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Gratisbeilagen, ,,3Uwftrirte» Sonntagsblatt" h. „JUwitrirte landwirthschastliche Beilage
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Bestellungen auf daS- Hersselder Kreisblatt für die Monate August und September 1899 werden von allen Kaiserlichen postanftalten, tandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hanau, den 21. Juli 1899.
Der am 3. März 1877 zu Wolferbprn, Kreis Geln- hausen, geborene Ochsenknecht Johannas Gleis, zuletzt bei dem Domänenpächter Wilhelm Vogelweier zu Wilhelmshaderhof in Stellung, hat sich am 13. d. Mts. von dort entfernt, ohne bisjetzt zurückgekehrt zu sein. rc. Gleis ist ungefähr 1,70 m groß, untersetzt, hat blonde Haare und keinen Bart. Bei seinem Weggange war er mit Arbeitsanzug, blauer Jacke, grauer Hose, Zugstiefeln, grauer Mütze mit Schirm bekleidet. Nach den seinen Mitarbeitern gegenüber gemachten Aeußerungen ist es nicht ausgeschloffen, daß der rc. Gleis sich ein Leid angethan hat. Um Anstellung von Recherchen nach dem Verbleib des rc. Gleis, Anhaltung im Betretungsfalle und Nachricht hierher wird ersucht.
Der Landrath.
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Hersfeld, den 25. Juli 1899.
Wird der Königlichen Gendarmerie sowie den OrtS- polizeibehörden des Kreises mit der Auflage mitgetheilt, nach dem Verbleib des rc. Gleis Ermittelungen anzu- stellen. Im Betretungsfalle ist dem Königlichen Land- rathsamt zu Hanau Mittheilung zu machen.
Der Königliche Landroth Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hünseld, den 21. Juli 1899.
Da weitere Erkrankungen an Maul- und Klauenseuche unter den Viehbeständen deö hiesigen Kreises nicht
I Auf hoher Alm.
Erzählung aus den bay rischen Bergen von Friedr. Dolch.
(Fortsetzung.)
„So, und jetzt a paar Wortel mit dir," sagte Simei und trat mit rachefunkelnden Augen zu den Gefesselten. MDu wirst gehört Hab'n, was wir ausgemacht hab'» mit einander. Du mußt sterben — also mach' dich fertig . aus die Reis'. Gnad' giebl's keine für dich, brauchst also net z'bilten und z'betteln um dein Leben —"
„Ich dich um mein Leben bitte» ?" rief aber der Jäger mit fester Stimme. „Mein Leben steht in Gottes Hund, und wenn er net will, daß ich zu Grund' geh'n w!I, sonn ^. mir im letzten Augenblick noch Hilf' und ^»ung schicken —" r ,
8 Simei lachte laut auf. „Verlaß dich nur aus beut Herrgott," spottete er, „wir woll'» ja seh'n, ob er dich ""en kann. Darsst'n ja nur g'rad aurufe», nachher dir gleich von die Händ' und Füß' die Strick' weg, y du bist frei. Schau, für den Fall stell' ich da beine
- eine ausgezeichnete Büchs', die wird mir taug n I "eben dir an d'Wand. Da darfst nachher nur d'Hand ""^strecken darnach, und wenn b’Strid’ weg sind und . , "ä)p in deine Hand' is, nachher kann's nimmer g'fchtt ,etn dich — hohaha!"
»Du bist ein Schuft, ein elender —"
«Das für den Schuft," knirschte Simei und versetzte 11 ""i dem Boden Liegenden mit seinen schwerge-
vorgekommen sind, so sind die über die Gemeinden Rhina, Mauers, Meisenbach, Müsenbach und Odensachsen verhängten Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Die über die Gemeinde Neukirchen verhängten Schutzmaßregeln bleiben jedoch in vollem Umfange bestehen.
Der Landrath von Steinmann.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
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Wird veröffentlicht. Hersseld, den 25. Juli 1899.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, _______Geheimer Negierungs-Rath.
gaffet, den 22. Juli 1899.
Unter dem Rindvieh des Oberamtmanns Barthel hier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Der Königl. Polizei-Präsident. GrafKönigsdorff.
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 25. Juli 1899.
I. 4318. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, __Geheimer Regierungs Rath.
Homberg, den 24. Juli 1899.
Unter den Schweinebeständen des Mützenmachers Adam Herwig zu Raboldshausen, des Conrad Bernhard, des Adam Helwig, des August Siegmann, des Heinrich Pfaff, der Witwe Gimpel, des Ferdinand Pfaff, des Bürgermeisters Heußner zu Salzberg ist die Nothlaufseuche ausgebrochen und der Durchtrieb von Schweinen durch die Gemeinde Salzberg und deren Feldmark verboten worden.
Der Landrath von Gehren. An den Herrn Landrath zu Hersseld.
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Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 26. Juli 1899.
I. 4374. Der Königliche Laudrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.
Rotenburg a/F., den 25. Juli 1899.
Der auf den 2. August d. Jö. in Bebra angesetzte Viehmarkt ist aufgehoben worden.
Der Königliche Landrath T u e r ck e.
An das Königliche Landrathsamt in Hersseld
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Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 26. Juli 1899.
I. 4370. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.
nagelte» Bergschuhen einige derbe Stöße und Tritte. „Wart', dir will ich's Schimpfen austreiben!"
„Feigling, erbärmlicher!' rief der Jäger verächtlich. „Wenn du nur die Schneid hast, über einen Wehrlosen Herzufallen —"
Der Hüne hob ergrimmt die Büchse zum Schlage, und wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht der Alte rasch den Arm deö Wüthenden gefaßt und gehalten hätte.
„Bist du denn ganz des Teufels," rief er ärgerlich, indem er den sich Sträubenden von dem Gefangenen ab und gegen den Tisch drängte. „Wie magst du dich denn noch lang herumstreiten mit ein'm toten Mann und die schöne Zeit vertändeln. Komm, setz' dich her an den Tisch da zu mir und laß dir einschenken! Und nachher sag', was wir anfangen und wohin wir uns wenden foU’n, sobald wir dem Tropf den Garaus gemacht hab'n —"
„Und das soll so g'schwind net geh'»!" knirschte Simei, einen rachsüchtigen Blick nach beut Gefangenen werfend und die geballte Frust nach ihm auöstreckend. „An ein' Baum will ich ihn binden, und auf die Brust will ich ihm eine Scheid'» mal'» und nachher ein Schießet halten nach ihm. Du kannst 'n Zieler mach'» dabei, und wenn ich 'n Punkt'« — sein Herz — 'troff-» hab', nachher darfst ein’ Purzelbaum schlag'» und 'n'Juchschroa thun, daß man's hört bis hinauf zu der Himmelalm. So und jetzt gieb mir a Glast her, damit ich mir die Gurgel anfeuchten kann! — Auf dein Wohlsein, Jager! Sollst leb'», wenn wir dich auch nachher umbringen!"
Politische Nachrichten.
Berlin, den 25. Juli.
Von der N o r d l a n d S r e i s e S r. Majestät des Kaisers meldet ein Telegramm aus A a l e s u n d vom 24. d. Mts.: „Se. Majestät der Kaiser verließ am Sonnabend nicht die „Hohenzollern"; Allerhöchstderselbe nahm daselbst Vorträge des Vertreters des Auswärtigen Amtes und der Kabinette entgegen. — Sonntag hielt Se. Majestät Gottesdienst ab und verblieb gleichfalls an Bord. — Das Wetter klärt sich langsam auf. Die Temperatur ist kühl. — An Bord Alles gesund. — Die „Hohenzollern" befindet sich heute bereits auf dem Rückwege. Sie wird morgen in den Nordfjord einlaufen."
Ein Telegramm aus B e r ch t e s g a d e n von gestern meldet: Ihrer Majestät derKaiserin ist durch den Direktor des orthopädischen Instituts zu Göggingen, 'Hessing, ein Kontentiv-Verband angelegt worden, durch welchen Ihre Majestät die Möglichkeit erhält, Gehver- suche zu machen. Das Allgemeinbefinden ist sehr gut.
Während derköniglichenTafelinPillnitz traf vom Kaiser aus Drontheim ein Telegramm mit folgendem Wortlaut ein: „Sr. Majestät dem König von Sachsen, Pillnitz. Es ist mir ein HerzenSbedürsniß, Dir am heutigen ruhmreichen Erinnerungstage nochmals meinen herzlichsten Glückwunsch auszusprechen. Möge des Allmächtigen starke Hand Dich auch ferner gnädig geleiten und mir den treuen ritterlichen Freund noch lange Jahre erhalten, (gez.) Wilhelm."
In letzter Zeit sind wieder mehrfach Angriffe gegen die mit staatlicher Unterstützung ins Leben gerufenen Korn Häuser gerichtet worden. Wer ein Freund unserer heimischen Landwirthschaft ist und in der Fürsorge für diesen Berufszweig eine der Hauptaufgabe des Staates erblickt, wird diesen Angriffen gewiß nicht zustimmen können. Vielmehr ist es zweifellos, daß sowohl die preußischen wie bayerischen und württembergischen Gesetze, mittelst deren für die Errichtung genoffenschaft« lrcher Lagerhäuser Geldmittel des Staates bereitgestellt worden sind, trotz der kurzen Spanne ihres Wirkens bereits nachhaltige Erfolge auszuweisen haben. Die Vortheile der Kornhäuser sind ja auch augenfällig. Kornhäuser sind Getreide-Magazine, in welchen eine Sammlung der Getreide-Vorräthe der heimischen Produzenten zum Zwecke des Großverkaufs und zugleich eine Reinigung und Sortierung des Getredies erfolgt. Regelmäßige
Er warf sich heiser lachend auf die Bank nieder und leerte das ihm dargereichte Glas auf einen Zug. Dann füllte der Alte die Gläser aufs neue, und die beiden Bösewichter begannen, die Köpfe zusammensteckend, ein leise geführtes, eifriges Gespräch.
Der Gefangene aber lag regungslos ^rr- fe4»»k Ecke. Er machte keinen Versuch mehr, die Stricke zu zerreißen oder abzustreisen ; seine Kräfte waren von den nutzlosen Anstrengungen vollkommen erschöpft — er war verlöre», wenn nicht im letzten Augenblicke noch Hilfe von außen kam. Dicht neben seinem Lager klaffte eine handbreite Spalte in der morschen Bretterwand, und wenn er den Kopf vorbeugte, konnte er einen Blick hinaus ins Freie werfen. Und draußen wars so schön — der Himmel war so blau, die Sonnenstrahlen schlüpften durch die Baumwipfel, und die Vögel sangen in den Zweigen ihr Abendlied. Und er sollte sterben, sollte einen schmachvollen Tod erleide» durch Mörderhand! Er war ja noch jung und liebte das Leben; er dachte an die Geliebte, die wohl jetzt droben auf der Alm nach ihm ausschaute — da füllten sich seine Augen mit brennenden Thränen, und ein heißes Gebet um Hilfe und Errettung stieg aus seinem Herzen zum Himmel empor.
Plötzlich zuckte er wie von einem Messerstich getroffen zusammen, denn die Spalte an seiner Seite hatte sich mit einem Male verdunkelt, und eine leise, ihm wohlbekannte Stimme drang wie ein Hauch an sein Ohr. Mit hochklopfendem Herzen fuhr er empor und starrte hinüber zu den beiden Bösewichter», die noch immer mit