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Sonnabend den 21. Wril

Sratkrbeila-en rIlluftrirter Sonntagrblatt" «.^Uuftrirte landwirthschaftttche Beilage

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

1909.

ErftrS Blatt.

Bestellungen auf das^ Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Zllustrirtes Sonntagsblatt"» Mustrirte laudtvirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal 1900 werden von allen Raiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Caffel, den 31. März 1900

In diesem Winterhalbjahr sind an einer größeren Anzahl, von Baugewerkschulen Vvkklaffen eingerichtet worden, um jungen Leuten, die wegen mangelnder Vor» kenntnisse nicht in die unterste Baugewerkschulklasse aus­genommen werden konnten, Gelegenheit zu geben, die Lücken in ihrem Misten zu ergänzen. Im kommenden Sommerhalbjahr sollen, soweit thunlich, an allen Bau­gewerkschulen solche Vorklaffen bestehen, Es kann daher allen Baugewerklreibenden, die zum Herbst in die Bau­gewerkschulen eintreten wollen und nicht die zum Bestehen der Aufnahme-Prüfung erforderlichen Kenntnisse besitzen, nur dringend gerathen werden, sich für das Sommer­halbjahr zum Besuch einer Vorklasse zu melden.

Der Negierungr-Piäsident: Trott zu Solz. A. II. 3772.

Hersseld, den 18. April 1900.

Unter dem Rindvieh des GutSpächterS Carl Efchstruth zu Frielingen ist die Maul- und Klauenseuche auSge- brochen.

Gehösissperre ist angeordnet.

I. 2569. Der Königliche Landrath

I. V.: Heeg.

Hünfeld, den 14. April 1900.

Die in Großenbach ausgebrochene Maul- und Klauen­seuche ist erloschen.

Der Landrath. I. V.: Lüock.

Nichtamtlicher Theil.

Her Krieg in Siiönfrif«.

®ie Lage im Freistaat ist auch heute völlig ungeklärt. Nach einer Meldung verlautet, die Armee von Robert- habe die Operationen in großem Maßstabe wieder aus­genommen ; diese bezweckten, den Buren den Rückzug nach dem Norden des Freistaates abzuschneiden. Kanonen­donner wurde bereits in der Richtung von Thabauchu vernommen. Doch wenn French wirklich schon zu einem neuen Jagdzuge ausgerückt sein sollte, dann müßte man ber Räumung der Burenstellungen an den Wasserwerken gehört haben; so wird man diese Meldung

4 wohl nur als frommer Wunsch betrachten können.

Eine vernichtende Kritik übt der englische Genera­lissimus Lord Roberts in der Londoner amtlichen Zeitung an den Leistungen der englischen Befehlshaber in Ratal. Diese Kritik über das Verhalten der Generale Warren und Buller am Spionkop erregt in London gewaltiges Au sehen. In maßgebenden Militär!, eisen herrscht die Ansicht vor, durch die Veröffentlichung jener Kritik werde d,e Stellung BullerS unhaltbar gemacht; die Niederleg. unfl seines Kommandos in Natal oder seine Abberufung h selbstverständlich.

Trotz der Wachsamkeit der Behörden zirkuliert in der Kapkolonie ein Ausruf Krügers und Steijns, worin die Kap-Holländer aufgefordert werden, sich dem Kampfe gegen die ihre nationale Freiheit bedrohenden Tyrannen anzuschließen. Aus Beira wird gemeldet: Drei Trans­portschiffe mit 11 000 Mann australischer Buschmänner, 1200 Mauleseln und zahlreichem Material an Bord sind hier eingetroffen. Ein anderer Dampfer mit Eisenbahn- Material ist fällig. Für nächsten Monat werden 22 Transportschiffe hier erwartet; sie werden eine große Menge Vieh aus Südamerika bringen.

Eine interessante Kritik über die Bedeutung der Kämpfe um Wepener liefert ein Militär in denHamb. Nachr.":Können sich englische Truppen in Wepener halten, so kann der burische Ring an der Theilstrecke Sannas Post Reddersburg nicht als geschloffen gelten; erringt Dalgaty überdies die Freiheit der Bewegung, so bedroht er bei weiterem Vorgehen nach Norden die burische Stellung bei Sannas Post östlich von Bloem- soniein. Die Absicht der englischen Heerführung, ihn zu befreien, ist daher nicht nur in dem Wunsch begründet, einen Truppentheil herauszuhauen, sondern in weit höherem Grade durch die Nothwendigkeit geboten, endlich die Freiheit des HandMS. der Bloemsontein wiederzu- gewinnen. Erreichen nun die englischen Entsatz-Kolonnen Wepener und gelingt eS ihnen, die Buren entscheidend zu schlagen, so erlangen sie die Freiheit zu späteren Bewegungen und hiermit die Möglichkeit, den Buren den jetzigen Voitheil der Initiative zu entwinden. Gelingt ihnen nur die Zerstreuung der Burenkräste, so wird an der jetzigen Lage um Bloemsontein nur eine geringe Befferung eintreten. Sieht man auch ganz von einem möglichen großen Erfolge der Buren bei Wepener ab, so wird doch unter allen Umständen wieder der große Vortheil in die Augen springen, den die jetzige Krieg­führung den Buren bietet, und als denkbar geringstes Ergebniß des seitherigen Bedrängens des Obersten Dalgaty durch schwache Burenkräste kann immerhin die dadurch gebotene Nothwendigkeit der Entsendung starker englischer Kräfte, das Jnatemhalten des Feindes und die Verlangsamung der Bewegung seiner Hauptarme« gelten. Weichen die Buren auch fernerhin entscheidenden Schlägen aus, manövrieren sie in derselben vorzüglichen Weise weiter, wie sie seit drei Wochen zu Tage tritt, so ist ein entscheidender Erfolg der englischen Waffln überhaupt nicht abzusehen. Wenn für den militärischen Beobachter der Ausgang des Kampfes um Wepener von großem Interesse ist, so verdient der dabei wahrzunehmende Ueber« gang der burischen Kriegführung zum Guerilla-Kriege eine für die Kriegsgeschichte epochemachende Beachtung; denn noch manches Volk wird um seine Existenz ringen und im letzten Moment zum Volkskriege schreiten müssen. Es scheint uns, als wenn die Buren sich anschicken, Lehr­meister im Volkskrieg zu werden. Bei Festhaltung strategisch wichtiger Linien arbeiten sie zur Zeit mit fliegenden Kolonnen und zwar, je nach Bedarf, in ver­schiedener Stärke. Gegen eine vier- bis fünffach über­legene Armee haben sie dadurch zweifellos den Vortheil der augenblicklichen Initiative errungen. Gelingt es den jetzt lahmgelegten Engländern mittels ihres gewaltigen Nachschubes sich wieder bewegungsfähig zu machen, so können sie durch Vorwärtswälzen großer Massen den Buren wieder ihr Gebot diktieren. In einer gewiffen Entfernung muß dies Vorwärtswälzen aber wieder zum Stehen kommen. Bei der dadurch entstehenden Aus­dehnung in Tiefe und Breite »ertheilen sich die Buren­kräfte auf weitere Räume und auch dies bedingt eine weitere Verkleinerung ihrer jetzigen fliegenden Kolonnen, so daß die allmähliche Entwickelung zum Guerillakriege aufs klarste vor Augen geführt werden wird."

Die beiden Buren Republiken haben eine aus Mit­gliedern der Regierung und der parlamentarischen Körper­schaften in Bloemsontein und Prätoria bestehende Depu. tation nach Europa geschieh, die für baldige Beendigung des Krieges und für Erhaltung der Selbständigkeit der Republiken beim Friedensschlüsse wirken soll. Sie hat

ihren Weg durch Italien nach Amsterdam genommen, wo sie gegenwärtig weilt.

Pvlitisüic

Berlin, den 17. April.

JhreKaiserlichen Majestäten unternahmen gestern Nachmittag eine gemeinsame Spazierfahrt. Zur Abendtafel war Zeremonienmeister v. Hessenthal ge­laden. Heute Vormittag machte Se. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang, hatte darauf eine Konferenz mit dem Unterstaatssekretär Frhrn. v. Richthofen im Auswärtigen Amt und hörte von 10 Uhr ab die Vor- träge des Kriegsministers Generals der Infanterie von Goßler, des Generalinspekteurs der Fußartillerie Ge­nerals der Artillerie Edlen v. d. Planitz und des Ge- neralinspekteurS des JngenieurkorpS Generalleutnants Frhrn. v. d. Goltz, ferner den Vortrag des Chefs des Militärkabinets Generaladjutanten Generals der Infan­terie v. Hahnke. Zum Frühstück folgte Se. Majestät einer Einladung des Ober-Hof- und Hausmarschalls Grasen zu Eulenburg.

Aus 911 tun., pird vom 19. April gemeldet: Der Prinz von Wales traf Abends 10l/4 Uhr aus der Durch­reise nach Lonöo'n hier ein. Er wurde am Bahnhöfe vom Kaiser und dem Prinzen Heinrich herzlichst empfangen. Der Kaiser war kurz zuvor mit dem Sonderzug ange­kommen, während Prinz Heinrich bereits um 71/.2 Uhr eingetroffen war. Auf dem Bahnhöfe war eine kriegs­starke Kompagnie mit Fahne und Musik anwesend. Die Ankunft des Kaisers erfolgte völlig unerwartet, so daß die Ehrenkompagnie, welche den kaiserlichen Sonderzug bei der Ankunft im Rücken hatte, erst zum Kaiserzuge Front machen mußte. Nach herzlicher Be­grüßung begaben sich der Kaiser, Prinz Heinrich und der Prinz von Wales nebst Gefolge in das Fürsten­zimmer, wohin aus dem kaiserlichen Sonderzug Körbe mit Ebwaaren und Getränke geschafft worden waren und wo dann gespeist wurde. Der Kaiser und Prinz Heinrich begleiteten den Prinzen von Wales zum Kölner Zug und küßten ihn wiederholt zum Abschied. Der Kaiser kehrt« unmittelbar darauf nach Berlin zurück, Prinz Heinrich fuhr nach Kiel. Der Aufenthalt des Prinzen von Wales dauerte drei Viertelstunden.

Der Kaiser wird an diesem Sonnabend in Eisenach eintreffen und sich sofort auf die Wartburg begeben, wohin der Großherzog von Sachsen-Weimar am 20. Mittags seinen Hof verlegt. In den Nächten zum Sonntag und zum Montag werden Jagd-Ausflüge nach Wasungen unternommen, und am Montag wird der Kaiser von Wasungen aus direkt nach Dresden reisen, um bei der GeburtStags-Feier des KönigS Albert an­wesend zu sein.

Auf Befehl des Kaisers fand am Mittwoch Mittag im Königlichen Schlöffe in Berlin die N a g e l u n g und die Weihe der dem Garde-Fußartillerie-Regiment und den Fußartillerie-Regimentern Nr. 1 bis 8, 14 und 15 verliehenen neuen oder erneuerten Fahnen statt. An der Feier nahmen das Kaiserpaar nebst den Prinzen und Prinzessinnen, sowie den übrigen in Berlin anwesende» Mitgliedern des Königlichen Hauses Theil.

In Vertretung des bayrischen Prinzregenten wird sich Prinz Leopold zur Feier der Großjährigkeit des Kronprinzen am 6. Mai nach Berlin begeben.

Die Königin der Niederlande sowie die Königin-Mutter begeben sich am 30. d. Mis. nach Arolsen zur Theilnahme an der Hochzeitsfeier der Prinzessin Elisabeth von Waldeck und Pyrmonl. Die Majestäten werden alSdann einige Zeit in Thüringen Aufenthalt nehmen.

Ein großes Garde-Kavallerie -Manöver vor dem Kaiser wird dem Vernehmen nach um die Mitte des Monats August auf dem Truppen-UebungS- platz Alten-Grabow stattfinden. In der ersten Hälfte des Monats August werden dort die acht Garde-Kavallene- Regimenter ihre Uebungen abhalten, welche ihren Ab-