-.....■■^^.........—-^ y
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
Abonnenientspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postansschlag.
Gratisbeilasen r „Illristrirte- Sonnragsblatt" u. „Iünftrivtr lan-wwthschastttche VeUage".
SsirnaKO hn 31. IezeiiiKr
1898.
Erstes Blatt.
Amtlicher «,-it.
Hersfeld, den 28. Dezember 1898.
Auf Beschluß des Bundesraths soll vom 1. Januar 1899 ab für das Reich eine Statistik der Streiks und Aussperrungen in der Weise geführt werden, daß über jede gemeinsame Arbeitseinstellung mehrerer gewerblicher Arbeiter (Streik) und über jede gemeinsame Ausschließung mehrerer solcher Personen von der Arbeit (Aussperrung) eine Nachmessung nach hierzu vorgeschriebeuen Mustern A und B ausgefüllt wird. Die Ausfüllung hat durch die Ortspolizeibehörden und zwar sogleich nach Beendigung des Streiks oder der Aussperrung zu geschehen, worauf die ausgefüllte Nachweisung alsbald auf dem Dienstwege hierher einzureichen ist.
Die Ortspolizeibehörden erhalten hiervon Kenntniß mit der Weisung, gegebenen Falles sofort wegen Ueber- weisung von Formularen an den Herrn RegierungsPräsidenten zu berichten.
I. L Nr. 7014. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. Dezember 1898.
Den Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises gehen in den nächsten Tagen die Formulare zu dem gemäß § 46 Nr. 7 der Wehrordnung vom 22. November 1888 anzufertigenden Auszügen aus den Civilstands- Registern zu und zwar mit der Auflage, die in Rede stehenden Auszüge alsbald anzufertigen.
Die aus den Geburtsregistern sind zum 15. k. Mts. den Ortsvorständen der betreffenden Gemeinden 2C. zu übersenden, während die aus den Sterberegistern alsbald dahier einzureichen sind. In den letzteren ist, wenn thunlich, auch das Geburts-Datum des Verstorbenen in der Spalte „Bemerkungen" anzugeben.
J. II. Nr. 3888. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath
Hersfeld, den 24. Dezember 1898.
Da die bis jetzt bestehenden Steuer-Ordnungen über die Erhebung der Hundesteuer in Folge der bedingten Genehmigung Seitens des Herrn Regierungs-Präsidenten zu vielfachen Irrungen Anlaß gegeben haben, so ist, Nachdem auch die Herren Ressortminister sich mit Beseitigung der gänzlichen Steuerfreiheit und Wiedereinführung des ermäßigten Satzes von 0,75 Mark für jetzt steuerfreie Hunde einverstanden erklärt haben, die Auf- stellung neuer Steuerordnungen für die Landgemeinden nothwendig geworden.
Formulare der Musterordnung sind in der Funk 'schen Buchdruckerei vorräthig und sönnen von dort bezogen werden. Die Herren Bürgermeister weise ich an, mit der Aufstellung der neuen Steuerordnungen sofort vor- zugehen. Wegen der Form der Ausstellung und Beschlußfassung verweise ich auf § 6 der Landgemeinde- Ordnung. Die Steuerordnungen sind in drei Exemplaren dem Kreisausschusse zur Bestätigung vorzulegen undzwar bestimmt bis zum 15. Februar 1899.
Ich bemerke dabei, daß Steuerordnungen, nach denen der Hund mit einem geringeren Satze als 4 Mk. 50 Pf. besteuert werden soll, auf Genehmigung Seitens des Kreisausschusses nicht zu rechnen haben.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
Freiherr von Schlei nitz,
Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
I. A Nr. 4742.
Hersseld, den 28. Dezember 1898.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten die Weisung, die Ihnen gemäß dem Ausschreiben vom 19. November d. Js. I. A Nr. 4177 (Kreisblatt Nr. 139)
zugesandte, vom Kreisausschuß genehmigte Branntweinsteuer-Ordnung nochmals umgehend einzureichen, weil der Herr Negierungs-Präsident die Vorlage derselben angeordnet hat.
I A. Nr. 4751. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 27. Dezember 1898.
An Stelle des Wilhelm KehreS zu Friedlos ist heute der Schmied Peter Hahn daselbst für diese Gemeinde als Sachverständiger zur amtlichen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen sowie zur Schlachtvieh- beschau widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden. I. I. Nr. 6579. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
In der Zeit vom 16. zum 17. dS. Mts. dahier gestohlen: Ein Opelfahrrad, Maike Nr. 2, mit der Fabnk-Nr. 58 676 und der Polizei-Nr. 3326 im Werthe von 170 Mark. DaS Rad hat schwarzen Rahmenbau, vernickelte Lenkstange mit Celluloidgriffen, gelbe Filzen, Peters Pneumalikluftreifen, Sattel mit Spiralfedern, gelbes Schutzband und gewöhnliche Pedale; zwischen dem Rahmenbau befand sich eine braunlederne, dreieckige Tasche mit Werkzeug und einem Rad- fahre^buch auf den Ramm: „Carl Horst, Hanau" lautend.
Um Nachforschung und eventl. Nachricht wird ergebenst ersucht. Hanau, am 21. Dezember 1898. J. Nr. P. 12 638/98.
Königliche Polizei Direktion.
Nichtamtlicher Theil.
Neujahr
Mit Gefühlen des Dankes treten wir in das neue Jahr. Zeigt uns doch der Rückblick auf das verlebte Jahr allenthalben Gedeihen und fröhlichen Fortgang für Vaterland und Kirche, ob auch die Umsturzgewalten mit ihrem finstern Drohen und Grollen das, was unserm Herzen theuer ist, Thron und Altar, zu verschlingen drohten. Die schändliche Mordthat in Genf hat wie ein Blitz den Abgrund beleuchtet, an welchem die moderne Zivilisation steht; aber Fortschritte hat dennoch die unheimliche Bewegung nicht gemacht, wenn sie sich auch rühmen durfte, an Zahl zugenommen zu haben. Noch lebt der gesunde Sinn des Volkes, noch lebt die nationale Gesinnung, wie sich dies bei dem zehnjährigen Negieruns-Jubiläum unsers Kaisers und bei dem Tode des Fürsten B smarck gezeigt hat.
Trotz dem Murren der Gottvergessenheit und dem Toben des Aufruhrs ist uns die Ordnung in Staat und Kirche erhalten geblieben. Die Lästerer und Spötter hatten wohl das Ohr ihrer Genossen, aber nicht das Ohr des deutschen Volkes. So ist uns derFliede im Innern und der Friede nach außen gewahrt geblieben. Ununterbrochen hat die Blüthe des bürgerlichen Gewerbes fortgedauert, der Wohlstand in allen Klassen, und nicht zum mindesten in denen der Arbeiter, hat sich befestigt, Theuerung und schwere Zeit haben unser Volk verschont. Innere Streitigkeiten, Arbeiler-Ausstände, Wahl-Verhetzungen, und dergleichen mehr, haben sich in den Grenzen gehalten, daß sie dem öffentlichen Wohl nicht schaden konnten Im Frieden hat sich das Vaterland weiter bauen und entwickeln können, haben die Anstalten der Schule, der Wohlthätigkeit und der guten Sitte an Mitteln und Macht gewonnen, und manches gute Samenkorn ist für die Zukunft gelegt worden.
Wenn wir dies alles mit Dank gegen Gott beim Jahreswechsel erkennen und uns des freuen dürfen, daß die Errungenschaft des Jahrhunderts, das deutsche Reich, uns, den Nachkommen der Gründer desselben, erhalten und gemehrt worden ist, so missen wir sehr wohl, daß mit der Größe der anvertrauten Gaben auch die Verantwortung für die rechte Verwaltung und die Anforderung an den rechten Gebrauch wächst. Von uns hängt es ab, ob uns diese Wohlthaten im neuen J.hre werden gesichert bleiben Die Pflege nationalen Sinnes die Erhaltung von Gottesfurcht und Königstreue, die
Förderung der idealen Güter des Volkes und die Stärkung der moralischen Mächte in allen Schichten der Bevölkerung ist und bleibt doch immer das Wichtigste, was in die Hände der Vaterlandsfreunde gelegt ist. Darin sollen sie sich begegnen, dem Meinungsstreit nicht übermäßig nachgeben, keine Zertrennung anrichten, wo ein friedliches Nebeneinanderleben möglich ist, und nicht durch Haß, Bitterkeit und Unzufriedenheit der Umsturzgefahr den Weg bahnen. Das sind die Lehren, welche mit flammenden Zügen auf dem Antlitze der Gegenwart geschrieben stehen.
Da die Schicksale des Einzelnen wie der Völker nach den ewigen Gesetzen der göttlichen Weltregierung und sittlichen Ordnung sich vollenden, so kann es für uns keine schönere Aufgabe im neuen Jahre geben, als in diese Ordnung uns zu fügen, die Rathschlüsse Gottes zu erkennen, auch seinen Wegen auf deutscher Erde zuzustimmen und in der freudigen Gewißheit zu verbleiben, daß Gott, der unserm deutschen Volke bis hierher geholfen hat, auch fernerhin uns helfen und alles, auch die ; sorgen der Gegenwart zum besten kehren werde. Er segne unsern Kaiser und sein ganzes Haus und laffe es ihm wohlgerathen, was er für das Wohl seines Volkes, was er für den Frieden unter den Völkern sinnt und unternimmt!
Einem jeglichen von uns aber möge es im neuen Jahre gegenwärtig bleiben, daß wir berufen sind, ein jeder an seinem Theil, zu einem hohen Werk und Dienst, indem wir den ewigen Gottesgedanken nachleben und sie in unserm Kreise Gestalt gewinnen lassen. So wünschen wir denn unsern Lesern allen ein fröhliches und gesegnetes neues Jahr, im Vertrauen auf den alten Gott, in Treue gegen unsern Kaiser, in Liebe zu unserm Volke und Vaterlande. *
Politische Nachrichten.
Berlin, den 29. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag, wie aus Potsdam gemeldet wird, den Vortrag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, Staatsmi- uisters v. Bülow.
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich wird, nachdem sie drei Monate bei der Königin in Balmoral, Windsor und Osborne geweilt hat, in etwa vierzehn Tagen nach dem Festland zurückkehren. Die Kaiserin beabsichtigt nicht, Berlin in diesem Winter zu besuchen. Von London wird sich die Kaiserin vielmehr direkt nach Florenz begeben. Einen Monat später wird sie nach Bordighera reisen, wo sie bis Anfang April bleiben wird. Dann soll die Rückfahrt nach Deutschland ange- treten werden. In Florenz wird die Kaiserin den Prinzen und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen treffen, welche jetzt in Athen beim Herzog und der Herzogin von Sparta zu Besuch sind.
Die „N. A. Z." schreibt: Durch die Uebernahme des Protektorats über den neugebildeten Landesverband der preußischen Kriegervereine hat Seine Majestät der Kaiser und König den ehemaligen Mitgliedern des Heeres nicht nur eine besonders werthvolle WeihnachtSgabe und einen Beweis besonderer Allerhöchster Huld zu Theil werden lassen ; vielmehr darf mit Sicherheit angenommen werden, daß dieser neue Akt hohen monarchischen Wohlwollens und Interesses, dessen die preußischen Kriegervereine gewürdigt worden sind, den Ausgangspunkt für eine immer weitere Ausbreitung und innere Erstarkung derselben bilden wird. Zumal das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehemaligen Krieger unter einander und ihre Verbindungen mit der aktiven Armee werden immer mehr gefestigt und vertieft werden. In dem am Tage seiner Thronbesteigung erlassenen Armeebefehl hat der Kaiser es ausgesprochen, daß er und die Armee zusammen gehören und für einander geboren sind. In Erwiderung des ihm von der Armee geschworenen Treueids hat der Kaiser feierlich gelobt, stets eingedenk sein zu wollen