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«r. 71. $i* K« 2«. Jni 189».

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 17. Juni 1899.

Die Einzahl» ng der Umlagebeiträge für die Hess.- Nass. landwirthschastliche Berufsgenossenschaft pro 1898 wird hierdurch in Erinnerung gebracht und b e st i m ni t bis zum 2 9. d. M t s. erwartet.

I. A. 1519. Der Sektionsvorstand:

Freiherr von Schleinitz, Vorsitzender.

Hersfeld, den 12. Juni 1899.

Das Proviantamt zu Cassel kauft jetzt Heu aus der neuen Ernte. Die Herren Ortsvorstände haben solches in den Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

I. I. Nr. 3425. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 16. Juni 1899.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Einreichung des Anbauermittelungsblotteö nach meiner Verfügung vom 12. Mai d. I., J. I. Nr. 2903, Kreisblatt Nr. 59, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2 1. d. M t S. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

I, 2903. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Die Maul- und Klauenseuche sowie der Milzbrand unter dem Rindvieh der Domains BingarteS ist erloschen und die Sperre über den Gutsbezirk BingarteS aufgehoben. BingarteS, den 16. Juni 1899.

Der Gutsvorstand F r e i s e.

Nichtamtlicher Theil.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hat am Freitage bei Hannover das Königs Ulanenregiment besichtigt, dem er die dem Regiment jüngst verliehenen Kesselpauken überreichte und ist dann nach Hamburg gefahren. Hier begann am Sonnabend bei Brunsbüttel die große Elb- Regatta, an derMeteor" undJduna", die Jachten des Kaisers und der Kaiserin, theilnahmen. In dieser

^ternschnuppen.

Novelle von Detlef Stern. (Fortsetzung.)

Der Professor war roth geworden.Bester Freund, Sie trauen mir eine zu große Leistungsfähigkeit zu. Dies Bild war nahezu fertig, ganz und gar aus meiner Phantasie entstanden; ich habe nur einiges daran ge­ändert, nachdem ich Fräulein Ewald zweimal flüchtig gesehen, und ich freue mich, wenn es mir gelungen, eine gewisse Aehnlichkeit hervorzurufen. Sie werden übrigens bemerken, daß die Augen des Bildes blau, während Fräulein Ewalds braun sind."

Ah, was Sie sagen? braun? Darüber bin ich mir bisher nicht klar geworden. Sie müssen sie recht genau gesehen haben; vielleicht Visite gemacht, he?"

Der Professor erröthete abermals. Er hatte in der That einen Besuch gemacht, war aber nicht empfangen worden.

Ich habe das Fräulein durchaus nicht genau ge­sehen," antwortete er ausweichend,unten nur zweimal flüchtig im Hausflur."

Nun, und die Andere, wie ist denn die?"

Das kann ich Ihnen nicht sagen, da ich ihr bisher nicht begegnet bin."

Gut, heute Abend werden wir klar sehen. Das Theater ist unser Beobachtungsfeld. Sie kommen doch Mit, Professor ?"

Ich ? ins Theater? Ich war seit Jahren nicht mehr dort."

Woche werden in Gegenwart des Kaisers bei Kiel große Regatten stattfinden. 32 deutsche in Dienst befindliche Kriegsschiffe werden im Kieler Hafen sein, ohne daß die Fahrzeuge der Torpedoboots Flottille mitgerechnet sind. Da die Nennungen zu den Wettfahrten noch die vorjäh­rigen übersteigen, so wird die Kieler Woche, besonders während der Zeit vom 22. Juni bis zum 30. Juni, ein sehr ansprechendes Bild liefern.

Im Reichstag stand am 16. d. MtS. als erster Gegenstand auf der Tages-Ordnung die erste Berathung des Gesetz-Entwurfs, betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. Die Diskussion wurde vom Abg. Graf Kanitz (dk.) eingeleitet, der die Annahme der Vor­lage empfahl. Der Abg. Dr. Rösicke - Kaiserslautern (V. d. L.) schilderte dagegen eingehend die Schäden, die sich aus der Differenzierung der Zölle auch für die deutsche Industrie entwickeln müßten, und erklärte eS für durchaus nöthig, daß England und seine Kolonien als ein Ganzes betrachtet würden, und daß demgemäß nur solche Handels Verträge mit England geschlossen werden bürsten, die auch für die Kolonien bindend seien. Staatssekretär Graf von Posadowsky widersprach ihm und erklärte, da die deutsche Ausfuhr nach Kanada 17 Millionen Mark betrage, während sich die Einfuhr aus Kanada nur auf 4 Millionen belaufe, würde ein Zollkrieg zwecklos und gefährlich sein. Nachdem alsdann noch die Abgg. Dr. Oertel (dk.) und Dr. Hahn (B. d. L.) den Entwurf be­kämpft, die Abgg. Brömel (frf. Vg.) und Möller (natl.) dagegen ihre Zustimmung kundgegeben hatten, schloß die erste Berathung.

Das preußische Abgeordnetenhaus be­rieth am Freitage die Interpellation der Abgg. Roeren und Hitze (Centr), aus welchem Grund der in der Thron­rede angekündigte Gesetz - Entwurf über die Besteue­rung der Waaren Häuser dem Landtage noch nicht vorgelegt und wann die Vorlage zu erwarten sei. Der Abg. Roeren bat, zur Beruhigung der Geschäfts- well um eine authentische Erklärung, daß der Entwurf nicht fallen gelassen worden sei. Finanzminister Dr. v. Miguel erklärte, die Regierung habe allerdings die Hoff­nung gehabt, den Entwurf vorzulegen, diese sei aber nicht zu erfüllen gewesen. Die Ursache liege lediglich in der Schwierigkeit der Materie. Die Regierung habe die Ueberzeugung, daß es des Einschreitens des Staates auf diesem Gebiete bedürfe, aber eines Einschreitens, das vermeidet, die von der kommunalen Natur der Gewerbe­

Ein Grund mehr, daß Sie einmal wieder hingehen; ich nehme Parquet rechts, da können wir die Logen links am besten fixieren."

Sie scheinen genau instruiert! durch Nieke wahr­scheinlich?" fragte Marbach spottend.

Nein, ich habe es in den Sternen gelesen," ent- gegnete Sauerbier verschmitzt lächelnd.

Zu derselben Zeit hielten Melanie und Hedwig ein ähnliches Zwiegespräch.

Welch ein Glück, daß die Tante den Professor heute Mittag nicht annehmen konnte, so wäre bei der Vor­stellung Alles klar geworden," sagte Melanie."

»Ja, ich freue mich diebisch, daß der alte Schulrath gerade hier war mit seinen Listen und Verzeichnissen," meinte Hedwig.

Denkst Du, daß der Professor heute Abend ins Theater gehen wird? Rieke sagt, er gehe selten aus des Abends."

Heute wird er ausgehen und zwar mit dem dem Sauerbier!"

Weißt Du das so gewiß?"

Natürlich; wenn der Astronom sein Fach recht ver­steht, dann muß er es ja in den Sternen lesen, daß er uns in der Oper findet, Balkon links, zweite Reihe."

Dazu müßte er Astrolog sein, liebe Hedwig. Sage, hast Du ihm wohl ein wenig auf die Spur geholfen?"

Und wenn ich es gethan hätte?"

Du hast ihm geschrieben, Hedwig?"

Ja, mein Schatz, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege Sauerbier postlagernd. Ich habe auch, als

steuer abweichenden gewerblichen Verhältnisse über einen Kamm zu scheeren. Der Finanzminister hofft, daß zu Anfang der nächsten Tagung der Entwurf vorgelegt werden könne. Abg. Hausmann (natl.) hält den Weg, zu dem die Regierung gedrängt werde, für sehr schwierig. Abg. v. Brockhausen (kons.) hält es für sehr erwünscht, daß sich die Bundesstaaten über ein einheitliches Vor­gehen gegen die Waarenhäuser einigten. Abg. Gothein (freis. Vg.) sprach sich gegen einen derartigen Entwurf aus. Finanzminister Dr. v. Miguel führte nochmals aus, die Vorlage über die Besteuerung der Waarenhäuser könnte nur auf lokalem kommunalen Boden geschaffen werden, nicht im Rahmen eines allgemeinen LandeSge- setzes. Abg. Fuchs (Ctr.) erklärte, die kleinen Gewerbe­treibenden härtenden Wunsch, daß etwas geschehe. Abg. Roeren (Ctr.) legt das Hauptgewicht darauf, daß den kleinen Gewerbetreibenden Schutz gegen die Schädigungen gewährt werde, die von dem Großbetriebe ausgehen. Der Gesetz-Entwurf über die Anstellung und Versorgung der Kommunal-Beamten wurde auf Antrag des Abgeord­neten von Heydebrand (kons.) in zweiter Lesung ein­stimmig angenommen. Die nächste Sitzung wurde auf Montag 11 Uhr angesetzt. Auf der Tagesordnung standen kleinere Vorlagen und Petitionen. Die Geschäfts- DiSpositionendesAbgeordnetenha'useS sind folgendermaße'n getroffen worden: An diesem Dienstage soll der Gesetz-Entwurf wegen Heilighaltung des Karfreitags verhandelt werden. Die erste Sitzung der Kanal-Kommission ist zum 23. Juni anberaumt; die nächste Sitzung der Kommission für die Gemeindewahl- rechtS-Vorlage findet am Dienstag, den 20. Juni statt.

Die Sitzung des Hauses der Abgeord­neten am 10. d. wurde, nachdem über den freisinnig» sozialdemvkratischcn Stimmenkauf in Breslau Erhebungen anaeöldnet waren, durch Petitionen ausgefüllt. Die größte Zeit nahm die Petition verschiedener Betriebs- sekretäre in Anspruch, die Ausbesserung ihres Gehaltes, beziehungsweise Aufrückung in die Stellen der Eisen- bahnsekretäre verlangen. Dieser Punkt der Tagesord­nung gab dem Abgeordneten Werner, Deutschsoziale Reformpartei, Gelegenheit, seine Erstlingsrede im Hause der Abgeordneten zu halten:

In meiner Eigenschaft als Schriftführer der Budget-Kom- mission des Reichstags habe ich seit einer Reihe von Jahren Gelegenheit gehabt, die höchst unerfreulichen Personalverhält­nisse der Betriebssekretäre wenn auch nur derjenigen bei den Reichseisenbahnen eingehend kennen zu lernen. Noch

ich heute in aller Gottesfrühe das Briefchen in den Kasten steckte, auf der Post gefragt, ob für Fräulein Melanie Ewald etwas vorhanden; und stehe da" sie zog ein zerknitter.tes Couvert aus der Taschemein AhnungSvermögen hat mich nicht getäuscht."

Ein Brief vom Professor?" rief Melanie und streckte die Hand danach aus.

Sachte, sachte!" entgegnete Hedwig, indem sie der Freundin einen leichten Schlag auf die ausgestreckte Hand versetzte,schreibst Du etwa mit deinem Professor postlagernd? Dieses Schreiben da, sieh nur die charakter­vollen Buchstaben, ist von meinem Sauerbier, und darin steht geschrieben:

Sehr verehrtes Fräulein!

Ich weiß, weshalb Sie am Abend ihres Ein­treffens so unbändig gelacht haben. Es war der Name, der unglückliche Name, den Sie für ein Pseudo­nym hielten, und der sich nun als erb- und eigen­thümlich entpuppte. Wollen Sie den Mann leide» lassen um seines Namens willen? Ich hoffe nein. Geben Sie mir Gelegenheit, Ihre nähere Be­kanntschaft zu machen, ich flehe Sie an. Wenn Sie vielleicht morgen Mittag durch die Anlagen gingen, ich würde Sie sofort erkennen, denn ich sah Sie be­reits einmal in Berlin"

Denke nur, Melanie," unterbrach sie hier die Leserin, er ist derselbe, der mich an jenem Abend, da ich von Dir nach Hause ging, so frech ansah und mir dann bis zu unserer Wohnung nachlief; erzählte ich Dir nicht davon?"