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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Vestellungen auf das Hersselder Kreisblatt für das zweite Quartal 1899 werden von allen Aaiserlichen Poftanftalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 10. April 1899.

Diejenigen Herrn Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:

1. vom 2 3. März 1880 Nr. 3135, Kreisblatt Nr. 24, Aufräumung der Fluthgräben, Ent- und Bewässerungs­anlagen betreffend,

2. vom 1. April 1899, J. A. Nr. 1003, Kreisblatt Nr. 39, Einreichung einer Abschrift der Ver­handlung über die Revision der Gemeindekassen be­treffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 1 7. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.

Berlin, den 9. März 1899.

Um den Polizeibehörden die Feststellung der Perso­nalien in den ihnen von den Standesämtern nach Maß­gabe meines Runderlaffes vom 14. Juli 1890 II. 7531 (Min. Bl. d. i. V- S. 139), betreffend die Be­richtigung der Strafregister, mitgetheilten Sterbefällen zu erleichtern, bestimme ich hierdurch in Ergänzung des vorerwähnten Runderlaffes,

daß die Standesämter in den nach den Bestimmungen unter 1 a. a. O. auszustellenden Listen außer den da­selbst vorgeschriebenen Angaben auch noch den Geburts­ort und das Geburtsdatum der Verstorbenen aufzu- nehmen haben, soweit die Standesamtsregister hierüber Auskunft geben.

Ich ersuche daher, die Standesbeamten Ihres Bezirks alsbald mit entsprechender Anweisung zu versehen.

Der Minister des Innern. I. V-: gez. Braunbehrens. An den Herrn RegierungS-Präsidenten in C »ssel. II. 1907.

* * *

Cassel, den 27. März 1899.

Abschrift zur Beachtung und entsprechenden Anwei-

Der Geusenbote.

Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert. Von Arete Gogarten.

(Fortsetzung.)

In einem behaglich eingerichteten Gemach des Hauses saß die Baronin Metella von Moor in tiefe Gedanken versunken. Sie war eine Greisin von fast 70 Jahren, in Trauergewänder gekleidet, die sie seit dem Tage nicht wieder abgelegt hatte, da ihr Mann sammt mehreren der vornehmsten Bewohner der Stadt Leyden im Jahre 1568 auf dem Blutgerüst zu Brüssel ein Opfer Albas geworden war. Aber noch andere Stürme als der Tod ihres Mannes waren über ihr Haupt hin­gezogen, hatten ihr Herz gebrochen, ihre Züge versteinert und ihre Augen thränenlos gemacht. Von fünf statt­lichen Söhnen war ihr nur noch Dirk, der jüngste, ge­blieben, der jetzt in dem Heere des Prinzen Wilhelm von Oranien, des Statthalters der Provinzen Seeland und Holland, diente. Von den übrigen waren drei, einer nach dem andern, in den blutigen Kämpfen ge­fallen, die nun schon seit Jahren von den Niederländern gegen die Spanier zu Wasser und zu Lande geführt wurden. Ihre einzige verheirathete Tochter war bei der grauenhaften Zerstörung Haarlems durch die Spanier mit Tausenden der unglücklichen Einwohner niederge- metzelt worden. Joost, der älteste Sohn jedoch, und

sung der Standesbeamten in den Lan dgemeinden des dortigen Kreises unter Bezugnahme auf meine Rundver­fügung vom 13. September 1890, A. II. 7606.

Die Hof- und Waifenhaus-Buchdruckecei hier, welche das Formular zu den nach meiner vorbezeichneten Ver­fügung halbjährlich Seitens der Standesbeamten aufzu- stellenden Listen vorräthig hält, ist von dem Inhalt des vorstehenden Ministerialerlasses zwecks Beobachtung des­selben bei Neuanfertigung von Formularen in Kenntniß gesetzt.

Der Negierungs-Präsident. I. V : von Bremer. An die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 3691.

*

Hersfeld, den 7. April 1899,

Vorstehendes wird den Herren Standesbeamten in den Landgemeinden des Kreises mit Bezug auf das Ausfchreiben vom 24. September 1890 I. Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, zur Nachachtung mitgetheilt.

A. 1061. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Auktions-Anzeige.

Mittwoch den 3. Mai d. Js . von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (zum Theil bedeckt), 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten sowie jüngeren Fohlen und einigen Ackerpferden meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.

Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden ge­rittenen Pferde werden am 1. und 2. Mai von 7 bis 10 Vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche an denselben Tagen von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.

Listen über die zur Auktion gelangenden Pferde wer­den am 23. April zum Versandt rc. fertig gestellt sein Und auf Ansuchen zugeschickt werden.

Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von und zum Bahnhof Trakehnen wird am 1., 2. und 3. Mai gesorgt sein.

Trakehnen, den 27. März 1899.

Der Landstallmeister, gez. von Oettingen.

Gefunden: in der Gemarkung Gershausen eine Axt und eine Bindekette. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Gershausen.

das war das furchtbarste Leid, welches sie betroffen, war ein Spanier, ein Verräther geworden. Das glänzende Leben am Brüsseler Hofe mit feinen Festen und Turnieren hatte ihn schon seit früher Jugend ge­fesselt. Ritterspiele und Kriegsthaten im Dienste eines mächtigen Herrschers erschienen ihm höher und begehrens- werther., als der freie, unabhängige Bürgersinn, der Handelgeist und das kaufmännische Leben und Treiben seiner Vaterstadt. Und als die Reformation überall be­geisterte Ausnahme fand, auch die Seinen sich zn der neuen Lehre bekannten und die Empörung gegen die spanische Herrschaft in den Niederlanden immer weiter um sich griff, da blieb er mit seiner Gattin dem alten Glauben treu und hielt fest an Spanien und an König Philipp. Da geschah es, daß mehrere der Edelsten Leydens, darunter der alte Baron von Moor, sowie auch Adrian van der Werff, der Vater des jetzigen ersten Bürgermeisters, des Hochverralhs angeklagt und von den spanischen Schergen zum Blutgericht geführt werden sollten. Alleinein Fluchtplan wurde ausgedacht; durch einen geheimen Gang, welcher von einem der Familie von Moor zugehörenden Hause unter den Stadt­mauern weg ins Freie fühlte, sollten die Verfolgten entfliehen und über die holländische Grenze entweichen. Der Ein- und AuSgang dieses geheimen Weges, welcher nur den Familienmitgliedern bekannt war, wurde in­dessen den Spaniern verrathen, und die unglücklichen

Politische Nachrichten.

Berlin, den 8. April. Inland.

Ihre Kaiserlichen Majestäten unternah­men gestern Nachmittag eine gemeinsame Spazierfahrt. Abends waren bei Ihren Majestäten zum Thee ge» laden Staatsminister Dr. v. Miquel und Staatssekretär Staatsminister v. Bülow, der Geh. Kabinetsrath Dr. von Lucanus, Admiral Hollmann, Generaldirektor der könig­lichen Museen Dr. Schöne, Prof. Dr. Sachau.und Prof. Delitsch. Letzterer hielt demnächst der versammelten Gesellschaft einen Vortrag über Babylon und die dort von der deutschen Orientgesellschaft geplanten Ausgrab­ungen. Se. Majestät der Kaiser hielt die Anwesenden im Gespräch über das Thema des VortragS bis Mitter­nacht um sich. Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten den üblichen Spaziergang. Se. Majestät der Kaiser hörte darauf im Auswärtigen Amt den Vortrag des Staatssekretärs, Staatsministers v. Bülow, sowie, in das königliche Schloß zurückgekehrt, die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie Grafen v. Schlieffen und des Chefs des Militärr^urrs, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v Hahnke. Um 1 Uhr nahm Se. Majestät eine große Anzahl militärischer Meldungen entgegen.

Die neuen Kabelmeldungen aus S a m o a über die Vertreibung der am 4. Januar von den drei Kon­suln eingesetzten provisorischen Regierung ergänzen nur die früheren Telegramme. Danach hat ein Theil der fremden Vertreter in Apia in gewaltsamer Abänderung eines von der Gesammtheit derselben ge­schaffenen, ihren Regierungen gemeldeten und von letzteren bisher nicht aufgehobenen Beschlusses es unternommen, die Entscheidung des Obergerichts in Sachen der KönigS- wahl zur Vollstreckung zu bringen, bevor die unter den Mächten eingeleitete Nachprüfung dieser Entscheidung vollendet war. Ob diese Exekution auf Antrag des Oder- richterS erfolgt ist, ist nicht bekannt. Wie dem auch fei, ist die Vollstreckung eine direkte Verletzung sowohl des Samoa-Vertrages, welcher solche Exekutionen über­haupt nicht vorsieht und sogar j-de separate Kontrolle einzelner der Mächte ausdrücklich verbietet, als auch des bekannten Nachtragsabkommens vom Jahre 1893, wonach das erste Erforderniß zu jeder durch Kriegsschiffe zu be­wirkenden Exekution einer obergerichtlichen Entscheidung, neben dem Antrag des Obergerichts selbst, ein entsprechen­des einstimmiges Ersuchen der drei konsularischen Vertre-

Flüchtlinge wie in einer Falle gefangen.

Joost von Moor, allgemein als der Verräther be­zeichnet, wurde bald darauf am Hofe zu Brüssel mit : Ehren überhäuft und stieg immer höher in Philipps Gunst, der ihn nach Madrid berief. Die Mutter jedoch verfluchte den Sohn bei seinem letzten Besuche in Leyden. Von seinen Landsleuten wurde er als Verräther und Vatermörder gebrandmarkt, und seine Gattin kehrte, als ihr Mann plötzlich nach Madrid berufen wurde, ge­brochenen Herzens mit Karel, ihrem achtjährigen Sohne, nach Leyden zurück und schloß sich den Begrünen*) an. Karel wurde in dem Hause des edlen Herrn von Nordwyk, Jan van der Does, eines Vetters seiner Mutter, mit dem gleichaltrigen Sohne desselben, Adrian, zusammen erzogen. Von dem unglücklichen Joost von Moor hörte man nichts mehr. Er galt als verschollen, und sein Name wurde nie mehr genannt. Aber in dem Herzen der Mutter fraßen Gram, Kummer und Leid weiter, und fortan begann sie, alles was sie besaß, für die Sache der Freiheit aufzuopfern und ihren Reich­thum sowohl wie ihren ganzen Einfluß dem Statthalter von Oranien zur Verfügung zu stellen.

Heute nun waren es gerade 6 Jahre, daß das Haupt ihres Gemahls unter dem Henkerbeil fiel, aber es war

*) Die Beginnen waren ein Art Nonnen, die der Pflege der Kranken und Armen lebten, ohne jedoch durch Ktoslergclnbdc gebunden zu sein.