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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 15. Dezember 1899.

Bezugnehmend auf meine Verfügung vom 27. Juni d. I, I. A. Nr. 1977, im Kreisblatt Nr. 76, wird hier­mit die Einreichung der Gemeinderechnungen pro 1898/99 nebst Belegen und den betreffenden PrüfungSverhand- lungen in Erinnerung gebracht.

Es wird erwartet, daß bis zum 2 7. d. MtS. sämmtliche Rechnungen pp. dahier eingegangen sind.

I. A. Nr. 3574. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

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Dahier gestohlen: 1. Am 9. d. M. zwischen 6 und 9 Uhr Abends von einem Speditionswagen, eine Holz­kiste, 12 Kilogramm schwer, enthaltend Leuchter. 2. Am 10 d. M. aus einem Bureau eines Elektrotechnikers: Ein Ohmeter für direkte Ablesung von Wiederständen, gez. Hartmann u. Braun, Nr. 94, Werth 250 Mk, ein aperiodischer Akumulatorenprüfer, Werth 40 Mark, ein Taschen-Voltmeter, Werth 15 Mk., eine silb. Herren- Remontoiruhr mit ^Sprungdeckel, Werth 15 Mark. Als

7" Thäter kommt zu 2. in Betracht: Der Kaufmann und [H Ingenieur Karl Friedrich Wilhelm Beutelspacher, geb.

am 26.1. 58 zu Laupenheim in Württemberg. Derselbe ist 1,661,67 Meter groß, von schlanker Statur, hat dunkelblonde Haare, ebensolchen nach unten zugeschnittenen I Vollbart, dunkeler Sackrock, braune Hose, neue Schnür­schube, hellgrauen Sommerüberzieher und schwarzen weichen Filzhut, oben eingedrückt, spricht schwäbischen Dialekt.

Besondere Kennzeichen: Die Finger der linken Hand zeigen gelb-brauue Farbe vom Cigarrettenrauchen her­rührend.

Um Anstellung geeigneter Recherchen, Anhaltung des ^/ PP. Beutelspacher im BetretungSfalle und Drahtnachricht anher wird ersucht.

Hanau, 12. Dezember 1899. Königl. Polizeidirektion.

pei. Uichkamtlicher Theil. d| 8er Srito in Siiilafrifo.

^igen, Aus Brüssel werden jetzt von der Transvaal- [üre, gesellschaft bedeutsame Aeußerungen über die Taktik der :|]einf, Buren berichtet. Darnach solldie Gesandtschaft" sich

, folgendermaßen ausgelassen haben:

Wir wären ja thöricht, wenn wir dort einen ent- . e scheidenden Schlag führen wollten oder gegen uns aus- führen ließen. Die Republiken könnten im höchsten Falle 70000 Mann ins Feld stellen; selbst mit dem erwarteten Wuzug aus der Kapkolonie werden es nicht viel über ' B^OO werden, und für Abgang haben wir keinen Ersatz, 6 y «Mimend die Engländer in der Lage sind, immer noch Truppen nachschieben zu können. Unsere Führer wissen, Mjnit der Ausstellung von 100 000 bis 110 000 Mann I 'n Südafrika England noch nicht am Ende seiner Kräfte ""gelangt ist; wir wissen, daß es die größten Anstreng­ungen machen, daß es auch neue50000Mann nachSüdafrika werfen wird. Und weil unsere Führer das wissen und Anfang damit gerechnet haben, deshalb sind sie so bemüht, die Kräfte zu schonen, wie der Engländer damit leichtsinnig umgeht. Sich selber wenig aussetzen, ^ntfe x^ auf keine opfervollen Schlachten ankommen lassen, P Gegner dagegen die größtmöglichen Verluste zuzu- - k'"^n, das ist die Taktik, welche uns von unserer Selbst- «eihaltungspflicht auferlegt wird; deshalb ging Joubert Y^et zurück, deshalb wird auch General Cronje " bet Spyfontein keinen entscheidenden Kampf auf- J^men. Nach allem, was wir hören, sitzt Lord Methuen

zwischen Oranje- und Modderfluß in einer fürchterlichen Klemme; sein übereiltes Vorgehen beginnt sich schmerzn rächen. Viel Vorrath an Lebensrnitteln und Munition hat er auf seinem Gewaltmärsche nicht mitgesührt, seine Verbindung nach rückwärts ist aufgehoben. Was soll er nun thun, wenn der Nachschub ausbleibt, wenn das Ein­treffen von Lebensmitteln und Munition auch nur um 23 Tage von den Unseren, die in seinem Rücken stehen, verzögert werden kann, während er sich gerade in der höchsten Noth befindet? Lord Methuen kann dann nicht anders, er muß nach Kimberley um jeden Preis, und da General Cronje das weiß, wird er die entschei­dende Schlacht nicht annehmen, die bei der Verzweiflung der Engländer auch für uns höchst blutig verlaufen müßte. Man wird den Feind schädigen, ihn dezimieren, vor dem verzweifelten Sturme aber wird Cronje zurückgehen. Es ist Unsinn, wenn berichtet wird, daß unsere Truppen irgendwo Hunger litten. So kann General Cronje in Ruhe Den Zeitpunkt abwarten, wenn der Hunger den Fuchs aus dem Bau treibt, und der Preis für Lord Methuens Vordringen nach Kimberley wird ein hoher sein, dafür wird Kommandant Cronje schon sorgen. ES wird einSieg" werden, nach dem Lord Methuen die weitere Lust zumSiegen" vergehen soll; allem Anschein nach wird er bestenfalls in Kimberley in die Lage des Generals White gerathen. So hätten wir dann auch unser Sedan und Metz wie die Deutschen 1870, und wie trotz dieser beiden belagerten Armeen die Deutschen den Krieg weiterführten, so werden auch wir dazu in der Lage sein."

Vom östlichen Kriegsschauplatz kommt wieder einmal die Meldung, daß Ladysmith gefallen sei. Die Tgl. Rdsch." will aus zuverlässigster Quelle erfahren haben, daß die Engländer nicht mehr im Stande waren, die Stadt Ladysmith länger zu halten. Ladysmith be­finde sich in den Händen der Buren. Einzelheiten über die Uebergabe fehlen noch.

Wenn sich, wie das Blatt nicht zweifelt, die Nachricht bestätigt, so ist auf dem Kriegsschauplatze ein Ereigniß von höchster Wichtigkeit eingetreten. Den Engländern ist es nicht gelungen, der schwer bedrängten Stadt noch rechtzeitig Hilfe zu bringen. Es ist begreiflich, daß das Kriegsamt in London, das unbedingt Meldung über den Fall der Stadt erhalten hat, die Veröffentlichung der schlimmen Kunde hinzuziehen sucht, bis man sich in London von dem Schreck über die Niederlagen bei Storm- berg und bei Magerssonlein einigermaßen erholt hat. Die Bestürzung über dieses neue Unglück, bei dem ver­muthlich die ganze Armee General White's in Gefangen­schaft gerathen ist, wird in ganz England maßlos sein. Die Nachricht, daß Chamberlain um seinen Abschied ein­gekommen sei, wird jetzt erklärlich. Die Lage der Engländer auf dem gesammten Kriegsschauplatze ist jetzt außeror­dentlich gefährlich, da die Kapitulation von Mafeking und Kimberley vermuthlich auch nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

London, 14. Dezember. DerStandard" erfährt aus guter Quelle, im KriegSamte sei infolge der von General Methuen erlittenen Verluste gestern beschlossen worden, die Mobilisierung einer siebenten Division, mit einer achten in der Reserve, vorzubereiten.

London, 14. Dezember. Das KriegSamt theilt mit, daß die Hochländerbrigade in dem Gefecht am Montag allein einen Verlust von 650 Mann an Todten und Verwundeten, Unteroffizieren und Mannschaften, hatte. Von Offizieren wurden 10 gelödtet, 38 verwundet;

4 werden vermißt. Gleichzeitig wird bestätigt, daß der Marquis of Winchester gefallen ist.

Politische Nachrichten.

Ihre Kaiserlichen Majestäten besuchten gestern Vormittag das Kunstgewerbemuseum. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten waren Prinz und Prinzessin Heinrich VII. Neuß, Fürst zu Wied und Ge« sandter Graf v. Wolff-Metternich geladen. Nach der

Tafel besuchte Se. Majestät der Kaiser mit den Gästen den Marstall. Beide Majestäten unternahmen Nachmittags eine gemeinschaftliche Spazierfahrt. Später arbeitete Se. Majestät der Kaiser allein und wohnte um 7 Uhr in der Militärischen Gesellschaft einem Vortrag des Obersten Grafen Jork von Wartenburg bei. Abends nm 9 Uhr waren die Herren der Kommission zur Neu­bearbeitung der Felddienstordnung, sowie die General­adjutanten und Generale ä la suite zur Abendtafel im königlichen Schloß geladen. Heute Morgen unter­nahmen Beide Majestäten einen gemeinschaftlichen Spazier, gang im Thiergarten. Se. Majestät der Kaiser fuhr sodann beim Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister Grafen v. Bülow vor und hörte von 10 Uhr ab im königlichen Schloß die Vorträge des Kriegsministers, Generals der Infanterie v. Goßler und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Gene­rals der Infanterie v. Hahnke. Um 12 Uhr empfing Se. Majestät Den Generalkonsul in Shanghai Knappe. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten waren Fürst und Fürstin von Radolin und Landrath v. Etzdorf ge­laden.

Der Postpacketverkehr mit den Ver­einigten Staaten von Amerika hat in Folge des neuen ermäßigten Tarifvertrages vom ersten zum zweiten Monat seines Bestehens eine Zunahme im Verhältniß um zwei Drittel erfahren. Im Monat Oktober wurden 3000, im Monat November schon 5000 Postpackete von Deutschland nach Nordamerika geschickt. Früher betrug die ganze Jahresziffer der Postpacketsendungen 11 000.

Am Mittwoch begann im Reichstag die Fort­setzung der Berathung des Etats mit einer Rede des preußischen Finanzministers von Miguel. Derselbe ver­theidigte sich gegen die Angriffe des Abg. Lieber (Ctr.) und sprach sein Staunen aus über den plötzlichen Ge­sinnungswechsel des Centrums ihm gegenüber. Sodann trat er warm für die Flotten-Verstärkung ein. Nach einer Ewiderungsrede des Abg. Lieber (Ctr.) erklärte der Finanzminister Dr. v. Miguel das, was der Abg. Lieber soeben gesagt hatte, für falsch und trat sodann dem Widerspruch des Centrums gegen den Bau neuer Schiffe aus Anleihen entgegen. Der Abg. Dr. Sattler (natl.) sprach seine Zustimmung zu unserer auswärtigen Politik und zur Vermehrung der Schiffe aus und wies nach, daß in keinem Lande so viel für die Arbeiter geschehe wie in Deutschland. Der Abg. v. Kardorff (freikons.) schloß sich der Vertrauens-Erklärung in Bezug aus unsere auswärtige Politik an und mißbilligte die Hereinziehung des Monarchen in die Debatte. Auch mit der Vergröße­rung unserer Flotte erklärte er sich einverstanden. Auf seine Veranlassung kam dann Staatssekretär Graf Posa- dowsky nochmals auf die Aufhebung des Verbindungs­Verbotes zu sprechen, welches dieser als ganz veraltet, nutzlos, als'ausgepustetes Ei" bezeichnete, das den Konservativen keinen Anlaß geben sollte, gegen die Re­gierung Stellung zu nehmen. Nachdem sich dann noch der polnische Abgeordnete Motty gegen die Flotten-Ver- mehrung ausgesprochen halte, wurde die Weiterberathung des Etats auf Donnerstag vertagt.

Dem BundeSrath ist der Entwurf eines Gesetzes wegen Bestrafung der widerrechtlichen Entziehung fremder elektrischer Arbeit zugegangen.

Der Bundesrath hat sich dahin schlüssig gemacht, daß amtlich der 1. Januar 1900 als der Beginn des neuen Jahrhunderts angesehen wird.

Der Landtag der preußischen Monarchie wird zum 9. Januar einberufen. Die amtliche Bekanntmachung steht unmittelbar bevor.

Der vom Kaiserlichen Gesundheitsamt nach den vor dem Oktober-Weinparlament gemachten Vorschlägen ausgear­beitete und dem Bundesrath, sowie den Einzelregierungen vorgelegte Entwurf eines Reichsweingesetzes wird im Januar dem Reichstag zugehen. Sowohl die bayerische wie auch die preußische StaatSregierung Pflichten der darin vorgesehenen Kellerkontrolle bei.

Die Frage des Verbindungs-Verbots für Vereine ist nunmehr mit der Publikation des vom Reichs-