebt hat, werden voraussichtlich einzelne praktische Unzuträglichkeiten aus der Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen sich ergeben. Solche verhältnißmäßig untergeordnete Unbequemlichkeiten werden aber in den Kauf genommen werdest müssen um der hohen ideellen Vortheile willen, die vielen Hundertlausenden in Zukunft aus der Neuerung erwachsen müssen. Bekanntlich hatte die Regierungsvorlage nur den fakultativen Ladenschlnß in Aussicht genommen. Der Reichstag aber hat sich dahin entschieden, daß die Schließung der Läden einheitlich und reichSgesetzlich angeordnet werden soll. Zweifellos hat im Laufe der parlamentarischen Erörterung die Auffassung in breiterem Maße Eingang gewonnen, daß die dem strengeren Prinzip entgegenstehenden Bedenken nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein dürfen. Diese Ueberzeugung wird, wie anzunehmen, allmählich auch das Publikum durchdringen, welcher in dem Neuen zunächst eine Beeinträchtigung alter Lebensgewohnheiten
zu seinen Freunden und Standesgenossen, den Senatoren, die mit zu entscheiden hatten. Oft hatte er ihnen aus Geldverlegenheiten geholfen und nie Dank dafür beansprucht.
Er war das erste Mal, daß er auf ihre Erkenntlich- keit hoffte.
„Ihr habt mir oft verfiltert," so sprach er zu ihnen, „daß ihr glücklich wäret, mir einen Dienst erweisen zu können. Jetzt bietet sich die Gelegenheit dazu. Die junge Christin, die gerichtet werden soll, hat mir eine so tiefe Neigung eingeflößt, daß ihr Tod mich schmerzlich treffen würde. Ich verlange nichts andere« von euch, als daß ihr gewissenhaft nach eurer Ueberzeugung euer Urtheil fällt. Ich sah, mit welchem Mitl eid, mit welcher Rührung ihr das arme Kind während der Verhandlung im Gerichtssaal betrachtet habt. Nicht euer Herz allein, euer RechtlichksitSgefühl sträubt sich dagegen, ein Kind von kaum 15 Jahren zum Tode zu verurtheilen, weil sie aus Edelmuth andere vom sicheren Tode erretten wollte."
So eindringend und überzeugend wußte Marius es seinen Freunden darzulegen, daß die meisten ihm zusagten, das Mädchen nicht zum Tode zu verurtheilen.
Das machte ihm Muth.
Zu denen unter den Richtern begab er sich sodann, die er in mißlicher Lage wußte. Auch bei ihnen verstand er, die rechte Seite ihres Gemüthes erklingen zu lassen.
Den Vätern brächte er die Kinder vor bte Augen.