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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abomrementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Gratisbeilagen rIllustrirtes Senntagsblatt" n.SUnftrirte landwirthschaftliche Verlage^.

«r. 17.

Nntrto den 9. Mim

1899.

Vestellungen auf das Hersselder Kreisblatt für die Monate Februar und März 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 3. Februar 1899.

Zur kommissarischen Verhandlung über die Feststellung der Entschädigung für das auf Antrag der Stadt Hers­feld zu enteignende Grundstück des Sattlermeisters Hein­rich Fischer und dessen Ehefrau Mathilde geb. Hildebrand, Band XV. Artikel 650 Fol. 209 des Grundbuches von i Hersfeld, Flurbuch von Hersfeld Kartenblatt F Parzelle Nr. 233/120, in der Neustadt Haus» Nr. 534 G. R. 539, habe ich Termin auf

I Hmerstilg den 21 Februar 1899

Vormittags 10 Uhr

an Ort und Stelle angesetzt.

Alle Betheiligten und jeder an dem zu enteignenden Grundstücke Berechtigten werden hierdurch ausgesordert, in dem Termine zu erscheine» und ihr Interesse an der Feststellung der Entschädigung und Hinterlegung derselben wahrzunehmen.

Der Kommissar des Regierungs-Urastdenten:

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath, Geheimer RegierungS-Rath. d I. I. Nr. 474,__________________________________________

A m 1 5. d. M t s. wird die 4. Rate der für das Etatsjahr 1898/9 zu zahlende Kreissteuer fällig und ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Zahlung bis dahin, spätestens aber bis zum 2 0. d. M t s., bei der Kreiskommunal- kasse dahier (im Landrathsamtslokale) erfolgt. Der Königliche Landrath.

J. V.:

H e e g, Kreissekretair.

I Seine junge Frau.

Roman von Jda von Conring. (Fortsetzung.)

IV.

Das Wetter war kalt unb unfreundlich. Rita begann sich unsäglich einsam zu fühlen. Herbert war fast den ganzen Tag im Dienst und kam Abends so ermüdet nach (Hause, daß es ihm schwer ward, die zehnte Stunde ab- zuwarten, in welcher er zur Ruhe gehen konnte. Der innige Gedankenaustausch, die Harmonie der Seelen, von der Rita so Wunderbares erwartet, blieb so zu ihrem tiefen Leide einstweilen nur ein frommer Wunsch. Sie, die weder früh schlafen gehen, noch zeitig aufstehen mochte, mußte sich an beides gewöhnen; Herbert ging zuweilen schon um fünf Uhr früh zum Dienst, und Rita lag dann todmüde stundenlang da, ohne den Schlaf wieberfinben zu können. Der Morgen dehnte sich endlos. Einige Male war sie, um die Zeit hinzubringen, mit Liese auf den Markt gegangen, unterließ diese Wege aber bald die Leute schauten der verwöhnten Groß- städterin nach, als sei sie eine Merkwürdigkeit, wenn sie mit Lackschuhen, das seidegesütterte schwarze Kleid auf­hebend, über das ungleiche Pflaster schritt. Außerdem verstand Rita kein Wort von dem pommerschen Platt, das allgemein gesprochen wurde. Dann versuchte die junge Frau einmal, selber zu kochen, sie wollte so gerne eine Musterhausfrau werden. Das Resultat war freilich wenig erfreulich. Der Fisch, den Rita sich zum ersten Gegenstand ihrer Versuche ausgewählt, erschien auf der

Hersfeld, den 6. Februar 1899.

Die Schulstelle in Kemmerode wird infolge Ver­setzung des bisherigen Inhabers vom 1. April d. Js. ab vakant.

Das Einkommen derselben besteht in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung neben freier Wohnung. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.

Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen innerhalb 10 Tagen bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Schröder in Niederaula oder dem Unterzeichneten einreichen.

Namens des Schulvorstandes von Kemmerode:

Freiherr von Schleinitz,

Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Ralh.

I. 722.

Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestellgängen ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werlhangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbe­zahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.

Cassel, den 3. Februar 1899.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Frank.

Poiltisaie Nachrichten.

Inland.

Berlin, den 7. Februar.

Gestern Morgen unternahm S e. M a j e st ä t den gewohnten Spaziergang und fuhr beim Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow, vor. Von 10 Uhr ab hörte AUerhöchstderselbe die Vorträge des Ministers des Innern v. d. Recke von der Horst, des Chefs des Civilkabinetö, Wirkl. Geh. Raths Dr. von Lucanus, des Staatssekretärs des Reichs - Marineamts, Staatsministers Tirpitz, und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinels, Kapitäns zur See von der Groeben.

Heute Morgen um 8V.2 Uhr unternahm S e. Ma-

Tafel als breiartige Masse, aus der einige Gräten und Flossen melancholisch hervorragten. Später probirte die junge Hausfrau es mitgehacktem Beefsteak", das, wie die alte Frau Herrmann tröstend versicherte, gar nicht mißlingen könne. Aber Rita schob es so lange in der Pfanne hin und her, bis es in lauter kleine Stücke zer­fiel, die Liese grinsend auftrug. Auf Herberts Frage: Liebes Herz, was bedeuten diese Krümel?" antwortete sie unter heißen Thränen:Es ist ja Beefsteack daß Du das aber nicht einmal kennst!" Nach diesem Ver­such verzichtete Rita darauf, ihre Kochtalente auszubilden. So schwer hatte sie sich das einsame Leben, ohne alle Anregung, nicht vorgestellt. Wie gerne hätte sie für den geliebten Mann irgend etwas Heroisches vollbracht; aber diese Kette von kleinen Opfern, Sorgen und Mühen, wie das tägliche Leben sie mit sich brächte, drohte ihr zu einer unerträglichen Last zu werden.

Rita war musikalisch und hatte daheim vorzüglichen Unterricht gehabt. In Kielitz wirkte seit langen Jahren eine Klavierlehrerin, die den schulpflichtigen Kindern der bessergestellten Bürger allerlei Melodien beibrachte. Aber ihre Fähigkeiten waren nicht derart, daß Rita Verlangen nach solcher Unterweisung gehabt hätte.

Herbert fragte Frau Wolter, die sehr musikalisch war, um Rath, und diese wies ihn an den Kantor der Stadtkirche, welcher bisweilen einen oder den andern Schüler annehme. Der alte Herr ließ sich durch Herberts Bitten erweichen und übernahm es, Rita wöchentlich drei Stunden zu geben. Sie fand bald, daß der Lehrer ein Musiker von ganz hervorragenden Leistungen war, dessen

j e st ä t der Kaiser den gewohnten Spaziergang und fuhr danach beim Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow vor. Später hörte Allerhöchst- derselbe die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke und des kommandirenden Admirals, Admirals v. Knorr. Um 9/4 Uhr nahm Se. Majestät das Frühstück bei dem Generalintendanten der königlichen Schauspiele, Grafen v. Hochberg ein.

Se. Majestät der Kaiser hat an den Neffen des ver­storbenen Grafen v. Caprivi, General v. Müller, folgendes Telegramm gerichtet:

General v. Müller, Skyren. Soeben von der Nachricht vom Hinscheiden Ihres Onkels des Generals der Infanterie Grafen von Caprivi, überrascht, spreche Ich Ihnen und der Familie des Heimgegangenen Meine theilnahmsvolle Mittrauer aus. Als Soldat von seinen Kriegsherren immer hochgeschätzt, als Reichskanzler Mein arbeitsfreudiger, Überzeugungstreuer Mitarbeiter, hat Graf Caprivi auch in der Zurückgezogenheit seiner Jn- aktivität es verstanden, sich die Anerkennung und Dank­barkeit seines Königs und Kaisers zu erwerben.

Wilhelm I. R."

Ueber das Ableben des vormaligen Reichskanzlers wird noch gemeldet: Graf Caprivi, welcher schon früher häufig an Herzaffektionen litt, mußte seit drei Tagen das Bett hüten. Am Montag Abend trat ein Lungen­ödem ein, und Dienstag Vormittag führte ein Herzschlag den Tod herbei. Die Beerdigung findet Donnerstag den 9. Februar, Nachmittags 1 Uhr, in Skyren statt.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hat in einem Dank­schreiben an den Statthalter von Elsaß-Lothringen, den Fürsten Hohenlohe-Langenburg, für die ihm übermittelten Geburtstagswünsche die Absicht ausgesprochen, in diesem Jahre wieder Elsaß-Lothringen zu besuchen. Er gedenke zum Frühjahr, spätestens aber im Laufe des Juni, eine Zeit lang im Schlosse Urville Aufenthalt zu nehmen.

Se. königliche Hoheit der Erbprinz Alfred von Sachsen-Koburg und Gotha ist am Montag 4 Uhr 10 Minuten Nachmittags im Sanatorium Martinsbrunn zu Meran gestorben. Die Leiche des Erbprinzen wird nach Gotha gebracht und in der Gruft unter der Schloßkirche beigesetzt werden. Am 15. Oktober 1874 zu London geboren als einziger Sohn des damaligen Herzogs Alfred von Edinburg, zweiten Sohnes der Königin von England, und seiner Gemahlin,

künstlerisches Spiel in der Großstadt Aufsehen gemacht haben würde. Rita übte mit Feuereifer und machte gute Fortschritte. Aber schon nach einiger Zeit fand sich, daß die musikalischen Meinungen des Lehrers und der Schülerin völlig auseinandergingen. Während der Kantor außer Bachswohltemperirtem Klavier" nur Beethoven, Mozart und allenfalls noch Weber und Mendelssohn Daseinsberechtigung zugestand, Wagner abereinen Sünder gegen den heiligen Geist der Musik" nannte, war Rita mit Leib und Seele eine Anhängen» des großen Meisters von Bayreuth. Schon mehrfach waren Meinungsverschiedenheiten über diesen Punkt ans Licht getreten, infolge deren der Kantor seiner Schülerin die Wahl zwischen seinem Unterricht und ihrer Wagner- musik ließ. Rita, die nichts mehr fürchtete, als ersteren einzubüßen, gelobte strenge Enthaltsamkeit und spielte, was ihr tyrannischer Lehrmeister befahl. Eines Tages aber, als sie dem Verlangen nach der geliebten Musik nicht hatte widerstehen können und der wunderbare Feuerzauber" in gewaltigen Klängen unter ihren Händen emporbrauste, stand der Kantor, der durch irgend einen un­glücklichen Zufall zu früh zur Stunde gekommen war, plötzlich auf der Schwelle. Einige Worte murmelnd, machte er sofort kehrt und schrieb Rita am andern Tage einen überaus höflichen Brief in altmodischen Wendungen, in welchem er den ferneren Unterricht abwies.

Rita spielte von da an, aus einer gewissen Oppo­sition, nur noch Wagner. Einige Male halte sie mit Mathilde Wolter musizirt; die Frau spielte ebenso korrekt und kalt, wie ihr ganzes Wesen Rita anmuthete.