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HersWer SreidMatt

GratirbeUagen r „^DufirirUs Konnrag-bLatt" «. „^Unftrirte landwirthschaftliche Vettags".

Sr. M

Ssmlibeiih den 2. Seplembtr

1899.

Zweites Blatt

(Nachdruck verboten.)

Die Rache ist mein.

Original Roman in zwei Bänden von Gustav Lange. (Fortsetzung,)

3. Kapitel.

Es war heute ein recht trüber und regnerischer Tag gewesen, an dem man die Thalmüllerin zu Grabe ge­tragen hatte. Die beiden Geschwister sitzen jetzt im Abenddämmerschein allein im Wohngemach; die ver­weinten Augen zeugen von den Thränen, die sie um die Heimgegangene vergossen haben. Sie vermögen noch immer nicht an die Möglichkeit zu glauben, daß die Mutter sie verlaffen habe; sie meinen jeden Augenblick, sie müsse wieder durch die Thür hereintreten.

„Gelt, Franz, wir zwei Waisen — jetzt sind wir ganz verlassen," unterbrach die Gretei das Schweigen.

Der junge Mann unterdrückte einen neuen Thränen- ström, der hervorzubrechen drohte, und schlang seine Arme um die neben ihm sitzende Schwester.

„Freilich, die Mutter wird uns überall fehlen, aber tröste Dich, so ganz verlaffen sind wir nicht. Du hast ja mich und ich habe Dich, und nicht wahr, wir zwei wollen zusammenhalten, so lange wir leben?"

„Ach, das wollen wir, aber wenn wir von hier fort und uns verdingen muffen, dann werden wir schwerlich zusammenbleiben können; ich glaube nicht, daß ichs er­tragen werde."

Franz senkte den Kopf; seine Schwester hatte Recht, die Nothwendigkeit zwang sie dazu, auSeinanderzugehen. Wenn auch das Vaterhaus ihnen von Kindheit auf nicht viel Annehmlichkeiten geboten, da die Noth nur zu oft Ein­kehr gehalten, die Bitterkeit derselben durchgekostet werden mußte, so hatte doch die Liebe von Vater und Mutter ihnen alles reichlich ersetzt, was andere Kinder im Ueber- fluß hatten, und sie fühlten sich darum ebenso reich be. glückt. Auch die zwei Geschwister liebten sich aufs innigste, und wenn ihre Wiege in einem Palast gestanden haben würde, ihre Eltern ihnen jeden Wunsch hätten erfüllen können, so wäre ihnen doch sicher das Vater­haus nicht lieber und theurer gewesen, die Trennung hätte nicht schwerer werden können.

Plötzlich horchte Franz auf. „Hast Du nichts gemerkt, Gretei?" fragte er seine Schwester, die ebenfalls auf­merksam geworden war.

„Es wird der Wind gewesen sein, der etwas an das Fenster geworfen hat," entgegnete dir Gefragte. „Es ist schon recht dunkel, ich will eine Kerze anzünden — es ist so furchtsam."

Wieder war dasselbe Geräusch vernehmbar, gleichsam als wenn jemand an das Fenster klopfe, doch diesmal etwas stärker. Franz war durchaus nicht furchtsam, aber es gruselte ihn doch ein wenig, und die Gretei schmiegte sich ängstlich an ihn.

„Will doch eimal nachsehen, das kann der Wind nicht gewesen sein."

Mit diesen Worten schob er seine Schwester sanft von sich, die am ganzen Körper zitterte, trat an das Fenster, von woher das Klopfen zu vernehmen gewesen war, und öffnete einen Flügel desselben.

„Servus, Franz," tönte ihm eine kräftige Männer­stimme von außen her entgegen.

Der Angesprochene trat erschrocken einen Schritt zurück.

„Brauchst nicht zu erschrecken, es ist eine gute Absicht, herbeiführt," fuhr der Draußenstehende fort.

™ 3hr seid es, Baldl," entgegnete der junge ?, seine Fassung wieder gewonnen und dar Furchtgefuhl überwunden hatte. „WaS führt Euch denn noch in die Thalmühler

„ .gleich erfahren. Hätte es ja schon heute bel?er, L^e Deiner seligen Mutter erledigen .können, aber es ging nicht an, es waren zu viel unbe­

rufene Augen da und es braucht niemand zu aviffen. Freilich ein derbes Stück Weg ist es von der Wald­schmiede zur Thalmühle, aber Dir und Deiner Schwester zuliebe habe ich ihn gerne gemacht. Es ist auch besser denn bei der Dunkelheit sieht mich niemand, es braucht kein Mensch zu wissen, außer uns Eingeweihten, daß der Habermeister hier war, verstanden? Ich habe den Auf­trag, Euch dies zu übergeben; werdets wohl brauchen können; wenn die Zeiten wieder besser sind, kannst Du es zurückzahlen."

Bei diesen Worten streckte der Baldl seine nervige, rußgeschwärzte Faust durch das Fenster, in welcher er einen gefüllten Lederbeutel hielt.

Franz zögerte einen Augenblick, das Dargebotene an- zunehmen.

„Getraust Dich wohl nicht, es anzunehmen? Sei unbesorgt, es ist ehrlich verdientes Geld, was wir zu­sammengethan haben, um Dir zu helfen, weil im ganzen Dorfe Euer Leid bekannt ist. Rimms nur und betrachte es als Darlehn."

Wie mechanisch griff Franz nach dem Beutel. Die einfachen Works wirkten so mächtig auf ihn, daß er gar nicht zu widersprechen vermochte, so sehr er auch unter anderen Verhältnissen sich dagegen gesträubt haben würde, irgend ein Almosen anzunehmen. Er wußte, daß es ehrlicher Leute Geld war, uud die Männer aus dem Volke, die den Baldl hierhergesandt hatten, es gut mit ihm und seiner Schwester meinten, er würde sie beleidigt haben, wenn er das Geld nicht annahm. Es war jetzt, wo die Noth ihren Einzug in die Thalmühle gehalten hatte, ein Rettungsanker für ihn, er fand nun mit einem Male wieder einen Ausweg, wo er schon verzweifelt war, also warum sollte er es da nicht annehmen?

„Wend's gut an, es wird schon Segen bringen. Gute Nacht."

Mit diesen Worten war der Baldl wieder verschwun­den, nachdem er seine Mission erfüllt halte.

Noch lange stand Franz am geöffneten Fenster und betrachtete sinnend den alten abgegriffenen Lederbeutel, den er in seiner Hand hielt. Erst ein aufmunternder Zuruf seiner Schwester erweckte ihn aus dieser Lethargie, brächte wieder Leben in ihn.

„Was meinst Du nun dazu, Gretei?" fragte Franz, als er wieder neben feiner Schwester faß, die inzwischen eine Kerze herbeigeholt und angezündet hatte, und schüttelte den Beutel vor ihr auf den Tisch aus; er ent­hielt eine Menge Silbermünzen.

„Franz, begehst Tu kein Unrecht, wenn Du das Geld annimmft ?" entgegnete das junge Mädchen und blickte ängstlich auf ihren Bruder.

Dieser zögerte lange mit der Antwort. „Ich denke nicht. Siehe, eS sind Freunde, die uns helfen wollen, also aus welchem Grunde sollte ich ihre Hilfe zurück- weisen, wo wir derselben so sehr bedürfen? Dann soll es auch kein Geschenk sein; ich werde tüchtig arbeiten und es ihnen reichlich mit Zins zurückzahlen; sag mir daher offen, kannst Du ein Unrecht darin sehen, wenn ich das Geld annehme?"

„Wenns so ist, dann nicht, dann verwend es in Gottes Namen; ach wenn doch unsere gute Mutter dies noch mit erlebt hätte!"

Diese Erinnerung an die Heimgegangene riß sofort die schmerzliche Wunde wieder auf und lenkte auch Franzens Gedanken von dem vor ihm liegenden Gelde ab, und betrübt stützte er sein Haupt in beide Hände.

(Fortsetzung folgt)______________

Vermischtes.

— Mühlhausen. In dem benachbarten Hängeda erstickten von einer Schasheerde, welche in einen kleinen schlecht ventilirten Stall getrieben war, 95 Schafe im Laufe einer Nacht.

— Erfurt. Am Mittwoch früh ist der Glocken- thurm der katholischen Kreuzkirche niedergebrannt. Die Glocken sind herabgestürzt.

— (Der Teufel im Luftballon.) Wie aus

Rom berichtet wird, riß am Donnerstag ein Windstoß den Fesselballon der militärischen Luft­schiffer-Abtheilung in Rom vom Seile lo» und trieb ihn ins Gebirge. Der Ballon kam gegen Abend bei dem Dorfe Palombaro zur Erde nieder. Die gc sammte Einwohnerschaft des Dorfes rannte dem schönen, silberfarbigen Ballon, den der Abendwind am Erdboden Hintrieb, nach und es dauerte auch nicht lange, bis sie ihn fingen. Zu ihrem höchsten Erstaunen konnten jetzt die Frauen und Mädchen aus Palombaro feststellen, daß der Ballon aus purer Seide sei, und jede wollte natürlich ein möglichst großes Stück von der Ballonhülle haben. Aber so große Mühe sich auch die guten Leute gaben, es gelang ihnen nicht, den Ballon zu entleeren. Bei jedem stärkeren Windzug hüpfte er überdies in die Höhe und drohte zu entfliehen. Die Sache kam ihnen un­heimlich vor und erweckte den Verdacht, daß der Ballon irgend ein höllisches Ungeheuer sei und wohl gar den Teufel in seinem Bauche berge. Was thun? „Das ist ganz einfach", sagte der Schlaueste unter ihnen. Wir schaffen den Ballon in die Kirche. Wenn wirklich der Teufel in ihm steckt, so muß er von selber heraus, denn in der Kirche kann kein Teufel verweilen." Gesagt, gethan I Das Hauptthor der Kirche wurde geöffnet, aber der Ballon wollte nicht hinein. Die Einen behaupteten, er sei zu groß, die Anderen schoben die Schuld auf den Teufel, der sich mit allen Kräften der Einführung in die Kirche widersetze. Schließlich zog und schob und drückte man den Ballon derartig zusammen, daß man ihn doch glücklich in die Kirche hineinbrachte. Die Ballonhülle wurde dabei freilich arg mitgenommen und hier und da ernstlich verletzt. In der Kirche war es schon dunkel. Man holte einige Kerzen herbei, um das weitere Verhalten des verdächtigen Seidenungetümes genau be­obachten zu können. Ein ganz besonders Neugieriger trat mit seiner Kerze nahe an den Ballon heran und beleuchtete ihn von allen Seiten. Dabei mag er mit dem Lichte einem Riffe in der Ballonhülle, dem das Füllgas entströmte, zu nahe gekommen sein. Auf einmal schlug aus dem Ballon eine bläuliche Flamme hoch empor. Ein furchtbares Krachen, Qualm, Gestank, Schreckensrufe! Alles stürzte, halb erstickt und versengt, Hals über Kopf zur Kirche hinaus. Zitternd und bleich vor Entsetzen sammelten sich die guten Leute von Palombaro aus dem Kirchplatze. Die meisten hatten den Teufel gesehen, wie er mit Feuer und Gestank aus dem Ballon und der Kirche hinausgefahren war. Da sich der Qualm aus der Kirche allmählich verzogen hatte, so wagten sich nach Verlauf von einer halben Stunde ein paar Tollkühne wieder in die Kirche hinein. Großen Schaden hatte der Teufel weiter nicht angerichtet, nur die schöne Seidenhülle des Ballons, auf die sich die Frauen und Mädchen von Palombaro so sehr gefreut hatten, war gänzlich vernichtet und lag schwarz und ver­kohlt auf den Steinfliesen.

Standesamtsbezirk Friedewald. Eheschließungen.

Am 1. Juli. Bergmann Michael Max Erich Nübenstahl zu Sorga, mit Katharina Rndolph zu Friedewald.

Geburtsanzeigen.

Am 9. Mai. Katharina Christina Elisabeth, T. des Königl. Försters Christian Nickel zu Hof Oberneurode, Gemeinde Lautenhausen. — 2. Juni. Katharina, T. des Schneiders Johannes Pfromm zu Friedewald. — 4. Katharina, T. des Schreiners August Hofmann zu Friedewald. — 13. Heinrich, S. des Schuhmachers Heinrich Schäfer zu Friedewald. — 17. Johann Heinrich, S. des Arbeiter« Konrad Koch zu Friedewald. — 9. Juli. Maria Auguste, T. des Ober- schweizerS Oskar Noack zu Hermannshof, Gemeinde Friedewald. — 19. Juli. Adam, S. des Gastwirths Peter Führer zu Heifa.

S t e r b e f a l l e

Am 8. Mai. Ehefrau des Anspanners Johann George Teis, Anna Maria geb. Hofmann zu Lautenhausen, 60 Jahre 10 Monate alt. — 21. Juni Johanne«, S. des Ackermanns Heinrich Brandau zu Herfa, 1 Jahr 8 Monate alt. — 22. Katharina, T. de« Schreiner- George Driseroth zu Lautenhausen, 2 Jahre 9 Monate alt. — 10. Juli. Georg, S. des Pflasterers George Koch zu Friedewald, 1 Jahr- 4 Monate alt. — 20. Ehefrau des Ackermanns Baltbasar Saam, Barbara Elisabeth geb. Koch zu Friedewald, 27 Jahre 10 Monate alt.