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Depeschen aus Mafeking, die bis zum 5. d. M. reichen; an diesem Tage stand in Mafeking „alles gut".

Der Afrika nderaufstand wird wieder einmal in großen Gebieten „niedergeschlagen". Eine Nachricht aus de Anoir besagt: „Eine fliegende Kolonne der eng­lischen Streitkräfte im Distrikt Carnarvon ist hier nach einem Marsch von 500 englischen Meilen eingetroffen. Der große Distrikt ist innerhalb 5 Wochen beruhigt, die Aufrührer sind zerstreut und ihre Anführer verhaftet worden". Doch steht e» damit vielleicht nicht bester, wie in einem anderen „beruhigten" Bezirk: Am Sonntag wurde der englische Grubenbesitzer Frank Smith von den Buren gefangen, als er aus Barkly West fuhr, das doch mitten zwischen Methuens Truppen liegt! Wie sehr die Engländer noch immer den Ausstand fürchten, zeigt fol­gende Nachricht aus Naauwport: Das Kriegsgericht ver- urtheilte heute zwei Aufständische aus der Kapkolonie zu 5 beziv 10 Jahren Zuchthaus. Die Urtheilssprüche wurden vorher von Roberts bestätigt. Die Gefangenen waren keine Rädelsführer, sondern hatten sich einfach den Burenkommandos angeschloffen. Man glaubt, daß die Urtheilssprüche eine abschreckende Wirkung haben werden. Oder auch die gegentheilige?

Aus Natal wird vom 16. gemeldet: Eingeborene Kundschafter berichten, die Buren aus dem Elandslaagte- Distrikt hätten sich über die BiggarSberge zurückgezogen! Einer Burenabtheilung von Jaggersfarm bei Waschbank sei es gelungen, drei Kohlengruben in der Nähe von Westelsneck durch Dynamit zu zerstören.

Von St. Helena kommen interessante Nachrichten. Am Sonnabend wurde Cronje mit Begleitung gelandet. Am gleichen Tage ist ein neuer Gefangenentransport von 500 Mann in See gegangen. Gestern wurden die Mannschaften des ersten Transports an Land gebracht. Sie sollen wegen Beendigung der Seefahrt und Gesund­heit des neuen Aufenthalts „guter Dinge" sein; 9 wur­den wegen Krankheit ins Spital gebracht. Die Hauptsache aber ist ein Fluchtversuch Schiels. Der Bericht lautet: Auf der Reede von JameStown landete am Sonn­abend ein holländischer Kreuzer. Oberst Schiel und zwei andere Gefangene gaben einem Schiffer Geld, damit er einen Brief auf den holländischen Kreuzer trage. Der Schiffer irrte sich jedoch und brächte den Brief nach dem englischen Kreuzer „Niobe". Schiel und die beiden an­deren Gefangenen versuchten am Abend zu entfliehen, wurden aber verhaftet. In den Taschen von Schiel wurde ein großes Mester gefunden. Am Sonntag Nach­mittag wurde Schiel mit seinen Genossen gelandet und unter Bedeckung nach der Citadelle gebracht. Heute wird aber schon berichtet: Oberst Schiel wurde wieder aus der Citadelle entlasten und zu den Uebrigen nach dem Lager von Deadwoov gebracht.

Aus Transvaal kommen vor allem Nachrichten über dje Befestigung von Prätoria. Wenigstens wird privatim aus Lourenzo Marques gemeldet, die Regierung treffe Maßregeln, um einer Belagerung von zwei Jahren Widerstand leisten zu können. Mehr als 6000 Koffern feien seit Wochen beschäftigt, fast uneinnehmbare Schan­zen um die Stadt zu legen, deren nächste Umgebung überdies völlig unterminiert ist. Die fünf Forts der Stadt sind in vorzüglichem Zustande und mit den schwersten Festungsgeschützen versehen.

Aus Miß und

* (Personal-Chronik) Der Amtsrichter Diehls in Fülda ist zum Amtsgericht-rath, der Regie- rungsbaumeister Behrend in Eschwege zum Krei»bäu- inspektor, der bisherige ordentliche Professor Dr. Hugo Rippert zu Zürich zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg, der bis­herige ordentliche Proseffor Dr. Carl Budde zu Straß- burg in E. zUm ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Universität zu Marburg ernannt worden. Der außerordentliche Proseffor Dr. Eberhard Nebelthau zu Marburg ist in gleicher Eigenschaft in die medizinische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg versetzt worden.

* Nach dem von der Kommission für Arbeiterstatislik veröffentlichten Protokoll über die Verhandlungen vom 12. bis 14. Dezember v. I. hat die Kommission in Bezug aus die A r b ö i t S v e r h ä l t n i s s e i m G astw i r thS - g e w e r b e Folgendes beschlossen : Achtstündige Mindest- ruhezeit, die an 60 Tagen im Jahre verkürzt werden kann. Den Kellnern und Köchen ist jede Woche einmal zwischen 12 Uhr Mittags bis 9 Uhr Abends eine sechs­stündige Ruhezeit zu gewähren, an deren Stelle in Städten von über 10 000 Einwohnern ein voller Ruhe- tag für jede dritte Woche treten kann. Das weibliche Küchenpersonal fällt unter die Gesindeordnung. Mädchen unter 18 Jahren sollen von der ständigen Bedienung der Gäste ausgeschloffen bleiben. Jugendliche Personen unter 16 Jahren sollen von 10 bis 6 Uhr Nachts nicht beschäftigt werden. Die Forderungen der Kellner und Köche: wöchentlicher Ruhetag, neunstündige Mzndestruhe- zeit und tägliche Arbeitspausen sind von dem unlängst in Berlin abgehaltenen Kongreß der GastwirthSgehülfen erneuert worden.

-e- HerSfeld, 18. April. (Vorsicht!) Der Frühlings-Sonnenschein verleitet nur zu leicht, sich im Freien, noch bevor die Bäume mit Laub bedeckt sind, auf Bänken oder gar auf Steinen niederzulassen, um au«- zuruhen und den Aufenthalt draußen aus diese Weise angenehm verlängern zu können. Namentlich sind es auch Dienstboten oder Erziehungr-Gehilfinnen der Hauses, welche, vielleicht selbst ermüdet, auch wohl etwas zu Bequemlichkeit geneigt, sich mit den Kindern niedersetzen.

Das Sitzen im Freien, sei es, wo es sei, auf dem Balkon oder im Garten, muß allezeit mit besonderer Vorsicht verbunden sein. Balkons sind stets zugig, und im Garten oder beim sonstigen Aufenthalt im Freien holt man sich selbst an Sommertagen, z. B. wenn kürz­lich erst ein starker Regen niedergefallen war, ebenso leicht infolge von Erkältung einen Schaden für da» Wohlbefinden. Nun gar erst im April schon, wo der Erdboden theilweise noch die vom Winterfrost darin zurückgehaltene Feuchtigkeit nicht einmal von sich gegeben hat und beständig ausdünstet. In dieser ersten Früh­lingszeit ist daher um so größere Vorsicht geboten. Es mögen die Eltern diesen wichtigen Punkt wohl beachten! Man schärfe den Kindern selbst und deren Begleitern immer wieder und recht eindringlich die Lehre ein, nicht so frühzeitig im Freien sich niederzulaffen. Vor allem aber sei es völlig ausgeschloffen, daß Kinder, wenn sie sich soeben beim Spiel warm gelaufen haben, die erste, beste, schnell zu erreichende Bank zum Ruhesitz erwählen. Nur völlig unkundige Erwachsene, in deren Begleitung die ruhebedürstigen Kinder sich befinden, können ein solches Verhalten billigen oder gar unterstützen. Der Verständige weiß nur zu wohl, was solch ein erhitztes Kind für seine Gesundheit, ja oft für sein Leben riskiert, und tritt deshalb sofort und energisch mit dem Macht­spruch ein: „Nicht sitzen!" Langsamere Gangart, die man erhitzten Rinbern. sodann einschlagen läßt, wobei sie natürlich sich feines Kleidungsstückes endledigen dürfen, bildet die beste Abhilfe, wo es Erholung nach dem Spiel mit mehr oder minder schneller Bewegung gilt, und ein langsamer Rückzug nach Hause. Hier angekommen, werde auch ein rasches Ausziehen der Oberkleider (Ueberzieher, Hut u. f. w.) nur in völlig zugfreien, am besten ge- schlossenen Räumen gebuloet; nicht etwa am offenen Fenster. Eine derartige Unvorsichtigkeit brächte oftmals schon schwere Augenleiden oder gar Erblindung hervor, und selbst sonst überlegt handelnde erwachsene Personen, die nach einem raschen Gange, einem scharfen Ritt, im zugigen Raum die Kleidung sofort und schnell wechselten, trugen infolge von Erkältung Krankheiten der Atmung»- Organe oder der Augen davon und hatten solche Unbe- dachtsamkeit oft im Siechthum oder frühzeitigem Tode zu büßen.

Sontra, 14. April. Von einem harten Schicksals­schlage wurde der Sohn einer hiesigen Familie betroffen. Derselbe war seither in den Gips- und Spatwerken des Herrn Krummhoff thätig. Vorigen Mittwoch versuchte er, einige Mitesser und Knötchen aus dem Gesicht zu entfernen. Wahrscheinlich ist Gips ober Kpatstaub da­rauf in die Wunde gedrungen, denn bald nachher stellte sich Gesichtsanschwellung ein. Obwohl hiesige und aus­wärtige ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wurde, war doch der Bedauernswerthe in wenigen Stunden eine Leiche. Blutvergiftung hatte dem Leben des in den 20er Jahren Stehenden ein Ende gemacht. — Ein starkes Gewitter ging am gestrigen Tage gegen 2 Uhr über unsere Gegend nieder. Daffelbe war von starken Donnerschlägen und furchtbaren. Regen- und Schloßen- güffen begleitet. Die Schloßen waren erbsengroß.

Bebra, 14. April. Der Vorstand des Sparkassen- verbands für den Regierungsbezirk Caffel tritt hier am 21. April er. unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürger­meisters Dr. Gebeschus-Hanau zur Berathung über die diesjährige Hauptversammlung des Hessischen Sparkaffen- verbandes zu einer Sitzung zusammen.

Hofgeismar, 16. April. Der 24jährige Bursche K. aus Hombreffen ertränkte sich in dem „Wildenteich" bei Beberbeck. Es wird vermuthet, daß ein LiebeSver- hältniß zu der unseligen That den Anlaß gegeben habe.

Hanau, 16. April. In unserer Nachbarschaft wurde am Freitag Abend gegen 10 Uhr ein starker Meteor- schwarm beobachtet. Die durchweg hellglänzenden Meteore, etwa 60 an der Zahl, halten als Ausgangspunkt den nordöstlichen Himmel.

Hümme, 17. April. Gestern Abend gegen 8 Uhr ereignete sich in der Nähe des hiesigen Bahnhof» auf der Strecke nach Carlshafen ein gräßliches Unglück. Der 12- jährige Junge des Landwirth» Köhler lief über das Geleise und wurde hierbei von dem heranbrausenden Personenzug erfaßt und übersahren. Der Bedauerns­werthe, dem beide Beine abgefahren waren, war alsbald eine Leiche.

Schlitz. Der Kaiser wird am 24. April zur Auer- Hahnjagd beim Grafen Görtz in Schlitz eintreffen und dort bis zum "26 verweilen.

Maiuz, N. April: Das Programm für die hier stattfindende „Gutenbergfeier" ist folgendermaßen gedacht: Den Beginn des Festes bildet die Eröffnung der typo­graphischen Ausstellung im Kurfürstlichen Schlosse am Sonnabend, 23 Juni, Mittags 12 Uhr. Abend» um 7 Uhr folgt die Aufführung des Händel'schen Oratoriums „Judas Maccabäus" (Chrysander'sche Bearbeitung) in dem Conzerthause der Mainzer Liedertafel. Als Haupt­festtag ist Sonntag, 24. Juni, in Aussicht genommen. Vormittags 10 Uhr wird in der Stadthalle die akademische Feier abgehalten. Die Festrede hält Professor Dr. Köstec- Leipzig. Die Dauer der Feier ist auf 1 •/* Stunde berechnet, so daß dieselbe gegen halb 12 Uhr ihr Ende erreicht. Von der Halle aus begeben sich die Festtheil- nehmer nach dem Gutenbergsplatze, um dem großen Sohne der Stadt Mainz zu huldigen. Nachmittag, um 3 Uhr findet im Gesellschaft-gebäude des CasinoS „Hof zum Gutenberg" ein Festessen statt, und zugleich versammeln sich in der neuen Anlage die Jünger Gutenberg» aus Deutschland und den Nachbarländern. Mit einem Abend» um 8 Uhr in der Stadthalle beginnenden Commerse, bei

welchem die hiesigen Gesangvereine und mehrere Musik­kapellen mitwirken, gehen die Festlichkeiten des 24. Juni zu Ende. Der 25. Juni (Montag) gilt dem historischen Festzuge. Ein großartig gedachtes Costümfest in der Stadthalle und im Stadthallegarten bildet den Schluß des 3. Tages. Für Dienstag, den 26. Juni, ist vor­gesehen : Vormittags um 10 Uhr eine Gelehrtenver- sammlung im kurfürstlichen Schlosse, die sich mit dem zu gründenden Gutenbergmuseum und dessen weiterer Ent­wickelung befassen wird, und Nachmittags um 2 Uhr eine Festfahrt auf dem Rheins. Ueber die Festtage hinaus erstreckt sich die geplante typographisch Ausstellung in den Räumen des Kurfürstlichen Schlosses.

Nordhausen, 16. April. Am Vormittag des Oster­montags hat das inden vierziger Jahren stehende Fräulein Dennecke hier im Irrsinn versucht, ihre alte Mutter, eine Postsekrekärswitwe, mit einem Beile durch Schläge auf den Kopf und dann sich selbst durch Oeffnen der Pulsadern am Arme zu tödten. Beides ist der Wahnsinnigen nicht ge­lungen. Die Tochter ist in das städtische Krankenhaus über­geführt worden, während die Mutter in ihrer Wohnung verpflegt wird. Lebensgefährlich sollen die Verwun­dungen beider Frauen nicht sein.

Bom EichSfelde, 12 April. Ein schrecklicher Un- glücksfall ereignete sich auf der Strafe zwischen Rolls- Hausen ünb Germershausen. Ein Fuhrknecht, dem die Pferde scheu geworden waren, fiel in dem rasenden Laufe und stürzte so unglücklich, daß er auf der Stelle todt blieb.

Verwischtes.

— („A r m e" Leute.) Vor einigen Tagen brach in K e m n i tz eine alte Wutwe in Folge von Hunger zusammen. Die öffentliche Mildthätigkeit nahm sich der „Aermsten", die schon lange wegen ihrer Gebrechlichkeit und der Dürftigkeit ihrer Lebenshaltung allgemeines Mitleid erweckt hatte, an und die Kranke wurde zunächst dem Siechenhaus in Dresden übergeben. Mittlerweile durchsuchte die Behörde ihre Wohnung und fand — 12 000 Mk. in SlaatSpapieren, 1200 Mk. als Quittung eines Dresdner Bankhauses und den Ausweis über eine jährliche Rente, die zum Lebensunterhalt der Frau gereicht hätte! — In gleicher Weise hat der am 12. b. M. im Leipziger Stadtkrankenhause verstorbene 72 Jahre alte Konditor Horn die Oeffentlichkeit zu täuschen gewußt. Vierzig Jahre lebte er anscheinend in den allerärmlichsten Verhältnissen. Im Jahre 1894 wurde der damals 66jährige Mann in herabgekommenem Zustande dem Krankenhause schon einmal übergeben und war mit seiner 72jährigen Ehefrau seit dieser Zeit Kostgänger der Armenbehörde. Als das Ehepaar 1898 im Armenhause untergebracht werden sollte und seine ärmliche Wohnung geräumt wurde, fand die Behörde wohlverwahrt und gut versteckt 1400 Mk. in Saar und für 15 000 Mk. Werthpapierei Wegen Steuerhinterziehung wurde der „arme Zuckerbäcker damals zu 800 Mk. Geldstrafe verurtheilt.

— Berlin, 17. April. Wie die „Danziger Neue­sten Nachrichten" melden, wurde der Kopf des in Konitz ermordeten Gymnasiasten Winter ziemlich gut erhalten von spielenden Knaben in einem Graben gefunden. Der frühere Abdecker J-rarlSki wurde als des Mordes ver­dächtig verhaftet.

— (B e i m H e i r a t S v e r m i t t l e r.) Herr: „Die Dame, die Sie mir empfehlen, ist aber furchtbar klein!" — CommiS (früher in einem Tuchgeschäft): „Allerdings — es ist eben ein Rest'l!"

— (Die höhereTochter auf demLande.) Backfisch (in der Sommerfrische Schweinen beim Fressen zuschauend): „Der Geschmack dieser Thiere liegt doch noch völlig in den Windeln!"

— (Doppelter Schmerz.) Pfarrer: Na Jochen, wie geht'- denn Eurer Frau ? Jochen : Ach, Herr Pastur, die is hüt Nacht gestorive. (Er beginnt zu schluchzen.) Pastor: Nun, dann müßt Ihr Euch fassen und den Schmerz zu ertragen suchen! Jochen: Jo, aber die Gemeinheit is, sie hätt mir nicht gesagt, wo sie ihr gespoarteS Jeld vergrowe hätt I

— (Gemüthlich.) „Sag' mal, Hans, bist Du immer hübsch artig, oder bekommst Du auch wohl Schläge?" (Hans nickt verschämt.) „Wer schlägt Dich denn am meisten, Papa oder Mama?" „Das ist verschieden — wer eben g'rad Zeit hat!"

Telegraptzische Depesche des „Hersfelder Kreisblatt."

Bingen, 18. April. Bei einer Ueberfahrt von Bingen nach Rüde-Heim kenterte gestern ein mit 20 Mit­gliedern der katholischen Studentenverbindung „Rheingau" besetzter Nachen infolge Aufstoßens auf eine Ankerkette und sank. 13 Studenten ertranken, die übrigen wurden gerettet.

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Landesrenterei Hersfeld.