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Gratisbeilagen rIttaftrirtes Konnragsblatt" «.IUaftrirte LanSwirthschaftliche Veklage".

Soiuiiitaii den 11. Miirz

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 9. März 1899.

Die Schulstelle in Frielingen wird infolge Versetzung des Inhabers derselben vom 1. April d. Js. ab vakant.

Bewerber um dieselbe wollen sich unter Vorlage ihrer Sitten- und Befähigungs-Zeugnisse innerhalb 10 Tagen bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frielingen oder dem Unterzeichneten melden.

Das Einkommen der Stelle besteht neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchendienstvergütung. Der Einheitssatz der AlterSzu- lage beträgt 120 Mark.

Der Schulvorstand von Frielingen.

Namens desselben:

3. V.: Heeg , Kreissekretär.

I. I. Nr. 1573.

Homberg, den 8. März 1899.

Die unirr bet Schafheerde des Bürgermeisters Thomas Strippel zu Naboldshausen ausgebrochene Räude ist er­loschen.

Der Landrath, von Gehren.

An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* *

HerSfeld, den 9. März 1899.

Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrath

I V.:

^ Heeg, Kreissekretär.

Politische Nachrichten.

Inland.

_ Berlin, den 9. März.

Heute früh begaben Sich Beide Kaiserliche Majestäten nach Charlottenburg, um dort im Mau­soleum an der Gruft weiland Sr. Majestät Kaiser Wilhelms I. einen Kranz niederzulegen. Hierauf unter­nahmen Allerhöchstdieselben den gewohnten Spaziergang; später fuhr Se. Majestät der Kaiser bei dem Staats­sekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister von Bülow, vor. Von 10 Uhr ab hörte der Monarch den Vortrag des Kriegsministers, Generalleutnants v. Goßler, anschließend den des Chefs des Militärkabinet«, General­adjutanten, Generals der Infanterie v Hahnke, und sodann denjenigen des Ministers des Königlichen Hauses v. Wedel, welcher in Äegleitung der General-Svperin-

\ tendenten D. Faber und D. Dryander und des Dombau- meisters Prof. Raschdorff erschien, um in Dombau An­gelegenheiten Sr. Majestät zu referiren.

In der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche fand heute Abend um 6 Uhr ein sehr stark besuchtes .,Geistliches Konzert" zum Gedächtniß an den Todestag weiland Kaiser Wilhelm des Großen statt. In der Hosloge wohnten demselben Se. Maj. der Kaiser und Ihre Maj. die Kaiserin, sowie Se. K. H. Prinz Friedrich Heinrich von Preußen bei.

In den Vereinigten Staaten wird mit Unrecht die Nückberufung des Vize-Admirals von D i e d e r i ch s nach Europa als eine der dortigen deutsch­feindlichen Strömung gemachte Konzession ausgesaßt. Daß diese Rückberufung im Frühjahr 1899 erfolgen würde, stand seit einer Reihe von Monaten, wenn nicht länger fest; in erster Linie war sie selbstverständlich von der Entwicklung der Ereignisse abhängig. Wenn sich die Times" aus New-Pork unterm 6. März melden lassen: Admiral Diederichs soll thatsächlich in Ungnade gefallen sein. Prinz Heinrich wurde zum Befehlshaber des deutsch­er asiatischen Geschwaders ernannt, weil der Kaiser wünsche, sich gutgesinnt gegen die Vereinigten Staaten zu zeigen,

und glaube, daß der Prinz hier populär sei. Diederichs werde getadelt wegen Mangels an Takt und Unkenntnis der Höflichkeiten im internationalen Flotten-Gebrauche. Er erregte daher Anstoß, ohne es zu beabsichtigen," so sind das, soweit hier der Admiral von Diederichs in Betracht kommt, so viel Worte, so viel Unwahrheiten. Von einem amtlichen deutschen Eingeständnis ist selbst, verständlich so wenig die Rede, wie von einer Ungnade, Admiral von Diederichs handelte nicht auf eigene Faust, sondern nach den ihm aus Berlin geschickten Instruktionen und wir wollen den Amerikanern aufrichtig wünschen, daß ihre Marine sich in Bezug auf Takt und internationale Höflichkeit stets auf der Höhe der deutschen befinde.

Nach den Beschlüssen der Kommission gestaltet sich die Heeresvermehrung folgendermaßen: Gemäß der Vorlage der verbündeten Regierungen sollte die Friedens­präsenzstärke, welche gegenwärtig 479 229 Gemeine zählt, auf 502 506 Gemeine erhöht werden, was einer Ver­mehrung um 23277 Gemeine gleichkam. Es waren ge­fordert für die Infanterie 11 530, für die Kavallerie 1919, für die Artillerie und die Spezialwaffen 9828 Gemeine. Diese Verstärkung sollte nicht auf einmal, sondern stufenweise in den vier Jahren 1899 bis 1902 durchgeführt werden. Die Kosten der sämmtlichen Aenderungen in der Organisation des Reichsheeres waren an fortdauernden Ausgaben im Beharrungszustand auf jährlich 27 388 000 Mk., die einmaligen Ausgaben im Ganzen auf 132 778 000 Mk. angeschlagen. In der Budgetkommission waren in erster Lesung die Forder­ungen für die Artillerie und die Spezialwaffen unver­ändert angenommen, dagegen die verlangte Vermehrung der Präsenzstärke bei der Infanterie wesentlich vermindert und bei der Kavallerie gänzlich abgelehnt worden. Der Abstrich an der Präsenzstärke betrug 7726 Köpfe, so daß die Vermehrung der heutigen Präsenzstärke von 23277 auf 15 551 herabgesetzt wurde. Von den gestrichenen 7726 Köpfen sollen auf die Infanterie 5807, auf die Kavallerie 1919 Köpfe entfallen; die angeforderte Vermehrung der Infanterie um 11 539 Köpfe werde dadurch auf 5723 Köpfe, also nahezu aus die Hälfte herabgemindert. Nach den gestrigen Beschlüssen der Kommission in der zweiten Lesung der Vorlage sind an der geforverten Präsenzver- mehrung 7006 Köpfe und zwar bei der Infanterie und Kavallerie gestrichen, und die Präsenzstärke, um 16 271 Köpfe vermehrt, würde in Zukunft 495 500 Köpfe be­tragen. An der Gesammtforderung der Vorlage sind 69,9 pCt. bewilligt, 30,1 pCt. abgelehnt. Statt der geforderten Vermehrung der Kavallerie ist an der in den letzten Jahren im Wege der Etatsbewilligung einge­führten Spezialwaffe der Meldereiter (Jäger zu Pferde) festgehalten, und es sind zu den bereits bestehenden 7 Schwadronen Meldereiter noch weitere 10 Schwadronen entsprechend den verlangten neuen 10 Schwadronen Ka­vallerie bewilligt worden. Die Zahl dieser Meldereiter ist aber in der Präsenzvermehrung um 16 271 Köpfe inbe- griffen; rechnet man hiervon die Zahl der 9828 Ge­meinen ab, welche für Artillerie und Spezialwaffen schon in der ersten Lesung der Vorlage entsprechend be­willigt und an welcher eine Aenderung in zweiter Lesung nicht vorgeschlagen war, so bleiben für Infanterie und Kavallerie zusammen noch 6443, während die Regierungs­vorlage für diese Zwecke 11 530 -p 1919 13 449 Köpfe anforderte. Die Vertheilung der bewilligten Zahl auf Infanterie und Kavallerie hat bei der Etatsberathung zu geschehen; es hängt also von den künftigen Beschlüssen des Reichstages ab, wie groß die Vermehrung der Präsenzstärke bei den einzelnen dieser Waffengattungen sein soll. Der Zeitraum für die Durchführung des neuen Gesetzes ist um ein volles Jahr verlängert, bis 1903

Dir Verabschiedung des Admirals von K n o r r hängt nach denBerliner Neuesten Nachr." mit einer Neuorganisation der obersten Marinebehörde zusammen, die in kurzer Zeit in Wirksamkeit treten dürste und bei welcher das jetzige Oberkommando der Marine wegfällt. An seine Stelle tritt her direkt dem Kaiser zu unterstellende Admiral-Stab, die bisherige Kom­mando-Abtheilung des Oberkommandos geht an das

Marine-Kabtnet über und damit auch die oberste Kom- mandoführung wie beim Landheer auf den Kaiser selbst. Die andern Decernate des Oberkommandos werden wahrscheinlich vom Reichsmarine-Amt übernommen. Die Stationschefs der Nord- und Ostsee sollen den Rang und die Vollmacht von den kommandierenden Admiralen er­halten.

Das Reichspostamt hat bestimmt, daß bei Verkehrsämtern mit anstrengendem Nachtdienste den Beamten und Unterbeamten Gelegenheit gegeben werde, sich während der Zeit des Nachtdienstes in den Postdiensträumen an geeigneter Stelle warme Getränke selbst zu bereiten. Die erforderlichen Ein­richtungen, wie Gas- und Petroleumkocher rc. werden für Rechnung der Postverwaltung angebracht werden.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Dienstage die zweite Berathung des Etats der Handels- und Gewerbe-Verwaltung fort. Am Mittwoch wünschte der Abg. M u n ck e l (sreis. Vp.) die Gründe zu wissen für die Versagung der Bau-Erlaubniß für die Einfriedigung des Begräbnißplatzes der März­gefallenen im Friedrichshain in Berlin. Die März­tage von 1848 seien der Geburtstag unseres konstitutio­nellen Lebens, sie hätten das Deutsche Reich vorbereitet und seien deshalb in Ehren zu halten. Minister Thielen stellte fest, daß die Munckelsche Rede eine Verherrlichung der Revolution gewesen sei und mit dem Bau-Etat nichts zu thun habe. Er wies die gegen die Regierung gerichteten Vorwürfe zurück und lehnte ein weiteres Eingehen ab, da sich die Sache noch im Jnstanzenzuge befinde. Die Abg. F r h r. v. Z e d l i tz (freik.), Graf Limburg-Stirum (kons.) und v. Puttkamer-Plauth (kons.) rechtfertigten die Ablehnung der Bau-Erlaubniß, da es sich um ein Denkmal zur Verherrlichung der Revolution und um den Versuch einer Geschichtsfälschung von der Stadt Berlin handle. Abg. Dr LangerhanS (freis. Vp.) vertheidigte die Berliner städtischen Behörden gegen diesen Vorwurf, worauf Abg. M u n ck e l noch ausdrück­lich erklärte, daß die von ihm veranlaßte Debatte zur Verherrlichung des 18. März dienen sollte. Es entspann sich sodann über die künftige organisatorische Unter­bringung der Wasserbau-Verwaltung eine Debatte zwischen den Vertretern der Industrie und des Handels einerseits, den Vertretern der Lrndwirthschaft anderer­seits, indem die Vertreter der Industrie und des Handels gegen, die Vertreter der Landwirthschaft für die Ueber« tragung der Äasserwirlhschaft an das LandwirthschastS- Ministerium eintraten. In der Abendsitzung wurde die Verhandlung fortgesetzt.

Was die in Aussicht stehende Neuregelung des K o m m u n a l w a h l r e ch t s anlangt, so hat, wie DieBerl Pol Nachr." bemerken, der Minister des Innern, bevor er sich für die j tzt von dem StaatS- ministerium genehmigten Vorschläge ents chied, umfassende Ermittlungen darüber angestellt, ob die in Aussicht ge­nommene Abgrenzung die beabsichtigte Wirkung, Wieder­herstellung biß in Folge der Steuerreform vielfach stark verminderten Einflusses des Mittelstandes auf die Zu­sammensetzung der Gemeindevertretungen, auch wirklich erzielt. Erst als die Ergebnisse der Ermittlung keinen Zweifel darüber ließen, daß von der geplanten Ordnung der Kommunalwahlen eine sehr beträchtliche Stärkung der Stellung des Mittelstandes und damit eine Ver­stärkung der Sicherungsmiltel gegen das Eindringen der Sozialdemokratie in die kommunalen Körperschaften be­stimmt zu erwarten sei, ist die Entscheidung zu Gunsten des vorgeschlagenen Systems gefallen. Man wird ver­trauen dürfen, daß dem Landtage mit der Vorlage um­fassende statistische Materialien zugehen werden, so daß sich Jedermann von der Richtigkeit der Voraussetzungen überz ugen kann, von denen die Regierung bei ihren Vorschlägen ausgeht.

Ausland.

Eine bemerkenswerthe politische Kundgebung haben die Deutschen in Chicago Veranstalter, um den