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Sr. 71.

I-ittierstli- dt« 6. Juli

1899.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für das dritte Quartal 1899 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 4. Juli.

DieH o h e n z o l l e r n" mit S r. Majestät dem Kaiser an Bord ist heute Vormittag kurz nach 10 Uhr, wie aus Eckernförde berichtet wird, in See ge­gangen. Das Wetter ist zweifelhaft. An Bord ist Alles wohl. *

Ihre Majestät die Kaiserin ist mit der JachtJduna" gestern Abend um 7 Uhr von Eckernförde in Kiel eingetroffe» und hat im Schlosse Wohnung ge­nommen. Heute hat Sich Ihre Majestät auf S. M. JachtHohenzollern" von Sr. Majestät dem Kaiser ver­abschiedet und an Bord der Segel-JachtJduna" nach G r a v e n st e i n begeben.

Der Kronprinz ist am Sonnabend in Sankt Johann an der Saar eingetroffen und hat dort eine fiskalische Grube befahren.

Der Grubenarbeiterstreik im Bezirk H e r n e ist, wie die heute vorliegenden Meldungen er­kennen lassen, thatsächlich als beendet anzusehen. Aus­drücklich betont dieRhein.-Wests. Ztg", daß dieser Umschwung der Dinge nur dem rechtzeitigen Eintreffen und energischen Eingreifen des Militärs zu verdanken ist.

Die preußische Regierung hat bekanntlich von den Landwirthschaftskammern Gutachten darüber eingesordert, ob sich der Verkauf der Eier nach Gewicht und der Deklaratiouszwang für die Herkunft fremdländischer Eier empfehlen würde. Eine der ersten Kammern, die sich äußerte, war die der Provinz Sachsen. Sie erfleht sich gegen jene Vorschläge und tritt dafür ein, daß anstatt

Sternschnuppen.

Novelle von Detlef Stern.

(Schluß )

Nun begann der Professor seine ausklärende Erzäh­lung, nur zuweilen durch einige kräftige Ausrufe der Majorin unterbrochen. Als er geendet hatte, reckte sie sich zu gradester Gradheit empor:Das ist ja eine Komödie der Irrungen, aus der sich kein vernünftiger Mensch zurechtfinden kann, sehen Sie allein zu, wie Sie sich da hindurchwinden."

Das ist nicht schwierig, sobald Sie mir eine Unter­redung mit Fräulein Melanie gestatten."

Die Stentorstimme der Majorin drang bis in das Zimmer der eifrig mit Packen beschäftigten Mädchen und die Gerufene ließ das Kleid liegen, welches sie eben faltete, um zu hören, was die gestrenge Tante wolle. Schnellen Schrittes trat sie in den Salon, blieb aber wie erstarrt und schreckensbleich in der Thür stehen, als sie den Professor erblickte.

Mein liebes Kind," sagte die Majorin in unge­wöhnlich mildem Tone,dieser Herr erzeigt Dir die Ehre, um Deine Hand anzuhalten; ich hoffe, Du wirst Dich meinem Wunsche nicht entgegenstellen, denn mein Wunsch ist es." Mit diesen Worten verließ sie steif und gerade das Gemach und ließ Melanie in furchtbarster Verlegenheit mit dem Professor allein. Eine Pause ent­stand, in welcher das junge Mädchen kaum aufzusehen wagte als sie aber ihre Hand erfaßt fühlte und des Professors Stimme dicht an ihrem Ohr hörte mit der

dessen eine Sortirung der Eier unter Benutzung des 40 Millimeter-Maßringes wenn möglich schon bei den Pro­duzenten stattzufinden haben. Weiter sei zu verbieten, ausländische Eier alsfrisch" oder alsLandeier" zu bezeichnen und feilzubieten, und endlich sei der Einfuhr­zoll auf ausländische Eier zu erhöhen.

Das Haus der Abgeordneten beschäftigte sich am Montag nach Erledigung kleinerer Justizvorlagen, die nur eine unwesentliche Debatte hervorriefen, mit Petitionen. Den größten Theil der Sitzung nahm eine Gruppe von Petitionen in Anspruch, in denen von mitt­leren und kleineren Gewerbetreibenden Schutz gegen die Konkurrenz der Großbazare durch eine mirfiame Umsatz­steuer verlangt wird. Bei den großen Parteien des Hauses herrschte sichtlich keine Neigung zu einer längeren Debatte, man wollte dem Vorschlag der Petitionskom­mission auf Ueberweisung der Petitionen an die Regie­rung zur Erwägung debattelos Folge geben. Hiergegen erhoben die Abgeordneten Dr. Hahn und Werner (Deutschsoz. Reformp ) Einspruch. Ferner führte aus: Ich kann nur bedauern, daß die Geschäftslage dieses Hauses ein näheres Eingehen auf den Gegenstand nicht gestattet. Herr Dr. Hahn hat bereits zutreffend betont, daß es Aufgabe aller Parteien ist, die für die Forderungen des Mittelstandes eintreten, die berechtigten Forderungen des Mittelstandes gegen die Konkurrenz der großen Waarenhäuser zu unterstützen. In Görlitz sind sämmtliche kleineren Geschäfte bereits verzeihen Sie den Ausdruck aufgefressen. Dort ist alles ruiniert. Zu unserem Bedauern sehen mir, daß Herr Minister v. Miquel, der sonst so findig ist, wenn neue Steuerquellen entdeckt wer­den sollen, sich gegen die Umsatzsteuer auflehnt. Auf diese Weise wird der Mittelstand an den Bettelstab gebracht. Ich frage die Staatsregierung, was sie thun will, wenn die Ver­armung in Mittelstandskreisen so fortschreitet. Der Bauern­stand ist ruiniert. Den kleinen Kaufmann und Handwerker stand ist mau bereit zu opfern. Man thut nichts, man sagt nur: Hilf Dir selbst! Das Wort ist schon, aber wie die Dinge liegen, kann der Kaufmannsstand sich nicht selbst helfen. Da­rüber herrscht kein Zweifel, daß die großen Waarenhäuser auf einer soliden Basis nicht aufgebaut sind. Die Reklame in den Zeitungen ist schwindelhaft. Es giebt in den Geschäften Lock artikel, die die Gimpel auf den Leim führen. In soliden Ge­schäften roirb man jedenfalls preiswerther bedient, als in Waarenhäusern, die immer überlaufen sind. Wir brauchen nicht in die Ferne zu schweifen. In der Nähe dieses schönen Hauses haben wir ein solches Waarenhaus, die Firma Wert heim. (Heiterkeit.) Wenn Sie dort vorbeikommen, so sehen Sie, wie die Leute sich stauen, und manchmal die Polizei aufgeboten werden muß, damit der Verkehr nicht leidet, und so etwas sieht man namentlich zur Weihnachtszeit, zur Zeit des schönsten christlichen Festes. In den Geschäften in der Nähe und in den anderen Straßen ist zu derselben Zeit eine

Frage:Was habe ich zu hoffen, Fräulein Melanie?" da hob sie die großen dunkelblauen Augen zu ihm auf und sagte mit zitternder Stimme:Aber wußten Sie denn, daß Hedwig nicht Melanie ist?"

Ich wußte es seit gestern."

Und haben den ganzen Ballabend mit mir, als mit der wirklichen Melanie gesprochen ?'

Das habe ich!"

Oh, dann ist alles gut, dann verschwinde ich vom litterarischen Himmel wie eine Sternschnuppe und will nichts weiter sein als eine gute und getreue Hausfrau."

Kinder, was geht hier vor?" ertönte plötzlich die Stimme HedwigS, die neugierig näher geschlichen war und einen Handkuß des Professors erspäht hatte,ich glaube gar, hier wird Verlobung gefeiert!"

Jawohl, Fräulein Hedwig, trotz aller Verwechsel­ungen!" entgegnete der Professor lachend, indem er Melanits Arm in den seinen legte.

Sie wissen also"

Rieke hat mir das Geheimniß verrathen."

Und weiß auch Herr Doktor Sauerbier?"

Keine Ahnung hat er"

Ah, herrlich, prächtig! Wir reisen nun doch auf keinen Fall, Melanie? Da das furchtbare Wiedersehen nun stattgefunden und Du es, wie es scheint, ganz gut ertragen hast, so sehe ich nicht den mindesten Grund"

Ich auch nicht," unterbrach sie Melanieaber unsere Väter?"

Meinst Du, daß die uns vor morgen erwarten?

auffallende Leere zu beobachten. Die Sache geht so weit, daß sich die Standesgenoffen der Firma Wertheim dagegen aus­lehnen und sagen:So kann es nicht weiter gehen." -Sehr richtig! rechts). Man sollte denken, daß die Regierung in Preußen dasselbe thun könnte, was Bayern schon längst ge­than hat. Baiern hat eine Umsatzsteuer von 7 pCt. eingeführt. Daß im übrigen die Konsumvereine, die Offizier- und Beamten­vereine entsprechend zu besteuern sind, ist selbstverständlich, da wir als Mittelstandspartei die kleinen und mittleren Existenzen erhalten wollen. Wir treten nicht einseitig für die agrarischen Forderungen ein, sondern für diese im Rahmen der gesammten Forderungen des Mittelstandes und dazu gehört auch der solide Kaufmannsstand. Man hat uns nach­gesagt, wir seien einseitig, wir trieben nur Agrarpolitik. Nein, wir wollen eine vernünftige Mittelstandspolitik treiben und treten für alle diejenigen Stände ein, die wir als Stützen von Krone und Altar ansehen. (Beifall. Deshalb möchte ich bitten, den ersten Theil der Petitionen, der den Schutz gegen die Waarenhäuser durch Einführung einer Umsatzsteuer verlangt, der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Für die Petition des Konsumvereins in Görlitz vermag ich nicht einzutreten, da ich diese Vereine aufs schärfste bekämpfen muß. ^Beifall).

In der heutigen Sitzung des Abgeordneten­hauses wurde das Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit, nachdem über die in der dritten Lesung angenommenen Abänderungsanträge nochmals abgestimmt war, in der Gesammtabstimmung angenommen. Es folgte die dritte Lesung der landesrechtlichen Vor- schristen über die Gebühren der Rechtsanwalte und der Gerichtsvollzieher. Dem Anträge des Abg. Dr. Porsch (Ctr.) auf en dloe-Annahme wurde von dem Abg. Rehling (k.) widersprochen, der in ver- schiedeueu Punkten für die Regierungsvorlage eintrat. Abg. Schettler (k.) erklärte, daß seine politischen Freunde für die Kommissionsvorlage eintreten würden. Nach kurzer Erörterung wurde die Vorlage angenommen. Darauf erledigte das Haus eine Anzahl Petitionen und vertagte sich sodann bis zum 14. August.

Graf Mirbach hat im preußischen Herren- Hause folgende Resolution eingebracht: Das Herren­haus drückte seine Befriedigung darüber aus, daß die Königliche Staalsregierung im Bundesrath für die Vor­lage eines Gesetzes zum Schutz des gewerblichen A r b e i t s - V e r h ä l t n i s s e s an den Reichstag ein­getreten ist. Das Herrenhaus erwartet, daß die König­liche Staatsregierung an dem in vorgenannter Gesetzes- Vorlage eingenommenen Standpunkt unentwegt festhalten wird; als Grund wird angegeben, ein wiiksamer Schutz der arbeitswilligen Arbeiter, sowie der Arbeitsgeber sei

I Ich will nur jetzt gleich Deiner Tante sagen, daß sie uns noch nicht los wird."

Hedwig verließ den Salon und stieß auf dem Haus­flur mit dem Astronomen zusammen, der den Professor suchte.

Der Professor ist unten bei uns, soll ich ihn rufen?" fragte Hedwig.

Nein, nein, Fräulein Ewald, was ich will, kann ich eben so gut Ihnen sagen, wenn es nicht schon zu spät ist. Kann ich Sie einen Augenblick ungestört sprechen?"

Hedwig öffnete die Thür zu einem unbewohnten Zimmer.Nur hier herein! Womit kann ich Ihnen dienen?"

Sie fragen, als wollte ich ein Paar Handschuhe von Ihnen kaufen. Ach, ich fürchte, ich habe gestern auf dem Ball einen entsetzlichen Irrthum begangen; ich habe Sie und Ihre Freundin verwechselt und letzterer eine Liebeserklärung gemacht."

Das wäre?"

Sie erwartet natürlich heute, daß ich mich der ge­strengen Frau Tante als Bewerber präsentiere."

Sind Sie dessen so gewiß? Was hat sie Ihnen denn geantwortet!"

Nicht ja, nicht nein, sie lief mit einfach davon, indes habe ich Ursache, zu glauben, daß"

Daß sie nicht abgeneigt wäre? Oh, Ihr Herren der Schöpfung, wie sehr Ihr an Einbi'dnng leitet ! Meine Freundin hat sich soeben mit dem Professor ver­lobt."