„Kennst du mich nicht?" fragte Fritz.
Es dauerte einige Zeit, dann folgte ein zögerndes „Ja" — doch dann kein Wort weiter.
„Ich bin heraufgekommen, um dich zu grüßen, am letzten Tage des Jahres!"
„Du?" — tönte es aus dem Halbdunkel heraus.
„Ist es dir unangenehm? Willst du mich nicht em- pfengen?"
Wieder Schweigen und dann ein langsames: ,,Jch werde Licht machen!"
Die Gestalt verschwand und blieb so lange aus, daß Fritz es wie Hohn empfand.
Nun kam der Schwager wieder mit einer Lampe in der Hand. „Komm herein!" sagte er kurz und öffnete Fritzen die Thür; seine Stimme war hart.
Sie waren in ein Zimmer getreten, das Fritzen nur halb warm vorkam. Der Schwager stellte die Lampe auf den Tisch.
„Nun setze dich!" sagte er, ohne übrigens auf einen der Stühle zu zeigen, die dastanden; er nahm selber Platz, das Gesicht halb abgewendet, mit einem Ausdruck wie:
„Willst du etwas sagen? Kann sein, daß ich darauf "höre, kann-auch sein, daß ich es nicht thue."
Plötzlich wandte er sich gegen Fritz, ehe dieser noch eine Antwort gefunden hatte, und sagte verbittert . ,
„Bist du dessen auch sicher, daß du weißt, in wessen -Stube du sitzest?"
„Du brauchst nicht so abweisend zu sprechen," sagte Fritz, „ich bin in guter Absicht heraufgekommen!"
„Ah! Eure guten Absichten haben eine besondere Fähigkeit, Böses zu thun!" sagte der Schwager.
Fritz dachte: du mußt an deinem ursprünglichen Gedanken festhalten, sonst nimmt es ein böses Ende und er sagte daher: „Schwager, ich bin ganz einfach deshalb heraufgekommen, weil es mir als ein Unrecht erschien, daß nicht jemand von uns hinging und dem Manne »ein glückliches Neujahr wünschte, den unsere Schwester geliebt hat —"
„Hm!" -
„— und weil ich mir überhaupt nicht denken konnte, daß ein Mensch, den ich kannte, aus dem alten Jahr ins neue hinübergehen sollte, ohne daß ein einziger käme und ihm freundliche Wünsche brächte . ."
Der Schwager stand plötzlich auf und sah ihn lange mit einem verständnißlosen Ausdruck an:
„Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir? Kennen Sie mich vielleicht von der Straße her?"
Fritz blieb sitzen; er begann den Umfang des Grolles zu ahnen, mit dem er und feine Geschwister diesen Mann erfüllt hatten.
„Wir wollen zu vergessen suchen, was geschehen ist," sagte er, „wir sind so verschieden, so ungeheuer verschiedene Menschen; wir sind von Kindheit an unter verschiedenen Gedanken ausgewachsen — wir wollen gleichwohl .... nun, gerade deshalb wollen wir versuchen, ob wir uns nicht trotzdem einander so sehr nähern könnten, daß wir imstande wären, am letzten Abend des Jahres hier ein paar freundliche Wünsche zu wechseln!"
„Meinst du damit," antwortete der Schwager, „daß du es gern sähest, es möchte etwas von dem, was ich wünsche, im neuen Jahre in Erfüllung gehen?"
„Ja, natürlich!"
„Dann sollst du Dank dafür haben," lachte der Schwager höhnisch --■ „denn mein wärmster Wunsch besteht darin, daß einer von euch so arm an Geld und Freunden werden möchte, daß er sich an niemanden sonst in der ganzen Welt zu wenden weife, als an mich ..."
„Würdest du dann helfen" — warf Fritz ein?"
„Nein" — sagte der Schwager — „nein!"
„Legst du Werth daraus, daß ich meine Neujahrswünsche zu diesem Gedanken füge?" sagte Fritz und sah ihn fest an.
„Das ist vielleicht ein zu unfeiner Gedanke für euch ?" meinte der Schwager. „Ihr, die ihr so fein seid, daß ihr andern einen Fußtritt versetzet!"
Fritz sagte gedämpft : „Ich glaube, wir haben dir viel Unrecht gethan.."
„Glaubst du? Nein, glaubst du das wirklich — willst du mir das einbilden?"
„Ich sage dir, ich glaube es — und habe es längst geglaubt!"
„Willst du mir das schriftlich geben?" — lachte der Schwager.
„Ja, wenn es dir Freude macht," sagte Fritz ruhig und fest.
„Nun — hier sind Feder, Tinte und Papier — sei so gut!"
Sein Ton wuchs an Hohn.
„Was willst du mit einem solchen Papier?" fragte Fritz-
„Das werde ich dir sagen," — nun zitterte die Stimme des Schwagers vor Zorn: „Ich werde es in den Schränk dort verschließen, und so oft die Verachtung, die ihr mir bezeigt habt, mich wüthend macht, werde ich es hervornehmen und lesen!"
„Gut," sagte Fritz, nahm mit Anstrengung die Feder und schrieb:
„Ich gestehe, daß ich lebhaft davon überzeugt bin, daß meine Brüder und ich unserm Schwager großes — großes — Unrecht angethan und so schändlich gegen ihn gehandelt haben, als es sich nur denken läßt... ich schreibe
dieses, damit er es zu jeder Zeit schriftlich und unveränderlich mit meinem Namen unterzeichnet lesen kann; und ich ..."
Er hielt einen Augenblick inne — der Schwager war den Bewegungen der Feder mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt...
„—.. und bitte ihn, zu vergeben und meine Neujahrs- wünsche anzunehmen ..."
„Soll ich mehr schreiben?" fragte Fritz.
„Schreibe darunter, daß du es ernst meinst mit dem, was du geschrieben hast," sagte der Schwager.
„Ich meine es so ehrlich, wie ein Mensch es nur meinen kann," schrieb er.
„Bist du nun zufrieden?"
Der Schwager nahm das Papier und las es durch.
„Es ist also wahr, was hier steht?" fragte er.
„Ja!"
Der Schwager faltete das Papier zusammen, ging hin, öffnete den Schränk, legte es hinein und schloß ab.
„Willst du nun meine Neujahrswünsche annehmen?" fragte Fritz.
Der andere zögerte.
„Ich weiß es nicht," sagte er, — „was wünschest du mir?"
„Eine gute Gesundheit, frohe Gedanken und daß wir einander im neuen Jahre näher kommen möchten-- nimmst du sie an?"
„Ich werde darüber nachdenken", antwortete der Schwager.
„Darf ich dann vernehmen, was du gedacht hast?" „Ja .. ."
Der Schwager sprach die ganze Zeit mehr wie zu sich selber als zu Fritz.
„Also adieu — und vergiß nicht ein fröhliches Neujahr!"
„Ich werde es nicht vergessen," war alles, was er antwortete.
— Aber einige Tage nach Neujahr erhielt Fritz einen Brief, darin stand nur:
„Ich bekenne hiermit, daß mein Schwager bei mir gewesen ist, um mir freundlich ein „glückliches Neujahr" zu wünschen, und daß ich seine Wünsche angenommen habe und sie erwidere. Ich wünsche ihm eine gute Gesundheit, frohe Gedanken, und daß wir einander im neuen Jahre näher treten möchten!"
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— Ein heiteres Eisenbahnstückchen von der Sekundair- bahu wird der „Dirschauer Zeitung" erzählt. Als am ersten Weihnachtsfeiertage der Frühzug von Terespol nach Schwetz die nicht unbeträchtliche Steigung zwischen den Stationen Schönau und Schwetz erreichte, blieb der Zug plötzlich mitten auf der Strecke stehen. Eine große Anzahl der Reisenden faßte die Sache von der humoristischen Seite auf, und legte, als das freundliche Anerbieten, den Zug weiterschieben zu helfen, abgelehnt wurde, den Weg zu Fuß nach Schwetz zurück, wo denn bald darauf die Maschine mit einem Theil der Wagen auch eintraf. Bei dieser Gelegenheit giebt das Blatt noch folgendes „thatsächlich vorgekommene" Sekundairbahn- stücklein zum Besten. Auf der 10 Kilom langen Strecke Opalenitza-Grätz, Provinz Posen — die Geleise befinden sich auf dem Sommerwege der Chaussee — sind zwischen beiden Stationen sechs Haltestellen, die durch eine einfache Tafel markirt find, und an denen der Zug hält, sobald dort jemand ein Zeichen giebt. Die Hälfte der Strecke und darüber kostet 4 Kl. 20 Pf., sonst 10 Pf. Eines Tages, steht an Haltestelle 3 (Hälfte der Strecke) ein biederer polnischer Bauer und winkt dem Lokomotivführer mit der Pelzmütze ein energisches Halt zu, um nach der bekannten Bierstadt Grätz zu fahren. Der Zug hält, der Schaffner erbittet die 20 Pf. Fahrgeld, aber der Bauer lehnt, als er erfährt, daß die Fahrt nicht 10 Pf, wie er geglaubt, sondern 20 Pf. kosten soll, das Einsteigen ab und setzt seinen Weg zu Fuß fort, indem er den verblüfft dreinschauenden Beamten zuruft: „Nee, Panje, des is sich zu teuer, da lauf sich lieber zu Fuß!" Machtlos dem sparsamen Reisenden gegenüber ertönte Klingel und Dampfpfeife, und der Zug nahm die zwecklos unterbrochene Fahrt wieder auf.
— Aus Airolo wird vom 29. Dezember v. I. | berichtet: Man schätzt die abgestürzte Felsmaffe auf 400 000 Kubikmeter. Die Dicke der Trümmerfläche beträgt 10 Meter. Die Kantonsstraße ist auf einen halben Kilometer verschüttet. Weitere Riffe oberhalb des Saffo Rosso lassen fernere Rutschungen befürchten. Die Bundesingenieure Gerber und Tschiemer, die Staatsräthe Curti und Veladini und die Gotthardmajore Tschopp und Hadorn haben in zwei Kolonnen die gefährdeten Stellen am Berge besichtigt. Die Nordseite des Dorfes bis zur Kirche ist immer noch bedroht, da sie am Rande der Absturzmaffe liegt, Es bestätigt sich, daß der Gesammt- schaden eine Million beträgt. Man hat Geschloffen, die noch mit Absturz drohenden Partieen des Saffo Rosso mit Minen zu sprengen. Es ist wahrscheinlich, daß dies, ohne weiteres Unglück zu verursachen, geschehen kann. _
— Jüngst.kkuM berichtet, daß die Arbeiter an der Uganda - Bah n'vielfach durch Löwen bedroht würden. Nun ist der Ingenieur W. H. Harrison dem Angriff eines Löwen zum Opfer gefallen; Harrison starb au den Folgen seiner durch einen Löwen erhaltenen Verwundungen. Harrison hatte sich, begleitet von M. Boothby
und einem eingeborenen Diener, auf die Jagd begeben. Unweit Kikiyu trafen sie einen Löwen und eine Löwin. Harrison schoß und verwundete den Löwen. Das wüthende Thier sprang auf ihn los, faßte ihn beim linken Arm und schleppte ihn eine Strecke fort. Als er den Diener sah, ließ er sein Opfer los und stürzte sich auf diesen. Darauf feuerte Harrison einen zweiten ©darauf die Bestie ab. Aber auch dieser tödtete sie nicht. Aufs Neue stürzte sie sich auf Harrison, packte ihn nochmals an dem schon schwer verletzten linken Arme und zerfleischte ihn in furchtbarer Weise. Nachdem Hülfe angelangt war, wurde der Löwe erschoffen. Harrison wurde ins Lager getragen, wo ihm der Arm abgenommen werden mußte, um sein Leben zu retten. Die Operation ging glücklich von Stätten. Die Kräfte aber sanken, und er starb an der Nervenerschütterung und dem Blutverlust.
— Wie die „Kub. Oblastn. Wed." berichten, wurde dieser Tage das Kaukasische Missionskloster in der Nähe der Station K a w k a s s k a j a von folgender Katastrophe betroffen. Das Kloster liegt am Ufer des Kuban, von welchem ein langer und breiter Strich Landes von ca, 40 Deffjatinen unterspült und die darauf befindlichen Klostergebäude, ca. 30 an der Zahl, zum Theil gänzlich zerstört, zum Theil beschädigt wurden. Völlig eingestürzt sind zwei Kapellen, das Refektorium ist halbirt, und die Kirche neigt zur Seite.
— Eine romantische Geschichte wird aus Charkow berichtet: Ein Edelfräulein, das das Charkowsche Mädchengymnasium durchgemacht hatte, Tochter reicher Eltern unter dem örtlichen Adel, hatte in diesen Tagen einem Bauernjungen, seines Zeichens Zimmermann, die Hand zum Herzensbund gegeben und wurde in einer der Charkowschen Kirchen getraut. Die schmucke Bäuerin, die vielen Adeligen Körbe ausgetheilt hatte, trat ihre Hochzeitsreise ins Heimathsdorf ihres Mannes an. Am meisten Redestoff giebt der Umstand, daß der Vater der jungen Frau den Zimmermann erst kurz vor der Hochzeit als Tagelöhner angemiethet hatte.
— Budapest, 31. Dezbr. Der kaum 16 Jahre alte Handlungsgehülfe Elias Andrics ermordete seinen ehemaligen Brotherrn und beraubte ihn. Der Mörder wurde am Thatorte verhaftet und legte ein volles Ge- ständniß ab.
— Von Havana wird dem „New-Aork Herald" telegraphirt: „Den Bewohnern der zu den Bahamas gehörigen B e m i n i - I n s e l n droht eine Hungersnoth. Die kürzlichen Stürme haben die Ernte vernichtet und die Waarenhäuser demolirt. Auch viele Menschenleben sind zu Grunde gegangen. Viele Einwohner sind seitdem Hungers gestorben. Die noch Lebenden sind so schwach, daß sie den Kampf ums Dasein kaum noch weiter zu führen im Stande sind. Der Dampfer „Alicante", welcher die Nachricht nach Havana brächte, gab den Unglücklichen von seinem Proviant und unterrichtete den britischen Vizekonsul von der Lage. Er wird weitere Hülfe nach den Bemini-Jnseln senden.
— (Humor des AuSlande §.)• Metzger: Sie lassen ja Ihr Fleisch gar nicht mehr bei mir holen, Herr Francixe! — Francixe: Nein! Ich bin Vege- tarianer geworden. — Metzger: Das ist nicht klug von Ihnen! Glauben Sie mir, die Vegetarianer nehmen fast alle ein schlimmes Ende. — Francixe: Sie machen wohl Spaß ? — Metzger: Gar nicht! Schauen Sie nur die Ochsen, Hämmel un Kälber da an, — die waren alle Vegetarianer!
— Alice: „Du denkst nicht mehr so viel an mich Paul, seitdem wir verheirathet sind." Paul: „Allerdings nicht, mein Kind. Mann und Frau sind eins, und man soll nicht zuviel an sich selbst denken "
— (Gedankensplitter.) Was sie ihren Freunden nicht zu Liebe thun wollen, thun viele ihren Feinden oft zum Trotz. — Thränen sind schneller vergossen, als vergessen. — Eine Frau, die selber dichtet, wird nie so eitel sein als eine, die eine dichtende Tochter hat. — Manches, was wir in der Jugend in den Wind schlagen, kommt später als Sturm über uns.
Domino-Aufgabe.
A, B, C nehmen je acht Steine auf. Vier Steine liegen verdeckt im Talon. Es wird nicht gekauft. A hat auf seinen acht Steinen 11 Augen mehr als B, 13 Augen mehr als C. Die vier Steine im Talon haben 33 Augen.
B hat 6-6, 6-4, 6—bl., 3—3, 3—2, 1—1, 1—bl, bl —bl.
A setzt aus. B setzt einen Doppelstein. C setzt an. A setzt an. B und C paffen A setzt an. B setzt an. C setzt an. A sperrt die Partie und behält vier Steine mit zusammen 22 Augen. B behält sechs Steine mit zusammen 25 Augen. Die Summe der Augen auf den acht gesetzten Steinen beträgt 60.
Wie waren die Steine vertheilt? Welche Steine wurden gesetzt?
Her
Verkaufskours 963|4°|0*
Landesrenterei Hersfeld.