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GratisbeLSasett: „)Urrstrikter Ssnneassblatt" il „Iünftvirte landwirtschaftliche Veiiage".
«r. :U.
AkiistW h 21. März
1899.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. März 1899.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 1. d. Mts. I I. Nr. 1259, Kreisblatt Nr. 28, Untersuchung der Schasbestände betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis 2 8. d. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath.
J. V.:
H e e g , Kreissekretär.
HerSseld, den 15. März 1899.
Für den am 18. August 1881 zu Hersfeld geborenen Louis Ablaufs ist behufs ferneren Verbleibs in Südafrika um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande nachgesucht worden.
I. I. Nr. 1695. Der Königliche Landrath.
J. V.:
H e e g, Kreissekretär.
Hersfeld, den 17. März 1899.
Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Naupeunester, werden hierdurch die Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den denOrts- polizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach § 368,2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird thun, was ihre Pflicht ist.
Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für thunlichste Verbreitung der hierunter ab- gedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieserung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.
I I. Nr. 1785. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
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Die Vertilgung der Kohlweißlinge.
Jeder Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten.
$rau Barbaras Kunst.
Erzählung von Zoe von R e u ß.
(Fortsetzung )
Frau Barbara schien plötzlich taub zu sein auf ihren beiden kleinen Ohren, die wie zierliche, rosenfarbene Muscheln unter der Goldhaube hervorblicklen, wenigstens entgegnete sie kein Wort. So streng sie trotz aller Sanstmuth sein konnte, hatte sie doch für Caprice jederzeit Nachsicht. Sie mochte es dem Kinde nicht vergessen, daß sie ihr aus freiem Entschluste gefolgt war. Ihre Mutter, die Wittwe eines im Kampfe gegen die Guisen gefallenen Hugenotten, war einst aus Frankreich ausgewandert und hatte in dem reichen und gastreichen Nürnberg ein passendes Asyl gefunden. Besonders das Haus des Patriziers von Elterlein hakte sich einladend geöffnet, und die Französin hatte als Dank dafür den Heranwachsenden Jungfrauen neben ihrer Muttersprache die feinern Künste ihres Landes gelehrt. Als die Huge- nottin starb, siedelte ihre Tochter ganz in das Patrizierhaus über, bis die auserwählte Tochter Barbara den sächsischen Bergherrn eines Tages nach dessen ferner Heimath begleitete. Die junge Französin war der stattlichen Haustochter gefolgt, halb als Gespielin, halb als Kind, denn die junge Französin zählte sechs Jahre weniger als Frau Barbara, so wenig ihre Frühreife diesen Altersunterschied bemerken ließ. Den Korb sorgsam mit dem Deckel schließend, sagte die Hausfrau freundlich und befehlend zugleich:
„Du wirst mich auf meinem Wege zu den Armen
Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenigen des Kohlweißlings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Einwendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.
Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großer Menge an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.
Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der untern Seite kreuzblüthiger Gewächse (Raps, Meeretstg re.) Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Räupchen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächse ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, find sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.
Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trocknen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.
Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß sich diese erstrecken:
1. auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier- welche sich wie gesagt, auf der untern Seite der kohlartigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.
2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate besonders während des Januars und Februars und ganz besonders
3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.
Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbc schäftigung der Jugend. Schaffe nur jeder Landwirth und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Ein lieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen,
begleiten ! Es ziemt einer gottseligen, braven Jungfrau, sich in der Barmherzigkeit zu üben. Die Magd mag uns den Korb nachtragen."
Es war zweifelhaft, ob sich die französische Jungfer für den Abend nicht eine vergnüglichere Beschäftigung ausgedacht hatte. Selbst eine Partie Schach mit dem Bergherrn wäre heute vielleicht einer Wanderung durch die Straßen der Stadt vorzuziehen gewesen, noch dazu bei Sturm und Regen. Aber trotz aller madonnenhaften Sanstmuth wußte Frau Barbara bei bestimmten Veranlassungen ihren Willen durchzusetzen, und dazu gehörte in erster Linie ihre Sorge für die Armen. Zumal den Bergleuten der Silbergruben im Schreckenberg galt ihre Fürsorge, aber auch alle andern dursten auf sie zählen. In dichte, weite Mäntel von Niederländer Tuch gehüllt, folgten sie der Magd, welche mit dem Korbe auch die Laterne vorantrug, um die düstern, schmutzigen Straßen zu beleuchten.
II.
Durch die bleieingefaßten, blitzenden Fensterscheiben eines kleinen Häuschens im Kiliansgäßchen stahlen sich schräge Lichtstrahlen bis hinaus auf die Straße. Sie zeigten Frau Barbara und ihren beiden Begleiterinnen für den Rest ihres Korbe« den Weg. Aber auch Menschenstimmen und leises Weinen schlugen an ihr Ohr, als sie den aufgeklinkten, dunklen Hausflur betraten.
„Ich bitte Euch, weint nicht mehr, Jungfer Renate!" sagte eine wohllautende, kräftige Männerstimme. „Ihr mögt der Ahne morgen immerhin eine wohlgesettete
Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Vereine sollten die Einlieserung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen prämiiren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 18. März.
Se. Majestät der Kaiser nahm gestern Abend das Diner bei dem Minister des königlichen Hauses von Wedel ein.
Im Laufe des heutigen Vormittags hörte Se. Majestät die Vorträge des Chefs des MilitärkabinetS, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke, des Chefs des Generalstabes, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie Grafen von Schlieffen, des Chefs des Admiralstabes der Marine, Kontreadmirals Bendemann, sowie den des Generalleutnants von der Goltz, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte als Generalin- spekteur des Jngenieurkorps. Später empfing Allerhöchst- derselbe den Marine-Attachs bei der französischen Bot- schaft, Kapitän zur See Buchard und den bisherigen Militärattache mfTTfer spanischen—Bvifch^ßt,—®^ulo£___ Neinlein.
Nachdem das stille Mausoleum im Sachsenwalde die Gebeine des großen Kanzlers ausgenommen, hat die deutsche K o l o n i a l - G e s e l l s ch a f t in Berlin am Freitag Abend eine Gedächtnisfeier für den Fürsten Bismarck abgehalten. Ober-Reichs- anwalt Hamm feierte in markigen Worten das Andenken des großen Toten und kennzeichnete in einem klar um- riffenen Bilde den schmerzlichen Verlust, den das deutsche Volk durch den Heimgang seines ersten Kanzlers erlitten hat. Des Fürsten Bismarck Verdienste um die Kolonien führe man sich am besten vor Augen, wenn man sich seiner Verdienste um die Einigung des Reiches ins Gedächtnis rufe. Dadurch erst habe er die Bedingungen für die Durchführung einer Kolonial-Politik in großem Stile geschaffen. Zwar sei BiSmarck nicht der Vater des Kolonial-Gedankens, das seien jene Männer, die mit eigener Kraft auf privatem Wege kühn vorgegangen sind, aber er habe durch das Einsetzen der Macht des Reiches den Fortbestand den Kolonien gesichert.
Die Kommission des preußischen A b g e o r d -
Suppe kochen zur Stärkung. Sie kommt bestimmt morgen aus dem Verließ."
„Ach, Justus, ich kann's noch immer nicht glauben!" klang es thränenerstickt zurück.
„Bin ich Euch nicht immer mit Wahrheit begegnet, Renate, wenn sie mich auch sonst einen leichtsinnigen Finken hießen?"
„Ja, Ihr seid allezeit aufrichtig zu mir gewesen! Aber ich meine — es muß ein Wunder geschehen sein, wenn die Ahne nicht für eine Hexe gilt. Hat sie nicht Augen roth und feurig wie zwei Herdkohlen? Auch versteht sie mehr als andere Leute, ich weiß selbst nicht, woher sie's nimmt. Aber daß' sie der Beelzebub nicht besucht hat, weiß ich ganz gewiß. Was auch die Zungen sagen mögen!"
„Mein Vater, der Bürgermeister, ist als Gegenzeuge für Eure Ahne eingetreten — so hat ihr das Malefiz- gericht nichts anhaben können!" fuhr Justus Baumgärtner fort. „Als Nachbar hätte er doch auch etwas vom Teufel sehen oder den Gestank wahrnehmen müssen. Freilich, die Folter wird sie übel zugerichtet haben! Vielleicht übersteht sie's aber doch noch! . . . Ich meine aber, die gute Kunde ist ein Küßchen werth? Werdet Ihr'« dem Jugendgespielen weigern?"
Renates Meinung über den Fall blieb unentschieden, denn Frau Barbara Uttmann öffnete in diesem Augenblicke die Thüre, wie um die Antwort des Mädchens abzuschneiden. Caprice, die hinter ihr stand, schien mit der Eile der Dame nicht ganz einverstanden zu sein und folgte nur langsam und augenblinzelnd. Auch setzte