Einzelbild herunterladen
 

Born heimliches Kopfzerbrechen. Wer würde an ihrer Stelle dereinst die Leitung des vielverheißenden, auf- blühenden Kunstgewerbes übernehmen? Die Frau Kur- fürstin in Dresden hatte ihr fürstliches Wort treulich gehalten und verschiedentlich Aufträge gesandt, auch von mancher andern Seite liefen solche wöchentlich ein. Caprice war viel zu flüchtig zu solch gesetzten Dingen. So ging Frau Barbara schon eine Woche lang in heim­licher Bedrückung im Hause umher, denn die Weiler- führung des augenscheinlich gottgesegneten Werkes lag der edeln Frau sehr am Herzen.

Es war ein letzter, lichter, azurfarbener Sonnentag. Der Mai des Herbstes, der September, hatte angefangen, dem müden Laubgrün den kräftigen Bronce-Ton zu geben, der so prachtvoll absticht gegen das teuere Tannengrün. Caprice war zum Hinterpförtchen des Hausgartens hinausgeschlüpft, um draußen im sonnen- durchleuchteten Walde Haselnüsse zu suchen. Auch war das an langer Silberkette herabhängende Samt- Täschchen schnell mit den kleinen, harten Früchten ge­füllt, als sie aus der verbergenden Haselnußstaude her­vortretend Mynher tom Have erkannte, der sich jeden­falls, gleich ihr, aus der Schwüle des Hauses hinaus- gesehnt hatte. Vergebens schien er nach einer Genossin ausgeschaut zu haben.Treffe ich dich endlich, schnell­füßiges Rehlein?" fragte er herantretend.Fürchte dich nicht und komme hervor! Dein Jägersmann ist waffenlos und in deiner eigenen Hand!"

Caprice erröthete stark und trat näher.

Wem wirst Dn angehören, wenn die edle Frau Barbara mit mir nach Antwerpen ziehen wird, Kleine?"

Die Bergherrin wird mich nach Nürnberg zurück­senden in das Haus ihres Vaters, des Patriziers und Rathsherrn von Elterlein," berichtete Caprice. Sie hatte dabei zum erstenmale das Gefühl, als sei sie ein verwehtes, umhertreibendes Blatt.

Armes Kind!" entfuhr es Ruprecht tom Have be­dauernd. Ich möchte deine holden Züge gern mit Kreide auf Pergament zeichnen, zum Angedenken. Doch nein, es ist unnöthig sie leben längst in meiner Seele, wie ein kostbarer, wohlgehüteter Schatz!" Das Mädchen schlug die Augen nieder vor dem trunkenen Blicke, mit dem er sie anschaute.

Zur Winterszeit werde ich sie auf die Leinwand bannen, just so wie ich sie im Herzen trage!"

Aus Caprices Brust hob sich plötzlich ein Jauchzer, daß die schlafenden Vögel in ihren Nestern die Köpfchen

Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei (Gebr. Funk) in Hersfeld. Verantwortlicher

emporstreckten, vermeinend, es sei ein Frühaufsteher, der mit dem Morgenliede wecke. Dann, in der Furcht sich verrathen zu haben, ward sie wieder stachlig wie eine Schlehdornblühte. Doch Ruprecht tom Have griff kecklich hinein, ein Scherzwort holte das andere, und gvar die Neckerei gar anmuthig und vergnüglich anzuhören.

So dachte auch Frau Barbara, als an der Abend­tafel die Pfeile und Lanzenspitzen immer noch lustig in der Luft umherwirbelten bis sie erkannt, daß auch manch scharfgeschliffener Liebespfeil sich darunter befand. Das gab der klugen Frau zu denken. Aber in ihre reinen- und edeln Gedanken mischte sich diesmal schnell das Gift. Das thörichte, verwohnte Kind dort streckte es wirklich die Hand aus nach ihrem durch Treue und Entsagung geheiligten Besitz? Falsche, undankbare Schlange, habe ich dich darum wie ein treues Kind an meinem Herzen verwahrt, damit Du mein Herz mit deinem Gift tödtlich verwundest? . . . Erst jetzt erkannte sie klar, welch unendlich teuerer Besitz die treu bewahrte Liebe Ruprecht tom Haves war. Und wilde Eifersucht faßte plötzlich die edle Frau, sie, die die Leidenschaft kaum dem Namen nach gekannt hatte. Vergebens suchte sie heute Ruhe auf ihrem Lager, mit Ungestüm trieb es sie wieder empor. An Caprices Erkerstübchen vorüber­gehend, vernahm sie zu ihrer Ueberraschung plötzlich von drinnen laute, inbrünstige Gebetsworte, wie der Hilfe­schrei einer hartbedrängten, reinen Seele. Noch immer lag das Mädchen im Abendgebete vor dem Bilde des Gekreuzigten auf den Knien.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

In Cherbourg sind am Freitag acht Schiff­brüchige von dem englischen DampferStella" von einem Schleppdampfer gelandet worden. Sie erzählen, sie seien 17 Stunden lang ohne Nahrung, von Kälte und Ent­behrungen erschöpft, in ihrem Boote umhergetrieben. In demselben Boote seien 14 Personen gewesen, davon aber sechs nach einem entsetzlichen Todeskampfe gestorben und ins Meer versenkt worden.

Abgekürztes Verfahre n.)E r" (ein lediger Rechlsauwalt) undS i e" (eine interessante junge Dame) werden von der Hausfrau am Gesellschasts- Abend mit verständnißinnigem Schmunzeln bei Tafel nebeneinandergesetzt.Er", sonst so gewandt, kann den passenden Anfang zur Liebeserklärung nicht finden.Sie" merkt sehr gut, was er will, läßt ihn aberzappeln "

Die Tafel geht zu Ende, schon kommt das Dessert. Er (für sich): Jetzt oder nie! Ich muß reden. Sie (für sich): Jetzt oder nie! Ich muß verstehen! Er (laut): Gnädiges^Fräulein, sehen Sie diesen Knallbonbon? Sie: Ja. Und? Er: Fassen Sie das eine Ende, ich fasse das andere. ZSie: Schön. Weiter. Er: Dann ziehen wir, es knallt, und einer behält das größere Ende in der Hand. Sie: Bon. Und dann? Er: Und dann darf er sich was wünschen, und der andere muß ihm den Wunsch erfüllen. Sie: Wenn der Eine nun aber keinen Wunsch hat und dieser Eine ich bin, und wenn das größere Ende gerade mir zufällt, was dann? Er: Dann dann schieß ich mir eine Kugel vor den Kopf. Sie: Also wozu dann erst die Zeit mit dem bummen Knallbonbon verschwenden: Sie können mich so haben!

(Gemüthlich.) Leutnant:Die Parole ist Erbswurst", verstehen Sie! Sie haben Keinen cinzu- lassen, der nicht die ParoleErbswurst" gesagt hat verstanden? I" Soldat:Zu Befühl, Herr Leitnant! (Kurze Zeit darauf kommt ein Herr, der Einlaß be- . gehrt.) Se können nicht herein, mei' Kutester. Es duht mir ja führe leid aber Se dürfen nicht eher herein, bis SeErbswurst" gesagt haben!"

Eine Warnung vor getrockneten ameri­kanischen Aepfelscheiben haben die Staats­chemiker in Christiania erlassen. Die zur Analyse ge­langten Proben erwiesen sich bis zu 96 pCt. als mit Zinkoxyd verfälscht.

Standesamtsbezirk Motzfeld.

Monate Januar und Februar 1899.

E h e s ch l i e ß u n g e n.

Am 18. Februar. Johannes Landsiedel, Weißbinder zu Hilmes, mit Susanna Heiderich zu Conrode.

Geburtsanzeigen.

_ Am 21. Februar. Heinrich, S. des Ackermanns Johann Heinrich Reinhardt zu Hilmes. 25. Margretha Elisabeth des Ackermanns Heinrich Peter Bock zu Hilmes. Wilhelm, S. des Acheiters Johannes Deis zu Motzfeld.

Sterbefälle!

Am 7. Januar. Johann Heinrich Hesse, Bureauqehilfe zu Gethsemane, 28 Jahre 5 Monate 28 Tage alt. 20. Susanna T. der Barbara Elisabeth Heß zu Motzfeld, 5 Monate 6 Tage alt. 26. Ein S. der Dienstmagd Susanna Hebel zu Gethse­mane, todtgeboren. 14. Februar. Anna Elisabeth, T. des Arbeiters Heinrich Reimöller zu Gethsemane, 1 Jahr 22 Tage alt. 16. Simon Both, Schmied zu Hilmes, 64 Jahre 9 Monate 29 Tage alt. 17. Margarethe, T. des Ackermanns Anton Möller zu Gethsemane, 3 Monate 3 Tage alt. 23 Wittwe Margretha Ringler, geb. Nennsstel zu Motzfeld, 68 Jahre 11 Monate 12 Tage alt.

Redakteur: Friedrich Funk in Hersfeld.