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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 25. Mai 1900.
An umgehende Einzahlung der Betriebs» steuer und der ersten Kreissteuerrate pro 1900 zur hiesigen Kreiskommunalkasse wird hierdurch erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr vp.n S ch l e i ni tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Politische RachriHMl.
Berlin, 26. Mai.
Zu der gestrigen Frühstückstafel bei S r. M a j e st ä t dem Kaiser waren, wie aus Wiesbaden berichtet wird, die Herren geladen, welche gestern Vormittag an der Konferenz, betreffend die neue Bahnhofsanlage, theil- genommen hatten. — Später fuhr Se. Majestät der Kaiser zu Wagen zum Besuche der Torpedoboote nach Mainz, wo Allerhöchstderselbe gegen 2 Uhr eintraf. Um 6 Uhr Abends kehrte Se. Majestät nach Wiesbaden zurück. Die Rückfahrt erfolgte gleichfalls zu Wagen. Ueberall bereitete das Publikum, welches in dichten Schaaren die Feststraße säumte, Sr. Majestät stürmische Huldigungen. An der Tafel bei Sr. Majestät dem Kaiser, welche nach 6 Uhr stattsand, nahmen auch der Kronprinz von Griechenland und die Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe Theil. — Im Hoftheater wurde auf Allerhöchsten Befehl „Unbine" in der Wiesbadener Bearbeitung gegeben. Von Fanfaren und von Hochrufen des Publikums begrüßt,
Virginia.
Erzählung von Emil Element.
(Fortsetzung.)
„Ich aber berufe mich auf des Obersten Gebote, der uns des Kaisers Willen streng eingeschärft hat. MariuS Antonius schilt und droht und verspricht, als das alles nichts nützt, daß er für uns einstehen würde — er sei mächtig und einflußreich. Wir aber lassen uns nicht beirren unb führen trotz des Widerstandes des Ritters unsere Gefangene in den Kerker ab. Marius Antonius begleitet da« Mädchen bis dahin, tröstet sie und ver- spricht ihr seinen Beistand. Sie schluchzt leise und ruft immerzu: „Marius, verlasse mich nicht! — Verlasse mich nicht!"
„Das ist die Wahrheit, die alle meine Soldaten be- jeugen können."
Nach dem Prätorianer wird Marius Antonius als Zeuge ausgerusen
Virginia befällt ein heftiges Zittern. Ganz blaß geworden, blickt sie unausgesetzt nach Marius. Es bangte ihr, daß Marius um ibretwillen Unangenehmes wider- sahren könnte.
Mit angehaltenem Atem hörte sie in größter Spannung zu.
„Marin« Antonius!" wendet sich der Richter i» höflicher Weise an den Patrizier. — „Gieb deine Zeugenschast! Warum wolltest du das Christenmädchen befreien ?"
Buh 6« 29. Mai
erschien Se. Majestät in der großen Loge. Rechts von Allerhöchstdemselben nahm die Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, links der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Kronprinz von Griechenland Platz. Nach der Vorstellung reiste Se. Majestät der Kaiser nach Schlett- stadt ab. Vereine bildeten mit Fahnen und Fackeln Spalier, die Stadt hatte illuminiert, und dichtgedrängte Menschenmassen füllten die Straßen und begrüßten Se. Majestät beim Vorbeifahren enthusiastisch. — Heute Vor» mittag 8 Uhr traf Se. Majestät in Schlettstadt ein und begab Sich alsbald mit dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg und dem Gefolge unter dem Jubel der Bevölkerung zu Wagen nach der HohkönigSburg.
S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r ist heute Nachmittag kurz nach 2 Uhr von Schlettstabt mit dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg in Straßburg einge- lroffen. Se. Majestät wurde am Bahnhof durch den Bürgermeister Back und den Polizeipräsidenten Dall empfangen und fuhr alsdann durch die festlich geschmückten Straßen mit dem Statthalter nach dessen Palais, wo Frühstückstasel stattsand.
Das „Militär-Wochenblatt" veröffentlicht den Wort» laut der Ansprachen, die S e. Majestät der Äai.f er am,6. Mai d. ^.' im Pfeilerfaale des hiesigen Königlichen Schlosse« am Geburtstagstisch Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen gehalten hat. Die Ansprache an die Abordnung des Grenadier- Regiments Nr. 1 lautete: „Ich habe in Würdigung der Bedeutung des heutigen Tages beschlossen, Meinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, a la Suite Ihrer Regiments zu stellen, — des Regiments, welches dem Herzen Meines hochseligen Herrn Vaters so nahe gestanden hat und auf das Er ganz besonders stolz war, wie dies einst auf den Festtagen in Königsberg inmitten des Regiments so warm zum Ausdruck kam. Ich habe daher auch weiter beschlossen, dem Regiment den alten Namen „Kronprinz" wieder zu verleihen, — den Namen Kronprinz, den Mein Herr Vater zu so hohen Ehren gebracht hat, — den Namen, unter dem das Regiment mit Auszeichnung vor dem Feinde bestanden hat, mit dem es in seiner Heimaths- provinz Ostpreußens stets weiter genannt worden ist, und der auch im Regiment selbst im Stillen fortgelebt hat. Das Regiment wird den Namenszug König Friedrichs III. weiter tragen. Damit der Name König Friedrichs III. aber auch in der Infanterie Meines Heeres erhalten bleibt, geht dieser Name auf das Grenadier- Regiment Nr. 11 über, welches Mein hochseliger Vater
»Weil ich das Recht dazu hatte. Sie war und ist noch als Sklavin mein Eigenthum. Ich hatte sie ohne Förmlichkeit freigegeben — da« ist wahr. Doch nach dem Wortlaut der Gesetze, die Ihr wohl am besten kennt, hat die Freilassung keine Giltigkeit, bevor die Bedingungen, die sie erheischt, nicht erfüllt sind. Meinem Willen und unserem Uebereinkommen »ach war da« Mädchen freigelassen, nach den bestehenden Gesetzen aber war sie meine Sklavin, nachdem ich sie vor Zeugen der Olympia abgekauft hatte. Uns, den Herren. steht allein das Recht zu, über Leben und Tod unserer Sklaven zu verfügen. So war ich vollkommen berechtigt, da« Kind als mein alleinig Eigenthum von den Prälorianern zu- rückzufordern. Und so bestehe ich auf meinem Recht, vor euch, ihr Richter, im Angesicht der höchsten Staatsbehörden und des ganzen römischen Volkes!"
Stolz und selbstbewußt hatte Marius das gesagt. Eine Bewegung ging durch die Anwesenden. Virginias Mut kehrte zurück, als sie des Marius stolze Haltung vor den Richtern sah.
In begeisterter Verwunderung und Dankbarkeit schaute sie zu ihm hin.
„Du scheinst also nicht zu missen, Mariu«, daß nach des Kaisers letzten Verordnungen auch die Sklaven, die sich zur neuen Lehre bekennen, als staatSgefährliche Aufrührer den Behörden unterstehen und von ihnen gerichtet werden sollen!"
„Ich werde trotzdem meinen Willen durchsetzen!" antwortet Marius fest und ruhig.
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1990.
als Kommandeur befehligt hat. Ich stelle den Kronprinzen ä la suite des Regiments Kronprinz in der Hoffnung, daß er, wenn er die Charge eines Obersten erreicht haben wird, auch Chef des Regiments werden wird."
Die Ansprache Sr. Majestät des Kaisers an des Kronprinzen Kaiserliche und Königliche Hoheit hatte folgenden Wortlaut: „Du thust heute einen wichtigen Schritt ins Leben. Der Rang des Kronprinzen ist durch Deinen hochseligen Großvater, der die längste und wichtigste Zeit seines Lebens in dieser Stellung gewesen ist, so emporgehoben, daß es der Arbeit eine« Lebens und Deiner ganzen Manneskraft bedürfen wird, um diese Stellung so zu erhalten, wie sie seit Deinem Großvater im Herzen des deutschen Volkes und der Armee fortlebt. Zuerst als Kronprinz von Preußen, dann als Kronprinz des Deutsche» Reiche«, als dieses im Jahre 1870/71 zusammengeschweißt war, ragt diese herrliche Gestalt, die zuletzt so unsagbar gelitten, in der Geschichte, lebt sie im Herzen des Volkes als der Kronprinz par exellence. Das Ansehen, welches Dein Großvater der Stellung des Deutschen Kronprinzen in der Welt und bei seinem Volke verschafft hat, ist für Dich ein Erbtheil, welches Du ungeschädigt zu erhalten und zu mehren hast. Mache es Dir klar, daß Du Deiner ganzen Manneskraft bedarfst, um dieser hohen und schweren Aufgabe gerecht zu werden. — Das ist der Gedanke, der mich bewegt, wenn ich Dich heute in persönliche Beziehungen zum Regiment Kronprinz bringe."
Die durch ein Wiener Blatt verbreitete Meldung, daß Se. Majestät der Kaiser in Begleitung Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit des Kronprinzen im kommenden September einen Besuch am Wiener Hof abstatten werde, ist, wie die „N Allg. Ztg." erfährt, nicht begründet.
Aus Karlsruhe, 25. Mai, wird gemeldet: Der Bronchialkatarrh, an welchem Se. Königl. Hoheit der Großherzog leidet, ist in andauernder, aber langsamer Besserung begriffen. Der Großherzog wird noch längere Zeit schonungsbedürftig bleiben.
Deutsche Blätter verzeichnen eine Meldung des „Manchester Guardian", wonach Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz Indien besuchen werde, weil Se. Majestät der Kaiser den Wunsch habe, daß der Kronprinz die Grundsätze kennen lerne, nach denen England seine östlichen Besitzungen regiere. Der Vizekönig von Indien habe von diesem Wunsche Seiner Majestät Mittheilung erhalten. Wir können, schreibt die
„Noch eine Frage habe ich an dich zu richten," wirft schnell der Richter ein, als hätte er des Marius un- ehrerbietige Worte nicht gehört. „Nach des Juden Jsaak Aussage hast du mit Cicindella das Haus der Olympia verlassen und hast dich mit ihr in die Katakomben be- geben. Warum hast du das gethan?"
„Ich wollte das arme Kiud vor Ungemach beschützen, sie des Nachts nicht allein durch die Stadt gehen lassen. In die Katakomben stieg ich aus reiner Abenteuerlust hinab. Mich reizte es, zu wissen, was an den Gerüchten, die über die neue Religion im Umlauf sind, Wahres sei." '
„Nun, möchtest du nicht kundgeben, was du dort mit angesehen hast?"
„Ich sehe es sogar als meine Pflicht an, hier vor allen zu erklären, daß ich weder Staatsgesährliches, noch Aufrührerisches bei den Christen vernommen habe."
„Wie so, Marius Antonius? Du wirst es doch nicht wagen, die ruchlosen Verbrecher zu vertheidigen?
„Bei Jupiter, dem Mächtigen, fällt eS mir nicht ei», solche« zu thun. Ich will nur, wie es das hohe Gericht erheischt, genau da« schildern, was ich dort gesehen und vernommen babe."
Eine große Unruhe schien sich der Priester zu bemächtigen.
Auf den Gesichtern der übrigen Anwesenden aber malte sich die gespannteste Neugierde.
Jm Gerichtssaal befand sich noch ein Wesen, das mit gespanntester Aufmerksamkeit der Verhandlung und