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(Gratisbeilagen: „30uftrirtes Sonntag-blatt" «. „^Unftrirte landwirthschaftLiche Verlage", n , ------------------------- Mir. 8. ____ Sonnoitnil den 20. Januar
! erstes Statt.
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Amtlicher Theil.
Hanau, den 18. Januar 1900.
Der Tagelöhner Robert Petrus, gebürtig aus Ölsnitz, t Kreis Großenhain, 22 Jahre alt, 1,54 Meter groß, i kräftig untersetzt, blond mit kleinem blonden Schnurr- bart, Narbe am linken Mundwinkel, ist heute Morgen P 7 Uhr aus dem GerichtSgesängniß Fulda entsprungen. Ersuche um Ergreifung und Zurückführung.
Erster Staatsanwalt.
Nichtamtlicher Theil.
M Bürgerliche Gesetzbuch.
XXXIII.
Pflichttheil.
Die freie testamentarische Verfügung des Erblassers • wird dadurch gesetzlich beschränkt, daß es gewisse Per- ionen giebt, die einen Rechtsanspruch auf einen Theil des Nachlasses haben. Dies sind die Personen, denen ein Pflichttheil zusteht, nämlich die Abkömmlinge des Erb- . lassers, feine Eltern und fein Ehegatte. Alle anderen ^Verwandten sind nicht pflichttheilsberechtigt.
Der Pflichttheil ist nicht ein ein für allemal fefl- S stehender Theil des Nachlasses, sondern seine Höhe richtet »sich nach der Zahl der Eiben. Der Berechtigte kann Gnämlich als Pflichttheil die Hälfte des Werthes seines ^gesetzlichen Erbtheils verlangen, das heißt desjenigen ^ErbtheilS, den er nach dem Gesetze erhalten würde, wenn t der Erblasser keine letztwillige Verfügung getroffen hätte. Dieser gesetzliche Erbtheil aber richtet sich nach der Zahl der Erben. Nehmen wir ein Beispiel. Jemand hinterläßt ein Vermögen von 18000 Mark. Als alleinige Erben kommen zwei Kinder und drei Enkel, Kinder eines j verstorbenen Sohnes, in Betracht. Der gesetzliche Erb- theil eines jeden Kindes und der der drei Enkel zusammen ist ein Drittel des Nachlasses, also in unserm Falle 6000 Mark. Der Pflichttheil beträgt daher für jedes Kind des Erblassers ein Sechstel des Nachlasses oder 3000 Mark, für jeden Enkel ein Achzehntel des Nachlasses oder 1000 Mark.
Der Berechnung des Pflichttheils wird der Bestand und der Werth des Nachlasses zur Zeit des Todes des Erblassers zu Grunde gelegt. Ist der Pflichttheil von Eltern zu berechnen und ist ein überlebender Ehegatte . da, so werden die Sachen, die letzterer als sogenannten GVorauS erhält, nämlich die zum ehelichen Haushalte des ''Verstorbenen gehörigen Gegenstände, mit Ausnahme des Zubehörs von Grundstücken, und die HochzeitS-Geschenke, I die sich im Nachlaß vorfinden, bei der Berechnung außer Ansatz gelassen. Der Werth des Nachlasses muß, soweit erforderlich, durch Schätzung ermittelt werden; eine vom Erblasser etwa getroffene Werthbestiinmuttg ist nicht maß- j gebend. Gehört zum Nachlasse ein Landgut und hat । einer der Erben das Recht, das Gut zu dem Ertrags- - werthe zu übernehmen, so ist, wenn er von diesem Rechte Gebrauch macht, der Ertragswerth auch für die Berechnung des Pflichttheils maßgebend. Hat jedoch der Erb- , [affer|einen andern Uebernahmepreis bestimmt, so ist dieser ju zahlen, wenn er mindestens ebensoviel beträgt wie der ermittelte Ertragswerth und wenn er den SchätzungSwerth nicht übersteigt.
Bei dem Vorhandensein gewisser Gründe ist der Erblasser befugt, dem Pflichttheils-Berechtigten den Pflichttheil zu entziehen. Es komme» hierfür im wesentlichen schwere Verfehlungen des Pflichttheils Berechtigten in Betracht. Die Entziehung des Pflichttheils bedarf der Form der letztwilligen Beifügung, der Grund muß schon zur Zeit er Errichtung des Testaments bestehen und bewiesen werde». Durch die Verzeihung wird eine Verfügung,
mittelst deren der Erblasser die Entziehung des Pflichtheils angeordnet hat, unwirksam.
Ein im Leben häufig vorkommender Fall ist endlich der der Enterbung in guter Absicht. Gar oft müssen nämlich die Eltern befürchten, daß der einem ihrer Kinder oder Enkel anfallende Erbtheil wegen dessen Verschwendungssucht oder Ueberschuldung der Familie entzogen werde. In solchen Fällen ist es dem Erblasser gestattet, den Pflichttheil eines Pflichttheils-Berechtigten dessen gesetzlichen Erben als Nacherben zuzuwenden, sodaß der Pflichttheils-Berechtigte nur einen Anspruch auf den jährlichen Reinertrag hat.
Str Krieg in SNritn
Endlich kommen wieder Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Nalal. Sie melden, daß Buller gegen die Stellungen der Buren im Westen vorrückt. Die Drahtberichte lauten:
London, 18. Januar. Die „Times" meldet aus Spearmans Farm, einer hinter Springfield gelegenen Farm, vom 17. d. Mts.: Die Kolonne des Generals Buller marschirte am 10. d. Mts. in westlicher Richtung ab. Lord Dundonald nahm durch eine plötzliche Bewegung die oberhalb, der PotgieterS Drift, fünfzehn Meilen westlich von Colenso, gelegenen Hügel, wobei die Buren vollständig überrascht wurden. Die Infanterie rückte noch an demselben Abend nach. Die Brigade General LyttletonS überschritt gestern und heute den Fluß und bombardierte die aus der anderen Seite des Flusses liegenden Verschanzungen der Buren mit Haubitzen. General Warren überschreitet jetzt den Fluß bei der TrichardtS Drift, fünf Meilen weiter oberhalb des Flusses, ohne aus irgendwelchen Widerstand zu stoßen, obwohl die Buren vier Meilen vom Flußuser Stellungen einnehmen.
London, 18. Januar. „Daily Telegraph" meldet aus Spearmans Farm von gestern: General Warren überschritt heute bei der Wagonsdrist den Tugela mit allen seinen Truppen trotz des heftigen Gefchütz- und Gewehrfeuers der Buren und bezog zwei Meilen vom Flusse in der Richtung auf den Spion Kop eine durchaus befriedigende Stellung.
Daß Warren einmal die TrichardtS-, das andere Mal die Wagonsdrist überschritten haben soll, kann sich wohl au» einer Doppelbezeichnung derselben Furt ergeben. Nach diesen Meldungen wird das Ausbleiben der Nachrichten einigermaßen erklärt: General Warren ist nach verändertem Schlachtplan von Weenen zurückgekehrt, und Buller, der bereits am 11. zwischen Springfield und Pot- gieter stand, hat fünf Tage lang auf ihn gewartet. Erst als er Fühlung mit Warrens Truppen bekam, ließ er seine Vorhut, augenscheinlich nicht bei Potgieter selbst, über den Fluß setzen, der ja bald oberhalb dieser Furt schon ziemlich schmal ist. AuS welchen Gründen Warrens östliche Umgehungsbewegung aufgegeben wurde, sei dahingestellt; jetzt liegen die Dinge jedenfalls so, daß Buller mit seiner ganzen Macht im Westen angreist.
K i m b e r l e y scheint in den letzten Zügen zu liegen. Der Draht meldet:
London, 17. Januar. Die Abendblätter melden aus JacobSdal vom 14 Januar: Zahlreiche Deserteure der Kaffern, die aus Kimberley im Lager der Buren angekommen sind, theilen mit, daß die Garnison und die Einwohner von Kimberley auf die letzten Rationen angewiesen sind.
London, 18. Januar. General Joubert ließ die größere Hälfte der Divisionen Warren, Lyttleton und Dundonald gestern und vorgestern über den Tugela un* belästigt ziehen, um sie in der dahinterliegenden Thal, schlucht einzuschließen, ihren Rückzug abzuschneiden und sie zwischen dreifachem Kreuzfeuer von Zwarlskop, Dewdrop- und Onderbrook - Höhen auszureiben. Der Kampf ist im Gange.
Durban, 18. Januar. Alle verfügbaren Truppen sind an die Front beordert. Der Feind greift sei gestern Abend plötzlich mit Uebermacht die Vorhut an. Er ver
1900.
hinderte eine Verschanzung, bombardiert die Uebergänge Tugelas, bedroht die Rückzugslinie vom Doornkoop aus. Alle Berichte konfus. Eine Artillerie-Demonstration wurde gegen Colenso vom Jnhiaweberg aus begonnen. Der Feind antwortet nicht. Buller leitet selbst die Operationen von Springfield aus.
Politische Nachrichten.
Berlin 18. Januar.
S e. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nachmittag einen Spaziergang im Thiergarten und arbeitete darauf bis zur Abendtafel. Zum Thee waren Herzog Friedrich Ferdinand und Prinz Albert zu Schleswig-Holstein geladen, zur Frühstückstafel die Herzogin Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein. — Heute Morgen unternahm Se. Majestät den gewohnten Spaziergang im Thiergarten und hörte von 10 Uhr ab den Vortrag des Kriegsministers, Generals der Infanterie von Goßler, und daran anschließend denjenigen der Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke. Um 12 Uhr hielt Se. Majestät mit den anwesenden kapitelfähigen Rittern des hohen Ordens vom Schuren Adler ein Kapitel des Ordens ab. — Zur Frühstuckstafel waren der Herzog und die Herzogin Friedrich Ferdinand zu Schleimig - Holstein geladen.
Ein Kaiser Fr je dri ch - D en kma l an der Unterweser ist geplant. Eine große Zahl von Kriegskameraden und Verehrern Kaiser Friedrichs III. hat sich aus allen Theilen Deutschlands zusammengethan, um dem Helden von Weißenburg und Wörlh ein nationales Denkmal an der Unterweser zu errichten, das weit ins Meer hineinschaut, sodaß den von See Kommenden schon von weitem der Anblick des Denkmals innige Herzensfreude erwecken würde.
Die Geschäftsordnungs -Kommission des Reichstages hat mit acht gegen drei Stimmen beschlossen, dem Plenum zu empfehlen, das Mandat bes Abgeordneten Jacobfen wegen des Konkurses über dessen Vermögen nicht als erloschen zu erklären.
(Die Etats-Debatte im Abgeordnetenhause.) Die erste Lesung des StaatShauShalti-Ent- wurfs ist im preußischen Abgeordnetenhause beendet und der Entwurf, wie üblich, in die Budgetkommission verwiesen worden. Die Regierung kann mit dem Verlauf der ersten EtatS-Lesung durchaus zufrieden sein, denn mit seltener Einmüthigkeit wurde von allen Parteien im Hause die günstige Finanzlage des preußischen StaateS anerkannt, und die im Etat ausgestellten Posten fanden ebenfalls fast einmüthig eine durchaus wohlwollende Kritik. Selbst der Abgeordnete Richter, dessen parlamentarische Hauptthätigkeit seit Jahrzehnten im Zerpflücken des Etats besteht, sah diesmal von seinen willkürlichen und künstlichen Zahlen-Gruppierungen ab und beschränkte sich im wesentlichen darauf, seine alte programmmäßige Opposition gegen die Grundsätze der erfolg- reichen preußischen Finanzpolitik ohne sachliche Begründung einfach beizubehalten. Da einer solchen EtalSrede naturgemäß die nöthige Würze fehlte, versuchte der freisinnige Redner sie dadurch zu ersetzen, daß er die zwischen der Regierung und der konservativen Partei noch bestehenden Differenzen geflissentlich hervorhob und feine politischen Gegner, die Konservativen, zu einem neuen Vorstoß gegen die Regierung zu verleiten versuchte. Freilich ohne Erfolg. Im übrigen verlief die Etats- Berathung durchaus sachlich; auffällig war es aber, daß mit Ausnahme des Nationalliberalen Abg. v. Eynern keiner der Redner auf die in Aussicht gestellte neue Kanalvorlage einging. Bei den Konservativen war diese Zurückhaltung freilich erklärlich, zumal der Landtag über die Form der neuen Vorlage Authentisches ja noch nicht weiß; das Centrum aber beobachtete wohl absichtlich aus taktischen Gründen tiefes Schweigen. Die Form, in der die erste Lesung sich bewegte, bot den Fachministern nur hie und da Gelegenheit, in die Debatte einzugreiseu.