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Gratisbeilagen:^Unftrirtes Konntagrblatt" «.^llnftrirte landVivthschaftliche Vettage".

Sr. 54.

ImM den 10. Mai

1900.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 5. Mai 1900.

Mit Bezug auf das Ausschreiben vom 24. April d. Js. I. A. 1425, Kreisblatt Nr. 49, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die diesjährige Impfung in der Stadt Hersfeld nicht im Hospitale, ? sondern im Saale des Gastwirths Konstantin Otto stattfindet.

Die betheiligten Herren Ortsvorstände haben Vor- iTstehendeS sofort auf ortsübliche Weise zu verüffenl- | lichen.

| A. 1635. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

!* Cassel, den 30. April 1900.

Es sind Klagen darüber laut geworden, daß einzelne I Standesbeamte die die Geburtsanzeige erstattenden Väter D nahezu nöthigen, gleichzeitig auch die Vornamen des A Kindes anzugebe», obwohl die Erwägungen über die k Namensbeilegung noch nicht abgeschlossen sind und mit den Palhen, denen hierbei vielfach eine maßgebende Sie? Wirkung eingeräumt wird, noch keine Rücksprache ge­nommen ist. Es liegt aus der Hand, daß hieraus un- nöthigerweise Mißstimmungen zwischen Eltern und Pathen £ entstehen können und daß das Pathenamt in seiner Werlh- schätzung und Bedeutung Eintrag erleiden kann.

Ich nehme hieraus Veranlassung, den Ministerial- U Erlaß vom 18. Mai 1880 mitgetheilt durch Ober« präsidialerlaß vom 27. Mai 1880 Nr. 2617 in Er- Minnerung zu bringen, wonach es unstatthaft ist, die *** Familienväter zur Angabe der KindeSvornamen zu drängen.

Der NegierungS-Präsident. I. V: von Bremer, j An die Herren Landräthe deS Bezirks, die Königlichen Standesämter in den Städten des Bezirks. A 1.3546.

* * * Hertzfeld, den 8. Mai 1900.

Vorstehendes wird den Herren Standesbeamten des

1 Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

A. 1653. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 30. April 1900.

Nachdem der Kreis Hersfeld vom 1. April d. Js. ab

die Unterhaltung der Landwege übernommen und die Ausführung der Arbeiten auf den Bezirksverband über, tragen, auch die Versicherung der am Landwegebau be­schäftigten Arbeiter gegen Unfälle vom genannten Zeit­punkte ab zu übernehmen beschlossen hat, so wird sich auch die aus Grund der diesseitigen Verfügung vom 30. Januar 1894 I. I. Nr. 445, im Kreisblatt Nr. 13, mit der VersicherungS-Anstalt der Tiefbau-Berufsgenoffen- fchaft in Berlin geschloffene Pauschalversicherung zu ändern haben. Namentlich fallen dabei die sämmtlichen am Landwegebau zu bewirkenden Arbeiten vollständig weg und hat sich die Versicherung nur noch auf die Arbeiten am Feldwegebau zu erstrecken.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden und die Herren Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden daher hierdurch angewiesen, das Erforderliche wegen Abschlusses einer anderen Pauschalversicherung bezüglich des Feldwegebaues mit der bezeichneten VersicherungS- Anstalt alsbald zu veranlaffen.

A. 1563. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

HeiLsei^. de« 8. Mai 1900.

Die Königlichen Herren Octsschulinspektoren deS hiesigen Kreises wollen mir gefälligst umgehend mit­theilen, von wie viel Kindern die Ihnen unterstellten Schulen am 1. M a i d. Js. besucht worden sind und (bei mehiklassigen Schulen) wieviel davon auf eine Lehr­kraft entfallen.

I. 2903. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Hersfeld, den 24. April 1900.

Zur Ausführung des ReichsimpfgesetzeS vom 8. April 1874 bleibt die Eintheilung der Gemeinden des Kreises in Jmpfstationen wie in den Vorjahren bestehen und sind die diesjährigen Impf- und Nachschau-Termine wie folgt anberaumt worden:

1. Station HerSfeld. a Stadt Hersfeld, Impfung.

Impfung: Freitag den 11. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr.

Nachschau: Freitag den 18. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr. b. Stadt Hersfeld, Wiederimpfung und Land.

Impfung: Sonnabend den 12. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr.

Nachschau: Sonnabend den 19. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr.

2. Station Sorga.

Impfung : Freitag den 11. Mai 1900, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau : Freitag den 18. Mai 1900, Nachmittags 4 Uhr.

3. Station Friedlos.

Impfung: Montag den 21. Mai 1900, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau: Montag den 28. Mai 1900, Nachmittags 4 Uhr.

4. Station Obergeis.

Impfung: Dienstag den 22. Mai 1900, Nachmittags 4/* Uhr.

Nachschau: Dienstag den 29. Mai 1900, Nachmittags 4*/4 Uhr.

5. Station Schenklengsfeld.

Impfung; Freitag den 25. Mai 1900, Vormittags 8 Uhr.

Nachschau : Freitag den 1. Juni 1900, Vormittags 8 Uhr. 6. Station Nansbach.

Impfung: Freitag den 25. Mai 1900, Mittags 12 Uhr. Nachschau: Freitag den 1. Juni 1900, Mittags 12 Uhr. 7. Station Philippsthal.

Impfung : Freitag den 25. Mai 1900, Nachmittags 2 Uhr. Nachschau: Freitag den 1. Juni 1900, Nachmittags 2 Uhr. 8. Station A s b a ch.

Impfung: Montag den 14. Mai 1900, Nachmittags 2 Uhr. Nachschau: Montag den 21. Mai 1900, Nachmittags 2 Uhr. 9. Station Unterhaun.

Impfung: Mittwoch den 23. Mai 1900, Nachmittags 3 Uhr. Nachschau: Mittwoch den 30. Mai 1900, Nachmittags 3 Uhr. 10. Station Niederaula.

Impfung: Dienstag den 15. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr. Nachschau: Dienstag den 22. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr. 11. Station Frielingen.

Impfung: Mittwoch den 16. Mai 1900, Vormittags 11 Uhr. Nachschau: Mittwoch den 23. Mai 1900, Vormittags 11 Uhr. 12. Station Kirchheim.

Impfung: Mittwoch den 16. Mai 1900, Nachmittags 1 Uhr. Nachschau: Mittwoch den 23. Mai 1900, Nachmittags 1 Uhr. 13. Station Friedewald.

Impfung: Mittwoch den 30. Mai 1900, Vormittags 9 Uhr. Nachschau: Mittwoch den ü. Juni 1900, Vormittags 9 Uhr. 14. Station Widdershausen.

Impfung: Donnerstag den 31. Mai 1900, Vormittags 10 Uhr.

Nachschau: Donnerstag den 7. Juni 1900, Vormittags 10 Uhr.

15. Station H eringen. Impfung: Donnerstag den 31. Mai 1900, Mittags 1 Uhr.

D i r g i n i a.

Erzählung von Emil Element.

(Fortsetzung.)

Cicindella schien wie vom Blitz getroffen. aufgerissen hatte sie ihre Augen, ihre Brust hob und senkte sich, und ihre Lippen zitterten vor Be­wegung.

Endlich stammelte sie mühsam:DaS ist wohl nur Sch-rz?" Ihre Augen waren dabei mit einem a» t unbeschreiblicher Erwartung auf Marius ge-

Da erhob Marius AntoniuS von neuem die Stimme: !" rf to"n °be meine Zeugen fein ! Die Sklavin Virginia kaufte ich von Olympia, und . . . und schenkte ihr dann Die Frerhert!

ni^?"" ^ sich zu Cicindella hinab, die wie ver- Mäd^n^ "^»t mehr Sklavin bist du, holdes Mädchen Du kann nun beginnen, was dir beliebt ! - bist freigelaffen!" sie »!^"^'° ^ u>ie versteinert. Todtenblaß war - geworden. Mühsam rang sie nach Atem fthre wollte ^"^ blüdtc ^e an das Herz, das ihr zerspringen

L zurinaen"^ ^ °'" 2Bort °°" ihren Lippen los- U bann laut ;^lU' ^re*1 srei!" Anfang» leise 1 Selbe ' Ä '»reit sie es, bis es wie ein ^"bellaut den Saal durchdringt.Frei I"

ruft sie in namenlosem Entzücken und sinkt vor den Füßen des Marius nieder und saßt seine Hände und bedeckt sie mit leidenschaftlichen Küssen. In heftiger Be­wegung stammelt sie auf einmal:Ist es wahr? Ist es nicht ein Traum? O nein du Guter, Edler!" und sie hebt ihr Köpfchen mit hingebender Begeisterung und Dankbarkeit zu ihm empor, und wieder jubelt sie: frei! frei!" Und wie von der Größe ihrer Selig­keit übermannt, erhebt sie plötzlich die Hände und ein Ausdruck verklärter Andacht verbreitet sich über ihr schönes Gesicht.

Mit solch hinreißender Empfindung waren die Jubel­worte Cicindellas hervorgebrochen, daß die Scherze auf den Lippen der Anwesenden verstummt waren.

Marius beugte sich über das stammelnde Kind und flüsterte ihr zu:Wie freut es mich, dich so beglückt zu sehen!"

Olympia indes sagte besorgt zu ihrem Vertrauten: Die Götter seien mir gnädig! Es überkommt sie ihr Irrsinn!"

Sei unbesorgt, Herrin!" schmunzelte vergnügt Euphro- niu«, an seinen leicht errungenen Gewinn denkend, denn er hatte an den Irrsinn Cicindellas selbst nie geglaubt. Führe deine Gäste zum Mahle! Es wird dann alles in das richtige Geleise kommen."

Olympia forderte ihre Gäste auf, ihr zum Mahle zu folgen.

Virginia, willst du beim Mahle dich an meine Seite

| setzen?" frug Marius beinahe zärtlich das Mädchen, das sich vom Boden erhoben hatte.

Freudig folgte Cicindella ihrem' Wohlthäter zu dem Festmahle.

Marius Antonius hob Cicindella in die Höhe und bettete sie auf das Purpurlager an seine Seite.

Als sich die Gäste alle um den üppig gedeckten Tisch niedergelassen hatten, wurden sie von jungen Sklavinnen mit Rosenketten bekränzt, währenddem männliche Sklaven sie bedienten und ihnen die Speisen vorlegten.

Alle gaben sich dem Genusse der Speisen und des Weines hin.

Nur Virginia blickte schüchternd und sinnend auf das nie Gesehene um sich her.

Marius, obwohl er wie die ander» und trank, sah nur das liebliche Kind an seiner Seite. Die besten Bissen ließ er der Kleine» reichen und suchte ihr durch Scherzworte Muth einzuflüßen.

Er reichte ihr seine» Becher, und als sie mit Ihrem Mündchen daran genippt hatte, setzte er den Becher an derselben Stelle an seine Lippen und leerte ihn auf einen Zug.

Das Festmahl zog sich in die Länge. Gericht auf Gericht, Getränk auf Getränk eines kostbarer und seltener als das andere, wurde herumgereicht und von den Gästen mit großem Wohlbehagen genossen.

Allmählich fingen die feurigen Weine an zu wirken. Uebermütiges Lachen freche Rede schallten durch­einander.