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Gratirbettasen rIUuftrirter Ssnnragsblatt" «.IUnstrivte landwirthschaftliche Verlage".

Rr. N3.

SWilBen- den 2. September

im.

Erstes Blatt.

Vestellnngen auf das^ Hersfelder Kreisblatt für den Monat September 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Homberg, den 30. August 1899.

Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebestande des Leinwebers Joh. Körber II und des Bürgermeisters Ullrich zu Remsfeld ist erloschen.

Der Landrath von Gehren.

An den Herrn Landrath zu Hersfeld.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 31. Aug. 1899.

I. 5279. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Bekaiiiitmachung.

Die unterm 8. Juni d. I. erlassene Polizei-Verord­nung, betreffend das Verbot des Radfahrens durch den hiesigen Ort, wird hiermit wieder aufgehoben.

Ransboch, den 1. September 1899.

Der Bürgermeister B r a n d a u.

Nichtamtlicher Theil.

Sedan.

An den Heldenthaten der Geschichte hat die Vater­landsliebe ihre Nährquelle. An den großen Ereignissen der Vergangenheit entzündet sich immer wieder aufs neue die Liebe zum Vaterland. Die Freiheitskriege bleiben ein Gegenstand freudiger Erhebung; an dem Muthe und der Entschlossenheit, an der freudigen, selbstlosen Hingabe der Kämpfer und Sieger von 1813 wird sich die Vater­landsliebe unserer Jugend immer wieder entflammen lassen, die markigen FreiheitSlieder eines Ernst Moritz Arndt und eines Theodor Körner erwecken heute noch das Krast- gesühl der deutschen Nation. Was du ererbt von deinen

Vätern, erwirb es, um es zu besitzen. Das Jahr 1870 hat das Erbe der Streiter von 1813 zum Besitz der deutschen Nation erhoben. Den muthigen, tapferen Streitern der Freiheitskriege treten würdig zur Seite die Kämpfer des großen Krieges, der in dem Tag von Sedan seinen Glanz- und Höhepunkt erreicht hat. Napoleon gefangen mit seinem ganzen Heere das war bu alle überwältigende Kunde des Tages. Eine große Stunde der Weltgeschichte hatte geschlagen, die am treffendsten des alten Kaisers Wort bezeichnet hat: Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! Was des alten Kaisers Majestät damals empfunden, das haben rhm Zausende und Abertausende nachempfunden. Und wer nie Zeit miterleben durfte, wer in jenen denkwürdigen Tagen mitten im Volksleben stand, der weiß noch zu erzählen von der tiefgreifenden Begeisterung, die unser flok ersaßt hatte, der weiß aber auch noch, wie die große Spannung, die damals auf unserem Volksleben befriedigende Lösung nur fand in der religiösen Erhebung. Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!

Wie die beispiellose Tapferkeit und Unerschrockenheit unseres Heeres sich erhob auf einer inneren religiösen Ergriffenheit, so war das Volk daheim überwältigt von dem Erlebten, innerlich getrieben und gedrängt zu dem Herrn der Heerschaaren. Vaterländische Begeisterung gepaart mit religiöser Ergriffenheit das ist echter, wahrer Patriotismus, der zu den größten Opfern be­fähigt und die herrlichsten Thaten zeitigt. Fast will es scheinen, als ob diese Art von Patriotismus immer weniger würde. Im Besitz der großen, im heißen Kampfe erstrittenen Güter sind die Nörgler und Kritiker am Werk, uns die Freude an jenen Errungenschaften zu verderben. Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen. Die Kiitik am Werden des Deutschen Reiches hat nur das eine Ziel, dem nachwachsenden Geschlecht die Be­geisterung für seine großen Tage unmöglich zu machen. Da ists denn unsere patriotische Pflicht, die Pflicht aller Derer, die ihr Vaterland lieb haben, daß wir den Schleier zerreißen, den falsche Vaterlandsliebe um jene herrliche Zeit webt, daß wir das Große und Herrliche jener Zeit unermüdlich ins Licht rücken und an den Heldenthaten der tapferen Krieger die Vaterlandsliebe des nachwachsen­den Geschlechts erwecken. Dem heutigen Geschlecht ist die Aufgabe zugewiesen : Halte was du hast, daß niemand deine Krone raube. Der Tag von Sedan rufts dir zu, o deutsches Volk!

Politische Nachrichten.

Berlin, den 31. August.

Heute Morgen ritt Se. Majestät der Kaiser spa­zieren und hörte von 9 Uhr ab die Vorträge des Kriegs­ministers, Generalleutnants v. Goßler, und des Chefs des Militäikabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie von Hahnke. An der Abendtafel werden theilnehmen die K r o n p r i n z e s s i n von Griechen­land, Prinz Leopold von Bayern, der griechische Gesandte Rangabs, der bayerische Geschäfts­träger Frhr. v. u. z. Guttenberg, der bayerische General­major Frhr. Reichlin v. Meldegg, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister Graf von Bülow, Gesandter Graf v. Pleffen - Cronstern, sowie die Um­gebungen und Gefolge der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften.

Die Kronprinzessin Sophie von Griechenland ist mit dem Prinzen Georg Nachmittags hier eingetroffen und von Sr. Majestät dem Kaiser und den Prinzen August und Oskar am Bahnhöfe empfangen worden.

DieN. A. Z." schreibt: Der genaue Wortlaut des am 26. d. M. in Washington unterzeichneten Abkommens zwischen der kaiserlichen Regierung und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über den gegen­seitigen Austausch von P o st p a ck e t e n liegt hier noch nicht vor. Wir sind indeß in der Lage, über den we­sentlichen Inhalt der vereinbarten Bestimmungen auf Grund der Verhandlungen Folgendes mitzutheilen: Es | handelt sich um Packete ohne Werthangabe bis 5 Kilogr. ' Die Packete bilden einen Theil der Post. Sie werden I ausgewechselt zwischen den Postämtern in Bremen und ' Hamburg einerseits und dem Postamt in New-Pork an­dererseits. Die Länge eines Packeis darf 105 Centim, der größte Umfang, um die Sendung herumgemessen, 180 Centim. nicht übersteigen. In den Taxen für Packete nach den Vereinigten Staaten tritt, je nach der Lage des Bestimmungsorts, eine mehr oder minder erhebliche Verbilligung ein. Hinsichtlich der Ersatzleistung im Fall des Verlustes oder der Beschädigung eines Packeis wäh­rend der Beförderung besteht dasselbe Verhältniß, wie bei den Einschreibesendungen des deutsch-amerikanischen Verkehrs. Eine eingehendere Würdigung dieser Bestim­mungen wird für später vorzubehalten sein. Schon jetzt aber läßt sich sagen, daß dieselben für den deutschen Export nach Amerika wesentliche Vortheile bieten und hoffentlich ein neues und wichtiges Element zur Belebung ; desselben bilden werden. Mit der Förderung des wirth- ! schaftlichen Güteraustausches wird ein ferneres Band der

Interessengemeinschaft um die beiden Nationen geschlungen, was auch für die politischen Beziehungen zwischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten nur freudig begrüßt werden kann. Mit Recht hat die amerikanische Presse in ihren durchaus günstigen Besprechungen des Abkom­mens diese politische Seite desselben mit besonderer Ge­nugthuung und Sympathie hervorgehoben.

Eine Warnung vor Vereinen enthält eine Ministerial-Versügung. Die Beamten werden vor fol­genden Vereinen gewarnt: Verband der Militär-, Kriegs- und Friedens-Juvaliden, Veteranen und Militär-Anwärter Deutschlands, Verband derKanzlei-Beamten der Monarchie, Verband der Grenz- und Steuer-Aufseher des König­reichs Preußen mit dem VerbandsorganReveille" für die drei genannten Vereine (verantwortlicher Redakteur R. Bredow in Berlin), Verband deutscher Militär-An­wärter und Invaliden mit einem besonderen Verbands­organ (verantwortlicher Redakteur A. Timm in Berlin) und Verband deutscher technischer Zoll- und Steuer-Be­amten mit dem Verbands-OrganDie Umschau auf dem Gebiete des Zoll- und Steuerwesens" (verantwortlicher Redakteur Steuerrath a. D. Schneider in Rixdors-Berlin).

Am 4. September findet bei Straßburg i. E. die Kaiserparade des XV. Armeekorps statt. An der Kaiserparade werden theilnehmen: die In­fanterie-Regimenter Nr. 97, 136, 99, 143, 105, 171, 172, 126, 132, 138, 60, 137 mit zusammen 34 Bataillonen; das 15. und 19. Pionierbataillon; das 10. Fuß-Artillerieregiment mit 2 Bataillonen. Die Kavallerie- Regimenter : Dragonerregiment Nr. 15, Husarenregiment Nr. 9, KönigS-Ulanenregiment Nr. 13, Ulanenregiment Nr. 7, Dragonerregiment Nr. 9, Dragonerregiment Nr. 13. Die reitende Abtheilung des Feldartillerieregiments Nr. 8 und die Feldartillerieregimenter Nr. 15. und 31, sowie das Trainbataillon Nr. 15.

Die Reichs-Postverwaltung kann am 1. Januar n. J. auf ein 50jähriges Bestehen der Ober- Po st direktionen zurückblicken. Die Zahl der Ober- Postdirektionen beträgt zur Zeit 41, deren jüngste Chemnitz ist und am 1. Juli 1897 in Wirksamkeit trat.

In Jena erkannte wegen thätlicher Beleidigung eines Arbeitswilligen das Schöffengericht gegen einen Zimmermann auf einen Monat Gefängniß. Er hatte einen Collegen, der verweigerte, sich dem Zimmereraus- stand anzuschließen, mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Ausland.

(Zur Lage in Frankreich.) Die Verhand­lungen des KriegsGerichtes in RenneS werden sich vor­aussichtlich bis in die zweite Hälfte des September hinein erstrecken. Der Ausgang des Verfahrens ist noch völlig ungewiß. Die Richter scheinen, wenn man aus ihrer bisherigen Haltung Schlüsse ziehen will, nicht geneigt, ohne weiteres alles für bare Münze zu nehmen, was ihnen die militärischen Zeugen vorgetragen haben. Anderseits sind diese den mittlern Chargen angehörigen Offiziere, die über die Schuld oder die Unschuld des Dreysus urtheilen sollen, nicht ohne Befangenheit gegen­über den mehr oder weniger mit dem Ton des Vorge­setzten auftretenden Generalen, wie Mercier, Boisdeffre, Gonse, Chanonine Billot und namentlich Roget. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Richter sich, um weder der öffentlichen Meinung, noch der Militärpartei wahr zu thun, hinter der Unentwirrbarkeit der von der Anklage be­haupteten Vorgänge verschanzen werde. Das Kriegsge­richt würde, mit anderen Worten, am liebsten feststellen, daß es in der ganzen DreysuS-Geschichte nichts feststellen kann, weder die Schuld noch die Unschuld des elsässischen Hauptmanns. Dreyfus käme dann ohne weitere Strafe davon, bliebe aber doch mit dem Makel gewisser, nicht aufgeklärter Handlungen belastet, und, was die Haupt­sache ist, die Regierung wäre, bei einem für den Ange­klagten so zweifelhaften Ergebniß, nicht genöthigt, gegen die Vertreter der Generalität wegen Verletzung der Zeugenpflicht vorzugehen. Die großeAffäre" könnte dann versumpfen, wie der Panama-Schwindel. Für einen derartigen Ausgang der Sache scheint aber wieder die Erregung der Gemüther nicht bloß in Paris, sondern