uns den Frieden zu verbürgen. Zu jenen beiden sind aber neuerdings andere Mächte getreten, die wir zu Lande nicht erreichen, die uns aber von, Meere aus unermeßlichen Schaden zufügen können. Dem Zuge der Zeit folgend, hat sich das deutsche Reich in eine weitausschauende Kolonial-Politik eingelassen und seinen überseeischen Handel bis zum Welthandel ausgebildet. Werthe von mehr als fünf Milliarden sind allein in dem überseeischen Handel werbend thätig. Das ist eine staunens- werthe Ausnützung der durch die Einigung der deutschen Stämme geschaffenen Lage. Aber trotz dieser Errungenschaften hat das deutsche Volk kurzsichtig gehandelt, weil er nicht rechtzeitig an ihre Vertheidigung dachte. Es hat übersehen, daß es sich mit jedem Fortschritt auf den Weltmärkten eine Menge von Feinden sammelt; diesen gegenüber sind alle Summen des im Welthandel steckenden National-Vermögens gefährdet, wenn die Weltlage für uns kritisch wird. Wiederholt haben wir es in der letzten Zeit erfahren müssen, daß uns auf dem Meere nicht die genügende Achtung gezollt wird, auf die wir Anspruch erheben müssen. Ob ein Schiff die deutsche Flagge führt, deutschen Namen, deutsches Gut — der Engländer achtet darauf ebensowenig, wie auf des Schiffes gutes Recht. Weiß er doch, daß hinter dem Recht keine genügende Zahl von Schlachtschiffen steht. Darum, wenn sich in deutschen Landen heute allgemein der Ruf nach einer starken Flotte erhebt, so ist es kein Kriegsruf, sondern ein Nothschrei unsers Friedens-Bedürfnisses, die volks- thümliche Uebersetzung des „81 vis pacem, para bellum!“
Wie die Münchener „Allg. Ztg." von zuständiger Seite erfährt, sind die Nachrichten norddeutscher Blätter von der Verlobung des Prinzen Ruprecht von Bayern vollständig aus der Luft gegriffen.
Der Finanzminister Dr. v. Miquel hat am 19. Februar feinen 72. Geburtstag begangen. Er ist von feiner mehrwöchigen Krankheit wiederhergestellt und hat feine Amtsthätigkeit in vollem Umfange wieder ausgenommen.
Der Kultusminister Studt hat sich im Abgeordnetenhause, wo er den Verhandlungen der Budget- Kommission beiwohnte, durch einen Fall einen Bruch des rechten Schulter-Gelenkes zugezogen. Die Verletzung ist nach ärztlichem Gutachten nicht erheblich. Immerhin wird der Minister bis auf weiteres das Zimmer hüten müssen.
In der Reichstags-Kommission zur Vorbereitung des Münz-Gesetzes ist regierungsseitig hervorgehoben worden, daß zur leichtern Unterscheidbarkeit der 50 P f. - S t ü ck e von 10 Pf. - Stücken nothwendig sein werde, die Kerbung des Münzrandes schärfer zu machen, und statt der Aufschrift „50 Pfennig" die Aufschrift „eine halbe Mark" zu wählen und vielleicht auch an Stelle des Reichsadlers etwas anderes zu setzen.
In verschiedenen Kochlrngruben bei H a l l e a. S. ist nunmehr ebenfalls ein Ausstand im Gange. Die Briketl-Preise find infolge dessen stark gestiegen. Im österreichischen Streikrevier ist der Ausstand stationär, mit Ausnahme von den Rossitzer und Kattowitzer Braunkohlen-Bergwerken, wo seit Montag zum größten Theil wieder gearbeitet wird. Mittlerweile aber wirft die dortige Bewegung in die entferntesten Gegenden Oesterreichs ihre verhängnißvollen Schatten. Aus Galizien wird gemeldet, daß die Naphtha-Gruben in der Umgebung von Potoa die Arbeit werden einstellen müssen, weil sie außer Stande sind, sich die nöthigen Mengen Steinkohlen zu beschaffen.
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die erste Lesung des Gesetzentwurfs, betr. die Erweiterung des Staatsbahn-Netzes rc., fort.
Die überseeische Auswanderung aus Deutschland war im Januar d. I. etwas größer als im Januar v. I. Es wanderten nämlich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam 1092 Deutsche aus gegen 944 im Januar 1899, so daß sich eine Zunahme
sächlich ansteckend wirke, doch fügte er auch hinzu, daß es für die Zukunft des Jünglings wünschenswerth wäre, wenn er etwas ernster und gesetzter würde, „denn ich fürchte, daß ihm sonst schwere Prüfungen bevorstehen," schloß er.
Lady Agnes seufzte, denn ihr selbst bangte oft um die Zukunft ihres Sohnes, der nebst so vielen blendenden Eigenschaften, auch manche schlechte besaß — namentlich eine Leidenschaft für den Kartentisch. Er zog ihn unwiderstehlich dahin. Wie oft hatte er seiner Mutter das feierliche Versprechen gegeben, nie wieder eine Karte anzurühren; wenn aber die Versuchung an ihn herantrat, brach er sein Wort noch in derselben Nacht.
Die Dorfleute liebten ihren Junker, denn er war nichts weniger als stolz. So oft er ins Dorf kam, blieb er bald bei diesem, bald bei jenem stehen und hatte für jeden einen freundlichen Händedruck und ein guter Wort bereit.
Am liebsten hielt er sich jedoch in der Dorfschenke auf. Es war aber auch die sauberste und ruhigste Schenke in der ganzen Grafschaft, denn der Gutsherr hielt auf Ordnung und Sitte. Das mit Schlingrosen und wilden Reben umsponnene Häuschen sah wie eine gutgehaltene Farm aus; das Vorder- gärtchen war mit saftigem Rasen und schönen Blumen bepflanzt.
Als Jack zum ersten Mal aus Eton in den Ferien heimkam, forderte ihn sein Vater selbst auf, den wackern Roger Barton, den Pächter der Schenke, zu besuchen, auf den der alte Gutsherr große Stücke hielt, weil er ein strammes Regiment führte und die Schenke zur
um 148 Personen oder 15,7 v. H. ergiebt. Außer den aus deutschen Häfen beförderten 956 deutschen Auswanderern wurden noch 8835 Angehörige fremder Staaten über deutsche Häfen befördert, darunter 5284 über Bremen und 3551 über Hamburg.
Irr toto in Akfrika.
Auf der Kriegslage auf dem Hauptkriegsschauplatze lastet seit fast 2 Tagen das drückende amtliche Schweigen, das bisher wenig Gute« für die Engländer zu bedeuten pflegte. Desto geschwätziger werden die Zeitungen. Sie wissen zu erzählen, daß die Engländer dem Feinde bereits 150 Wagen abgenommen haben. Sie plaudern von „Bisquit-Büchsen" mit der Aufschrift „nach Prätoria via. Delagoabay", die mit Munition gefüllt sein sollen. Und schließlich kommen sie sogar zu den kühnsten Hoffnungen. Der „Standard" sagt heute in einem Leitartikel: Gerüchten zufolge, die andauernd gestern Abend im Unterhause umliesen, hat General French die von ihm verfolgten feindlichen Truppen bereits überholt und das Burenheer von seinem Operationsziel bei Bloemfontein abgeschnitten. Der „Standard" ist der Ansicht, daß, wenn dies wirklich der Fall sein sollte, die Westarmee der Buren ausgehört habe, zu existieren. „Daily News" theilt mit, sie habe von einem Minister erfahren, daß auf dem Kriegsamt Nachrichten eingetroffen seien, denen zufolge General Cronje völlig umringt sei. Schade nur, daß French, wie „Evening News" aus Jacobsdal meldete, augenblicklich dabei ist, ein Lager der Buren nördlich von Kimberley, bei Droonfield, zu beschießen. So beweglich ist er doch schwerlich, daß er zwei Heere zugleich umzingeln kann. Burenmeldungen aus Prätoria theilen mit: Unter der von den Buren bei Kyffyfontein eroberten Beute befanden sich 3—4000 Stück Vieh und eine Anzahl Wagen, darunter 18 mit Lebensmitteln, die nach Kimberley gehen sollten. Die Buren sollen eine Anzahl Gefangene gemacht haben. Ohm Paul soll selber in einem in Lourenyo Marques bekannt gewordenen Telegramm erklärt haben, daß diese Aenderung der Taktik Cronjes von langer Hand vorbereitet war! Jedenfalls wird man weitere Depeschen von Roberts abwarten müssen, kann ober jetzt ,wohl schon feststellen, daß die Sache für die Engländer keineswegs so glatt geht, wie man in London nach Empfang der ersten Freudenbotschaften glaubte.
Ob weitere Verstärkungen nach dem westlichen Kriegsschauplatze gesandt werden, ist noch nicht festgestellt. Ein Telegramm aus Maseru in Basutoland, nach dem übrigens die Buren viel unter einer Typhusepidemie zu leiden haben sollen, behauptet, die Regierung von Transvaal sende große Truppenmassen nach dem Freistaat.
Dem „Reuterschen Bureau" wird aus Sterkstroom vom 18. d. M. Abends gemeldet, daß die Buren sich zurückziehen, und daß die Division des Genera s Brabant in Folge dessen in Dordrecht einrücke.
Laut einer „Reuter"-Depesche aus Prätoria vom 16. Februar meldet der Korrespondent in Calesberg Folgendes : „Ich begleitete am Donnerstag die Buren, welche den Bahnhof von Rensburg angriffsn. Kommandant Peller stieß bei seiner Ankunft daselbst auf zwei Kompagnieen des Wilkshire-Regiments, die sich jedoch auf die benachbarten Kopjes zurückzogen. Die Buren, durch General Schoemann verstärkt, verfolgten die beiden Kompagnieen, und es gelang ihnen, alle Leute, außer dreien, die entkamen, gefangen zu nehmen. Die Zahl der Todten und Verwundeten ist nicht bekannt, jedoch von 200 Mann des Wilkshire-Regiments sind 142, darunter 44 Verwundete, gefangen. Die Buren thaten ihr Bestes, um den Gefangenen ihre Leiden zu erleichtern. Sie ließen die Verwundeten Pferde besteigen und trugen andere auf Decken nach Rensburg. Inzwischen eröffnete die englische Nachhut bei Nietfontein das Feuer und zwang die Buren,
Zierde, des Torfes gestaltet hatte. Während Jack in seiner kleidsamen Studententracht mit dem Wirth plaudernd in dem Extrazimmer saß, glaubte er eine Vision zu sehen.
Ein Backfischchen in einem weißem gestickten Kleide spazierte im Vorgarten umher. Es war die goldlockige Lilli, des Wirthes einziges Kind. Jack glaubte noch nie ein so liebliches Geschöpf gesehen zu haben, freilich befand er sich damals in dem Alter, in welchem Jünglinge leicht in Liebe ausflammen. Er verlor auch zur selben Stunde sein Herz an Lilli, die er wohl seit ihrer Geburt kannte, aber bis zu jenem Tage nicht beachtet hatte.
So oft er dann in den Ferien heimkam, fand er Lilli immer zn ihrem Vortheil verändert. Und als Jack endlich jenes Alter erreichte, wo er Gesellschaften zu besuchen anfing und mit Mädchen seines Standes verkehrte, mußte er sich sagen, daß keines einen Vergleich mit Lilli aushalten konnte, und er bedauerte lebhaft, daß diese nur die Tochter eines Schankwirthes war, die durstigen Dorfbewohnern Bier kredenzte.
(Fortsetzung folgt.)
— Ueber die Weihnachtsfeier im A > iillerie - lager zu Tfintau wird dem „Ostas. Lloyd" von befreundeter Seite geschrieben: Nach dem Gottesdienst zur Einweihung der neuen evangelischen Kirche folgten wir einer Einladung zur Weihnachtsfeier im Artillerie- lager. Der Eindruck, den diese aus uns machte, war geradezu überwältigend. Die lange Kegelbahn der OsfizierSmesse erstrahlte im hellsten Lichterglanz von zahlreichen Weihnachltzbäumen In langen Reihen standen
die Verwundeten im Stich zu lassen, um sich zu vertheidigen. Ein Geschütz zwang die Engländer, sich gegen die Berge zurückzuziehen. Die Buren hatten 2 Todte und 4 Verwundete. Gegenwärtig halten die Buren alle Stellungen bis Rietfontein besetzt. Die Engländer bub giren augenscheinlich den größten Theil ihrer Streitkräfte auf dem Wege nach Naauwpoort fort mit einer Bestimmung, die den Buren nicht unbekannt sein dürfte."
General Buller meldet aus Chieveley vom 19. b. M. nach London, daß er den Feind aus der anderen Seite des Tugela aus starken Stellungen verjagt habe. General Buller hat die Stellungen der Buren gleichzeitig in der Front, in der Flanke und von hinten angegriffen. Die Engländer haben mehrere Lager genommen sowie mehrere Wagen mit Munition und Lebensmitteln erbeutet und einige Gefangene gemacht. Die Hitze ist sehr groß und das Terrain außerordentlich schwierig. Die Truppen zeigten große Begeisterung. — Weiter wird der „Daily News" aus dem Lager bei Chieveley vom 19. Februar gemeldet: Die britischen Truppen haben jetzt alle Hügel rechts von Colenso, diesseits des Tugela besetzt, auch den Hlangwane, der vom Feinde letzte Nacht geräumt worden ist. Die Einnahme des Hlangwane ist von großer strategischer Wichtigkeit, da er die Flanke der Vertheidigungslinie der Buren bei Colenso beherrscht.
Aus Protliilj iiiiö Allchbargkllltt.
Zum 1. April werden voraussichtlich, wie die „D. Verkehrs-Ztg." erfährt, diejenigen nicht angestellten, aus der Klasse der Zivilanwärter hervorgegangenen P o st - assistenten etatsmäßig angestellt werden, die bis einschließlich 17. November 1894 die Postas sistenprttfuiig bestanden haben ober denen anderweit das entsprechende Dienstatter beigelegt ist. Danach würden über 800 Assistenten mit dem neuen Rechnungsjahre die etatsmäßige Anstellung erlangen.
-e- Hersfeld, 21. Februar. (D e r P e t e r s t a g.) Die in den Februar fallenden Fest- und Wettertage des Voltes haben mehr oder weniger ihren Ursprung aus alten germanischen Festfeiern genommen. Solch ein Tag ist auch der Peterstag am 22. Februar, im Kalender Petri Stuhlseier genannt, weil die katholische Kirche im Jahre 567 für diesen Tag das Gedächtniß der Erhebung des Apostel Petrus auf den Bischofstuhl festsetzte. Ursprünglich fiel aber auf diesen Tag ein heidnisches Früh- lingsfest. Wir wissen, daß die Schiffer an diesem Tage tu Nordfriesland mit den Frauen um große Feuer tanzten, wobei jeder Tänzer einen brennenden Rohrwisch schwang. Dann verließen die Schiffer das Land und begaben sich wieder zur See. Auch nach deutschen, dänischen, czechischen und französischen Sprichwörtern hebt St. Peter das Frühjahr an, des Winters Kraft ist gebrochen, die Zugvögel kehren von ihrer langen Reife zurück, der Landmann setzt seine Ackergeräthe in Stand, und für den Winzer beginnen die ersten Weinbergs ■ Arbeiten. In manchen Gegenden Deutschlands findet am Peterstage das Spinnen seinen Abschluß, des Winters Geselligkeit ist vergangen, und die Vorarbeiten zum Frühling nehmen ihren Anfang. Bei den Bräuchen am Peterstage spielt neben der Vertreibung der Dämonen das Wecken des Frühlings die Hauptrolle. Im Vintschgau ist am 22. Februar das Langaswecken, d. i. das Lenzeswecken, gebräuchlich. Die Knaben hängen sich Kuhschellen an und laufen durch das Dorf, aus vollem Halse schreiend: „Peter LangaS!" Oder sie schleichen sich in die Häuser bis vor die Stuben- thür und läuten plötzlich mit voller Kraft. Nach diesen Tagen werden die ersten Frühlingsarbeiten ausgenommen. Solch eine Art Lenzeewecken scheint auch in dem Brauche zu liegen, welcher in der Gegend von Kemberg im Kreise Wittenberg im Schwange ist. Am 22. Februar wird „gkpetert". In frühester Morgenstunde ziehen die Kinder von Haus zu Haus, klopfen an die Thür und rufen,
erwartungs- und andachtsvoll die Matrosen da. Zunächst wurden WeihnachtSlieder gesungen, alte bekannte Weisen, die uns an die ferne Heimat, mit ihrem schönen Feste gemahnten. Dann hielt der Führer der Matrosen- artillerie, Kapitänleutnant Hub eine kurze Ansprache an die Leute. Er ermähnte sie, fest und treu auf diesem äußersten Wachtposten unseres deutschen Vaterlandes auszuhalten. Wieder wurden Lieder gesungen und dann ging es an die Vertheilung der Festgaben. In wahrhast rührender Weise war für alle gesorgt. Jedem brächte das LoS ein kleines Geschenk, das ihm noch in später Zeit ein Andenken an die Kameraden und die schöne Zeit in Kiautschau sein wird. Glücklich lächelnd brachten die Matrosen die Gaben in die Mannschaftsstuben hinüber, wo sie bald wieder aufgebaut wurden, und wo sich sehr schnell ein herzliches, frohes Treiben entwickelte, wie es eben nur bet sorglosen Jugend beschieden ist. Nach bet allgemeinen Feier fand in der Ofsijiersmesse dann noch eine Sonderseier statt. Auch hier ging es gar lustig zu, man gedachte der Heimat und der Lieben in der Ferne, aber man trug auch dem Augenblick und den Verhältnissen Rechnung, man feierte das Fest mit ganzem Herzen.
— (Sonst nichts?) In der Zeitschrist „Der Artist" wird durch eine Ankündigung ein junger Rebak- teur-Agent-Kapellmeister gesucht. Dieser muß befähigt sein: Morgens eine Fachschrift zu revigiren; welche? wird nicht gesagt. Zweitens soll er, nachdem er Morgens Atedakteur war, Mittags Agenturgeschäfte besorgen; de« Abends aber soll er eine Damenkapelle virigiren. Damit aber soll die Thätigkeit des jungen Manne« noch nicht erschöpft sein, denn eine Anmerkung sagt: Nebenbeschäftigung erwünscht.