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ersjelder Kreisblatt.

Etottsdeiksarn:ILvsß^irtks SsNViaxsdkaLL" «.ILmstriete lanHWrrStzfchaftliche Verlage

Sr. 10. Sonntsiino btn 25. Zamar 1900.

Veftellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sountagsblatt" un» Mustrirte landwirthschaftl. Beilage'' für die Monate Februar und März 1900 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 18. Januar 1900.

Den Herren Standesbeamten des Kreises werden in Kürze je zwei Druckexemplare des Erlaffes der Herren Minister der Justiz und des Innern vom 19. vor. Mts. I A 3885 II , A _ . .. .

-. betreffend bie Eheschließung von rm rechts-

1 <o4d rheinischen Bayern Heimathsberechtigten, zur Kenntniß­nahme und Nachachtung zugehen.

Den Inhalt dieses Erlaffes haben die Herren Standes­beamten besonders zu beachten.

A. 146. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

_____Geheimer RegierungS-Rath.

Hersseld, den 20. Januar 1900.

Zur Hebung der Obstbaumzucht beabsichtigt der hiesige Obst- und Gartenbauverein in nächster Zeit in den größeren Ortschaften des Kreises Wanderversamm- lungen abzuhalten, in welchen durch Vorträge die Interessenten belehrt und auf den großen Nutzen einer zweckdienlichen Obstbaumpflanzung und Pflege hingewiesen werden sollen.

Die erste dieser Wanderverjammlungen ist aus Sonn­tag den 11. Februar d. Js. (Lokal und Stunde wird noch durch besondere Anzeige seitens des Vereins­vorstandes bekannt gegeben werden) nach Niederaula an= beräumt worden, und wird in derselben der Geschäfts­führer des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Cassel, Herr Huber, Vorsteher der Königlichen Lehran­stalt für Obstbaumzucht zu Cassel sprechen.

Aus Kau n r.

Roman von M. H e y. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Mein Sohn ist brav," sagte der Rath,fleißig und ehrgeizig genug, um vorwärts zu streben. Nur ist er mir etwas zu selbstgefällig und zu heftig, aber das sind Erbfehler; er hat gar Manches von seiner Mutter, der heißblütigen Französin. Am meisten mißfallen mir sein Stolz und seine Hoffahrt. Er ist 28 Jahre und manche Schöne scheint ihm geneigt, ich habe noch keine gesehen, dle mir auf den ersten Blick als Schwiegertochter so lieb gewesen wäre, als Deine Elsbeth."

Mein lieber Dunkelmann," entgegnete der Pfarrer, I bnS können wir nicht thun; dergleichen müssen wohl wir Menschen den Fügungen des Himmels überlassen. (Slebetl) ist auch noch zu jung, sie hat kaum die Kinder­schuhe ausgezogen."

Nun, nun kommt Zeit, kommt Rath; ich glaube, ujr liebes, gutes Wesen wäre im Stande, seinen stolzen Sinn zu beugen."

Man war am Ende des Gartens angelangt und er­blickte In nächster Nähe einen großen, schattigen Park.

Das ist der Schloßpark," erklärte Elsbeth,er ge- Wt zu dem Gute der Gräfin Dupont; sie ist aber immer auf Reisen, und so wird der schöne Park hier fast nie benutzt."

»Ich kenne die Gräfin genau," fiel die Näthin ein,

Die Herren Ortsvoistände des Kreises wollen dafür Sorge tragen, daß diese Wanderversammlungen von den Obstbaumzüchtern pp. möglichst zahlreich besucht werden.

I. 483. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 13. Januar 1900.

Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben vom 30. November v. Js. I. A. Nr. 3364, Kreisblatt Nr. 143, übersende ich den Herren Standesbeamten des Kreises in Kürze je zwei Druckexemplare des Erlaffes der Herren Minister der Justiz und des Innern vom 4.

M I 7041

Dezember v. Js. betreffend die

Eheschließung von Ausländern, zur Kenntnißnahme und Nachachtung.

J. A. Nr. 147. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 24. Januar 1900.

Ungeachtet meiner Verfügung vom 1. April v. I, A. 1003, im Kreisblatt Nr. 39, haben mehrere Herren Bürgermeister von den Landgemeinden die Abschrift der Verhandlung über die am 31. v. Mts. vorzunehmende Revision der Gemeindekasse noch nicht eingereicht.

Die säumigen Herren fordere ich auf, die betreffende Verhandlung mir binnen 3 Tagen einzureichen und dabei die Unterlassung der sofortigen Vorlage b erichtlich zu rechtfertigen.

A. 201. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Ziegenhain, den 19. Januar 1900.

Unter dem Rindvieh des Ackermanns Joh. Heinrich Fieser zu Riebelsborf ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und GemarkungSgesperre angeordnet.

Der Landrath. I. V.: B r u n n e r.

An den Herrn Landrath in Hersseld.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 24. Jan. 1900.

Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

sie ist eine Jugendfreundin von mir. Wir haben unsere Kinderjahre zusammen in dem schönen Frankreich ver­lebt. Als sie sich verheirathete hörte der Verkehr auf. Ihr Man» hatte den unbezwinglichen Wandertrieb, darum waren beide immer auf Reisen. Voriges Jahr starb er, wie mir die Gräfin schrieb, und sie gedenkt diesen Winter in der Resideiiz zu wohnen und den nächsten Sommer auf ihrem Gute zuzubringen."

Das ist ja eine freundliche Aussicht," bemerkte die Pfarrerin,wie ich gehört habe, besitzt die Gräfin eine erwachsene Tochter; vielleicht bietet für unsere Elsbeth sich eine Gelegenheit, dieselbe kennen zu lernen. Es ist mir oft beunruhigend, daß sie gar keinen Umgang mit anderen jungen Mädchen hat und zwischen uns beiden alten Leuten auswächst."

Nun," meinte der Pfarrer,die beiden Alten scheinen ja noch keine ungünstige Wirkung auf das junge Gemüth hervorgebracht zu haben."

Nein, gewiß nicht," bestätigte der Rath,Dein Herz ist nicht all geworden, und wenn Du Dein jugendliches, munteres Töchterchen betrachtest, so muß es Dir vor­kommen, als schauest Du hinein in einen Spiegel."

Alfred war näher gekommen und blieb überrascht stehen.

Mein Fräulein," begann er,Sie könnten die Leute glauben machen, daß eine liebliche Fee sich hier im Pfarr- hause aushalte."

Ach nein," lächelte Elsbeth und schlug die Augen nieder,die Feen nehmen ja wohl weder Speise noch

Nichtamtlicher Theil.

$tr Mo in Sähfrifo.

Der englische Vorstoß ist abgeschlagen das zwei­tägige oder sogar dreitägige blutige Ringen war umsonst! Das ist mit kurzen Worten der Inhalt der heutigen Kriegsnachrichten. Merkwürdig still ist allerdings der sonst so gesprächige Buller geworden. Das zeigt folgende Londoner Depesche die Hauptmeldung vom Tage:

London, 22. Januar. Mitternacht. Das Kriegs­amt hat bisher keinerlei Telegramme über die heutigen Operationen des Generals Buller veröffentlicht. General Buller telegraphierte, daß die Engländer in dem gestrigen Kampfe an Todten einen Offizier und fünf Mann und an Verwundeten 3 Offiziere und 75 Mann gehabt hätten, während acht vermißt würden.

Die Verluste, die die Depesche angiebt, dürften über­dies wohl nur auf Bullers und nicht auf Warrens Truppen sich beziehen. Die sonstigen englischen Nach­richten lauten:

London, 23. Januar.Daily Chronicle" meldet aus Spearmans Camp von gestern: General Warrens Artillerie eröffnete heute Morgen wieder das Feuer, das aber bald nachließ, da der Feind nicht antwortete.

London, 22. Januar. DieTimes" veröffentlicht in ihrer zweiten Ausgabe folgende Meldung aus Spear­mans Camp vom 21. Januar: Die Laufgräben wurden von den Buren geräumt und heute bei Tagesanbruch von den britischen Truppen besetzt. Der Feind nimmt eine andere halbkreisförmige Stellung an dem Haupt- Bergrücken hinter der ersten ein. Der Zweck des britischen Hauptangriffs ist, die feindlichen Truppen durch den Vormarsch des rechten Flügels des Generals Hildyard in zwei Hälften zu theilen. Die britischen Truppen nehmen eine gedeckte Stellung ein, und zwar eine halbe Meile vom Feinde entfernt.

Das ist alles, aber auch genug! Denn danach hat Warren, dem der Hauptangriff zufiel, am Montag nicht mehr vorzugehen gewagt. Die Hoffnung Bullers ist also zu Schanden geworden! Zwei Tage lang hatten die Truppen Warrens mit Gewehr und Bajonett Brust an Brust mit dem Feinde gerungen; am dritten, wo es galt, die Hauptstellung anzugreifen, läßt der englische General es bei einer schwachen Artilleriedemonstration bewenden, die er bald einstellt, da der Feind sie nicht einmal einer

Trank zu sich, und ich komme aus der Küche, wo ich für beides gesorgt habe."

Unter angenehmem Geplauder v erstrich der Nest des Abends. Spät erst trennte man sich, nachdem allseitig dem Wunsche baldigen Wiedersehens Ausdruck gegeben worden war.

II.

In der ersten Etage eines eleganten Hauses der Residenz saß am andern Tage die Familie Dunkelmann beim Mitlagstische. Der Rath sprach entzückt von der lieben Familie Walter und konnte Elsbeths anmuthigeS Wesen nicht genug rühmen.

Du hast Recht," begann seine Frau,wenn Dich die jugendliche Frische des Mädchens anzieht, aber das Kind ist doch sehr einfach erzogen, wie ich auch bei den Eltern jede freie, elegante Form vermisse."

Wirst Du denn nie aufhören, Juliette," eiferte der Justizrath,die Menschen in Deine französische Form zu setzen und wenn sie nicht hineinpassen, wegwerfend über sie zu urtheilen? Gilt denn bie deutsche Biederkeit und Offenheit ganz und gar nichts in Deinen Augen?"

Es ist schon gut," erwiderte die Räthin,Du weißt ja, lieber Karl, in diesem Punkte gehen unsere Ansichten nun einmal auseinander."

Alfred hatte schon bei Erwähnung von Elöbeths Namen das Zimmer verlassen.

Mir wäre eS lieb," fuhr Dunkelmann fort,wenn der Junge an dem lieben Mädchen einen so großen Ge­fallen fände, als sein Vater; ich würde mit Freuden Ja