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«r. 32.

SomiM itn I? März

1900.

Erstes Blatt.

Amtlicher Theil.

Fulda, den 13. März 1900.

Der für den 22. März [. Js. für Fulda bestimmte Wieh- und Schafmarkt darf wegen der in hiesiger Stadt und in einer Anzahl Landgemeinden des Kreises Fulda unter dem Rindvieh herrschenden Maul-und Klauenseuche nicht abgehalten werden.

Ich ersuche um entsprechende Bekanntmachung.

Der Königliche Landrath. Steffens.

* *

Heisfeld, den 16. März 1900.

Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen. I. 1791. Der Königliche Landrath.

I. V.: H e e g.

Ziegenhain, den 10. März 1900.

Unter dem Rindvieh des Konrad Roß 2t zu Görzhain ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Ge- markungssperre angeordnet.

Der Königliche Landrath von S ch w e r tz e l l.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigenthümers |bei dem Ortsvoistand zu BeierShausen.

Nichtamtlicher Theil.

In Wo in Siihfrit«.

DieFriedensepisode" scheint rasch zu Ende zu gehen. iMoch sind zwar amtliche Erklärungen, daß man die Ver­handlungen abbreche, von keiner Seite abgegeben worden; doch sind sie bisher ja formell gar nicht nöthig. Reuter theilt nur noch mit, daß man ..Friedensbedingnngen" überhaupt nicht gestellt habe. Also England erwartet die Annahme der Präliminarbedingungen, d. h. die Niederlegung der Waffen, ehe es verhandeln will. Und von der anderen Seite scheint man zu diesem Abschluß eines so rühmlichen Kampfes denn doch noch nicht geneigt. Wenigstens kommt über den Atlantischen Ozean folgende Meldung:

Rew-Aork, 14. März. DasEvening Journal" veröffentlicht folgende Depesche des Präsidenten Krüger aus Prätoria vom 13. d. MlS: Die Burghers werden erst mit dem Tode zu kämpfen aushören. Unsere Streit- kräste kehren in guter Ordnung nach der ersten Verthei- ^igungslinie aus unserem eigenen Grund und Boden -»nick. Der Feldzug in Natal war länger zu unseren Gunsten, als erwartet worden war. Die Engländer werden nie bis Prätoria kommen. Die Burghers Steijn, Joubert und ich wie alle anderen sind einig; Es ist kein ®Oeit zwischen uns vorhanden. Gott helfe uns!

Sehr erfreulich wäre ja vor allem ein weiteres Zu- ammenhalten der Freistaaten mit dem Transvaal. Daß ^eij» nicht zum Wanken zu bringen sei, das wußte van allerdings längst. Vor einiger Zeit hatte er einem freunde geschrieben:Was den Orauje-Freistaat betrifft. 0 sind wir eine schwache Republik, aber doch stark genug, 1111 unserem Erenwort treu zu bleibe». Was auch in ^r Zukunft geschehen möge, halten Sie sich versichert, ^"ß wir bis zum letzten Athemzuge kämpfen werden!" Ooff tlich bleibt wenigstens die große Mehrheit um das ^ranjebanner zum weiteren Kampfe geschart!

Hiernach werden bis auf weitere« also wieder Han- sitze» »,,d Mausers das Wort führen zwischen England ^"b den Republiken. Einstweilen fliegt ja der Union 4Qd weiter siegreich durchs Land Die Londoner feiern Eer rauschendem Jubel die Einnahme von Bloemfontein.

Die amtliche Depesche des Lord Robert« über die Einnahme der Hauptstadt des Oranjelandes, datiert vom

13., abends 8 Uhr, lautet:Mit Gottes Hilfe und durch die Tapferkeit der Soldaten Ihrer Majestät haben die Truppen unter meinem Befehl Bloemfontein besetzt. Die britische Flagge weht jetzt über dem Präsidialge- bäude, welches gestern Abend von dem vormaligen Präsi­denten des Freistaats Steijn geräumt worden ist Das Mitglied der vormaligen Regierung Fräser, der Bürger­meister, der Sekretär der Regierung, der Landrost und andere Beamte trafen mich zwei Meilen außerhalb der Stadt und überreichten mir die Schlüssel zu den Regie- rungsgebäuden. Der Feind hat sich aus der Nachbarschaft zurückgezogen, und alles scheint ruhig. Die Bewohner Bloemfonteins bereiteten den Truppen einen herzlichen Empfang." Hierbei muß man in Betracht ziehen, daß es in Bloemfontein eine Menge Ausländer und auch unter den Republikanern eine englandfreundliche Minderheit giebt. Nach denDaily News" hatte French mit Be­schießung gedroht, falls die Stadt sich nicht ergebe. Die Eisenbahn nach Norden soll nicht beschädigt sein. Die Volksstrem" veröffentlichte schon am 13. einen Bericht aus Bloemfontein, der besagte, daß angesichts der mili­tärischen Lage der Sitz der Regierung möglicherweise nach Kroonstadt verlegt werde.

Aus Natal liegt nur die kurze Meldung vor, daß die Buren mehrere stark verschanzte Stellungen mit schweren Geschützen bei der Vereinigung der Drakensberge und der Biggarsberge besetzt halten.

Aus Prätoria wird vomNeuterschen Bureau" ein Bericht des Kommandanten Delarey über das Gefecht bei Abrahams-Kraal (nordwestlich von Bloem- fontein) verbreitet, das am 10. d. M stattfand: Die englischen Streitkräste, der Schätzung nach 40000 Mann, näherten sich unseren Stellungen von zwei Seiten her. Sie beschossen zunächst die Positionen, wo General CellierS Artillerie stand. Diesem Angriff folgte ein Gewehrfeuer, bei dem zwei Buren verwundet wurden. Als die Engländer erkannt hatten, daß der Versuch, an dieser Stelle durchzubrechen, hoffnungslos war, machten sie einen zweiten Angriff, und zwar auf unsere linke Flanke, die sich über eine Reihe von Hügeln erstreckte; an der höchstgelegenen Stelle des Weges hatte ich mit 300 Mann Ausstellung genommen. Die Eroberung dieser Hügel war von großer strategischer Wichtigkeit für die Engländer. Da auch den Unsrigen dies klar war, ent­wickelte sich ein heißer Kampf, der von 9 Uhr Vormittags bis Sonnenuntergang dauerte. Die Unsrigen fochten wie Helden und warfen dreimal die Massen der Eng­länder, die ihre ermüdeten Mannschaften immer wieder ers-tzten, zurück. Jeder Versuch, unsere Stellung im Sturm zu nehmen, wurde abgeschlagen, und bei Sonnen­untergang waren wir von den Engländer keine 50 Aards entfernt. Die Engländer hatten schwere Verluste. Ueber die Verluste auf unserer Seite kann man zur Zeit keine genaue Angabe machen.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 15. März.

Se. Majestät der Kaiser und Se. königl. Hoheit Prinz Heinrich kehrten gestern Nachmittag 3 Uhr mit derDeutschland", welche die Fahrt bis zum Stollergrund gemacht hatte, nach Kiel zurück. Während der Fahrt wurden ausschließlich Schießübungen auf schwim­mende Scheiben vorgenommen. Später begab sich Se. Majestät der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich nach der kaiserlichen Werst, besichtigte daselbst das in Reparatur befindliche LinienschiffSachsen" sowie die Neubauten der großen KreuzerA" undFürst BiSmarck" und kehrte hierauf ins Schloß zurück. In diesem fand Abends eine größere Tafel statt, an welchem Se. Majestät der Kaiser, die gestern eingetroffenen Gäste des Prinzen Heinrich sowie das Osfijierkorp« des KreuzersDeutsch­land" theilnahmen. Die Prinzen Eitel Friedrich und A d a l b e r t trafen heute früh aus Plön zur Theilnahme an den Festlichkeiten in Kiel ein. Sie wurden aus dem Bahnhose von dem Prinzen Heinrich empfangen.

Heute Morgen begaben Sich Se. Majestät der Kaiser, Prinz Heinrich und die kaiserlichen Prinzen in einem Rudergig zum Stapellauf des russischen KreuzersAskold" nach der Germaniawerft. Außer den Mitgliedern der russischen Botschaft und dem Kommandanten desAskold" nahmen der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Oldenburg, Staatssekretär Tirpitz, Admiral von Koester und die Spitzen der Behörden an der Feier Theil. Auf einer vor dem Bug desAskold" angebrachten Kanzel hatte der Probst der russischen Gemeinde in Berlin mit 12 Chorknaben Platz genommen. Neben der Kanzel war ein mit Fahnen geschmücktes Zelt für den Kaiser errichtet worden. Der Kaiser begrüßte bei seiner Ankunft die vor demAskold" aufgestellte Besatzung der russischen Schiffes. Nach einem von den Chorknaben ausgeführten Gesang hielt der Pope die Weiherede und sprach den Segen über den Kaiser und das kaiserliche Haus. Dann bestieg er denAskold", der nunmehr langsam ins Wasser glitt. Gleichzeitig feuerten sämmtliche im Hafen liegen­den Kriegsschiffe Salut. Nach Beendigung der Feier kehrte Se. Majestät der Kaiser mit seinen Gästen in das Schloß zurück.

Die Budget-Kommission des Reichstages gedenkt, nächste Woche, voraussichtlich am Mittwoch, in die , General-Diskussion der Flotten-Vorlage einzu- treten. Nach der General-Diskussion soll, wie verlautet, die Weiterberathung vertagt werden, sodaß anscheinend die Spezial-Debatte nach Ostern stattfinden wird. Die Erwägungen, die zu diesem Beschluß geführt, lassen hoffen, daß es doch noch, entgegen den Besorgnissen, die hier und da geäußert wurden, zu einer Verständigung kommen wird, zumal da über die Grundfrage, daß das Reich einer Flotte in der verlangten Stärke unbedingt bedarf, bei der großen Mehrheit schwerlich irgend welche Zweifel mehr bestehen.

(Der Kurs-Rückgang der Reichs - An - leiben und preußischen Konsole.) Eine bei merkentzwerthe Erscheinung auf dem Geldmärkte ist das Sinken der Kurse der Reichs-Anleihen und der preußischen Konsols. Vor 5 Jahren wurden die 3'/,prozentigen deutschen Reichs Anleihen mit 105 bezahlt, die 3 prozentigen mit 98,25 ; die 3'/, prozentigen preußischen Konsols mit 105, die 3 prozentigen mit 98,80. An diesem Mittwoch aber standen die 3</,prozentigen ReiLs-Anleihen auf 95,90, die 3 prozentigen auf 86,40, die 3'/, prozentigen preußischen Konsols auf 95,80 und die 3prozentigen auf 86,70. Was ist der Grund für diesen Rückgang unserer erstklassigen, sichern Anlegewerthe? Die Geldknappheit ist es nicht; für gewerbliche Zwecke, zur Ausbeutung von Bergwerken und andern industriellen Unternehmungen ist reichlich Geld vorhanden; es ist vielmehr die Sucht, mühelos reich zu werden. Das Publikum ist von einer schier unbezähmbaren Gier nach schwellenden Dividenden und leichtem Gewinn erfaßt worden, und so werden denn die guten. alten, sichern Reichs-Anleihen und Konsols auf den Markt geworfen, und der Erlös wird zu Speku­lationen benutzt. Nicht zu dauernder Anlage, sondern lediglich um eines möglichst schnell zu erzielenden Kurs­gewinnes wegen werden für die Staatspapiere Aktien großer und kleiner, alter und neuer Unternehmungen ohne Prüfung gekauft, nur auf die Verstcherung des Bankiers hin, daß sie steigerungsfähig seien. Unter solchen Umständen ist die Gründung neuer Gesellschaften und der Vertrieb ihrer Aktien immer lukrativer geworden. Der Uebereifer, wie er bei jeder Zeichnung auf ein neues Industrie-Papier zu Tage tritt, ist für die Gründer wieder ein Sporn, dem Spielbedürfnis des Publikum« neue Nahrung zuzuführen. So kam es, daß sich in den letzten Jahren die Emissionen zeitweise geradezu über« stüizten. In dem KurS-Rückgang der Reichs- und Staals- papiere sehen wir die Folge diese Treiben«. Die Re­gierung hat wiederholt vor der Spekulation gewarnt; sie hat auch Maßregel» jum Schutze der Staatspapiere getroffen. So entschloß sich im Februar vorigen Jahre« der preußische Finanzminister, v. Miguel, ein erstklassiges deutsche« Institut, die deutsche Bank, mit der Emission von 200 Millionen neuer Dreiprozentiger zu 92 zu be»