und Seewehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 80. September 1888 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrolversammlungen zur Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der Frühjahrskontrolversammlung dieses Jahre« entbunden.
2. Die Einberufung zu den Kontrolversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämmtlirden Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontrolversammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften aus einzelnen hier nicht genannten Höfen und Mühlen ic. gehören zu den Ortschaften, zu deren Gemeinde sie zählen.
4. Die Mannschaften haben den Militairpaß und das Führungsattest mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrolversamm- lung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirkskommandos in Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks - Kommando genehmigt werden.
Wer vor der Kontrolversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu stellen.
6. Etwaige plötzliche Krankheit, oder sonstige Verhinderungsfälle, müssdn entweder durch ärztliche Älteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätesten« auf dem Kontrolplatz abzugeben sind, bescheinigt werden.
In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzu- geben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrolversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.
7. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrolver- sammlungsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch auf Verabfolgung einer Militairfahrkarle seitens der betreffenden Eisenbahnstation haben.
8. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages,- zu welchem sie zur Kontrolversammlung einberufen find, zum aktiven Heere und sind demnach dem Militair- Straf-Gesetzbuch unterworsen.
HerSfeld, den 13. März 1900.
Königliches Bezirlskornmaudo. * *
Hersfeld, den 14. März 1900.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher de» Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und namentlich den betreffenden Mannschaften noch besonders mitzutheilen.
Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrolort gehört, hat zweck« Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrolversammlungen zugegen zu sein.
J. II. Nr. 1099. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Caffel, den 21. März 1900.
Nach den Ergebnissen der Untersuchungen bei Schweine- fleisches auf Trichinen und Finnen für das II. Halbjahr 1899 ist in einem Kreise, wo eine trichinenhaltige amerikanische Speckseite vorgesunden worden war, der durch Verfügung vom 25. August 1896 A. IV 5971 mitgetheilte Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten vom 13. des. selben Monats M 11496 unberücksichtigt geblieben.
Die nachträglich angestellten Ermittelungen nach Nummer und Datum der Ursprungsbescheinigung pp. der Fleischsendung waren erfolglos.
Ich nehme hieraus Veranlassung, den oben bezeichneten Ministerialerlaß zur künftigen genauen Beachtung in Erinnerung zu bringen und ersuche, die Ortspolizei-
ebenso zornigen Blick, wie vorhin die stattliche Fenster« reihe der Schlosses.
„Es kann doch nicht wirklich dein Ernst sein? Ich würde eher daran denken, meine Großmutter zu heirathen als Lady Drusilla. Die Geschichte ist zu albern !*
„Da» beweist deine Thorheit von neuem. Uebrigen» bist du Herr deines Willens. Du hast mich um Hilfe gebeten, und ich habe gethan, was in meinen Kräften stand, dich auf den rechten Weg zu weisen. Wenn du ein Glück, das du, aufrichtig gestanden, gar nicht verdienst, von dir weisen willst, so ist dar deine Sache, nur bitte ich dich, mich in Zukunft mit deinen Angelegenheiten zu verschonen."
Sie drehte ihm den Rücken und ging gemessenen Schritte» in Schloß zurück, überzeugt, daß Jack sie im nächsten Augenblick zurückrusen werde. Diesmal täuschte sie sich aber gründlich, denn sie wußte ja nichts von Jack» romantischer Liebe zu Lilli Barton.
„Bertha !" Der Schrei erstickte aus seinen Lippen, er taumelte, wie wenn er einen heftigen Schlag empfangen hätte.
Sein Lilli gegebene» Versprechen, keine andere zu heirathen, kam ihm plötzlich in Erinnerung.
^N«in ich kann nicht zum Schurken an ihr werden! Sie sagt, es würde sie tödten!* rief er laut, und eilte wie mit Peitschen getrieben die Alle hinunter.
Bevor Bertha ins Schloß trat, drehte sie sich noch einmal um.
Keine Spur von Jack.
Merkwürdig ! Sollte er doch so viel Kraft und Energie haben, lieber der Schmach und dem Ruin entgegenzu- gehen, al» ein Weib zu freien, das er nicht liebte?
behörden und Trichinenbeschauer mit entsprechender Anweisung zu versehen.
Der Regierungs-Präfident. von Trott zu Solz. A» den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks. A IV 2075,
*
Hersfeld, den 27. März 1900.
Vorstehendes theile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnißnahme und gleichzeitigen Bescheidung der Trichinenbeschauer mit.
I. 2051. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
$tr Sriez in Südafrika.
Die heutigen Nachrichten reden aller Orten vom Mißlingen des Kleinkrieges, den die Engländer augenblicklich zur Beruhigung und Säuberung des Hinterlandes ihrer Operation-basen führen. General French ist mit seiner Kavallerie nach Bloemfontein zurückgekehrt, ohne daß er mit dem Feinde zusammengestoßen ist. „Eine Anzahl" von Burgherr in den von-French-durch- zogenen Bezirken hat aber wenigstens, so heißt es weiter, die Waffen niedergelegt. Dabei frägt es sich nur: Auf wie lange? Aus den westlichen Aufstandsbezirken ist auch nichts angenehmes zu melden. Aus Sartig West wird berichtet: Ein 400 Mann starke» Burenkommando hat Papkuel wieder besetzt und die Aufrührer im Herbert- Distrikt gezwungen, sich der Transvaal-Republik wieder anzuschließen. Es ist in dieser Gegend zu ausgedehnten „Plünderungen" gekommen. Auch gegen Griquatown müssen die Engländer erneut lormarfchieren. Gestern ist von Kimberley eine Expedition abgegangen; ihr Hauptziel ist eben der von den Buren besetzte Ort Griquatown.
Die Niederschießung von vier englischen Offizieren nur wenig nördlich von der englischen Hauptstellung scheint darauf hinzudeuten, daß die Buren mehr Werth, als man bisher annahm, auf sofortige Jnszenesetzung des Guerillakriege» neben der Konzentration in der Nähe des Vaalflusses legen. In Verbindung mit dem Weiterglimmen des Aufstandes muß das der englischen Heeresleitung ein außerordentliches Gefühl der Unsicherheit beibringen. Ueber obigen Vorfall wird des Näheren folgender aus Bloemfontein gekabelt:
„Eine kleine, aber hervorragende Gruppe von Garde- offizieren ritt, etwas sorglos, gestern aus dem Gardelager bei Glenstation, 16 Kilometer nördlich vonBloem- fontein, südlich der Modder, und traf etwa 10 Kilometer vor demselben auf 4 berittene Johannisburger Zarps (Schutzleute). Die Gardeoffiziere, welche sämmtlich bereits in früheren Treffen verwundet wurden, hielten es ihrer Traditionen und ihrem Temperament gemäß für ein leichte», die vier Polizisten gefangen zu nehmen, jagten im Galopp auf dieselben zu, ihnen zurusend, sie möchten sich ergeben. Die Zarpr sprangen aus dem Sattel, knieten nieder, legten die Gewehre an und als die englischen Gardeoffiziere auf etwa 200 Meter herangekommen waren, gaben sie Feuer: Jeder Schuß saß. Oberst Crabbe von den Gardegrenadieren hatte den rechten Vorderarm vollständig zerschmettert und außerdem eine Wunde im rechten Bein, Oberstleutnant Codrington den rechten Oberschenkel verwundet, Hauptmann Trotters den rechten Vorderarm zerschossen und Leutnant Lygon von den Gardegrenadieren blieb sofort toM. Oberst Crabbe winkle, mit der Linken sein weißer Taschentuch herausziehend, den Buren zu, welche sofort herankamen und sich in menschenfreundlichster Weise der verwundeten Offiziere annahmen und dieselben sowie den gleichfalls verwundeten Burschen Crabbe'« nach der nahe gelegenen
Unmöglich, so thöricht konnte ihr Bruder denn doch nicht sein. Innerlich kochte sie vor Wuth über den „dummen Jungen, der ihr so viel zu schaffen machte," aber äußerlich schien sie ganz ruhig, ja ihre Lippen lächelten sogar, als sie, in ihr Zimmer tretend, Lady Drusilla bemerkte, die voll fieberischer Ungeduld ihrer harrte.
„Ich habe dich mit ihm sprechen sehen .... Er ist im Zorn davongegangen, ich habe eS an der Art seines Ganges erkannt . . . , O sag' mir die Wahrheit, er mag mich nicht! Es ist besser, ich erfahre es sofort . ."
„Du scheinst mich für eine Hellseherin zu halten," unterbrach Bertha die Erregte. „Ich kann die Gefühle meine» Bruder» für dich unmöglich errathen, und zu seiner Vertrauten hat er mich nicht erwählt —"
„Hast du nicht über mich mit ihm gesprochen!*
„Er wäre zu roh, sogleich mit der Thüre in« Hau« zu fallen; in Liebessachen muß man zart umgehen," bemerkte Bertha, mit ihrem Schirm spielend, den sie noch in der Hand hielt. „Ich will erst vorsichtig auf den Busch klopfen und die Sache so einfädeln, daß mein Bruder seine Gefühle mir offenbart. Wir haben heute wegen der leidigen Spielschuld de- battiert!"
„Wie klug du bist! Ich lege mein Schicksal vertrauensvoll in deine Hand. Verzeih meine Ungeduld, aber--ich habe noch nie einen Menschen so geliebt, wie Jack."
„Du mußt Geduld haben, mir Zeit lassen und mich nicht drängen, Drusilla," mahnte Bertha freundlich.
„Ich will mich gedulden. Aber Bertha, was soll
Farm von Bischopsglen brachten, wo sie sorgfältig J bunden und gepflegt wurden. Dann sandten die Zarf einen Parlamentär ins britische Lager mit der Bim man möge die verwundeten Offiziere holen.
Politische Nachrichten.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unter nahmen gestern Nachmittag eine gemeinsame Aurfahi Abend» folgte S e. M a j e st ä t der Kaiser ein, Einladung de» Gouverneurs von Berlin, General« b, Infanterie von Bomsdorff zum Diner. — Heute Morg, machten Beide Majestäten den gewohnte» Spazir gang im Thiergarten. Se Majestät der Kais« besuchte darauf im Auswärtigen Amt den Staatssekretä Staatsminister Grafen v. Bülow und hörte im köni lichen Schloß die Vorträge des Chefs des Militärkabinel Generaladjutanten, Generals der Jnfanterte v. Hahn! des Chefs des Admiralstabes der Marine, Vizeadmiral v. Diederich» und des Chefs des Marinekabinets, Viz admirals Frhrn. v. Senden-Bibran. — Zur Frühstück tafel waren keine Einladungen ergangen.
Eine AbordnungderGemeindeSolinge hat neulich dem Kaiser einen Ehren-Pallasch überbrach Mitglieder der Abordnung theilen nun mit, der Kais,. habe, als die Deputation auf die in die Klinge eingrt vierte Germania und die Pacht „Hohenzoll-rn" aufmerksai machte, geantwortet: „Die Germania ist schon da, ab" die Flotte muß noch kommen." Bezüglich der den Roi schmückenden Figur des deutschen Michels sagte di Monarch: „Da« ist das richtige Bild vom deutsch Michel, das muß unserm Volke immer näher gebraü werden."
(Der Panzerkreuzer „Fürst Bism a r ck" Am 1. April wird unsere Flotte um ein Schiff bereichert w« den, wiesie deren bisher noch keins hatte: ein Panzerkreuzi erster Klasse, zum Kampf auf hoher See geeignet, mit an diesem Sonntag in Kiel in Dienst gestellt werd« Stolz und Achtung gebietend wie sein mächtiger Bai ist sein Name, der Name des großen Mannes, den jedi gute Deutsche nur mit den Gefühlen innigsten Dank, und tiefer Verehrung nennt, der Name des ersten Kanz lers des deutschen Reiches, des Fürsten Bismari 85 Jahre nach dem Tage, wo dieser größte beutfi Staatsmann das Licht der Welt erblickte, ist das Schir das seinen hochgepriesenen Namen trägt, Verwendung! bereit; e« hat nur noch seine Probefahrten zu mach« und wird im Herbst nach Ostasien fahren, um dort al Flaggschiff des Kreuzer-Geschwaders zu dienen. „Für Bismarck" wird unser größter gepanzerter Kreuzer fein er hat eine Wasser-Verdrängung von 10 650 Tonnen b einer Länge von 120 Meter, einer Breite von 20 Met, und einem Tiefgang von 7,9 Meter. Das Schiff H° drei getrennt liegende Maschinen, welche insgesamt« 19000 Pferdekräfte erzeugen und den drei Schraube eine Geschwindigkeit von 19 Knoten geben. Der Damp wird erzeugt in Kesseln, von denen zwei Drittel Cylinde und ein Drittel Schutzkessel sind; die letzter» zeichn« sich durch eine besonders zweckmäßige Führung der Feu« gase in den Röhren aus. Die Pinzerung besteht u einem sich auf 100 mm verjüngenden 200 mm stark« Gürtel und in einem 50 mm dicken Panzerdeck. KommandM Thürme und die Thürme der schweren Geschütze sind mi 200 mm Panzer geschützt, während die Dreh-Thürme un Kasematten der 15 Centimeter-Geschütze nur 100 mc Panzerschutz haben. Zu allen Panzerungen ist der bisht von keiner auswärtigen Firma übertroffene strupp’fi Nickelflußstahl-Panzer verwendet. Die Bewaffnung beste: aus vier 24 Centimeter-Geschützen in zwei Dcehthücm« vorn und achtern, zwölf 15 Centimeter-, zehn 8,8 C« timeter-Schnellfeuer-Geschützen und 18 kleinkalibrigM Maschinen-Gewehren. Die Bemannung besteht aus 56’ aus mir werden, wenn er mich doch nicht mag?"stöhal■ Drusilla händeringend.
Bertha war nahe daran, ihr zu sagen, daß es thörit sei, sich in einen Menschen wie Jack zu verlieben, abt sie erinnerte sich noch rechtzeitig, daß ihr dies nicht. M käme, tröstete die Verliebte, so gut sie konnte und freu! - sich, daß es ihr gelungen war, ihre eigene Unruhe I verbergen.
. ‘ l Fortsetzung folgt.) 1
— Der Dampfer „M i ch i g a n", welcher einen Tht des Barnum-und Baileyschen RiesenschaustellungS-Unt« nehmen« nach Hamburg bringt, ist gestern dort eingetroff^ Von der Großartigkeit diese« Unternehmen» kann m« sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß all« drei Dampfer von der Größe der „Pretoria" nötig fm1 um das Material und Inventar, die Thiere und die 100 Angestellten nach Hamburg zu schaffen. Vier eigene v«! ständige Eisenbahnzüge, bestehend au« je 17 Schlaff u" Personenwagen, wurden mittels kolossaler Krähne entlade« 160 Pferde, ein Eisenbahnreklamewagen, welcher Schaustellung am Festlande vorauseilt, 20 Kastenwage und 55 Zellwagen gehören dem Unternehmen. FeB bringt die Gesellschaft 15 Rollwagen, 255 Pferde, 3 Ponies, 16 Elefanten, 45 Käfige mit GuanocoS, Lani" Zebra», Zebu«, Alpaca«, Kameelen und Dromedaren m1 Am 11. April findet der große Umzug statt.
— (Mißverständnis) Lehrer (auf dieM von Südafrika zeigend): Wie heißt diese« Land?" Schüler (schweigt verlegen) — Lehrer: Nun, erinn« Dich doch, wer bekommt denn da jetzt Haue? — Schi^ (ängstlich): Ich, Herr Lehrer.