und dadurch das Ende des Vertrages herbeizuführen. Unterbleibt diese Kündigung, so untersteht der Vertrag von dem Augenblicke an, zu welchem gekündigt werden konnte, dem neuen Recht. Beispiel: A. hat in dem Hause des B. am 15. Mai 1899 eine Etage auf zehn Jahre gemiethet. In dem Vertrage ist eine vertragliche Kündigung nicht vereinbart. Wenn auch von dem Ver- miether oder Miether nichts geschieht, was nach den bisherigen Gesetzen den einen oder den andern Theil zur Kündigung berechtigt, so wird das Mieth-Ver- Hältniß bis zum 15 Mai 1909 nach bisherigem Recht zu beurtheilen sein.
Anders liegt die Sache, wenn durch Vertrag irgend eine Möglichkeit der Kündigung vorgesehen ist und dann die Voraussetzungen dieser Möglichkeit eintreten oder wenn sich irgend etwas ereignet, das nach bisherigem Recht zur Kündigung berechtigt. Bestimmt z. B. das Gesetz, daß der Mieth Vertrag gekündigt werden kann, wenn die Parteien ihre vertraglichen Verpflichtungen nichb erfüllen, wenn zwei Zinstermine im Rückstände bleiben, wenn eine Partei stirbt oder versetzt wird, wenn das Mieth-Objekt freiwillig oder zwangsweise veräußert wird, so ist von dieser Kündigungs-Möglich- keit Gebrauch zu machen, widrigenfalls der Vertrag dem neuen Recht untersteht.
Nicht selten findet sich in Mieth-Verträgen die Bestimmung, daß der Mieth Vertrag als stillschweigend verlängert angesehen werden soll, wenn nicht in einer bestimmten Frist vor dem Ablauf der ursprünglich vereinbarten Zeit gekündigt wird. Erfolgt diese Kündigung nicht, so wird die stillschweigend verlängerte Miethe vom Ablauf der ursprünglich vereinbarten Zeit an nach dem neuen Recht beurtheilt. A. hat z. B. von B. eine Wohnung bis zum 1. Juli 1904 gemiethet. Wird nicht ein Vierteljahr vor dem 1. Juli 1904 der Miet-Vertrag gekündigt, so soll er bis zum 1. Juli 1905 verlängert werden. Erfolgt in diesem Falle die Kündigung nicht spätestens am 1. April 1904, so dauert der Mieth- Vertrag zwar bis zum 1. Juli 1905, untersteht aber vom 1. Juli 1904 ab dem neuen Recht.
Während bei Mieth-Verträgen auf feste Zeit die Miethe in der Regel bis zum Ablauf der Vertragszeit, also unter Umstanden auf Jahre hinaus das alte Recht maßgebend bleibt, erhält bei Mieth-Verträgen auf unbestimmte Zeit das neue Recht schon früher Geltung. Die Parteien müssen die erste gesetzlich oder vertraglich gegebene Kündigungs-Möglichkeit benutzen und den Vertrag beendigen. Unterbleibt die Kündigung, so wird der Vertrag mit dem Ablauf der Kündigungsfrist dem neuen Recht unterstehen.
Haben Vermiether oder Miether ein Interesse daran, den Eintritt des neuen Rechtszustandes möglichst lange hinauszuschieben, so müssen sie einen Mieth - Vertrag auf bestimmte Zeit eingehen und gegebenen Falles einen bisher auf unbestimmte Zeit geschlossenen Mieth- Vertrag in eimn solchen auf bestimmte Zeit um- wandeln.
Set too in Mlifrika.
Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß am Freitag schließlich der Angriff der Buren auf Glencoe abgeschlagen worden ist. Aus den verschiedenen sich vielfach widersprechenden Meldungen läßt sich folgender Verlauf des Kampfes entnehmen: Bald nachdem die Buren ihre Geschütze auf einem die englischen Stellungen beherrschenden Hügel aufgestellt hatten, begannen sie kurz nach Sonnenaufgang das Feuer. Nur der eine Theil ihrer etwa 20 Stück starken Artillerie scheint leider auf die englischen Truppen um Glencoe gerichtet gewesen zu sein, während der andere Dundee beschoß. Die Granaten der Buren trafen schlecht.
und überließ es Frau Wallis, die Honneurs zu machen. Sie streifte ihren Bewerber mit keinem Blicke, so sehr dieser sich auch bemühte, einen solchen aus ihren Augen auszufangen, um darin sein Schicksal zu lesen.
Woronzoff gab es schließlich auf, seine Braut aus ihrem Stillschweigen zu reißen und richtete seine Worte an Frau Wallis. Sie sprachen über Kunst, Litteratur und Musik, — Themata, über die Freund und Feind ruhig Meinungen austauschen können. Man kann es nicht Verrath nennen, wenn jemand Mozart Haydn vor- zieht oder Schiller Goethe — die Welt der Ideen ist die Welt der Freiheit. Eine Weile später brächte der alte Diener den unvermeidlichen Samovat, Marie legte ihre Arbeit zur Seite und bereitete den Thee. Oberst Woronzoff empfahl sich und ging bezaubert weg.
Von da ab kam er öfter auf Schloß Ziedlin; Frau Wallis gewann in allmählich lieb und begrüßte ihn sehr freundlich. Wenn Marie aud), kalt und zurückhaltend blieb, so schien sie doch gegen seine Besuche nichts ein- zuwenden zu haben. Woronzoff belästigte sie auch nicht mit unwillkommenen Aufmerksamkeiten und war zufrieden, wenn er in ihrer Nähe weilen durfte.
Hie und da erheiterte Ladislaus mit seinem lebhaften Geplauder den kleinen Kreis, oder Marie öffnete das Klavier und spielte mit Meisterschaft traurige Volksweisen.
Auf seinem Heimwege grübelte Wasil öfter über die wahre Natur seiner Braut. Er war überzeugt, daß sie ihre Kälte und Ruhe nur heuchelte, denn er hatte schon einige Male bemerkt, wie sie ihn, wenn sie sich unbeobachtet glaubte, mit einem Blick voll Haß und Geringschätzung maß. Das beunruhigte ihn, und die Passivität, mit der sie sich seine Küsse gefallen ließ, die er hie und
Den Engländern war es inzwischen gelungen, auch ihre Artillerie in guter Stellung auszufahren. Diese schoß vortrefflich und brächte ein Geschütz der Buren nach dem andern zum Schweigen, bis, angeblich nach kaum einer halben Stunde, das Feuer der Gegner völlig aufhörte. Im Schutze des englischen Artilleriefeuers hatten sich zwei englische Infanterie-Regimenter, die Dublin-Füsiliere und die Royal Rifles zum Sturme aufgestellt. Als die Geschütze der Buren schwiegen, rückten sie bis auf 300 Schritt von den Stellungen der Buren vor. Diese unterhielten ein heftiges Gewehrfeuer, das die Reihen der Engländer stark lichtete. Doch die Briten schwärmten aus und nahmen in unaufhaltsamen Vordringen die feindlichen Stellungen, während zugleich die 18. Husaren, sämmtliche berittene Kolonial- und Neichs-Jufanterie- Regimenter sowie das Leicester-Regiment nach Norden und Osten vorgeschoben wurden, wodurch die Buren zum Theil zwischen zwei Feuer getrieben und auf der ganzen Linse zum raschen Rückzüge gezwungen wurden. Nach all/n Blättermeldungen sollen die Engländer 5 oder noch mehr Geschütze der Buren erobert haben, während der amtliche Bericht bisher nichts darüber meldet. Die englischen Verluste werden verschieden angegeben; die Ziffern schwanken zwischen 250 und 750 Todten und Verwundeten ; doch ist die höchste Zahl die wahrscheinlichste, da selbst der amtliche Bericht von sehr starken Verlusten sprach. Die Verluste der Buren sind noch nicht ermittelt, werden aber auf mindestens ebenso hoch geschätzt wie die englischen; diese sind hauptsächlich durch Gewehr-, jene durch Artilleriefeuer herbeigeführt. Man kann das Ergebnis dahin zusammenfassen, daß die Ueberlegenheit der englischen Artillerie den Tag schließlich zu gunsten der Briten entschieden hat. Dabei wird man allerdings anerkennen, daß ihre Infanterie, — den Dublin-Füsilieren gebührt wohl der erste Preis — sich mit größter Bravour und großem Geschick geschlagen hat.
Die Buren haben sich einstweilen auf Jngagene zurückgezogen; sie befestigen zugleich Dann-Hauser. Ob sie den Angriff bald erneuern werden, steht dahin. Große militärische Bedeutung braucht man dieser Schlappe der Buren nicht zuzumeffen. Denn einmal verlautet, daß 5000 Engländer gegen nur 4000 Buren im Treffen standen; ein neuer konzentrischer Angriff der ganzen weit stärkeren Burenmacht könnte also doch ein anderes Resultat ergeben, ganz abgesehen davon, daß ein Durchbrechen der größtentheils befestigten Burenstellungen größere Schwierigkeiten bieten würde. Selbst wenn also die artilleristische Ueberlegenheit der Briten einen siegreichen Angriff der Buren unmöglich machen sollte, wäre es nicht ausgeschlossen, daß diese den Engländern schließlich ein Pirna bereiten. Dann aber sind die Verluste der Engländer anscheinend so stark, daß der Sieg vielleicht zu theuer erkauft ist. Die Wunde des Generals Symons soll lödtlich sein; er hat den General Hill als Nachfolger bezeichnet.
Gleichzeitig wurde bei Ladysmith gefochten. Einige hundert englische Carabiniers und berittene Schützen mußten sich schließlich vor den weit überlegenen Buren zurückziehen. Nur die englische Artillerie verhinderte ihre Vernichtung.
Selbst die Engländer melden, daß die Buren durch diese Schlappe nicht entmuthigt sind. Die Oranjeburen rücken weiter gegen Ladysmith vor.
Vom westlichen Kriegsschauplatz liegen sichere Nachrichten nicht vor. Das Gerücht von dem Unglück der Buren vor Mafeking — es heißt fitzt, man habe die Buren durch einen Schein-Rückzug auf englische Minen gelockt — erhält sich, ist aber nicht bestätigt.
London, 22. Oktober. General Symons ist seinen Wunden erlegen.
Glencoe, 21. Oktober. Um 2 Uhr Nachmittags beginnt heftiges Feuer im Nordwesten des Lagers.
da zu geben wagte, kühlten seine eigene Leidenschaft ab. Sie erschien ihm ein Räthsel, ein Räthsel von Eis, in dem ein mächtiges Feuer glühte.
(Fortsetzung folgt.)
— Leipzig, 18. Oktober. In einem Massengrabs wurden auf dem Nordfriedhofe die Gebeine von Hunderten in der Völkerschlacht gefallener Krieger beigesetzt, welche bei Neubauten zu Tage gefördert waren. Unter Theilnahme der Generalität und der Civilbehörden, der Veteranen- und Kriegervereine rc. ward heute ein Denkstein enthüllt, welcher aus mehreren erratischen Blöcken besteht, deren einer die Inschrift trägt: „Freund und Feind — Im Tod vereint." Auch die französische Colonie halte Vertreter entsandt.
— Straßburg, 20. Oktober. Vorige Nacht wurde auf dem Fort Moltke auf einen militärischen Wachtposten vom Infanterie-Regiment Nr. 132 ein Schrotschuß abgegeben, der den Wachtposten leicht verletzte. Der Thäter ist unbekannt.
— (K i n d e s r ä u b e r.) Im Dorfe P o c z a j o w o, Kreis Krzemienic verschwanden in diesem Frühjahr mehrere kleine Mädchen. Alles Suchen blieb erfolglos. In den ersten Tagen des Oktober trat die Mutter eines dieser Mädchen aus der orthodoxen Kirche und erblickte ein elendes, blindes Mädchen von 6 Jahren, das zwischen zwei Bettlern saß und ihr flehend die mageren Aermchen entgegenstreckte. Die Bäuerin reichte dem Kinde eine Gabe und sprach ein paar Worte zu der armen Blinden. Da stieß das Kind einen Freudenschrei aus, umklammerte die Hand der Bäuerin und rief: „Mutter, Mutter nimm mich wieder zu Dir!" Die Frau sah das Kind forschend an und erkannte ihr eigenes Kind, das sie seit
Capstadt, 21. Oktober. Der Staatssekretär, Transvaal Reitz richtete an die Bürger des 0^ Freistaats ein Manifest, in welchem er die Köri, Viktoria, Milner und die englischen Staatsmänner ! schuldigt, die Afrikander-Nation zu beleidigen, zu betrüb und zu schmähen. Großbritannien unterdrücke die ß geborenen; es werde ein Krieg geführt wegen eh! Unterschiedes von zwei Jahren bei Ertheilung des $ rechts, während die Ausländer in England gezM wären, 12 Jahre zu warten, bis sie das Wahl,, erhielten.
Berlin, 22. Oktober. Das Central-Comito, Rothen Kreuz hat heute einen größeren Credit bewM um nach Transvaal Sanitätsmaterial und später, M erforderlich, eine Delegation von Aerzten und W frästen zu senden. Auf die in London gestellte AnM ob Unterstützung erwünscht sei, ist eine Antwort D nicht erfolgt.
Politische Nachrichten.
, Berlin, den 21. OktoWD
Se. Majestät der Kaiser unternahm gef Vormittag mit Ihrer Majestät der Kaisk! und den Prinzen-Söhnen einen längeren | ziergang in der weiteren Umgebung des Neuen » und erledigte hierauf bis zur Frühstückstafel Regie» angelegenheiten. Zu derselben waren geladen der bett Botschafter in Washington von Holleben, der GesL' v. Müller, Generalkonsul in Kairo, LegationssekreM der deutschen Gesandtschaft in Belgrad Graf Schnfi und Gemahlin, sowie Geh. Kommerzienrath Krupp. : P der Tafel hörte Se. Majestät einen Vortrag des Herrn v. Mirbach über Kirchenbauten und untern: von Ihrer Majestät und den drei ältesten Prinzen-Sitz > begleitet, um 4 Uhr einen Ausritt. Zu Abend h> . S. Majestät sich bei dem Osfizierkorps des Leib K: Husarenregiments angesagt und begab sich um 61/2P vom Neuen Palais nach dem Kasino.
Heute Vormittag hörte Se. Majestät die Vock des Chefs des Generalstabes der Armee, Generale tanten, Generals der Kavallerie v. Schliessen, somit1 Chefs des Militärkabinets Generaladjutanten, Gem der Infanterie v. Hahnke und empfing später den n schen Marine-Attachs Leutnant zur See mit dem 91t eines Korvettenkapitäns Paulis in Gegenwart des E des Marinekabinets Admirals ä la suite, Kontre« rals Freiherrn v. Senden-Bibran. Um 1 Uhr n Se. Majestät die Meldung des neuernannten somit direnden Generals des 10. Armeekorps, Generalleut« von Stünzner, sowie weitere militärische Meldr entgegen.
Die Rede des Kaisers beim Stapellau Linienschiffes „Kaiser Karl der Große" fi allen nationalen Kreisen lebhafte Zustimmung ersahst Viele Blätter richten den Ruf an den Reichstag, K: zu sorgen, daß der Ausbau unserer Flotte schnelle: folge, als im Flotten-Gesetze vorgesehen ist. So die „Dresdener Nachrichten": Jetzt gilt es, dem flP zu zeigen, daß seine Hoffnung, der Deutsche werde doch noch rechtzeitig ermannen, nicht auf lockerm fc ruht. Wer noch ein patriotisches Herz im Leibe der bewege die kaiserlichen Mahnworte getreulich in sei«' Innern und setze alles daran, um an seinem Theile Kaiser zu einer unverzüglichen Flotten-Verstärkung verhelfen. Was bereits mehrfach betont wurde, b hier nur mit Nachdruck wiederholt werden: die fein«! auf eine längere Reihe von Jahren vertheilten Mai« Forderungen müssen unter Berücksichtigung der inzwA veränderten Weltlage im ganzen sofort verfügbar geB werden, abgesehen von dem, was sonst für eine sM
einem halben Jahre vermißte. Damals war es fM rosig und gesund, und nun fand sie es elend und W wieder. Da die Frau Lärm schlug, kam die Polizei hk und verhaftete die beiden Bettler. Einer von G betheuerte, das Mädchen sei seine Tochter. Das Wp sagte aus, daß es von den Bettlern sammt anb^ Mädchen in den Wald gelockt worden sei. Dort m die entmenschten Bösewichte den Kindern dieAugen^ gestochen und seien dann mit ihnen von Ort $« bettelnd gezogen. Die aufgefundene Kleine ist das eiM der Kinder, das am Leben geblieben ist, die anbi# sind gestorben.
— Zürich, 18. Oktober. Vor dem hiesigen ^a^e gericht trat gestern zum ersten Male ein weiblicher UM beistand auf. In der Schweiz ist dies der erste daß eine Vertreterin des zarten Geschlechts vor, Gerichtsschranken tritt, um die Interessen einer Person wahrzunehmen. Vielleicht ist es der erste P nicht nur in der Schweiz, sondern in Europa. u *
— (Unbillig.) Dame (zur Erzieherin): < habe Ihnen doch gesagt, Fräulein, daß ich nur eine gesunde Person als Erzieherin für meine Kinder bE kann, und nun kränkeln Sie, seit Sie bei uns sind, während. Zuerst ist Ihnen die Lampe auf ben gefallen, dann hat Sie eine giftige Fliege gestochen, 1 ‘m nun kommt Ihnen noch gar ein Kohlenstäubchen ) Auge. — Da müssen Sie sich schon eine andere e‘<1| suchen, in der Sie. Ihre schwache Gesundheit pflegen können!"
— (Schlechte Ausrede.) Richter (zum y p „ ... 11 Uhr muß es gewesen sein, als Sie einbra®^ Dieb: „Ganz unmöglich! So lang darf ich gar nicht ausbleiben!"