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GratirbeUagen r „^Uuftrirtes Ssnntas-blatt" «. „^Hwftrirte landwirthschaftliche Vettag» ^.
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1906.
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Smmtagsblatt" ™» „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal 1900 werden von allen Aaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 4. April 1900.
Die Vorschrift des § 57 der Bundesrathsinstruktion | vom 27. Juni 1895, daß der Seuche verdächtige Wieder- käuer und Schweine bis dahin, daß ihre Unverdächtig- | keit von dem beamteten Thierarzte bescheinigt ist, unter h Gehöstssperre beziehungsweise Weidesperre oder Feld- ' mai (sperre außer jeder Berührung mit Wiederkäuern oder Schweinen seuchenfreier Bestände zu halten sind, wird vielfach nicht beachtet. E« kommt nicht selten vor, daß I die Viehbesitzer nach Wahrnehmung der ersten verdäch- tigen Anzeichen zwar die Anzeige an die Ortspolizeibe- | Hürde erstatten, gleichwohl aber, sei es aus Unkenntniß oder aus Nachlässigkeit bis zur Feststellung der Seuche »durch den beamteten Thierarzt und bis zu dessen vor- 1 läufigen Anordnungen (§ 12 bes NeichSviehseuchenge- K setzes) oder bis zum Eintreffen der auf Grund des Gut- achtens des Kreisthierarztes ergehenden polizeilichen Anordnungen sowohl die Absonderung ihres Viehs als auch die sonst gebotenen Vorfichtsmaßregeln verabsäumen. In diesem Verhalten liegt eine Gefahr für die weitere Verbreitung der Seuche, da bis zum Eintreffen des in L der Regel stark beschäftigten Kreisthierarztes geraume D Zeit, oft mehrere Tage vergehen.
Die Ortspolizeibehörden haben deshalb in Zukunft L sofort nach der Anzeige oder sonstigen Ermittelung des D SeucheuvecdachtS ohne jeden Zeitverlust und ohne das Gutachten des beamteten Thierarztes abzuwarten, die , Stall- oder — bei isolierter Lage — Gehöstssperre, ober wenn das Vieh aus der Weide ist, die Weide- ! sperre anzuordnen und den Viehbefitzern die in § 63
der Bundesrathsinstruktion angegebenen Auflagen zu machen.
Dieses Vorgehen erscheint umso mehr zulässig, als die Anzeichen der Maul- und Klauenseuche bei der weiten Verbreitung der Krankheit fast jedem Viehbesitzer, oder seinem Beamten, Vertretern u. s. w. bekannt sind und irrthümliche Anzeichen kaum noch vorkommen werden. Von der Bekanntmachung des SeuchenauSbruchS und von der Anordnung weiterer Absperrungen ist selbstverständlich bis zur Feststellung der Seuche durch den Kreis- thierarzt abzusehen. In den Anordnungen ist auSzu- sprechen, daß sie ohne weiteres außer Kraft treten, wenn der Kreisthierarzt festgestellt hat, daß keine Seuche und kein Seuchenverdacht vorliegt.
Die Bundesrathsinstruktion gestattet ferner die Ver- Hängung der Stallsperre für erkrankte und verdächtige Thiere des Seuchengehösts nur (§ 60), wenn der Be- sitzer die polizeilich angeordneten Verkehrs- undNutzungs- beschränkungen Übertritt. Da nach den gemachten Erfahrungen die Gehöfts- und Weidesperre in manchen Fällen keinen genügenden Schutz gewährt, werden die Polizeibehörden ermächtigt, statt der Gehöfts- und Weidesperre für erkrankte und verdächtige Thiere des Seuchen- qehöfts auch die Stallsperre anzuordnen.
I. 2499. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 11. April 1900.
Der langgesuchte PostanweisungS-Schwindler, Hand- lungsreisende Hermann Walledon ist am 2. März in Langenhagen (Bez. Hann.) verhaftet worden.
Dem Königlichen Landrathsamt wird hiervon ergebenst Mittheilung gemacht mit dem Ersuchen, die Gendarmerie gefl. benachrichtigen zu wollen.
Kaiserliches Postamt. E g e n o l f. An das Königliche Landrathsamt hier.
*
Hersseld, den 14. April 1900.
Vorstehendes wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Kenntniß gebracht.
J. I. Nr. 2503. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Fulda, den 10. April 1900.
Der für Donnerstag den 26. April ds. Js. für die
Stadt Fulda vorgesehene Viehmarkt wird unter den üblichen Bedingungen abgehalten.
Ich ersuche um entsprechende Veröffentlichung.
Der Königliche Landrath: Steffens.
An den Herrn Landrath zu Hersfeld.
*
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 14. April 1900.
l, 2505. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Sie Pariser Ml-AuWmg.
Die Pariser Welt-Ausstellung ist am Sonnabend^er- öffnet worden. Pari» ist bereits 1867, dann wieder 1878 und 1889 die Stätte derartiger internationaler Veranstaltungen gewesen. Wenn auch in unsern Tagen der politische Glanz der Ausstellung blasser erscheint als vor 33 Jahren, so ist doch das Wesen der gegenwärtigen Ausstellung bedeutender und gediegener, entsprechend den gewaltigen Fortschritten, die sich namentlich auf industriellem Gebiete vollzogen haben. Die beiden andern Ausstellungen, 1878s und 1889, wieder litten einigermaßen unter den politischen Verhältnissen; manche Länder, wie das deutsche Reich, waren gar nicht vertreten oder nur angedeutet, diesmal aber ist die Einladung zur Beschickung allseitig in zustimmendem Sinne beantwortet worden. und alle Staaten haben sich angestrengt, nur das Beste zu leisten, um auf dem Gebiete der Friedensarbeit und des kulturellen Wettbewerbs die Palme davonzutragen.
Der Eröffnungsakt brächte längere Reden des Handels- ministers Millerand und des Präsidenten Loubet. Mille- rand legte die Fortschritte dar, welche die Menschheit seit hundert Jahren in Industrie und Wissenschaft gemacht hat. „Die Maschine," so sagte er, „ist Beherrscherin bes Erdballs geworden; sie ersetzt die Arbeiter, macht sie sich zur Mitarbeit dienstbar und vervielfacht die Beziehungen der Völker." Er pries alsdann die „Solidarität", in welcher das Geheimniß für die materielle und moralische Größe der Staaten ruhe. Diese Solidarität zeige sich innerhalb der einzelnen Staaten wirksam in den Anstalten zur Vorsorge für Alter, KrankheitS- und In- validitäts-Fälle wie überhaupt in allen WohlfahrtS-Ein- richtungen, welche bestimmt seien, die sich im Schoße
Ostern des Herzens.
W Novellette von Reinhold O r t m a n n.
1 (Fortsetzung.)
Rastlos und mit stürmisch pochendem Herzen schritt Helene Helberg über den weichen Teppich b^s prächtigen Atelierraumes, in dem sie der Wiederkehr ihres Kindes »harrt«. Sie wußte, daß sie nur durch eine Thür von dem | Gemache getrennt war, in dem sich ihr Gatte befand. Aber sie hielt sich so weit als möglich von dieser Thür ; entfernt, damit kein Laut von der da drinnen geführten Unterhaltung an ihr Ohr dringe. Freilich hatte sie nicht verhindern können, daß sein erster jubelnder Aufschrei bis zu ihr herüberklang, und der Ton s'iner Stimme, der ihr so vertraut war, wie seltsam auch immer er sich in diesen zwei Jahren der Trennung verändert haben mochte, er hatte eine Flut süßester Erinnerung in ihrem Herzen auswallen lassen. Sie rief ihren ganzen Stolz ' zu Hilfe, um sie niederzuzwingen, und je deutlicher sie empfand, wie unvollkommen es ihr gelang, Desto heißer sehnte sie den Augenblick herbei, der sie aus dieser qualvollen Situation befreien würde.
Sie vermied es, ihrer Umgebung irgend welche Aufmerksamkeit zu schenken; aber es gab da neben dem ; hohen Fenster, das sich nach Norden öffnete, einen Gegen- »and, von dem für sie eine seltsame geheimnißvolle Anziehungskraft ausging — ein lockender Reiz, dem sie schwächer und immer schwächer widerstand, je länger
diese peinliche ruhelose Wanderung währte. Es war I eine hohe Staffelet und auf ihr bie halb ausgeführte Farbenskizze eines figurenreichen Bildes, die sie vorhin bei ihrem Eintritt halb wider ihren Willen mit einem Blick gestreift hatte, und die sie nun mit einer undeutlichen Erinneruag an da« Gesehene fort und fort beunruhigte obwohl ooer vielleicht gerade weil sie jedesmal die Augen schloß, wenn sie an der Staffelei vorüber mußte.
Nun vermochte sie diese Unruhe nicht länger zu er» tragen, und wie um sich durch einen energischen Entschluß vor ihr zu befreien, trat sie vor die umfangreiche, in großen, kühnen Pinselstrichen hingeworfene Skizze. Nicht auf den ersten Blick offenbarte sich ihr der Gedanken-Inhalt de« Bilde«, dessen Komposition zuächst etwas sehr Befremdliche« hatte Ganz im Hintergründe in weiter Ferne erhob sich inmitten einer öden, steinigen Wüste unter nachtdunkelm, wolkenverhangenem Himmel die Schädelstätte mit dem Kreuz der Erlösers. Ein lichter Glorienschein umwob das schmerzlich gesenkte Haupt de« herrlichen Dulder». Rings um ihn her aber war alle» leer und verlassen. Nur einige letzte Nachzügler noch wandten sich fliehend von dem einsamen Kreuze, um sich dem großen, bunten Schwärm zuzugesellen, der, wie die Mannigfaltigkeit der einzelnen erkennbaren Gestalten kundgab, nach dem Willen des Künstler» wohl bie gesammte Menschheit darstellen sollte. Und diese bunte dichtgedrängte Menge, welche den ganzen Vorder- gründ bes Bilde» füllte, war ein Tummelplatz wildester
Leidenschaften und brutalsten Kampfe«. Alle schienen da gegen alle zu streiten. Rücksichtslos wurden die Schwachen von den Stärkern niedergeworfen. Männer und Weiber, Junge und Alte, Vornehme und Geringe — alle schienen sie von denselben wilden Trieben erfüllt ; die zumeist nur flüchtig skizzierten Gesichter ließen erkennen, daß es des Malers Absicht fei, alle niedrigen Instinkte der Menschennatur in ihnen zu spiegeln. Eine einzige Grupe nur fin der rechte» vordern Ecke des Bilde» war bereits sorgfältiger ausgeführt und HelenenS Augen öffneten sich wie vor einer liberraschenden Offenbarung, als sie auf dieser Gruppe haften blieben. Ein Mann in reichen Pratriziergewändern war da am Wege niedergesunken.
Sein bärtiges Antlitz zeigte Clemens Helbergs Züge, aber er waren die Züge eines Schwerkranken, eines Sterbenden. Seine beiden Hände streckten sich in einer ergreisenden Geberde angstvollen Flehens und tiefsten Jammers den beiden Gestalten nach, die sich von ihm entfernten — der Gestalt eines schönen jungen Weibe«, das Helene gut genug kannte, und eines reizenden blondlockigen Kinde«, das von jener halb gewaltsam sortge- zogen wurde, obwohl es mitleidig nach dem Flehenden zurückblickte und allem Anschein nach den Wunsch zu erkennen gab, bei ihm zu bleiben.
Nun hatte Helene Helberg mit einem Mal den Sinn de« anklagenden Bilde« verstanden. Nun war sie nicht
1 mehr im Unklaren über den Gedanken des Künstlers, der