Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag unb Sonnabend.
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Amtlicher Theil
Hersfeld, den 17. April 1899.
Die Herren Ortsvorstände zu Kleinensee, Widdershause», Leimbach, Heringen, Lengers und Philippsthal werden unter Hinweis auf die Verfügung vom 24. April 1884 Nr. 5384, im Kreisblatt Nr. 51, darauf aufmerksam gemacht, daß am I. Mai d. Js. die Begehung der Landesgrenze stattzufinden hat.
J. L Nr. 2408. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Auktions-Anzeige.
Mittwoch den 3. Mai d. Js., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 G-stütpferde, bestehend aus Mutterstuten (zum Theil bedeckt), 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten sowie jüngeren Fohlen und einigen Äckerpferden meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. ^t» ?>tm N-.f„„s fnmmpnhen ppr rittene^ Pferde' werden am 1. und 2. Mai von 7 bis 10 Vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche an derselben Tagen von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Haud gezeigt.
Listen über die zur Auktion gelangenden Pferde werden am 23. April zum VersanM^r ferrU^seNettt fern und aus Ansuchen zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von und zum Bahnhof Trakehnen wird am L, 2. und 3. Mai gesorgt sein.
Trakehnen, den 27. März 1899.
Der Landstallmeister, gez. von O e t t i n g e n.
Uichlamtlicher Theil
er- an
Kchutz den Vsseln.
Es mag vielleicht sonderbar oder gar anmaßend scheinen daß einfache Landleute mit einem Ausruf die Oeffentlichkeit treten; doch ein schweres Unrecht, welches uns und unserm Vaterland zugefügt wird, drängt uns endlich einmal vor aller Welt unfern AV-
Der Geusenbota.
Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.
Von Arete Gog arten.
(Fortsetzung.)
Der Bürgermeister erhob sich: „Also haltet Euch bereit daß Ihr um Mitternacht fort könnt; bis dahin habe ich die Papiere für den Boten fertig," — und tief bekümmert verließ er das Zimmer.
_____ — — Es war Nacht.
Dichte
Finsterniß herrschte in den Straßen, die Trinkstuben waren alle geschlossen, die Bürger zur Ruhe gegangen. Nur bei Pieter Bosch zeigte sich noch ein Lichtschimmer. Im Gastzimmer saßen Hauptmann Dirk, der Geuse, der Bürgermeister und der Wirth.
Ich habe dem Prinzen alles klar auselnander- gesetzt," sagte der Bürgermeister und deutete auf ein aus dem Tische liegendes Schreiben, daß wir falls d Spanier kommen sollten, uns aufs äußerste vertheidigen werden, daß ich Jan van der Does jum Kommandanten der Stadt vorschlage, aber daß der Prinz uns zu H f kommen muß, denn wir haben nur ein einziges F^hn lein kriegsgeübter Truppen hier unter dem tapferen Hauptmann Joost van Eicken." „
„Sure Schwägerin, Hauptmann, wird gleich kommen, bemerkte der Wirth, „und dann müßt Ihr fort vergeht also nicht, im „Goldnen Löwen bei Lammen stehen Eure Pserde, der Wirth dort erwartet Euch.
Ein Geräusch ließ sich vernehmen, die Thüre wurde geöffnet, und hereintraten Jan van der Does mit einem
scheu auszusprechen und uns zur Wehr zu setzen. Es ist bekannt, wie die Italiener ganz schrecklich unter unsern Zugvögeln hausen. Jährlich werden Millionen dieser treuen und nützlichen Vögel hingemordet, großen- theils nur als Leckerbissen für die vornehmen Leute. Kein Wunder, wenn durch diesen entsetzlichen Krieg die Vogelwelt der Ausrottung nahe ist und daß wir erleben müssen, was noch kein Volk erlebt hat, nämlich eine Zeit ohne Schwalben und andere Vögel, wo in heißen Sommern uns das Ungeziefer auffrißt, wo unser Vi-H keine Ruhe mehr hat, von giftigen Fliegen gestochen wird, wo gefährliche Viehseuchen, ja bisher noch unbekannte Uebel uns heimsuchen werden; nebenbei noch Schnecken, Raupen, Nonnen, Kieferspinner, in neuester Zeit die Schildlaus rc. und das alles, weil es den Italienern gefällt, alle Vögel ohne Unterschied wegzu fangen. Trotz diesen entsetzlichen Vorgängen und Gefahren sehen wir aber nur Gleichgiltigkeit' und Wider-! sprüche: Schutz und Hebung der Landwirthschaft — l Tod den Vögeln, den unentbehrlichsten Schützern derselben; — Hebung der
Fliegen, die das Vieh nicht ruhen lassen; — Viehver- sicherung — Schwalbentod und herrliches Gedeihen der tchutz — Ausrottung der besten Schutzmannschaft derselben; -- Apothekenschutz statt Vogelschutz, — Begeisterung für Naturschönheit, Ausflüge, VerschönerungS-Vereine
— rohes Zusammenschießen und Erschlagen der Wachteln, L«»ch tu—«nd b««^t.-j—L s. is^r—cr^TTT-^etr^rTrrnTyeTr-75^- Naturlehre in allen Schulen — Naturverwüstung durch den Vogelmassenmord u s. w. Welche Widersprüche!
— Sind Steuern in Aussicht — geht ein Schrei der Entrüstung durchs ganze Land; die schweren, aus Naupen- und Schneckensroß und Ueberhandnahme des Ungeziefers entstehenden Verluste werden schweigend ertragen. Im Sommer und Herbst tagten Versammlungen an allen Ecken und Enden, Reden über Reden wurden gehalten und gedruckt, aber über den grauenvollen Vogelkrieg haben wir kaum ein Wort der Entrüstung vernommen. Anstatt die Regierungen, die ohnehin mit Italien einen schweren Standpunkt haben, durch Proteste und Eingaben zu unterstützen, hat man sich mit den weiß Gott wann einmal kommenden internationalen Gesetzen vertröstet. Unsere Zugvögel kommen und gehen aber über Italien und werden dort ausgerottet. Italien ist der ärgste und fast einzige Feind derselben und wenn dort der Krieg
Knaben von etwa 14 Jahren und eine in eine graue, nonnenartige Tracht gekleidete Dame, von vornehmer Haltung und Manieren, auf deren edlen, feinen Zügen ein Hauch von Schwermuth und Gram lag.
„Holla! Wen bringt Ihr denn da mit?" rief Haupt- mann Dirk.
„Ja der Junge wollte sich nicht mehr halten lassen, als er hörte, daß Ihr gekommen seid und —"
„Onkel Dirk! Onkel Dirk!" schrie der Knabe und stürzte ihm entgegen; auch die Nonne trat auf ihn zu und begrüßte ihn aufs herzlichste.
„Was willst Du denn aber hier, Karel? Wir müssen gleich fort, und ich habe keine Zeit, Dir zu erzählen."
„Sehen wollte ich dich und dann —" er stockte.
„Nun, was dann?"
„Hier, Onkel, ich wollte Dich bitten, etwas mitzu- nehmen" ' nnd er zog unter einem Tuch zwei kleine Käfige hervor. „Hier die Tauben, es sind echte Tümmler, grau und blau; ich habe einen ganzen Schlag voll. Nun dachte ich, da Du doch zum Prinzen gehst und die Spanier bald wieder kommen, da solltest Du die Tauben mitnehmen, damit sie uns später als Brieftauben Botschaft bringen können. Du weißt, in Haarlem machten sie es auch so!"
„Das Land ist noch offen", fügte van der Does den Worten des Knaben hinzu, „da ihr beide reitet, so könnt ihr die Tauben mitnehmen. Nur dürst ihr die Käfige nicht verdecken; die Thiere müssen die Gegend sehen, durch welche sie gebracht werden."
eingestellt würde, könnten wir die Schutzgesetze ruhig abwarten. Wir deutsche Landwirthe müssen also mit allen Kräften gegen diese greuliche Wirthschaft ankämpfen. Was der weise und gütige Schöpfer uns zusendet und für uns bestimmt hat, das wollen wir auch erhalten und behalten für uns und unsere Nachkommen. Daß die kleinen Vögel mit ihren winzigen Leibern zum Genuß bestimmt sein und daß die Italiener ein Recht haben sollen, Gottes herrliche Schöpfung zu oerroüstX seine weisen und liebevollen Absichten zu vereiteln, deH deutschen noch dazu verbündeten Volk unermeßlichen Schaden zuzufügen, das lassen wir uns von niemand in der Welt vormachen. Und wenn man uns entgegnet, das sei eine uralte Gewohnheit und ein nationales Vergnügen, das ihnen niemand nehmen dürfe, so sagen wir darauf: eine Gewohnheit und ein Vergnügen zum Schaden seiner Mitmenschen kann nie erlaubt und berechtigt sein und ^n so grausames Vergnügen zum Schaden und Ruin ganzer Länder erst recht nicht. Solches Thun bleibt unter allen Umständen ein Greuel vor Gott und allen
Männer und Patrioten fprechen E — so laut wir können — unsern tiefsten Abscheu darüber aus ~-\ ~ ^•« ""6 biegen wehren Bereits Ende Januar vorigen Jahres haben wir eine Eingabe an den deutschen Reichstag gemacht, sind aber leider damit zu spät ge= kommen. Wir haben dieselbe erneuert und uns auch $^^|fo^^^‘'W^ an hnlhanrii^ Minister.,m Nischen Regierung gewandt. Die Bemühungen der deutschen Regierungen zum Schutz der Vögel im Land — denn es muß bei uns manches anders werden — und deren Bestrebungen, internationale Schutzgesetze durchzusetzen, erkennen wir dankbar an; allein, was hilft es, wenn wir die Vögel schützen, die Italiener sie aber vernichten und bis die internationalen Schutzgesetze einmal ins Leben treten und gehalten werden, haben die Italiener mit den Vögeln aufgeräumt und zum Schützen ist dann nichts mehr da. Wir haben also keine Zeit mehr zu verlieren, die Vögel, namentlich die Schwalben, sind schon im Aussterben begriffen. Darum, ihr deutschen Landwirthe, Gemeinden und Bürgermeister von Stadt und Land, helfet mit zur Rettung der Vögel, der besten Mitarbeiter der Landwirthschaft, indem Ihr keine Versammlung mehr ohne Protest gegen den Vogelmassenmord vorüber gehen lasset,
„Was meint Ihr, Jan," rief der Hauptmann dem Geusen zu, der bis jetzt stille gestanden, und unverwandten Blickes auf die Nonne und den Knaben ge« schaut hatte, „sollen wir die geflügelten Boten mitnehmen ?"
„Ganz gewiß," erwiderte der Geuse. „Denkt daran, welche wichtigen Dienste sie in Alkmaar und Haarlem geleistet haben. Der Knabe hat einen sehr guten Gedanken gehabt."
„Ja, wenn ich nur etwas älter wäre!" meinte dieser mit blitzenden Augen, „und statt guter Gedanken ein gutes Schwert haben könnte!" — Dann betrachtete er mit scheuer Bewunderung den Geusen, es brannte ihm auf der Zunge, ihm zu sagen, daß er ein Seegeuse werden möchte, aber ein Wink der Dame, seiner Mutter, ließ ihn schweigen.
„Nimm jetzt Abschied von Onkel Dirk, Karel," sagte sie nach einer Weile. „Du weißt, wir haben hier noch manches zu besprechen; vergiß aber nicht, die Fackel mitzunehmen!"
Karel that, wie ihm geheißen, als er jedoch das Zimmer verlassen wollte, trat der Geuse zu ihm. In seltsamer Ergriffenheit nahm er des Knaben Hände: „Gott mache einen tapfern Kämpfer aus Dir, Karel!" sprach er. „Diene deinem Vaterlande treu und halte fest an dem Einen: „Freiheit und Unabhängigkeit der Niederlande über alles und Oranien für immer!" Dann zog er eine Medaille an einem blau-n Bande hervor und hing sie dem Knaben um den Hals. „Hier die Geusenmedaille, nimm sie als Gegengeschenk für die