in der das Denkmal schmückenden Engelsfigur. Der Engel, der sich friedlich ruhend auf fein Schwert stützt, ist die Allegorie, der der Kaiser eine allgemeine Bedeutung beigelegt wissen will. Die friedlichen und ehrenden Worte, die er dabei über die gefallenen französischen Helden sprach, weisen darauf hin, in welchem Sinne er dies gemeint hat. Deutschland will das Schwert, das es friedlich in der Scheide hält, nicht ziehen; aber es stützt sich aus sein Schwert. In Frankreich wird auch diese Rede, wie manche frühere Rede und That des Kaisers, zweifellos viel kommentiert und bewundert werden. Schon einmal hat man in Frankreich von dem Kaiser die prägnante und ausdrucksvolle Wendung gebraucht: C'est quelqu’un! Es ist ein ganzer Mann! Die kriegerisch stolze und energisch friedliche Rede von St. Privat wird sie in diesem treffenden Urtheil bekräftigen."
Die 24. Kommission des Abgeordnetenhauses hielt am Montag Abend noch eine dreistündige Sitzung ab zur Erledigung des G e m e i n d e w a h l g e s e tz e s. Nachdem in voriger Sitzung der Kompromißvorschlag Fritzen- —-——SaiUerj$efqüeiL^ hatten die Konservativen beantragt, einen neuen § 3a einzufügen, wonach durch Ortsstatut festgesetzt werden kann, daß a) von der Gesammtsumme der Steuerbeträge aller Wähler s/12 auf die erste, */14 auf die zweite und 3/,2 auf die dritte Abtheilung ent- fallen, b) Stimmberechtigte, deren für die Bildung der Wählerabtheilungen maßgebender Steuerbetrag den im Durchschnitt auf einen Wähler in der Gemeinde entfallenden Steuerbetrag übersteigt, stets der zweiten oder ersten Abtheilung zuzuweisen sind, c) bei Bildung der Abtheilungen die von den Wählern zu entrichtenden direkten Staatssteuern außer Ansatz zu lassen sind. Bei der Abstimmung wurden die §§ 3 und 4 der Regierungsvorlage, welche nebensächliche Bestimmungen enthalten, angenommen, dagegen der von den Konservativen beantragte § 3 und ebenso schließlich das ganze Gesetz mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Minister v. Miguel erklärte, daß es für die Regierung von Werth gewesen sei, Die Meinung der Kommission kennen zu lernen. Dem Vorschläge FritzrN-Sattler würde sie ihre Zustimmung haben geben können. Jedenfalls werde in nächster Session unter möglichster Berücksichtigung der kundgegebenen Wünsche dem Landtage eine neue Vorlage über die Bildung der Wählerabtheilungen gemacht werden.
Dem Ergebniß der Kanalverhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause widmet die „Berl. C." einen längeren Artikel, der die Einzelheiten der paklamentarischen Erörterungen über den Mittellandkanal zusammenstellt und wie folgt schließt: In welcher Richtung die ferneren Maßnahmen der StaatS- regierung auch liegen mögen, über einen Punkt bedarf eS ferner weiteren Aufklärung. Die Staatsregierung wird, — darüber darf auch nicht der mindeste Zweifel obwalten — den Kanalplan nicht fallen lassen, vielmehr trotz der ihm bisher zu Theil gewordenen ungünstigen Aufnahme im Abgeordnetenhause denselben weiter auS- gestalten und seiner Verwirklichung entgegenführen. Der preußische Staat hätte niemals zu Größe und Ansehen sich hindurchgerungen, wenn die Herrscher und leitenden Staatsmänner derselben auf die beharrliche Vertretung ihrer wohlerwogenen Pläne und Absichten verzichtet hätten, weil die Meinungen des Tages diesen Ideen widerstrebten. Der Mittellandkanal, den das Abgeordnetenhaus am Sonnabend zu Grabe getragew hat, wird so lange wiederkehren, bis die parlamentarischen Kölper- schaften zu der Einsicht bekehrt sind, daß die Verweigerung der Mittel für die Herstellung einer Wasserstraße vom Rhein zur Elbe gleichbedeutend ist mit der Vorent- Haltung eines wichtigen Bausteins zum Fundament, auf welchem das zukünftige wirthschastliche Gedeihen des Vaterlandes beruht. Der Mittellandkanal muß und wird die allgemeine Anerkennung sich erobern. Die Ablehnung des Abgeordnetenhauses bedeutet in der Kanalsrage einen Aufschub, keine endgültige Entscheidung.
Am Montage wurde int Abgeordnetenhause zunächst in dritter Lesung der Gesetzentwurf über die Kirchenverfassung der evangelischen Kirche im Konsistorial- Bezirk Frankfurt a. M. und die Novelle zum Gesetz über die Landesbank in Wiesbaden ohne Debatte angenommen. Dann wurde die zweite Berathung des Gesetzentwurfs über die Polizeiverwaltung in den Vororten vorgenommen. Darauf erledigte das Haus noch eine große Reihe von Petitionen. Am Dienstage standen der Gesetzentwurf über die Gerichtsorganisation für Berlin, Anträge und Petitionen auf der Tagesordnung.
Das preußische Herrenhaus hielt am 23. August eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung standen Die Berichte der verstärkten Justiz-Kommissionen über die AusführungSgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch u. s. w.
Das hessische Ministerium hat eine Verordnung erlassen, wonach einem Wirth, der seinen Kellnerinnen keinen Lohn zahlt, die Konzession entzogen werden soll.
Zweien der ältesten und bekanntesten „Afrikaner" hat der Kaiser in Metz am 18. August den erbetenen Abschied unter Aussicht auf Anstellung im Civildienst bewilligt. ES find dies die H a u p t l e u t e der Schutz- truppe für Deu.tsch-Ostafrika Herrmann und L e u e. Seit 1891 haben beide draußen in Ost- afrika geweilt und mit Ruhm und Auszeichnung die ihnen unterstellten Truppen gegen meuterische Schwarze gefühlt. Beide find hierfür mit dem Rothen Adlerorden und Kronenorden mit Schwertern dekoriert worden.
Ausland.
Großes Aufsehen erregt die aus dem Sudan gemeldete Ermordung zweier französischen Offiziere durch Kameraden. Die Hauptleute Coulet und Chanoine hatten sich auf ihrer Expedition die scheußlichsten Grausamkeiten gegen Eingeborene zu Schulden kommen lassen. Das Ergebniß der gegen sie eingeleiteten Untersuchung des französischen KolonialamtS war der Beschluß ihrer Absetzung. Oberstleutnant Klobb hatte den Befehl erhalten, das Kommando über die Mission zu übernehmen und die bloßgestellten Offiziere nach Murte zu führen. Klobb und der Leutnant Meunier waren von einer Abtheilung eingeborener Soldaten begleitet, als sie auf die Mission stießen. Klobb theilte der Expedition seinen Auftrag mit, worauf Coulet erwiderte, wenn Oberstleutnant Klobb darauf beharre, seinen Befehl auszuführen, könne er sich als todten Mann betrachten. Als Klobb und Meunier mit ihrer Begleitmannschaft sich der Expedition trotzdem näherten, ließ Hauptmann Coulet seine Leute feuern. Die Folge war der Tod der beiden Offiziere und mehrerer Eingeborenen. Das unglaubliche Ereigniß läßt die Disziplin in der französischen Armee in geradezu entsetzlichem Verfall erscheinen. Chanoine ist der Sohn des in der Dreysus- Affaire oft genannten ehemaligen Kriegsministers gleichen Namens.
Die Zustände in Paris beginnen sich einigermaßen bejorgnißerregend zu gestalten. Anarchisten und Sozialisten hatten am Sonntage heftige Zusammenstöße mit der Polizei, bei denen nach der Feststellung der Polizeipräfektur 380 Personen verwundet wurden. Die Zahl der verwundeten Polizeiagenten beträgt 59. Es wurden 150 Verhaftungen vorgenommen, von denen 80 nicht aufrecht erhalten wurden.
Renn es, 22. August. Der heutigen Sitzung des Kriegsgerichts wohnt Labori bei, der bei seiner Ankunft Gegenstand herzlicher Ovationen ist und bewegt mit vielen der Anwesenden Händedrücke austauscht. Die Generale Billot und Mercier wechseln mit Labori überaus höfliche Worte. Auch Frau Labori ist im Saale anwesend. Labori nimmt neben Demange Platz. Um 6 Uhr 35 Minuten wird die Sitzung eröffnet; als Dreyfus den Saal betritt und Labori erblickt, schüttelt er ihm bewegt die Hand. Oberst Jouaust ergreift unter tiefem Schweigen der Zuhörer das Wort und sagt zu Labori, die unqualifizir-
bare That, der Labori beinahe zum Opfer gefallen wäre, habe bei den Mitgliedern des Kriegsgerichts tiefste Entrüstung hervorgerufen. „Wir freuen uns," schließt Oberst Jouaust, „daß keine nachtheiligen Folgen entstanden sind, und daß Sie heute Ihre Aufgabe wieder aufnehmen können." (Allseitige Zustimmung.) Labori dankt herzlich dem Vorsitzenden, den Mitgliedern des Kriegsgerichts, seinen Kollegen und allen Denen, welche ihm ihre Theilnahme bezeugt hätten. Er sagt, er nehme seinen Platz wieder ein, mehr, um den Verhandlungen zu folgen, als um sich an denselben zu betheiligen. Labori schließt, man werde dank der Ausführlichkeit der Verhandlungen die absolute Wahrheit und beruhigende Gerechtigkeit aus ihnen hervorgehen sehen. Labori setzt sich sichtlich ermüdet nieder. Das Publikum begleitete seine Ansprache mit Aeußerungen der Zustimmung.
Die Verhältnisse in Transvaal spitzen sich immer mehr zu. Einer Johannesburger Depesche der „Morning Post" zufolge hielt der VolkSraad am Sonnabend eine geheime Sitzung, in der beschlossen wurde, die Regierung anzuweisen, der britischen Regierung ein Ultimatum zu senden mit der Erklärung, daß, falls die in der Delagoa- bai beschlagnahmte Munition für Transvaal nicht frei- gegeben werde, die jetzt schwebenden Unterhandlungen zwischen England und Transvaal abgebrochen werden würden.
Von den P h i l i p p i n e n kommt wieder einmal die Nachricht von einem amerikanischen Siege. Oberst Smith soll mit zehn Compagnien Infanterie und zwei Kanonen 2500 Philippiner angegriffen haben, die unweit Angeles eine stark verschanzte Stellung inne hatten. Die Insurgenten seien nach heißem Kampfe geschlagen und zerstreut worden, woraus die Amerikaner Angeles besetzten. Was das für ein großes Treffen war, ergiebt sich daraus, daß der ganze amerikanische Verlust zwei Todte und zwölf Verwundete betrug.
Alls Allviliz null Achblirgebitt.
* Verliehen: dem Regierungsrath Friedrich Bernhard Heinrich Rauch, Mitglied der Königlichen Generalkommission in Cassel der Charakter als Geheimer Regierungsrath, dem Spezialkommissionsfekrelär Friedrich Wilhelm Götze in Cassel der Charakter als „Kanzleirath."
* Der neueste amtliche Saatenstandsbericht, der auf den Erhebungen um Mitte d. M. beruht, lautet für Preußen wesentlich ungünstiger als in den früheren Monaten. Die anhaltende Dürre feit Ende Juli hat den Früchten, die noch auf dem Felde stehen, sehr geschadet, und die Probedrüsche von dem bereits geernteten Winterroggen haben fast allgemein den Erwartungen nicht entsprochen Im Einzelnen sei Folgendes bemerkt: Der Winterweizen ist mit Ausnahme weniger - Bezirke in guter Beschaffenheit geborgen, doch Aa?kN-Me Ernteat- beiten wegen der Lagerung mit großen Schwierigkeiten verknüpft, und die Ausbildung des Korns ist nicht selten lückenhaft geblieben. Die Note für den Staat lautet 2,4 gegen 2,3 im Juli d. I. und 2,3 im August v. I, ist also etwas schlechter geworden, übertrifft aber immerhin noch den Durchschnitt (3,0) erheblich. Der Winterroggen, der ebenfalls meist in tadelloser Beschaffenheit eingebracht ist, hat vielfach, wie die Probedrüsche ergeben haben, durch Frost, Lagern und zu schnelle Reise gelitten, so daß die Ernte auf 2,6 geschätzt wird gegen 2,5 im Juli d. I. und 2,3 im August 1898. Die Sommerung ist im Osten vielfach nothreif geworden; Sommerweizen wird auf 2,5, Sommerroggen auf 3,0 (im Juli d. I. 2.8) angenommen Die Gerste giebt zumeist flaches und graues Korn und ist vielfach als Braumaare nicht verwendbar; sie wird trotzdem auf 2,5 wie im vorigen Monat und vorigen Jahre geschätzt. Der Hafer hat die Note 2,6 gegen 2,5 im August » I. Die Angaben über die Kartoffeln lauten je nach der Reichlichkeit der Niederschläge verschieden; besonders im Osten welkt das Kraut schon vielfach. Der Stand
Eine lustige Geschichte.
Erzählung v. M. von L e t t k o w.
(Schluß )
„Na — 's wird Zeit, das Büreau zu schließen!" sagte der ungnädige Oberdirektor — „Hm! — Hm! — um» das alles heut' für merkwürdige Geschichten sind! Hm! Tragen Sie ein, Herr Oberkontrolleuc Dünnbein — wegen — ja — schreiben Sie so:
„Beschau-Befund: Daß sämmtliche, dem bürgerlichen Mode-Schnittwaaren Händler Josef Bonjour, hierselbst, abgenommenen Stoffe durchweg inländisches Fabrikat aus der Hollriegelschen Fabrik hierselbst seien, und daß nur ordnungswidrig die Ober- zollamtS-Pappstempel fehlen, zweifelsohne zu dem Zwecke, um leichtgläubige Weiber irre zu führen, als wären eS verbotene Stoffe. Dem Jnkulpaten wird das Strafmandat beigelegt." —
„So, haben Sie? — Und nun, meine Herren — ein andermal belieben Sie mir nur dann außer den Amtsstunden Contrebands zuzuführen, wenn — ja — hm! — wenn es wirklich „Contrebands" ist!"
Sprachs, zog feine Kravatte hoch hinauf und verließ stolz und tief gekränkt die gedemütigten Beamten.
Mit dem „Spinatwächter" hat der Franzi die Stoffe wieder heimgebracht, und der Prinzipal des „Rabenvater" wurde verurtheilt: „wegen der fehlenden Ober- zollamts-Pappstempel — — 36 Kreuzer Strafe zu zahlen."
Man kann sich Bonjours Erstaunen denken.
Erst, als ihm Georg Helmsen die Aufklärung gab,
I durchgeschmuggelten Bonjour zu gefährlich, „Contrebands" I zu führen.
(Nachdruck verboten^
Die Rache ist mein.
Original Roman in zwei Bänden von Gustav Bangt' Erster Band.
1. Kapitel.
Ernst, feierlich, zum Gebet für die glückliche Vollendung des Tagewerkes mahnend, klingt das Abendläuten vom Dorfe her bis heraus zu dem engen, von einem Bache durchquerten Thale, wo ungefähr in der Mitte, wie eingeklammert zwischen hohen Felsen, ^ Thalmühle sich erhebt, ein ziemlich vernachlässigtes, wenig umfangreiches Gebäude.
Die letzten Strahlen der im Scheiden begriffe»^ Sonne erhellten noch nothdürftig das Thal, wo es infolge der schroff aussteigenden hohen Bergeswände immer etwas früher dunkel zu werden pflegt, und der rötliche Schimmer des Abendsonnenscheines fällt auch in das ärmliche Wohm gemach der Thalmühle. Von dem Klappern des Mühl- werkes ist nichts zu hören; der Betrieb ruht, nacbbem vor einigen Tagen der Thalmüller nach langer schwere Krankheit zu Grabe getragen worden ist. Nur da Rauschen des Mühlbaches, der sonst das Mühlwerk tretub unterbricht die Abendstille.
Ein blasses, abgehärmtes Weib sitzt an dem o'te Eichentisch im Wohngemach der Thalmühle, die Hä" zum Gebet gefallen. Ihr Gesicht verräth trotz 6
sank eine Zentnerlast von seinem Herzen. Nein — einer solchen Aufregung wollte er sich nicht wieder aussetzen.
Der Franzi bekam die Uhr — sogar eine goldene: 1 aber der neue Schwiegersohn mußte sich verpflichten, den gar zu schlauen Lehrbuben mit nach Hamburg zu nehmen. Schließlich verrieth er den Scherz einmal.
Auch Hans Reiter bekam seine Belohnung für die geleistete Hilfe.
Aus Verdruß über die Blamage beim „Rabenvater" ließ sich der Oberzollamts-Vizedirektor pensionieren. Bei dem Besitz von vier Häusern lag die Gefahr nicht nahe, daß er verhungern werde.
Bei „Prinzeß Allerleirau"'S Hochzeit nahm Monsieur Bonjour die Angelegenheit der „Heimlich-Liebenden" in die Hand.
Langerhuber sträubte sich vorerst — als ihm aber Georg erklärte, wie ohne HanS Reiters Hilfe er selbst seine eigene Tochter hätte wegen des Anlaufs geschwärzter Waaren bestrafen müssen — daß die Contreband-Blamage dann viel größer« Umfang angenommen haben würde, ließ er sein vierfach verstocktes Herz erweichen.
Der Prinzipal vom „Rabenvater" nahm sich ernstlich vor: nun keine verbotenen Stoffe mehr zu führen. Ob er diesen guten Vorsatz auch gehalten hat, davon schweigt meine Chronik.
Ganz sicher ist nur, daß sein Freunderl Wiesnecker ihm und dem Geschäste aus dem Wege ging — auf den Muskateller hat er auch vergebens gewartet. Das war recht bitter für den Feinschmecker von Kommissar.
Aber eS war dem unverdient von den Freunden