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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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St. 48.

Imech- Htn 26. Wril

1966

Veftellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jllllstrirte landivirthschaftl. Beilage" für die M«nate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Vostanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 19. April 1900.

Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landraths- amtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 2443, im Kreisblatt Nr. 20), wonach die AbhaltuNg von Haus- k o l l e k t e n wegen Beschädigungen durch H a g e l s ck l a g nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Orts- vorsiände des Kreises, die Landwirthe in Ihren Gemeinde­bezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschaden hinzuweisen. I. I. Nr. 2605. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, -.geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 24. April 1900.

Unter dem Rindvieh des Ludwig Trost in Gersdorf ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. GehöftS- sperre ist angeordnet.

I. 2659. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Ziegenhain, den 21. April 1900.

Aus der Domaine Schashof ist die Maul- und Klauen­seuche auSgebrochen und Gemarkungssperre angeordnet.

Der Landrath von Schwertzell.

Nichtamtlicher Theil.

Ler Krieg in Sönfrito.

Heute liegen weitere Meldungen vor, die stch auf die Aktionen bei Dewetsdorp und Wepener beziehen. Zu­nächst berichtet dasReutersche Bureau" vom 20. d. M. aus dem Burenlager bei Thabanchu (nordöstlich von Dewetsdorp):Die Kommandanten Dewet und Villiers trafen in der vergangenen Woche in Dewetsdorp ein. Heute Mittag griffen sie die Streitmacht Gatacres an, welche aus etwa 3000 Mann und einer Batterie Artillerie bestand und einige Kopjes bei Richters Farm, im Westen von Dewetsdorp, besetzt hielt. Um 4 Uhr Nachmittags mußte der linke englische Flügel zurückgehen. Das Ge­fecht, in der Hauptsache Schützengefecht, dauerte bis zum Einbruch der Nacht. Die Buren hatten einen Todten und fünf Verwundete. Die Verluste der Engländer sind unbekannt." Dasselbe Bureau veröffentlicht nachste­hendes Telegramm aus dem Burenlager bei Thabanchu vom 22. April:Der Kampf bei der Jammersberg Drift wird Tag und Nacht fortgesetzt. Mittwoch und Donners­tag Nacht hielt das Gewehrfeuer ohne Unterbrechung an. Die berittenen Schützen aus der Kapkolonie verloren von 500 Mann 120, darunter 5 Offiziere." Eine später ausgegebene, aber vom 20. April datirte Depesche eben­daher besagt:Heute früh traf eine Ergänzungssendung von Geschützmunition beim General Dewet in Jammers­berg ein. Dewet hat das Feuer sämmtlicher Geschütze auf einen Punkt des britischen Lagers konzentrirt. Ein britisches Geschütz wurde zerschmettert."

Sodann meldet Feldmarschall Roberts aus Bloem- fontein von gestern:General Rundle berichtet, daß 25 Mann, die mit einem Konvoi »ach Einbruch der Dunkel­heit zu einem vorgeschobenen Posten ausgesandt wurden, vermißt werden. Daher wurden gestern die 11. Division unter General Pole-Carew und 2 Brigaden Kavallerie unter General French den Truppen unter Rundle zu Hülfe geschickt und erreichten Karriefontein, ohne viel Widerstand zu finden. Die Verluste werden, wie folgt, angegeben: 2 Mann todt, 19 verwundet, darunter ein Offizier lebensgefährlich, 11 vermißt. Die berittene In­fanterie Pole-Carews besetzte den Leeuwkop, einen hohen Hügel wenige Meilen von der Stelle entfernt, die sie letzte Nacht innehatte; der Feind verließ den Leeuwkop

in Eile und ließ eine Anzahl Gewehre und einigen Schießvorrath zurück."

Daß Roberts eine so starke Macht, vor allem Reiterei, zu Hilfe sendet, zeigt, wie sehr und wie schnell Rundle der Hilfe bedarf. Jedenfalls stehen die Hilfskolonnen aber erst bei Leeuwkop, kaum auf halbem Wege nach Dewetsdorp, wo Rundle ihrer wartet; und sie haben bereits verhältnißmäßig garnicht unbedeutende Verluste erlitten und werden wohl jeden weiteren Schritt den feindlichen Plänklerschaaren abkämpfen müssen. Man sieht, die Aussichten, Wepener von Bloemfontein aus zu entsetzen, sind keine rosigen! Ein Kabelbericht aus Bloem- sontein meldet soeben noch das Gerücht, daß auch Pole- Carew schon am ersten Tage, also wohl nach der etwas eigenthümlichen Einnahme des Leeuwkop, sich vor feind­lichem Artilleriefeuer zurückziehen mußte; dann stände die Sache noch schlimmer für die Engländer!

Zur Lage in Na tal schreibt man aus Durban:

Die Lage der britischen Truppen in Natal ist eine ganz andere, als die Berichte der hiesigen Blätter sie erscheinen lassen. Ich komme soeben von Ladysmith und habe nach sorgfältiger Beobachtung der gesammten Ver­hältnisse die Ueberzeugung gewonnen, daß das englische Heer in Natal heute ebensowenig wie vor einem Monate an ein energisches Vorgehen denken kann. Die in Lady- smith eingeschlossen gewesenen Truppen sind auch jetzt noch so mitgenommen durch Entbehrungen, Fieber und nicht zum Geringsten durch eine allgemeine Demorali­sation, daß sie als Feldtruppen überhaupt nicht mehr für den nächsten Feldzug in Frage kommen. Beim An­blick dieser Tausende gebrochener, bleicher, schwankender Gestalten drängte sich mir immer wieder die Ueberzeugung aus, daß die Buren von ihrem Standpunkte aus garnichts Klügeres thun konnten, als das Heer Sir Georges Whites einfach eingeschlossen zu halten, und als es ausgehungert und vom Fieber geschwächt war, sich selbst zu überlassen. Hätten die Verbündeten diese Besatzung wandelnder Leichen als Gefangene fortführen müssen, so hätten sie sich eine Last aufgebürdet, die sie in einem Kampfe auf Leben und Tod kaum zu tragen imstande gewesen wären. Tausende derselben wären zweifellos den Folgen der Be­lagerung erlegen, und für alle wäre die Regierung der Republiken moralisch verantwortlich gemacht worden. Daneben hätte ihre Bewachung eine nicht unbedeutende Anzahl in den bevorstehenden EntscheidungSkämpsen un­entbehrlicher Männer erfordert. So fällt diese doppelte

| Virginia.

Erzählung von Emil Element.

(Fortsetzung.)

M Cicindella fühlte ihre Hand von den harten Knochen- I fingern der alten Sklavin umfaßt. Sie folgte ihr durch Gänge und mehrere Räume in ein kleines Gemach. Das H'rtenkind war wie in einen Traum besangen. Nie noch hatte sie ein so reiches, schön geschmücktes Haus gesehen. Marmor, Purpur, Gold und bunte Malereien ®otl falzenden und musizierenden Frauengestalten an den Wanden.

Alles das schwirrte als betäubendes Durcheinander an ihren Augen vorüber. Sie konnte es nicht erfassen und konnte es sich nicht zurecht legen. Die Stift war voll von Wohlgerüchen, und CicindellaS Blick Nichten nach den Blumen umher. Es wurde ihr so schwer im Kopse. Ihre Glieder wollten sich nicht so stink bewegen wie sonst. Eine Angst beschlich sie. Verstohlen schaute sie von der Seite in der Alten Gesicht. ES war ein gutes, altes, verrunzeltes Gesicht.

Olympia wußte wohl, warum sie der alten Alceste so viel Vertrauen schenkte. Sie war treuer als der treuste Hund. Nie hätte sie eS gewagt, an der Handlungsweise ihrer Gebieterin etwas aus,»fetzen, oder gegen ihren Willen zu handeln.

Alceste hatte mit Cicindella, eine einfache Kammer betreten.

Du kannst dich setzen, Kleine!" begann sie freundlich. Ich werde etnümeilen ein Bad bereiten."

Erstaunt schauten die hellen Kinderaugen CicindellaS die Alte an. Als Antwort wies ihr diese einen Sitz in einer Ecke des Raumes an, der nichts anderes als eine Badekammer war.

In e ner Ecke war eine viereckige Vertiefung in den Boden des Gemaches eingelassen. Sie war mit weißem Marmor belegt, und einige Marmorstufen führten in die Vertiefung hinab. Alceste hatte Nöhrenleitungen ausgedeckt langsam füllte sich das Bad mit warmem und kaltem Wasser.

Dann holte sie Leinen- und Wollentücher herbei und stellte Tiegeln mit Salben, Kämme, Bürsten, Scheeren und Feilen auf ein Tischchen zurecht.

Cicindella sah mit der größten Aufmerksamkeit zu. Sie kämpfte mit der Verwirrung, die in ihrem Köpfchen herrschte, nur um alles richtig festzuhalten. Sie meinte, daß Alceste ihr ihre Dienstleistungen weise.

Namenlos war ihre Verwunderung, als Alceste, nachdem sie mit dem entblößten Arme das Wasser des Bades durcheinander bewegt hatte, ihr sagte:Jetzt kleide dich aus, Kind!"

Was was sagst du?* frug Cicindella stotternd.

Ich sagte, du solltest dich auskleiden und das Bad besteigen!"

Cicindella war auf der Marmorbank sitzen geblieben. Sie krümmte sich zusammen, als schauderte sie es, den Be­fehl zu befolgen. Nur ihre Hellen Augen blickten beinahe flehend in das Gesicht der alten Sklavin.

Alceste sah sie verwundert an, dann sagte sie schmunzelnd:Du fürchtest dich wohl gar vor dem Wasser, du kleines albernes Ding! Hast wohl nie ein Bad ge­nommen

Das Gesichtchen CicindellaS überzog eine heftige Röte, und sie schlug die Augen nieder, ohne zu antworte». Eine rührende Schamhaftigkeit lag in der ganzen Hal­tung des Hirtenmädchens. Die Alte aber legte es sich anders aus.

Trotz? das giebt es nicht, Cicindella! sagte sie bestimmt. Du weißt, was Olympia, unsere Gebieterin, besohlen hat! Den Befehlen unserer Herrin müssen wir folgen," fügte sie etwas sanfter hinzu, als wollte sie sich auf gütiges Zureden verlegen.

Es war nicht nötig. Bei den Wortenwir müssen folgen!" war das Gesicht, das eben noch heftigen Widerwillen zeigte, sanft geworden, und CicindellaS Augen sahen wie um Verzeihung bittend zu Alceste auf. Sie erhob sich von der Bank und ohne ein Wort zu sagen, trat sie ganz nahe an das Bad heran. Sie löste die Schnur um ihren Leib und ließ das Hirtengewand über ihre Schultern nieder zur Erde gleiten.

Ihr Körper war von wunderbarem Ebenmaße und liebreizender Anmut. Das Gesicht, die Arme bis an den Ellbogen, und die Beine bis an die Kniee, waren beinahe zu braun verbrannt von der Gluthitze der Campagna- fonne. Der übrige Theil war von rosiger Weiße. Rasch hatte Cicindella ihre Sandalen abgestreift, und behende ließ sie sich in das Wasser des Bades hinabgleiten, als wollte sie sich darin verbergen.