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Rabatt.

Gratisbeilagen:)llustrikter Sonntag-blatt" «.JUnftrirte landwirthschaftliche Beilage

St. 44.

Sonnohnii den 14. Wril

1900.

Erstes Blatt.

Gestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soiiiitagsblatt"» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Cafsel, den 5. April 1900.

Zu unserm Rundschreiben vom 20. Juli 1899 V. A.I 1748.

Durch Beschluß des Gesammtvorstands vom 27. März 1900 ist der Zinsfuß der in Zukunft an kommunale Korporationen (Gemeinden, Kreise, BezirkSverbände) aus- zuleihenden Darlehen bis auf weiteres auf 4 e/0 fest­gesetzt worden. Für diejenigen Bewilligungen, welche bisher schon durch förmlichen Borstandsbeschluß vertrags­mäßig zugesichert oder wenigstens in bestimmte Ausstcht gestellt sind, verbleibt es bei dem seitherigen Zinsfuß von 3'/2 °/0.

Ueber unsere Mittel des laufenden Jahres ist indessen bereits Verfügung getroffen und können wir deshalb neue Zahlungsverbindlichkeiten für dieses Jahr nicht mehr eingehen.

Etwaigen Wünschen auf Darlehen aus unsern Ein- nahmen des Jahres 1901 kann frühestens im Juli b. I. näher getreten werden, zu welcher Zeit über unsere Mittel des nächsten Jahres Verfügung getroffen werden soll.

Für hypothekarische Darlehen auf Arbeiter-Wohn­häuser verbleibt es bei dem seitherigen Zinsfuß von 3 °/0, jedoch mit der Maßgabe, daß sich derselbe auf 3'h °/o erhöht, sobald die einer Baugenossenschaft be­willigten Darlehen insgesammt den Betrag von 500,000 Mark übersteigen.

An dem seitherigen Zinsfuß von 3*/< °/0 für hypo­thekarische Beleihung von Krankenhäusern u. s. m. ist nichts geändert worden.

Der Vorstand der LandeS-VersicherungSanstalt Hessen- Nassou. Freiherr von Riedesel, Landesdirektor.

An die Königlichen Herrn Landräthe der Provinz Hessen-Nassau, die Fürstlichen Herren Kreisamtmänner des fürstenthumS Watdeck, sowie den Magistrat in Cassel, Hanau, Marburg, Frankfurt a. M., Höchst a. M., Wiesbaden und Biebrich a. Rh.

* * *

®irb veröffentlicht. Hersfeld, den II. April 1900.

Der Königliche Landratb Freiherr von Schleinitz, _______ Geheimer NegierungS-Rath.

befunden : ein paar eiserne Nägel zu einer Hebelade. Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsseld.

Nichtamtlicher Theil.

Ostern!

Christ ist erstanden!" Das ist der Jubel-Accord, der die Christenheit an diesem Tage durchbraust. Jede» Christenherz klingt mit am Ostertage mit dem Hellen Glocken-Geläute in der Gewißheit, daß Christi Grab aus einer Stätte des Moders und der Verwesung zu einer Stätte des Sieges über Tod und Grab und zu einer unversieglichen Quelle neuen Lebens geworden ist. Von dem Leichnam des am Kreuze erblaßten und ins Grab

gelegten Christus erhebt sich der Blick zu dem aufer­standenen, der mit den Kräften feines neuen Lebens die ganze Welt umgestaltet und erneuert hat. Nicht in greif­barer Gestalt, nicht in Fleisch und Blut, wie er auf Erden gewandelt ist, aber doch lebendig, aber doch sicht­bar, aber doch thätig und wirksam steht er vor uns.

Er lebt nicht bloß fort in der Erinnerung an das Vorbild des reinen und heiligen, sünd- und schuldlosen Lebens, das er geführt, an die Worte voll Geist und Wahrheit, die er geredet, an die Liebe bis in den Tod, die er bewährt hat. Das würde ihn wenig unterscheiden von der fruchtbaren Hinterlassenschaft anderer Geistes- heroen. Nein, Herz und Wille, Seele und Gemüth schöpfen aus dem von dem Glänze des AuferstehungS- Morgens umleuchteten Christus-Grabe seit zwei Jahr­tausenden immer neue Kraft zu allem Guten, Trost und Freudigkeit in allen Drangsalen des Lebens und die Hoffnung der eigenen Auferstehung und des ewigen Lebens.

Der lichten Tiefe des einzigen Grabes sind die un­gezählten Scharen christlicher Helden und Heldinnen ent­stiegen, die in Pflichttreue und Opfermuth die rauhe Bahn des irdischen Daseins wandelten, unbeirrt durch Lob oder Tadel, Glück ober Ur^üd. Aus dem Frucht­boden dieses Grabes sprosse« seit Jahrhunderte« die Blüten der reinsten, selbstlosen Tugenden. Der abge- wälzte Stein dieses Grabes ist der Grundstein der christ­lichen Kirche geworden, die niemals entstanden wäre, wenn nicht die ersten Jünger und Apostel des Herrn durch seine Auferstehung aus der tröst- und hoffnungs­losen Verzweiflung, in der sie an dem Herrn und allen seinen Verheißungen irre geworden waren, zu neuem Glauben an ihn und zur Gewißheit seines Sieges über Sünde und Tod und über alle Mächte der Finsterniß erweckt worden wären.

Manche stehen den Wundern des Osterglaubens zweifelnd gegenüber; sie meinen, daß die Berichte über jene Tage das Licht der heutigen Wissenschaft nicht mehr vertragen können, als ob die Bilder der Ostergeschichte nicht immer von neuem Wahrheit und Wirklichkeit wür­den. Auch heute noch erscheint der Auferstandene denen, die trauernd von Gräbern heimkehren und grüßt sie mit der tröstlichen Zusage:Ich bin die Auferstehung und das Leben!" Noch immer naht er solchen, die aus der LebenS-Wanderung trauernd der untergehenden Sonne ihres Lebens entgegenschreiten, und offenbart ihnen wie damals den Pilgern auf dem Wege nach EmmauS in der lieblichsten aller Ostergeschichten den Liebeswillen unsers Gottes, der die Seinen durch Leid und Trübsal zur Herrlichkeit hindurchsührt. Wenn es dunkel wird um uns und der Schmerz des Alleinseins uns über- wältigen will, bleibt er auf unsere Bitten bei uns und geht mit uns hinein in unser Haus und bricht uns in feinem Worte mit segnender Hand das Brot des Lebens. Und wo verwaiste Familienglieder, ihres Oberhauptes, ihrer starke» Lebensstütze beraubt, trostlos zusammensitzen und auf die dunkle, tiefe Lücke starren, die der Tod in ihre Reihe gerissen hat, da vermag auch heute noch nichts anderes die Herzen so auszurichten als der Friedensgruß des Auferstandenen; da mahnt er noch immer:Rücket näher und enger zusammen, haltet, tröstet, stärket, liebet einander, verliert euch nicht in dumpfer Trauer und in fruchtloser Klage um da», war ihr verloren habt, und vergeht und versäumt nicht darüber die Lebensaufgaben, die noch vor euch liegen!"

Da» sind fürwahr Beweise genug, daß der Herr nicht im Tode geblieben ist, sondern daß er lebt und fortwirkt auf Erden, und gewichtige Gründe, alle Zweifel an seiner Auferstehung zu überwinden und in den Jubel des Oster. Bekenntnisses einzustimmen:Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auserstanden!"

Politische Nachrichten.

Berlin, den 12. April.

Se. Majestät der Kaiser empfing gestern

Vormittag die Generale und Regimentskommandeure des Gardekorps. Zur Frühstückstafel, an welcher die drei ältesten Prinzen-Söhne und Prinzessin Feodora zu Schles­wig-Holstein theilnahmen, war Graf Hardenberg geladen. Nachmittags unternahm Se. Majestät mit den drei ältesten Prinzen-Söhnen einen Spazierritt nach dem Grunewald. Heule Morgen nahmen Ihre Kaiserlichen Majestäten im Palais des hochseligen Kaisers Wilhelm des Großen das heilige Abendmahl. -Später unternah­men Beide Majestäten mit den drei ältesten Prinzen- Söhnen einen Spaziergang im Thiergarten. Um 123/4 Uhr empfing Se. Majestät der Kaiser den Generat­adjutanten, General der Infanterie von Hahnke.

Der Kaiser und König Franz Josef wird in der Zeit vom 5. bis 7. Mai d. I. dem Hofe des deutschen Kaisers in Berlin einen Besuch abstatten. Die Veran­lassung zu dieser Kaiser-Begegnung liegt darin, daß Kaiser Franz Josef der Pate des deutschen Kronprinzen ist, der am 6. Mai sein achtzehntes Lebensjahr vollen­det und großjährig wird. Es war keine Einladung unsers Kaisers ergangen, vielmehr ist der Besuch der Initiative des Kaiser» Franz Josef entsprungen. Mit welcher Freude aber unser Kaiser den alten Freund und Verbündete» erwartet,^ ersieht Man aus dem Schreiben, mit dem er da» .Ereigniß dem Magistrat seiner Haupt- und Residenzstadt kundgegeben hät, damit sich Berlin würdig zum Empfange rüste. Die Versicherung, daß bei der Begegnung kein bestimmter politischer Zweck verfolgt wird, verdient allen Glauben. Man- hat zwar gesagt, daß sie vielleicht mit der augenblicklichen Lage auf dem Balkan zusammenhänge, die sich durch den unruhigen Eifer des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, sich zum König zu machen, und durch das angebliche Eingreifen Rußlands gegen den Bestand der türkischen Herrschaft zu verwirren drohe. Aber wäre selbst Gefahr vorhanden, daß neue Verwicklungen wegen der bulgarischen Pläne oder durch ein Aufrollen der Meerengen-Frage entstän­den, so würde es sich zunächst darum handeln, die In­teressen Oesterreich-Ungarns mit den russischen Wünschen in Einklang zu bringen. In Wien ist zu genau bekannt, daß die deutsche Politik kein unmittelbares Interesse an der Ordnung der Verhältnisse auf der Balkan-Halbinsel nimmt und sich um ihretwillen gewiß nicht in einen Gegensatz zu Rußland bringen lassen wird. In Wirklich­keit leuchteteaber aus den beunruhigenden Nachrichten deut­lich da« englische Interesse daran hervor, einen mehrere Kontinental-Mächte beschäftigenden Feuerbrand entstehen zu sehen, und ist, wie von Wien und von Petersburg aus betont wird, nichts im Werke, was die Grundlage des vor zwei Jahren erzielten russisch-österreichisch- ungarischen Einvernehmens über die allgemeine Haltung der beiden Reiche zu erschüttern vermöchte. Gleichwohl wird es keinem Verständigen beikommen, der Maifahrt des Kaisers Franz Josef die politische Bedeutung ab- sprechen zu wollen. Neben den nahe» persönlichen Be­ziehungen der beiden Herrscherhäuser steht der feste Bund beider Reiche; eines wie das andere wird durch den Besuch aufs neue vor aller Welt bekräftigt, und daß das zweite Moment hinter dem ersten nicht zurück­stehen wird, geht auch daraus hervor, daß der hohe Gast von seinem Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Goluchowski, begleitet sein wird. Selbst die schweren Parteiwirren, die Oesterreich im Innern durch- zumachen hat, sind für das Bündniß ohne Einfluß ge­blieben; es waren nur vorübergehende Trübungen unter dem czechenfreundlichen Ministerium Thun vorhanden, die dank der unwandelbaren Treue des Kaisers Franz Josef und trotz einer latenten Unfreundlichkeit der Ge­sinnung in gewissen feudalen Kreisen leicht überwunden wurden. Inzwischen ist ein Ausgleich mit den deut­schen Parteien angebahnt, die allezeit fest MM Dreibund gehalten haben. So wird voraussichtlich die Kaiser- Begegnung den Völkern Oesterreichs und den Ungarn das Bewußtsein stärken, daß die in dem engen Anschluß an das deutsche Reich am besten gewährte Großmacht- Stellung der österreichisch-ungarischen Monarchie weil über den inneren Partei- undRationalitätenkämpfen stehen muß.