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Gratisbeilagen rIlluftrirtes Sonntagsblatt" n.IUnftrirte Landwirthschaftliche VeLlage".

Nr. 149.

Soiimiitiiii den II Iezmber

1898.

Erstes Statt

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 15. Dezember 1898.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 14. April 1893, I. I. Nr. 2205, Kreisblatt Nr. 46, Revision der Maaße und Gewichte betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis z u m 2 2. d. M t s. bei Meidung unlieb­samer Maßregeln hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersseld, den 14. Dezember 1898.

Nach einem Gutachten der Königlichen technischen Deputation für Gewerbe gehören die zum Carburiren von Leuchtgas benutzten Kohlenwasserstoffe zu den Mi­neralölen I. Klaffe im Sinne der Polizeiverordnung vom 23. Mai 1883, betreffend den Verkehr mit Mineralölen (Amtsblatt von 1883, Seite 98), was hiermit zur öffent­lichen Kenntniß gebracht wird.

I. I. Nr. 6642. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 15. Dezember 1898.

Um eine Ueberfüllung der Gemeinde-Reposituren zu vermeiden, ermächtige ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, bei dem Einbinden der Kreisblätter (Verf. v. 19. 6. 78 Nr. 6057, Kreisbl. Nr. 49) diejenigen Num­mern und Beiblätter auszuscheiden, in welchen amtliche Verfügungen nicht enthalten sind. Erinnerungen und Mittheilungen von untergeordneter Bedeutung (ohne bleibende Richtschnur) sind hierbei nicht als amtliche Verfügungen zu betrachten.

A. 4650. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Dsv Reichstag setzte die Etats - Berathung fort. Von Seiten der National­liberalen sprach der Abgeordnete B a s s e r m a n n. Er schloß sich der Auffassung der Reichsregierung an, daß die innere

Blmstriimfcheits Weihimchts - Abend.

Erzählung von T h. v R o t h s ch ü tz.

Mein armes, liebes Klärchen", sagte die Mutter, als der Arzt eben die Thür hinter sich geschloffen hatte, ihrem Töchterchen die Haare streichelnd,das ist ein harter Ausspruch des guten Doktors Sänger! den ganzen Winter nicht einen Ball! nicht eine Gesellschaft für Dich wie wird Dir die Zeit da lang werden!"

Klärchen blickte lächelnd in der Mutter Augen. Sorge nicht, liebe Mama! mir erscheint das gar nicht so schlimm! Denkst Du wirklich, mein Herz hängt an dem bischen Tanzen? Du sollst sehen, daß ich diesen Winter nichts vermissen werde. Mir hat immer das viele Geld und die schöne Zeit leid gethan, die die Ge­selligkeit in Anspruch nahm, während es so viele Ge­legenheit giebt, beides nützlicher zu verwenden!"

Die Mutter schüttelte etwas unzufrieden den Kopf. Schon wieder diese Gedanken, Klärchen!" sagte sie, ich hoffte, Du hättest Dich nun daran gewöhnt und einsehen lernen, daß es sich für unsern Stand und für die Stellung Deines Vaters gehört, so zu leben, wie Pir es thun, und unserer Tochter paffenden Schmuck inzuschaffen, statt das Geld nur für Vereine und Arme binzugebeu!"

Klärchen küßte beschwichtigend die Mutter.Laß es

Lage des Reiches nach politischer wie wirthschaftlicher Richtung hin eine günstige sei. Der Sozialdemokratie gegenüber befür­wortete er eifrige Fortführung der Sozialreform und Zu­sammenschluß der nichtsozialdemokratischen Parteien bei den Wahlen, wodurch Polizei - Maßnahmen überflüssig gemacht würden. In der Ausweisungs-Frage wollte der Redner das Recht der Einzelstaaten zu nothwendigen Ausweisungen nach­drücklichst gewahrt wissen; in die loyale Ausübung dieses Rechts werde man sich nicht hineinreden lassen. Schließlich betonte er, daß der Reichs-Gedanke immer weitere Ausdehnung finde, und daß ein Grund zur Reichs-Verdrossenheit nicht an erkannt werden könne. Der sozialdemokratische Abgeordnete von Vollmar begann mit einer Schilderung der un­günstigen Verhältnisse des Geldmarkts. Uebergehend zur Militär-Vorlage, meinte er, gegenüber der Hetzjagd der Rüst­ungen müsse man nach Mitteln suchen, um diesem Schrecken ohne Ende entgegenzuwirken. Als der Redner dann die Aus­weisungen in Nordschleswig alsbarbarisch" bezeichnete, wurde er vom Präsidenten deshalb zur Ordnung gerufen. Den Schluß der Ausführungen des sozialdemokratischen Redners bildete eine Erörterung des Gesetz - Entwurfs zum Schutze Arbeitswilliger. Die Ankündigung dieses Gesetzes sei von allen Arbeitern wie ein Faustschlag empfunden worden. Es genüge aber nicht bloß, die Vorlage abzulehnen, man müsse auch ein wirkliches Koalitions-Recht schaffen. Der kon­servative Abgeordnete Graf Limburg-Stirum bemerkte in Erörterung der Militär-Vorlage, unsere Armee müsse auf einem Standpunkte gehalten werden, der allen Möglichkeiteu gegenüber sichere Gewähr biete. Ferner sind nach Ansicht des konservativen Redners die Ausweisungen durchaus zu billigen. Ebenso sei der Erlaß des Staatssekretärs des Reichspostamts, durch welchen die sozialdemokratische Organisation der Post­beamten verhindert ivürde, freudigst zu begrüßen. Was das Verhältniß der Sozialdemokratie und des Anarchismus anbe- lange, so seien die Anarchisten eine Folge der sozialdemokrati­schen Bestrebungen, wie die Sozialdemokraten auf den Schultern der FortschrittS-Partei ständen. Graf Limburg-Stirum dankt schließlich dem Präsidenten Grafen Ballestrem für seine Rede zum Gedächtnisse Bismarcks und sprach die Hoffnung aus, daß das politische Vermächtniß hoher Staatsweisheit, welches uns der große Kanzler hinterlassen, von allen nichtsozialdemokrati­schen Parteien gemeinschaftlich benutzt werden möge. Stach einzelnen Richtigstellungen der Staatssekretäre des Innern und des Reichs-Schatzamtes und einer Rede des Vertreters der Polen, Abgeordneter Motty, in welcher dieser die Ausweisungen slavischer Elemente aus der Ostmark tadelte, wurde die Debatte vertagt. Am nächstfolgenden Tage erhielt zuerst der Vertreter der Reichs-Partei, Abgeord neter v. Kardorff, das Wort. Derselbe schilderte die Finanzlage des Reiches als eine günstige, wies die Angriffe des Abgeordneten Richter auf die Kolonial-Politik zurück und trat den Aeußerungen des sozialdemokratischen Redners über das ostelbischeJunkerthum" entgegen. Unter den weitern Ausführungen des Redners erscheint namentlich die von ihm erhobene Forderung eines Ausnahme-Gesetzes gegen die Sozial demokratie bemerkenswerth. Große Heiterkeit rief der Redner hervor, als derselbe bei Berührung der Militär - Vorlage den Abgeordneten Eugen Richter als Vater des gesteigerten Militarismus bezeichnete, da die von links geforderte 2jährige Dienstzeit in ihrer finanziellen Tragweite keineswegs zu unterschätzen sei. Dem Abgeordneten v. Kardorff folgte der Abgeordnete R i ck e r t von der freisinnigen Vereinigung, der

gut sein, Herzens-Mama, Du weißt, so meine ich eS j, nicht! Ich denke nur immer, es ließe sich das eine mit dem andern vereinigen, wenn man ernstlich wollte! Ich weiß ja auch, daß Du gut bist gegen die Bedürftigen und Niemand leicht etwas abschlagen kannst! So denke ich, daß Du auch Deinem Töchterchen noch einmal ihren Wunsch erfüllen wirst, wenn sie selbst erst mit sich einig und klar geworden ist über das, was sie von Dir er­betteln will! Aber für jetzt brauchen wir ja noch nicht weiter darüber zu reden!"

Damit verließ das junge Mädchen heiter und ver­gnügt das Zimmer und suchte ihr eigenes Stübchen auf, das ihr liebster Aufenthalt war, und in dem sie still ein inneres Leben führte. Der Ausspruch des Arztes machte ihr keine Sorge! Der unbedeutende ErkältnngS-Husten, der dazu Veranlassung gegeben hatte, wäre in hundert andern Fällen unbemerkt vorüber gegangen und wurde nur hier, bei den übertrieben ängstlichen Eltern so ernst genommen, daß der Doktor, der außerdem Klärchens Gesinnung in der Hinsicht kannte, mehr aus Nachgiebig­keit gegen die Mutter als aus eigener Ueberzeugung jenes Verbot aussprach. Aber dem jungen Mädchen war dies, wie gesagt, eben recht. Nun hatte sie die ganzen Wintermonate vor sich was wollte sie da nicht alles schaffen! Grübelnd saß sie am Fenster und überlegte. Wenn je ihr .Lieblingsplan, auf den sie

insbesondere die Aufhebung des Verbindungs - Verbots für politische Vereine von Reichtswegen forderte. Den Beschluß des Tages endlich bildeten Reden des konservativen Abgeord­neten GrafenStolberg, des bayerischen Bauernbündlers Hilpert und des polnischen Abgeordneten F ü r st e n Radziwill.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, den 15. Dezember.

S e. Majestät der Kaiser ist, wie aus Sau­park von gestern gemeldet wird, um l4/2 Uhr im Jagd­schloß eingetroffen und hat sich sofort in das Jagdrevier begeben. An der Jagd nehmen außer dem Gefolge noch Theil: Fürst von Schaumburg-Lippe, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, Prinz Albert von Schleswig-Holstein, Generaloberst Graf Waldersee, kommandirender General des 10. Armeekorps, General der Infanterie v. Seebeck, und Oberpräsident Graf Stolberg-Wernigerode.

S e. M a j e st ä t der Kaiser begab Sich heute früh 9 Uhr, wie aus Saupark gemeldet wird, wiederum ins Jagdrevier.

Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ha«. sich am Montag Abend von dem Landsitze des Prinzen von Wales nach Schloß Windsor begeben. In Cambridge verweilte die hohe Frau einige Stunden.

Zum Thema der deutsch-französischen Beziehungen lesen wir in derKölnischen Zeitung": Die englische Treffe beschäftigt sich fortgesetzt mit den jüngsten Versuchen französischer Schriftsteller und Staats­männer, eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich als möglich hinzustellen. DieSt. James ! Gazette" geht schon so weit, daß sie eine solche Befferung für England nicht für gefährlich, sondern für wünschens- werth erkärt, da sie eine Kriegsursache beseitige, ohne eine neue zu erzeugen. Wir brauchen uns mit diesen Zukunftsträumen nicht weiter zu beschäftigen. Die Möglichkeit einer deutsch-französischen Annäherung ist erst dann gegeben, wenn das Wort Elsaß-Lothringen ans dem Sprachschatze der französischen Staatsmänner und der französischen presse verschwunden sein wird. Dies Wort ist der Barometer, an dem Deutschland wie das Ausland mit großer Sicherheit ablesen können, in welcher Lage sich die deutsch-französischen Beziehungen jeweilig befinden. Deutschland lehnt so lange jede Unterhaltung .ab, so lange es fürchten muß, daß ein be­gonnenes Gespräch auch nur mit einer Andeutung diesen für Deutschland völlig erledigten Gegenstand berühren

vorhin der Mutter gegenüber hingedeutet hatte, zur Ausführung kommen konnte so war dies die geeig­nete Zeit dazu! Sie war nämlich seit ihrer Konfir­mation in herzlichem Verkehr geblieben mit der Frau des Predigers, der sie eingesegnet hatte und der in dem großen, zum Theil sehr armen Stadtvirtel seinenWir- kungskreis hatte, in dem Klärchens Eltern wohnten. Mit dieser Familie, besonders der Frau, sann sie nun schon lange auf die Möglichkeit, eine Oberlinschule er­richten zu helfen, um die armen, oft so vernachlässigten Kinder darin unterbringen zu können, während die Mütter bei der Arbeit waren. Aber es fehlte immer an einem kleinen Kapital, mit dem sich dies Unternehmen anfangen ließ und die Hoffnung, ein solches zu schaffen, war eben der Lieblings - Gedanke des jungen Mädchens.

Eine ältere Freundin in einem andern Stadttheil war ihr seit Jahren ein Vorbild; denn diese hatte be­reits durch Ausdauer und Thatkraft eine ebensolche Anstalt dort ins Leben gerufen. Freilich -- waren ihre Wege, auf denen sie ihr Ziel erreichte, von Anfang an geebnet, sie hatte keinerlei Widerspruch bei den Ihrigen zu bekämpfen gehabt freudig hatte man sie die Pfade wandern lassen, die sie sich vorgezeichnet hatte, um ihren Mitmenschen nützlich zu sein und ihre Pflichten zu er­füllen. Oft war Klärchen dort, um mit der Freundin