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$r. II
Dienstag Den 31. Januar
1899.
Bestellungen auf das^ Hersselder Kreisblatt für die Monate Februar und März 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher ®l|6il.
Hersfeld, den 25. Januar 1899.
Die Gemeindevorstände haben diejenigen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder der Einkommensteuer- voreinschätzungSkommission, welche bei der Voreinschätzung für 1899 — im November 1898 — mitgewirkt haben, zu benachrichtigen, daß die Liquidationen über Reisekosten und Tagegelder, sowie über Versäumnißgebühren zur Zahlung angewiesen sind.
Die Beträge sind aus der Königlichen Kreiskasse (Marktplatz 168) z u HerSfeld in Empfang zu nehmen.
Der Vorsitzende der Beranlagungs-Commission:
Freiherr von L> chleinitz ,
Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 30. Januar 1899.
Von einigen der Herren Ortsvorstände ist die neu- ausgestellte Hundesteuer-Ordnung nicht mit der Offen- legungsbescheinigung versehen eingereicht worden. Ich mache deshalb darauf aufmerksam, daß sämmtliche drei Exemplare der Hundesteuer-Ordnung am Schlüsse mit der Offenlegungtzbescheinigung und dem Dienstsiegel versehen sein müssen.
A. Nr. 227. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Willi
Daß der letzte Abschnitt des zur Neige gehenden Jahrhunderts unter dem Zeichen der Weltpolitik steht,
Seine junge ^rau.
Roman von Ida von C o » r i n g (Fortsetzung.)
„So steht es mit Dir?"
„Ich muß den Abschied nehmen, wenn diese Sache mißlingt. Abgesehen von dem hohen Preis, den der Sieg bringt, werden mich die enormen Wetten, die ich abgeschlossen habe, entweder rangieren oder mir vollends den Hals brechen. Willst Du reiten, Papen?"
„Ja, Lattors!''
„Mein Dreß ist unten, ich schicke ihn sofort herauf. Der Wagen bringt mich zur Bahn und holt Dich dann ab. In einer Stunde spätestens mußt Du fort Gott lohne es Dir, Papen! Du hast mein Schicksal in Händen. Vor allem gieb acht, daß der Gaul vor dem großen Graben nicht ausbricht, das ist seine schwache Seite. Du kennst doch das Gelände?"
„Vollkommen."
Noch ein Händedruck — die schlanke Gestalt verschwand unter der Thür, und nach einer Minute raffelte der Wagen von bannen, Herbert stand eine» Moment nachdenkend da — er setzte sich an seinen Schreibtisch und warf einige Zeilen auf das Papier:
„Meine theure Rita! Es wird mir nicht möglich sein, wie ich so sehr gehofft, meine Antwort auf Dein liebes Briesche» Dir heute Nachmittag sagen zu können. Ich muß Laltoif« Pferd reiten und bitt damit festgelegt. Nur »och eins für jetzt: Dein Brief hat mich zu dem Ausschluß gebracht, morgen Deinem Vater die Bitte um
und daß das kommende Jahrhundert noch in ganz anderm Maße unter dem nämlichen Zeichen stehen wird, ist eine Thatsache, die sich dem geschichtlichen Blicke mit Naturnothwendigkeil aufdrängt. Jedes Volk, das seine Machtstellung behaupten und seine nationale Zukunft sich sichern will, muß heutzutage Weltpolitik treiben. Das Eintreten für deutsche Weltpolitik ist daher in der Gegenwart geradezu als eine patriotische Pflicht zu bezeichnen.
In äußerst warmherziger und eindringlicher Weise wird diese Pflicht betont in einer soeben veröffentlichten kleinen Schrift von Richard Denner, die den Titel trägt ..Bedeutung und Ziele deutscher Weltpolitik." Der Verfasser beginnt seine Ausführungen mit der Frage: „Was ist Weltpolitik? Seine Antwort aber lautet: „Weltpolitik hat die Bedeutung des Deutschthums in seiner Gesammtheit gegenüber den außerdeutschen Völkern zum Gegenstände." Sie erstrebt greifbare Vortheile, sucht die Vermögens-Jnteressen des Staates und Volkes zu wahren, verfolgt wirthschaftlichen Gewinn und Nutzen und besteht zumeist in einem herzhaften Zugreisen.
Blicken wir auf die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung zurück, so begegnen wir schon damals allenthalben den Spuren germanischer Weltpolitik, und nicht anders verhält es sich fast das gesummte Mittelalter hindurch. Wie groß und glanzvoll erscheint nicht die Weltpolitik der Hohenstaufen! Deutsch wird in allen Staaten Mittel - Europas Trumpf, ja wir haben sogar die Genugthuung, das größte Wunderland der Welt, Palästina mit seinen heiligen Stätten, dem deutschen Reiche einverleibt zu sehen. Dann freilich, als der letzte Hohenstause welscher Untreue zum Opfer fiel, wurde der deutschen Weltpolitik ein schwerer Schlag versetzt, an dem sie Jahrhunderte hindurch zu leiden hatte.
Aber der Hohenzollern-Aar setzte sich im Norden fest und führte mit staatsmännischer Weisheit und Festigkeit eine neue Aera deutscher Weltpolitik herauf. Als Loosung für diese dürfen die ewig denkwürdigen Worte gelten, welche Kaiser Wilhelm II. bei der fünfundzwanzig- jährigen Erinnerungs - Feier der Gründung des neuen deutschen Reiches am 18. Januar 1896 gesprochen bat: „Aus dem deutschen Reiche ist ein Weltreich geworden. Ueberall in fernen Ländern wohnen Tausende unserer Landsleute Deutsche Güter, deutsches Wissen, deutsche Betriebsamkeit gehen über den Ozean. Nach Tausenden
Deine Hand vorzutragen. Wie gut begreife ich, daß er seine einzige Tochter einem armen L utnant, wenn überhaupt, nur widerstrebend geben wird. L hnt er ab, so müssen wir in Geduld warten, bis unsere starke, treue Liebe seinen Widerstand bezwingt, niemals aber laß uns etwas unser Unwürdiges thun, wie das ein heimlicher Briefwechsel hinter Deines Vaters Rücken wäre Ich bange um Deinetwillen vor den Kämpfen und Opfern, die Dir unsere Verbindung bringen wird, aber deshalb auf Dich zu verzichten — die heroische Stärke besitze ich nicht. Gott mit Dir, meine süße Braut. Herbert."
*
Die elektrische Spannung der glühenden Atmosphäre schien sich den Pferden mitgetheilt zu haben. Sie waren nervöser und aufgeregter als sonst — kein Start gelang ohne Schwierigkeit. Eine Gruppe von Herren stand aus dem Sattelplatz — man war bis zum Herrenreiten, dem mit größter Spannung erwarteten, gelangt.
„Da kommen die Pferde!"
„Das ist der Pilatus — der Dunkelbraune da vorn I"
„Was hat der Gaul für einen häßlichen Kopf 1"
„Was Tausend, reitet Lattors nicht selber, daß ist er doch nicht?"
„Nein, daß ist Papen!"
„Der Infanterist?"
„Na, das lassen Sie gut sein, einen besseren Reiter hat die Garnison nicht!"
von Millionen beziffern sich die Werthe, die Deutschland auf der See fahren hat."
Die Kaiserworte enthüllen uns auch den letzten, mit elementarer Natur-Gewalt wirkenden Grund deutscher Weltpolitik. Unsere Volkskraft, die immer noch jugendlich reckenhaft erscheint und ein stetiges Wachsthum auf- weist, bedarf des erweiterten Ellenbogenraumes, bedarf neuer Gebiete, auf denen sie sich zum Nutzen und Segen des Vaterlandes bethätigen kann.
Auf welche Weise und durch welche Mittel aber vermögen wir diese Ziele unserer Weltpolitik zu erreichen? Auch hierauf ertheilt der Verfasser eine höchst zutreffende Antwort. Vor Allem müssen wir unsere Wehrkraft zur See zu heben suchen. Reichsmacht bedeutet Seemacht. Sodann gehört zu den unbedingt erforderlichen Voraussetzungen einer machtvollen und erfolgreichen Weltpolitik die wirthschaftliche Kräftigung des Volkes im Innern, und diese Kräftigung erlangen wir lediglich dadurch, daß wir die gesunde Lehre von der Interessen - Gemeinschaft aller produktiven Stände zu durchgreifender Geltung bringen. Endlich aber thut ein lebendiges National- gefühl noth. „Seien wir Alle eifrige Förderer deutscher Weltpolitik, schaaren wir uns zusammen unter dem Banner unsers Kaisers und lassen wir uns die Zuversicht, „daß am deutschen Wesen wird dereinst die Welt genesen", nicht aus dem Herzen reißen! Im deutschen Namen Heil!" w.
Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 29. Januar.
Se. Majestät der Kaiser unternahm heute Morgen den gewohnten Spaziergang.
Se. Majestät der K ö n i g v o n S a ch s t n hat heute Mittag der Geweih-Ausstellung einen Besuch abgestattet und sich darauf um 12’/4 Uhr im Schlosse von Sr. Majestät dem Kaiser verabschiedet. Hierauf hat sich der König nach Moabit begeben, um im Kreise des Offizierkorps des 2. Garde-Ulanenregiments das Frühstück ein- zunehmen. Der König besuchte sodann ein hiesiges Atelier, kehrte noch einmal in das Schloß zurück und begab sich heute Nachmittag 5 Uhr zum sächsischen Gesandten Grafen Hohenthal und Bergen. Die Abreise des Königs erfolgte Abends 6 • 2 Uhr.
Die Herren drängten nach vorne — die Reiter näherten sich, ihre aufgeregten Pferde mühsam verhaltend, dem Starter, dem Sehnigen, langgestreckten Hengst, den Papen ritt, floß der Schaum in großen Flecken vom Gebiß — er legte mißlaunig die Ohren an und veisuchte die Pferde, welche in seine Nähe kamen, zu beißen. Papen war sich bewußt, daß ihm der Sieg nicht leicht gemacht werden würde, aber auch daß er die letzten Kräfte, all seine unbeugsame Energie daran setzen werde und müsse. Und er nahm den Hengst fester zwischen die Schenkel.
Nun begann das Rennen — wie ein Rausch kam es über Papen — die glühend heiße Luft strich brennend üb.r sein Gesicht — Wolken weißen Staubes, von dem trocknen Nasen aussteigend, umhüllten die Reiter. Der Pilatus nahm spielend alle Hindernisse — Schulter an Schulter mit ihm die gefährliche Konkurrentin, Stella, die lichtbraune Vollblutstute.
Da, der große Grabensprung — Papen fühlte, wie der Hengst seitwärts drängte, er wollte sein altes Manöver, das Ausbrechen im letzten Moment, versuchen. Umsonst — mit eiserner Faust hielt der Reiter das widerstrebende Thier im Zügel — gewaltig hob sich der Pilatus, glänzend gelang der Sprung. Ein schneidender Schmerz durchzuckte Papens Stirn, als das Pferd mit den Vorderbeinen landete.
Weiter, weiter — wie eine Vision tauchte Lattorss Gesicht vor ihm auf — im Fluge sah er zwei große, rehbraune, angstvolle Augen auf der Tribüne — der Pilatus gab sein Letztes — mit zwei Längen Vorsprung,