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Sonnragsblatt" «.^UtiftrirU landwirthschaftliche Beilage".

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Amtlicher Theil

Die unter dem Rindviehbestande der hiesigen Gemeinde ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

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Neilos, den 16. September 1899.

Der Bürgermeister Lehn.

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Seit einigen Tagen wird in der Presse lebhaft die schon früher gelegentlich enthüllte Möglichkeit erörtert, daß die Angelegenheit des in NenneS zum zweitenmal wegen Verraths französischer Militärgeheimnisse verur- theilten Hauptmanns Dreyfus auch einerussische Seite" habe, d. h. mit andern Worten: die strafbaren Hand­lungen, die nach der Erklärung desReichsanzeigers" zu Gunsten Deutschlands nicht begangen worden sind, bezögen sich auf einen unerlaubten Verkehr zwischen Dreyfus und einer oder der andern Vertrauensperson der russischen Regierung. Rußland habe nämlich, bevor es nähere bündnißähnliche Beziehungen zu der dritten Republik einging, das Bedürfniß gefühlt, sich unter der Hand über Frankreichs militärische Leistungsfähigkeit zu unterrichten, und die betreffenden Auskünfte, die der französische Generalstab amtlich nur mit irreführender Schönfärberei ertheilt haben würde, seien auf vertrau­lichem Wege durch Dreyfus an die russische Bestimmung gelangt.

An der Spitze der Blätter, die diese Auffassung ver­treten, stehen oie wegen ihrer politischen Hinneigung zu Rußland bekanntenHamburger Nachrichten", von denen man kaum voraussetzen kann, daß sie eine so schwer­wiegende Vermuthung ohne jeden Grund in die Welt schicken würden. Es kommt hinzu, daß auch aus einem ganz andern Lager, nämlich in englischen Blättern, die­selben Andeutungen in die Oeffentlichkeit dringen.

Deutschland kann, nachdem es in der Dreyfussache eine mit der Zustimmung aller anständigen Leute belohnte Haltung offen und ehrlich durchgeführt hat, sich in den weiteren Untersuchungen zur Lösung des auch in NenneS nur noch dunkler gewordenen Räthsels auf den Stand­punkt unparteiischer Beobachtung zurückziehen. Bei der

(Nachdruck verboten.)

Die Rache ist mein.

Original-Roman in zwei Bänden von Gustav Lange.

(Fortsetzung.)

Sonderbar, noch vor kaum einer Stunde war er zer­fallen mit sich selbst, mit aller Welt gewesen und nun

kehrte die Lebenslust wieder zurück. Er blickte verstohlen

über die Kirchhofsmaner; er konnte das ganze Dorf über­

schauen, das im Thale lag, und sein Blick blieb auf den

stattlichen Gebäuden des Brauhauses von Alois Wendel

hasten, und das Bild der Geliebten trat hierbei deutlich vor seine Seele. Ja, er mußte eine Lebensstellung er

M ringen, er mußte suchen, ein nützliches Glied der mensch- Ischen Gesellschaft zu werden, wollte er noch länger die i Hoffnung hege», Lenei dereinst als sein Weib heimzu- sühren, wollte er den Widerstand ihres Vaters, den dieser sicher einer Verbindung entgegensetzen würde, brechen durfte er nicht länger den Kopf hängen.- Der Rath, in der neuen Welt das Glück zu versuchen, war daher so übel nicht, schlechter wie es ihm bisher ergangen war, konnte es ihm drüben auch nicht gehen, und an Arbeits­lust fehlte es ihm nicht, wenn das die einzige Bedigung um ein Fortkommen zu finden. Nach ein paar Jahren konnte er wieder heimkehren, ganz gleich, ob arm I oder reich er war jung, er mußte suchen, auf ehr- e 'Weife sein Glück zu machen. Den Männern, die ihre Hilfe anboten, konnte er wohl vertrauen, sie "rden sich gewiß auch seiner armen Schwester annehmen,

ei.

Behauptung, daß Dreyfus gewisse von seinen Vorgesetzten alsVerrath" empfundene Aufklärungen über französische Militärdinge dem Urtheil russischer Fachleute zugängig gemacht habe, bleiben wir ganz aus dem Spiel. Ist diese Behauptung den Russen unangenehm, so sind diese mündig, um für sich selbst das Wort zu führen. Hat die französische Regierung Anlaß, gegen die neue Aus­legung des Dreyfus Geheimnisses Einspruch zu erheben, so mag sie ihre Organe reden lassen. Für uns Deutsche aber giebt es eine Unschuld des Mannes von der Teufels- Jnsel nur, soweit diesem ein zu unsern Gunsten be­gangener Verrath nachgesagt worden ist: der hat niemals stattgefunden. Ueber diese genau bestimmte Grenze hinaus aber bleibt die große Affäre nach wie vor unauf­geklärt.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 16. September.

Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag im Jagdschloß Hubertusstock den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus und denjenigen des Ministers des Innern Freiherr» v. Rheinbaden entgegen.

Den Kaiserpreis für die besten artille­ristischen Leistungen in dem jetzt beendeten Uebungsjahr hat diesmal das FlaggschiffKurfürst Friedrich Wilhelm" erworben Auf die Meldung dieses Erfolges sandte Se. Majestät folgendes Glück­wunschtelegramm von der Burg Hohenzollern aus:Burg Hohenzollern, den 9. September 1899. An Mein Linien­schiffKurfürst Friedrich Wilhelm", Korsör. Ich freue Mich, von Meiner Stammburg Hohenzollern aus dem Offizierkorps und der Mannschaft Meinen Glückwunsch zum Kaiserpreise aussprechen zu können, und sehe ein gutes Zeichen für die Zukunft des Schiffes in diesem Gruß vom Fels zum Meer.

W i l h e l in I. R "

Das Eintreffen detz Zarenpaares in Kiel zum Besuch der Prinzessin Heinrich wird nunmehr für Dienstag, 19. d. M, angekündigt.

Prinzregent Luitpold ist gestern Abend 6 Uhr in München eingetroffen und ließ sich unmittelbar nach der Ankunft von dem Minister des Innern Frhrn. v. Feilitzsch, dem Regierungspräsidenten v. Auer und den

wenn sie noch unter den Lebenden weilte und jemals wieder ein Lebenszeichen von sich geben würde.

Noch bin ich in BaldlS Schuld, da er mir schon einmal über eine große Bedrängniß Hinwegg halfen hat!" sagte endlich Franz zögernd.Wie kann ich da schon jetzt wieder ein solches Opfer annehmen?"

Seid ohne Sorge," beschwichtigte ihn der andere. Einem Unwürdigen würde die Hilfe gar nicht angeboten werden. Ihr werdet gewiß nicht wissen, wo Ihr diese Nacht Euer Haupt hinlegen sollt. Der Bald! bietet Euch einstweilen Quartier an, die Waldschmiede steht für Euch zu jeder Zeit offen."

Gott vergelte ihm diese Fürsorge für mich; ich bin schon gezwungen, sein Anerbieten annehmen zu müssen."

9ied)t so, da seid Ihr gut aufgehoben," sagte der Vertraute des HabermeisterS und schickte sich an, sich wieder zu entfernen, indem er dem jungen Manne die Hand reichte.

Doch ehe er den Händedruck erwiderte, trat Franz ganz dicht an ihn heran und flüsterte ihm leise einige Worte ins Ohr, welche denselben veranlaßten, erstaunt aufzublicken.

Potz Blitz! Steht es so, nun da wünsch ich viel Glück na ein Pcachtmädel ist die Lenei, nur schade, daß sie einen solchen Vater hat! Den Gefallen kann ich Euch schon thun!"

Im Schenkstübel des Brauhauses des Alois Wendel hatten sich die letzten Gäste verabschiedet, um die heimath­lichen Penaten auzusuchen. Der Bräuer, welcher seit

beiden Bürgermeistern der Stadt München über die Hoch­wasserkatastrophe Bericht erstatten. Heute früh besichtigte der Prinzcegent unter Führung des Minister« des Innern Frhrn. v. Feilitzsch und des Bürgermeisters v. Borscht die durch das Hochwasser angerichteten Verheerungen. Schon von Oberstdorf aus hat der Prinzregent in einer Drahtung an den Bürgermeister seiner Theilnahme an der Katastrophe Ausdruck gegeben. Der Prinzregent war bei der Besichtigung tief erschüttert über die entsetzlichen Verheerungen, welche die Hochwasser über Oberbayern und besonders über München gebracht haben. Die Prinz­regentenbrücke wird auf seine Kosten wieder hergestellt werden. Die Slaatsregierung wird vorläufig anderthalb Millionen Mark als StaatShttlfe bewilligen, um der ersten Noth zu steuern.

Die Königin Wilhelmina vonHolland und die Königin-Mutter Emma werden im Laufe des nächsten Monats in Potsdam eintreffen, um bei der Taufe des Erstgeborenen des Fürsten zu Wied gegen­wärtig zu sein.

DerDarmstädter Zeitung" zufolge ist Ober« Schulrath Dettweiler in den Ruhestand versetzt worden.

Pariser Blätter kolportieren angebliche Aeußerungen, die Seine Majestät der Kaiser dem Kron­prinzen von Griechenland gegenüber gethan haben soll, und in denen Allerhöchst Derselbe Griechen­land für die Gestaltung und Verwendung seines Heeres und seiner Flotte im Hinblick auf einen künftigen Krieg mit der Türkei bestimmte Rathschläge ertheilt hätte. DieN. A. Z." ist in der Lage, mitzutheilen, daß diese Seiner Majestät in den Mund gelegten Aeußerungen erfunden sind. Die Tendenz derartiger Erfindungen ist übrigens offensichtlich.

Der Chef des ostasiatischen Kreuzer-Geschwaders Prinz Heinrich und der zweite Admiral desselben, Fitze, sind mit den SchiffenDeutschland",Hertha", Kaiserin Augusta",Irene" undIltis" in Kiautschau eingetroffen.

Zum Weingesetzentwurf ist dem BlattWein­bau und Weinhandel" vom Direktor des Reichsgesund- Heitsnnts die Mittheilung zugegangen, daß der von einigen Blättern mitgetheilte Entwurf des neuen Wein- gesetzes des authentischen Charakters entbehre. Der im Gesundheitsamts ausgearbeitete vorläufige Entwurf, be­treffend den Verkehr mit Wein, ist bislang erst den dem Haberfeldtreiben recht mißtrauisch geworden, hatte selbst Thüren und Thor verschlossen, und friedliche Nacht­ruhe lagerte nun über dem Brauhofe.

Wenige Schritte vor dem Hofthore steht eine mächtige Linde, die ihre breiten Aeste bis über einen Theil des Hofes ausbreitet und unter der an schönen Sommertagen auf den angebrachten einfachen Holzbänken die Gäste sich ergötzen.

Im nächtlichen Schatten dieser Linde hält sich schon längere Zeit eine männliche Gestalt verborgen, der indes die Zeit langweilig geworden sein mochte, weil sie un­ruhig auf dem weichen Nisen auf und ab geht. Wie nun endlich alles still geworden ist im Brauhofe, da ließ der Mann den täuschend nachgeahmten Schrei eines Käuzchens, auch Todtenvogel genannt, wie klagend durch die Nacht erklingen, dann blieb es wieder stille. Nach einiger Zeit erschallten abermals diese Schreie und der Mann trat hinter dem Stamm der Linde hervor, hinter dem er sich anfänglich verborgen hatte. Minuten waren wieder verronnen, als zum dritten Mal der Schrei er­klang, doch diesmal recht schrill und durchdringend.

Jetzt war ein leises Geräusch vernehmbar, wie wenn ein Fenster geöffnet würde.

Franz!" rief eine Frauenstimme leise von oben herab.

Der Untenstehende hatte diesen Ruf wohl vernommen, denn er wandle sich nach der Richtung, woher der Ruf gekommen war.

Ein Seufzer der Erleichterung entrang sich der Brust des jungen Mannes; die Befürchtung, die Lenei würde