Einzelbild herunterladen
 

Herren des Geländes an der Bahn gewesen. Und vor allem: So wenig BewegungSfähigkeit und Bewegungs­freiheit hat das englische Hauptheer augenblicklich. Das läßt darauf schließen, daß Roberts mit seinen Kavallerie- kräften so ziemlich zu Ende ist. Und seine Lage ist nun dadurch verschlimmert, daß die Zufuhr, vor allem von Pferdematerial, jetzt aufs äußerste gefährdet ist. So taucht selbst die Möglichkeit am Horizont auf, daß die Engländer trotz ihrer Uebermacht Bloemfontein noch ein­mal räumen müssen, wenigstens mit dem größeren Theile ihrer Truppen. Jedenfalls aber sind die Offensivbe- wegungen der Buren, von ihrem raschen und wohlge­lungenen Vorstöße gegen die Wasserwerke bis zu ihrer Festsetzung an der Bahn nach Kapstadt, Meisterstücke kühnen und geschickten Guerillakampfes, und Roberts wird in nächster Zeit reichlich zu thun haben, seine Ver­bindung mit der gegebenen Operationsbasis wieder vor den feindlichen Streitscharen zu sichern, die sich in weitem Halbkreise um seine rechte Flanke und seinen Rücken gelegt haben. Die amtliche Liste der Verluste bei dem Ueberfalle bei Kronspruit verzeichnet jetzt übrigens 3 Todte und 80 Verwundete, von denen 5 seitdem gestorben sind. Vermißt werden 352 Mann.!

Sind also auf dem Hauptkriegsschauplatze, auf dem Wege nach Prätoria", die englischen Operationen zum Stillstand gelangt, so steht den burischen Erfolgen dort leider im W e st e n ein beklagenswerther Mißerfolg gegen­über. Eine Depesche von Lord Roberts vom 5. besagt: General Methuen telegraphiert heute früh aus Boshof: Ich umzingelte heute General Villebois Mareuil und eine Buren-Truppe. Keiner entkam. Villebois und 7 Buren wurden gelobtet, 8 verwundet und 54 gefangen genommen; auf unserer Seite wurden 4 Mann gelobtet, 7 verwundet.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 7. April.

JhreKaiserlichenMajestäten unternahmen gestern Vormittag mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich einen Spaziergang im Thiergarten. Se. Ma­jestät der Kaiser hatte darauf eine Besprechung mit dem Staatssekretär, Staatsminister Grafen v. Bülow, im Auswärtigen Amt. Später fand ein Besuch des neuen königlichen Marstalls statt. Im königlichen Schlosse nahm Se. Majestät die Meldung des Oberleutnants v. Gill- Hausen entgegen, des militärischen Begleiters des Herzogs von Albany, und empfing dann in Gegenwart des tür­kischen Botschafters Tewfik-Pascha und des Chefs des Zivilkabinets, Wirkl. Geheimen Raths Dr. v. Lucanus, den Geh. Ober-Baurath Spitta, welcher die Ehre hatte, Sr. Majestät die Modelle und Zeichnungen des für Kon­stantinopel bestimmten Brunnens vorzulegen. Um 2 Uhr machten Se. Majestät der Kaiser und Prinz Heinrich einen Spazierritt. Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich einen Spaziergang. Se. Majestät der Kaiser hatte dann im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staats­sekretär, Staatsminister Grafen v. Bülow und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des General­stabes, Gsneraladjutanten, Generals der Kavallerie Grafen v. Schliessen und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke.

Seine Majestät der Kaiser und Seine königliche Hoheit Prinz Heinrich entsprachen heute einer Einladung des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe zur Frühstückrtafel.

(DieFlotten-RüstungderMächte.) Bei der Frage nach der Verstärkung der Seewehr hört man häufig das Bedenken, daß andere Staaten in der Flotten-

auch nur eine Umhülle zu nehmen, vor Angst fast be­sinnungslos inS Dorf Hinablief.

Die vor dem Wirthshaus versammelten Leute traten scheu zurück und gestanden später, daß sie Lady Agnes nicht erkannt hatten, so entstellt war ihr Gesicht von Schrecken und Angst.

Wo ist er ? Ist er tobt ? fragte sie.

Nein, nein," beeilte sich einer aus der Menge zu sagen,er ist nur von der heftigen Erschütterung ohn­mächtig!"

Lady Agnes stürzte inS Zimmer und fiel vor Jack ausschluchzend in die Knie. Sie umschlang ihn leiden­schaftlich mit beiden Armen und horchte auf seinen Herz­schlag. Als sie sich überzeugte, daß er lebe, erhob sie sich wieder und fragte den Nächststehenden:

Was ist Lilli Barton geschehen?"

Sie hat sich ins Wasser gestürzt."

Und wo ist Frau Barton ?"

Mit der Todten in ihr Zimmer eingeschlossen. Sie läßt niemand ein."

In diesem Augenblick trat Drusilla mit leichen- blassem Gesicht, sonst aber gefaßt, auf ihre Schwieger­mutter zu.

Alle Anwesenden hatten sich taktvoll zurückgezogen.

Sag' mir, Mutter, was haben die beiden mit ein­ander vorgehabt? Ich muß es wissen!"

Sie liebten sich, entgegnete Lady Agnes.Sie wären ohne mein Dazwischentreten ein Paar geworden. Wie kann ich jetzt der armen Mutter unter die Augen treten? Und doch muß es sein! Laß' mich, Drusilla!"

Drusilla wich zurück. Aus ihren vor kaum einer Stunde noch so glückstrahlenden Augen war jedes Licht erloschen, trostlos starrten sie inS Leere. Ihre Brust hob und senkte sich, und sie mußte an sich halten, um nicht laut aufzuschluchzen. Doch das dauerte nur wenige

Augenblicke, bann richtete sie sich auf und übte gefaßt und ruhig ihre Pflichten als Gattin aus, indem sie dem mittlerweile eingetretenen Arzt bei seinen Wiederbeleb­ungen an die Hand ging.

Lady Agnes kam bitterlich weinend zurück, ohne Ein­laß in das Todtenzimmer bekommen zu haben.

Es dauerte lange, ehe es den Bemühungen des Arztes gelang, Jack zum Leben zurückzurufen. Als er endlich die Augen aufschlug, warf er einen Blick um sich, und ein Zittern ging durch seinen Körper, denn er erkannte, wo er sich befand.

Fort, fort von hier, wir wollen weiter reisen, Drusilla!" bat er.

Da Jack keinen Schaden erlitten hatte, versuchte es weder der Arzt noch auch Lady Agnes ihn zurückzuhalten. Mit tüchtigen Pferden konnte man den Nachtzug noch erreichen. Der Schloßherr ließ sofort einen Wagen einspannen, und das junge Paar nahm zum zweiten- male von den Eltern Abschied. Lady Drusilla stieg ge­senkten Hauptes und mit fest auseinander gepreßten Zähnen in den Wagen. So endete der so fröhlich be­gonnene Hochzeitstag.

*

Jack und Drusilla blieben statt sechs Wochen sechs Monate auf Reisen, und als sie endlich heimkamen, hatten sich beide sehr verändert. Jack der lebensfrohe leicht­lebige Jüngling, war ein ernster Mann geworden, der seinen jugendlichen Irrthum schwer büßte. Drusilla, die sich so sehr darauf gefreut hatte, die Freuden des Lebens an der Seite ihres angebetenen Gatten in vollen Zügen zu genießen, lebte sehr zurückgezogen. Ihre Liebe für Jack blieb unveränderlich ; sie fühlte sich nach wie vor nur in seiner Gesellschaft glücklich, und Jack war gerecht genug, dies anzuerkennen und durch Aufmerksamkeit zu lohnen. Sie waren immer beisammen, und wenn man

Rüstung nachfolgen werden und daß man dann nach einiger Zeit so weit wäre wie zuvor. Eine gewisse Berechtigung läßt sich diesem Einwand nicht absprechen, indessen geht er doch meistens zu weit. Rußland steht hart am Rande seiner Leistungsfähigkeit; die immer wiederkehrende Hungersnoth im eigenen Lande dürfte es veranlassen, zunächst mehr Mittel für die Hebung der Lage seiner Landbevölkerung auszuwenden. Außerdem ist aber die See-Rüstung für Rußland zum guten Theil überflüssiger Luxus. Die eingefleischtesten Chauvinisten denken doch nicht daran, Rußland die ganze Welt erobern zu lassen, sondern ihm lediglich einen maßgebenden Ein­fluß auf Asien zu sichern. China, Indien, Vorderasien können aber nicht von einer Flotte, sondern nur von einer starken Landmacht erobert werden. Was Frank­reich betrifft, so sind bei der fehlenden Volksvermehrung die Kolonien keine Lebensfrage. In Frankreich beginnt sich zudem der Mangel an Mannschaften fühlbar zu machen. Im letzten Jahre konnten in das Landheer nicht so viel Mannschaften eingestellt werden wie in den Vor­jahren, trotzdem man alle Leute genommen hatte, die irgend imstande waren, Waffen zu tragen. Der Mangel an Mannschaften muß natürlich auf die Seerüstung zurück­wirken. Alsdann ist aber die finanzielle Frage auch für Frankreich nicht ohne Belang. Man bedenke doch, was es heißt, wenn ein in der Volkszahl sowie in Bezug auf die wehrfähige junge Mannschaft bereits um nahezu Vs zurückstehendes Land die gleiche Landarmee und dabei auf die Dauer eine stärkere Flotte erhalten wollte als Deutschland. Italien kämpft ebenfalls mit finanziellen Schwierigkeiten. Wenn es aber in Zukunft wieder der Flotte mehr Aufmerksamkeit zuwenden könnte und wollte, so wäre er für Deutschland nur erfreulich. Es kämen also nur England, Japan und Nordamerika in Betracht. Für Nordarmerika ist die Flottenfrage gerade auch keine Frage, bei der es sich um Sein oder Nichtsein handelt, da es doch noch verhältnißmäßig dünn bevölkert ist; Mexiko und Mittelamerika stehen zudem seinem Einflüsse auch ohne Flotte offen. Gewiß braucht auch Nordamerika eine Flotte, um seine Küsten zu schützen, seinen Einfluß auf Westindien, besonders auf Kuba zu behalten. Aber eine Weltfloite schwebt doch nur den fanatischsten Jingos vor. Eine Lebensfrage ist die Flotte bloß für England; und für Japan, wenn dieses, wie es den Anschein hat, nicht zu Hause bleiben will, wo es keine europäische Nation anzugreifen beabsichtigt, sondern wenn es Ex- pansions-, Weltpolitik treiben will. England allerdings wird in der See-Rüstung Deutschland stets überbieten wollen. Aber man glaube doch nicht, daß die Geldfrage dabei in England keine Rolle spiele. England hat eine um ein Viertel geringere Bevölkerung als Deutschland. Dabei überragen die Ausgaben für Landheer und Marine die entsprechende Summe bei uns nicht unbedeutend. Die Ausgabe für Landes-Verteidigung und Schuld ist um 60 v. H. auf den Kopf der Bevölkerung höher als bei uns. Ebenso ungereimt ist die Meinung, als ob in England die breiten Massen infolge mangelnder Korn- und Fleischzölle weniger belastet und daher leistungs­fähiger wären als in Deutschland. Der Druck an in­direkten Steuern (Zöllen, Bier-, Tabak-, Alkohol-Steuer) ist in England um 70 v. H. höher als bei uns (in Deutschland 14 bis 15, in England 24 bis 25 Mark). Die Lebensmittel-Zölle in Deutschland werden aber in ihrer Wirkung durch die industriellen Schutzzölle aus­geglichen. Mit Recht hat ein deutscher Finanz-Politiker, Adolf Wagner, gesagt:Wenn irgend ein Land die finanziellen Mittel hat und leicht haben wird, wenn größere nöthig sein sollten, immer für Wehrkraft zu Wasser und zu Lande, so ist es Deutschland!"

Zur Frage der Zeugengebühren schreibt der

Hannoversche Courier":Unmittelbar nach dem In, krasttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist von einzelnen Gerichten erklärt worden, daß den als Zeugen vorgs- ladenen Arbeitern Zeugengebühren nicht mehr ausbezahlt würden, weil der Arbeitgeber ihnen auf Grund des § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches einen Lohnabzug wegen Zeitversäumniß in Folge Erscheinens an der Gerichts­stelle nicht machen dürfe. Gegen diese Auslegung und Anwendung des Gesetzes, welche zu einer Entlastung bet Staatskasse auf Kosten der Arbeitgeber, in manchen Fällen auch der Arbeitnehmer führt, ist zahlreicher Wider, spruch erhoben worden. Jetzt hat das Landgericht Düssel­dorf entschieden, daß auf Grund dieser Bestimmung die Zeugengebühr nicht verweigert werden dürfe, weil bie Verpflichtung zur Entrichtung solcher Gebühren von der sich nur auf die Verhältnisse der Arbeiter zu den Arbeit­gebern beziehenden Vorschrift des § 616 des Bürger­lichen Gesetzbuchs gänzlich unabhängig und eine Aende­rung insoweit nicht eingetreten sei. Diese Entscheidung entspricht dem Gesetze, und es kann deshalb den als Zeugen geladenen Arbeitern, denen die Zeugengebühr mit Bezug auf § 616 versagt wird, nur empfohlen wer­den, den Weg der Beschwerde hiergegen zu betreten."

Die Mittheilung, daß das Staatsministerium be­schlossen habe, dem Anträge auf Z u l a s s u n g der Abiturienten der Realgymnasien zum medizinischen Studium zuzustimmen, wird den Berl. Pol. Nachr." als zutreffend bezeichnet mit dem Bemerken, daß die Zulassung nur erfolgen soll, wenn diese Abiturienten im Lateinischen vollauf den Anforde­rungen genügen, die an die Abiturienten der humanistischen Gymnasien gestellt werden. Ueber die Zulassung der Real-Gymnasial-Abiturienten zu andern Studien, nament­lich zum juristischen, soll kein entscheidender Beschluß gefaßt worden sein.

Als Aufseher für die deutsche Abthei­lung der Pariser Weltausstellung haben M jetzt 12 von verschiedenen Regimentern dazu beurlaubt! Sergeanten, Viceseldwebel und Vicewachtmeister nach Paris begeben. Sie werden dort abwechselnd den Dienß in den deutschen Ausstellungsräumen versehen und er­halten dafür 10 Mark Diäten, freie Wohnung und Er­stattung der Reisekosten. Eine Uniform, ähnlich wie du Hofbedienstete des Kaisers sie tragen, wurde ihnen gleich­falls geliefert. An der Mütze befindet sich der Reichs­adler und die InschriftSection d'Allemagne". Nul Militärpersonen, die fertig französisch sprechen, wurden für diesen Posten ausgewählt und mußten zuvor ein Examen ablegen. Erster Aufseher ist der Vicewachtmeistel Rudolph von der Leib-Gendarmerie des Kaisers.

A«s Prodinz uni Wbarzediet.

* Bezüglich des K ontraktbruchs ländliche! Arbeiter haben der LandwirthschaftSminister und der Minister des Innern an die Regierungspräsidenten folgend! Verfügung erlassen: Es ist eine allgemeine Anordnung dahin in Anregung gebracht worden, daß die Angelegen­heiten, welche sich aus den Vertragsbruch des Gesindes und der ländlichen Arbeiter beziehen, als eilige zu be< handeln fein sollen. Wenn sich auch annehmen läßt, bat mit Rücksicht auf die in Betracht kommenden wichtiges staatlichen und Privatinteressen schon jetzt entsprechend verfahren wird, so empfiehlt es sich doch, auf die Eil bedürftigkeit solcher Sachen noch besonders aufmerksam zu machen. Wir ersuchen deshalb, soweit die Mitwirkung der Polizeibehörden in Angelegenheiten jener Art ir Frage kommt, für den dortigen Bezirk eine entsprechend Verfügung zu erlassen.

Hersfeld, 9. April. Graf v. Rittberg, Oberleu: :

sie auch kein glückliches Paar nennen konnte, so wäre: sie doch ein sehr anhängliches.

In Venedig hatten sie sich ausgesprochen. Jack, bet anfangs sehr melancholisch war, ließ die arme Drüsig schwer darunter leiden. Sie pflegte und behandelte W wie einen Schwerkranken. Auf einer Gondelfahrt burl das malerische Venedig machte sie endlich ihrem Herzg Lust. Sie gestand Jack, daß sie um seine LiebeSgeschich; wisse, daß sie von ihm keine Gegenliebe verlange, abtz ihn bitte, ihr Freund zu sei». Und Freunde, ja sog-M treue Kameraden wurden sie von der Stunde an. lW gewährte ihm Erleichterung, mit ihr offen von fein einzigen Liebe sprechen zu können. Er war ein reich Mann und in seinem stillen Heim auch nicht gerade M glücklich, aber das Bewußtsein, seine Spielschuld so teilt bezahlt zu haben, verließ ihn ebenso wenig, wie die Srinnt' rung an Lilli.

Eberswalde, 6. April. Angesicht» d! Trauung seiner Angebeteten erschossen hat sich in W Kolonie Britz bei Eberswalde der 28 jährige Knecht E^ Senf. Der Unglückliche hatte sich in die Tochter fein'1; Dienstherr«, des Bauerngutsbesitzers Gabriel, verließ Aus Gram darüber, daß seine Liebe unerwidert blit' machte er gestern Nachmittag, als das von ihm geltet junge Mädchen zur Kirche fuhr, um sich mit einem anders trauen zu lassen, seinem Leben durch einen Revolvers^' ein Ende.__________ __________________________

Herkaufskurs -er

LaüeÄreiiitkajse» - SWiArschmdMki

Serie 1« (3V4 0/0) 03*/, ®/0 9 (3«/,/0) 97 °/0 .

Landesrenterei Hersfeld.