Prinz Albrecht, der Erbgroßherzog von Baden, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, General-Oberst der Kavallerie Graf Waldersee, die kommandierenden Generale Graf Haeseler und Freiherr von Meerscheidt- Hüllessem, die Kabinetschefs, die Generalität, die fremdherrlichen Offiziere, ferner der Staatssekretär v. Pütt» kamer und der Bezicks-Präsident von Halm. Der Kaiser brächte einen Trinkspruch auf das 15. Armeecorps aus, worin er die „ganz vorzügliche Verfassung" des Corps rühmte. Der König von Württemberg war bereits um 6*/,2 Uhr Abends nach Stuttgart abgereist; der Erbgroßherzog von Baden begab sich Abends 111 /.2 Uhr zu seinem Armeecorps nach Koblenz.
Das Befinden der Kaiserin hat sich in den letzten Tagen etwas gebessert. Ein erfreuliches Zeichen hierfür ist die Thatsache, daß die hohe Frau ihrem Gemahl, als er nach dem Elsaß abreiste, das Geleit nach der Wildpark-Station geben konnte.
Der Kaiser wird sich von Straßburg am Mittwoch den 6. September nach Stuttgart begeben. Die Ankunft dort ei folgt Nachmittags 5 Uhr. Um 7 Uhr ist Familientafel im Speisesaal des königlichen Residenz- schlosses, 8 '/* Uhr. großer Zapfenstreich im Hofe des Schlosses. Donnerstag Vormittag 10 Uhr ist Kaiserparade über das 13. Armeecorps bei Cannstatt, um 4'/.2 Uhr Paradetafel im weißen Saal des ResidenzschlosseS, um 7 Uhr Festvorstellung im Hostheater. Am Freitag früh erfolgt die Abreise des Kaisers von Stuttgart zum Forchheimer Paradeseld, in dessen Nähe eine Eisenbahnhaltestelle der strategischen Bahn erbaut wird. Die Parade über das 14. (badische) Armeecorps beginnt um 10 Uhr. Dann hält der Kaiser seinen Einzug in Carlsruhe, wo er bis zum 14. September bleibt.
Die Erkrankung desKönigs von Sachsen verläuft normal. Die Erkältung ist fast gehoben, immerhin ist noch eine mehrtägige Schonung erforderlich.
Zur Sedanfeier brächte die Münchener „Allgemeine Zeitung" nachstehende beherzigenswerthe Mahnung: „Zum letzten Mal im scheidenden Jahrhundert begehen wir heute die Feier der Erinnerung an den glorreichen Tag, da vor 29 Jahren der Grundstein gelegt wurde zum neuen Deutschen Reiche. Ob auch im Strome der Zeit die Ereignisse der großen Vergangenheit mehr und mehr zurücktreten vor dem, was der Tag uns bringt, ob auch die Aeußerungen lauter Festesfreude mehr und mehr zurückgetreten sind — ein Beweis vielleicht der oft genug mißverstandenen Bescheidenheit des Deutschen den eigenen Verdiensten gegenüber —, so wird darum der Vaterlandsfreund dem Gedenken an das, was dieser Tag für uns und unsere Nachkommen bedeutet, in seinem Herzen nach wie vor die gleiche Stätte bewahren. Möge die Einigkeit, die die gewaltige Zeit dem äußeren Leben unseres Volkes gebracht har, für alle Zeit seinem inneren Leben gewahrt bleiben."
Bei der in den einzelnen Gemeinden und Gutsbezirken Preußens vorgenommenen Ermittelung der vo,jährigen Ernteerträge fanden auch Erhebungen über die Hagelwetter statt. Der hierdurch im Berichtsjahre auf einer Fläche von 398 381 Hektar verursachte Schaden wurde aus 26 908 883 Mk. geschätzt. Seit 1891 (mit einer verhagelten Fläche von 582 247 Hektar und einem Verluste von 51 023 430 Mk.) ist dies die höchste Schaden- ziffer. Zwar war 1896 die geschädigte Fläche um 107 363 Hektar größer; .doch betrug der aus das Hektar dieser Fläche berechnete Schaden nur 52 Mk. gegen 68 Mark im Jabre 1898 und 88 Mk. im Jahre 1891. Das Jahr 1897 mit 66 Mk. steht nur wenig hinter 1898 zurück; indessen war die 1897 verhagelte Fläche um 113 877 Hektar und dementsprechend die Einbuße um 8 151 698 Mk. geringer. Vertheilt man den Verlust auf das überhaupt vorhandene Acker- und Gartenland einschließlich der Weinberge, so erhält man 1898 für jedes Hektar einen Schaden von 1,53 Mk, in den vier vorangegaNgenen Jahren einen solchen von 1,06 bezw. 1,48, 1,38 und 0,94 Mk. Unter den Regierungs-
näherte, der eine schwere Last mit sich schleppt und daher nur mühsam aus dem schmalen, nicht gerade im besten Zustande befindlichen Wege vorwärts kommt.
Endlich haben sie die Thalmühle erreicht und behutsam legen sie ihre Last vor der Thalmühle nieder, und da der Mondschein, die Umgebung nothdürstig beleuchtet, so ist zu erkennen, daß es ein Mann, den sie auf eine nothdürstig hergerichtete Bahre gebettet haben.
„Wie ist Dirs?" fragte einer der Männer und beugte sich über den Daliegenden.
„Es schmerzt tüchtig, muß aber ertragen werden," entgegnete der Gefragte und das leise Stöhnen, welches diesen Worten folgte, bezeugte, welche Schmerzen er leidet.
Ein anderer der Männer trat jetzt an die Thür und führt kurz hintereinander mehrere Schläge gegen dieselbe, daß es laut durch die Stille der Nacht schallte, aber da sich noch nichts rührte, so mußte er das Klopfen noch einmal wiederholen.
„Die Jugend hat einen gesunden Schlaf," meint6 der Klopfer zu seinem Nachbar. „Es ist wirklich schade, daß wir sie wecken müssen, aber es geht nicht anders."
Jetzt mußten sie drinnen in der Thalmüle doch aufmerksam geworden sein, denn eine kleine Luke in einem der Fensterläden wurde geöffnet und Franzens Stimme fragte: „Was giebt es ?" Ist jemand draußen?"
„Mach auf, Franz, wirst gleich erfahren, was ge' sieben ist," entgegnete einer der Männer.
Nicht lange danach wurde die Thür geöffnet und mit
bezirken hatten 1898 Köln mit 12,76 Mk., Aachen mit 6,88, Magdeburg mit 5,83, Oppeln mit 3,49, Münster 3,02, Breslau mit 2,75 und Stettin mit 2,33 Mk. besonders hohe Verlustziffern aufzuweisen. Von den Kreisen hatten 65 gegen 47 und 74 in den beiden Vorjahren einen Hagelschaden von über 100 000 Mk. Der größte Verlust wurde 1898 durch die im Monate Juni niedergegangenen Hagelwetter herbeigeführt, 11 548 683 Mk auf einer verhagelten Fläche von 143 589 Hektar. Gehen wir von den Monaten zu den Tagen über, an welchen 1898 die stärksten Verluste durch Hagel verursacht wurden, so haben wir an erster Stelle den 22. Juni zu nennen Der an diesem Tage entstandene Hagelschaden betrug 8 308 289 Mk., wovon allein auf den Regierungsbezirk Magdeburg 3 370 778 Mk., auf Aachen 1 027 648, auf Köln 907 478 und auf Münster 828 290 Mk. entfielen.
Ausland.
Die anglo-egpptischenTruppen haben bei Tedum einen Zusamenstoß mit einer größer» Anzahl Derwische gehabt. Die Derwische erlitten eine schwere Niederlage.
JmDreysus-Prozeß waren die Verhandlungen am letzten Montag so reich an überraschenden Zwischen- fällen, wie wenige seiner Vorgänger. Gerade sensationell wirkte auf die Zuhörer die Aussage eines in der Oeffent- lichkeit zum ersten Male austretenden Zeugen Namens Ceruschi, die für DrepsuS sehr belastend war.
Das Z a r e n p a a r ist am Montage in Kopenhagen eingetroffen.
Der „Standard,, meldet aus Johannesburg von gestern: Selbst diejenigen Persönlichkeiten, die den Buren ernstlich gerathen haben ein maßvolles Verhalten anzunehmen, haben jetzt angefangen, alle Hoffnung auf- zugeben, daß oie Feindseligkeiten noch abgewendet werden könnten. Eine dieser Persönlichkeiten hat sich dahin geäußert, Transvaal würde 30 000, der Orange-Freistaat 20000 Mann ins Feld stellen können.
Aus Provinz 11116 WbiWbitl.
* Soviel sich aus den beim Königlichen Statistischen Bureau eingetragenen 40541 Brandzählkarten erkennen läßt, ist das Jahr 1897 hinsichtlich der Zahl der Brände in Preußen schlimmer als seine Vorjahre verlausen. Es kamen 1897 36 186 Schadenbrände gegen 33 055 im Vorjahre vor; dadurch wurden 38 919 Be. sitzungen gegen zuvor 35 825 beschädigt, was eine Zunahme um 9,5 bezw 8,8 vom Hundert bedeutet. Durch ein nicht innerhalb der beschädigten B. sitzung ausgebrochenes Feuer sind 2733 gegen 2770 Besitzungen beschädigt worden, d. h. 76 gegen 84 aus je 1000 Brände. Aus der verminderten Ausbreitung der Brände darf gefolgert werden, daß die noch nicht sestgestellten Verluste eine geringere Höhe als im Jahre 1896 erreichen werden.
* Für Postpackete nach den Vereinigten Staaten von Amerika, deren Einführung zum 1. Oktober in Aussicht steht, werden in Deutschland ohne Rücksicht auf die Lage des Bestimmungsorts folgende Taxen erhoben werden: bis zum Gewicht von 1 Kilogr. 1 Mark 60 Pfg., über 1 bis 5 Kilogr. 2 Mark 40 Pfg. Bei Packeten, welche unter „Einschreiben" versandt werden, tritt eine Einschre.bgebühr von 20 Pfg. für jede Sendung hinzu.
-e- Hersseld, 6. September. Immer kürzer werden die Tage, bis die zweite Tag- und Nachtgleiche eintritt, die Nächte anfangen, länger als die Tage zu werden, und der Herbst seine Herrschaft an- tritt.' Schon genügt ein schwacher Windstoß, um so manches Blatt vom Baume zu lösen und es in unfreiwilligem Wirbeltanz zur Erde niebeifinfen zu lassen, wie lange noch, und der große Maler, welcher der ganzen Schöpfung ihre Farben giebt, legt gelb und roth auf die Palette und wischt jedes grüne Fleckchen aus. Selbst- dann noch kann das Auge sich an mancher schönen
einer Laterne in der Hand erschien Franz im Rahmen derselben.
Als das Licht seiner Laterne auf die vermummten, geschwärzten Männer und die wie leblos auf der Bahre gleichfalls noch vermummte Gestalt fiel, da prallte er entsetzt zurück und hätte vor Schrecken fast die Laterne fallen lassen.
„Sei nicht böse, Franz, daß wir Dir diese Unannehmlichkeiten bereiten," nahm einer der Männer das Wort. „Wir haben dem Bräuer diese Nacht das Haberfeld getrieben, der hat sich aber unterstanden, zu schießen, und der Schuß sitzt nun unserm Habermeister, bem Baldl, im Körper."
„Mein Gott, den Baldl hats getroffen, 0 das Unglück, das Unglück, was wir.d nun aus seiner Frau und den Kindern?' sagte Franz mitleidsvoll und trat nun näher.
„Vielleicht ist es so schlimm nicht," war die tröstliche Entgegnung.
„Hat man denn seiner Familie schon Bericht gegeben, damit sie nicht allzusehr erschrickt, wenn sie ihn so unverhofft ins Haus bringen, denn um so etwas zu ertragen, dazu gehören starke Nerven."
„Das ist nicht nöthig, die ersah rens noch früh genug", beruhigte einer der Männer. „Die Hauptsache ist, daß der Doktor bald kommt und untersucht, wies um die Wunde steht."
«Ist schon ein Bote abgeschickt worden?" fragte Franz weiter.
„Schon vor einer geraumen Zeit, er kann bald hier
Schattierung erfreuen, aber das Herz wirb nicht mel^n froh und warm, wenn der Blick in der Runde umher A schweift. Auch im Menschen beginnt es zu herbsteln Da ist es kein Wunder, wenn sich das Bedürfniß «ach dichtern Hüllen bemerkbar macht, wenn der längere Aus enthalt im Freien die Gefahr unangenehmer Erkältung^ < mit sich bringt, wenn die lange kaum in Anspruch gJLn nommene Lampe in Zimmer und Flur schon um 7 das scheidende Tageslicht ersetzen muß und die grag; _ nach der Ergänzung des häuslichen Brennmaterials ein bie^ aktuelle Bedeutung gewinnt. Dem Einfluß dieser Meinungen kann sich selbst ein stoisches Gemüth n«Er schwer entziehen.
):( Hersfeld, 5. September. Gestern Nachmillaiauc hielten die Stadtverordneten im Rathhaussaal hnt eine Sitzung ab. Dieselbe wurde um 4 Uhr do! her Herrn Stadtverordnetenvorsteher Becker eröffnet. V«Bei Magistrat waren die beiden Herren Beigeordneten BraurKre und D i tz e l, sowie Herr Stadtrath A u e l anwesend St< — Der Magistrat hat, da die O r g e l in unsere hiej S t a d t k i r ch e bekanntlich schon sehr alt und defekt i: län und eine R paratur derselbe» nach fachmännischem Waio, theil nicht mehr möglich ist, einen Betrag von 15 öftrer Mark aus verfügbaren Mitteln der Stadtkasse zur L gen schaffung einer neuen Kirchenorgel mit der Maßgej Dir bewilligt, daß der Lieferant derselben die alte Orx ner vorerst soviel als möglich in Stand setzen und dieselbe? eut dann bei Lieferung der neuen Orgel zu annehmbar,! von Preis übernehmen soll. Die Stadtverordneten ertheil!, Zw diesem Beschluß ihre Zustimmung. — Bei Fest stell« ab des Voranschlags der städtischen Armenkasse für 1899 t Kas Januar b. I. hatten die Stadtverordneten das hier d hat stehende Institut der Armenpfleger, nach den bis je net gemachten Erfahrungen, für überflüssig erklärt und d- — Magistrat ersucht, die nöthigen Schritte zur Beseitign, wa desselben einzuleiten. Daraufhin hat die Armenvem im hing ersucht, das genannte Institut, dem allerdings n wo, ganz besonders praktischer Werth nicht beigelegt inert bur könne, nicht auf einmal aufzuheben, sondern allmW De zu beseitigen und zwar in der Weise, daß die ausH get denden Armenpfleger nicht wieder durch neue ersetzt 11t mel die Bezirke derselben mit den angrenzenden Bezirl mit der noch im Amt befindlichen Armenpfleger verei« Sil werden. Gleichzeitig hat die Armenverwaltung veck Hei daß die Gesuche der Hülfsbedürstigen von j ßt an nii Mk mehr bei den Armenpflegern, sondern in der Hospili nac Verwaltung vorgebracht werden sollen. Der Magift Zu hat diesen Vorschlag gebilligt und auch die StadtverB leit neten erklärte» sich damit einverstanden. — Vom MagA Ja> ist in Aussicht genommen worden, das der Pfarrei dehil kon gehörige Grundstück auf dem Frauenberg, mit den sin bemfelben befindlichen Mauerresten der ehemaligen Kap^ hat für die Stadt anzukaufen, um das Gemäuer WöMied, zu erhalten und den Platz durch Anlagen zu verschöne ein Hochwürdigeö Presbyterium hat sich auch bereit er® her vorbehaltlich höherer Genehmigung, das Grundstück ^ Taxwerthe abzutreten. Die Taxatoren haben den M die auf 800 Mark abgeschätzt, und der Magistrat hat d« Summe für den Ankauf bewilligt. Da nicht zu verteilt ist, daß der fragliche Platz einen schönen Abschluß l des städtischen Anlagen auf dem Frauenberg bilden will! schund da die Erhaltung des alten Mauerwerks bafet sehr zu wünschen ist, ertheilten die Stadtverordneten ihie Zustimmung. — Die hresige Königliche KriegsM^a erhält b( tanntlid) für die in ihrer Küche verbrämt von hiesigen Metzgern bezogenen Fleischmengen bie ^r Stadtkasse bezahlte Fleischabgabe zurückvergütet. Kassenkommission der Kriegsschule hat nun v e r s p äl‘ . ' eine bezügliche Liquidation für die Zeit vom 1. JaB 1898 bis Ende März 1899 eingereicht, und der MaM hat beschlossen, den liquidirten Betrag zwar aus $ laufende Rechnungsjahr zu übernehmen, dabei abert "" Stadtkasse auszugeben, für die Folge die Vierteljahr^^' Vorlage der Liquidation zu verlangen. Die SM^ rl" ordneten stimmten diesem Beschlusse zu. — Durch
sein. Wir müssen dann den Baldl sobald wie 111M und ganz unauffällig einige Zeit von hier fortfdjtf' zu einem guten Freunde, der einige Stunden weil er ln|) fernt wohnt, denn die Gendarmen werden wohl morgen Nachforschung halten; wir denken aber, sich Thalmühle werden sie nicht kommen, die ist u»»' dächlig." sj
„Nun denn in Gottes Namen, tragt den Baldl ins Haus," sagte Franz. . Ull|
Behutsam hoben die Männer den Baldl von ^ Trage — keine leichte Aufgabe für sie — und tm Dot ihn in die Wohnstube, wobei ihnen Franz voranleult> ^Q Hier wurde der Verwundete, der bei vollem Bewuß' ror war, vorsichtig auf ein schnell hergerichtetes Lager tro bettet. — — —--------
(Fortsetzung folgt ) „ be Se
— Ein Koffer mit werthvollem Inhalt, man in von Kostbarkeiten im Werthe von gegen 1000 bei ist in einem durchgehenden Eisenbahnzuge ausgesu" Sc morden und der Veikehrtzinspeklion in Götti'Ul un übergeben worden, die den Besitzer bislang ver(^ voi gesucht hat. Anscheinend handelt es sich um das ^ zu thum einer in eine Ordensgefellschaft eingetreteneul"'^ jen Dame. Ve
— (Vorsichtige Antwort.) Richter: an hatte der Angeklagte bei Ihnen gegessen?" " A tre (Wirth, zögernd): „Auf der Speisekarte stand „«' Se braten"!" we