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Hersscker LÄM-

Gratisbeilagen rIllnstrirter Sonntagsblatt" u. ^Uwftrirte lanvwirthschastliche Beilage".

Sr. 147. IieHüS kn 11 Itzmber M8.

Amtlicher Theil.

Homberg, den 9. Dezember 1898.

Unter der Schasheerde des Bürgermeisters Thomas Strippel zu Raboldshausen, sowie unter den beiden in Mühlbach vorhandenen Schasheerden ist die Räudekrank- Heit ausgebrochen.

Der Landrath, von Gehren.

An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 10. Dezember 1898.

Wird veröffentlicht.

I. 6629. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Caffel, den 8. Dezember 1898.

Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen ergebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Albin Fried­rich Schäfer aus Hanau inzwischen wieder aufgegriffen ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 14. September d. I. Nr. 2/98 als erledigt hierdurch zurückziehe.

G. II. 1171 Nr. 18/98. Der Landrs-Direklor. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* *

Hersfeld, den 10. Dezember 1898.

Wird mit Bezug auf das Ausschreiben vom 17ten September er., I. I. Nr. 5138 (Kreisblatt Nr. 112) den Polizeibehörden sowie der K. Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

I. 6630. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.

Die Universitäts - Augen - Klinik zu Marburg nimmt Augenkranke unter folgenden Bedingungen auf:

1. Klaffe (Einzelzimmer) täglich 5 Mk.

2. (2 Kranke in einem Zimmer) 34

3. 1,50

Zahlende Kranke finden ohne weiteres Aufnahme Unentgeltliche Aufnahme finden Arme aus den Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankenberg und Ziegenhain (mit Ausnahme des Amtsgerichtsbezirks Oberaulu), welche mit einem ordnungsmäßigen Armenschein versehen sind. Die nachträgliche Abgabe eines Armenscheins, nachdem vorher

die schriftliche Zahlungsverpflichtung erfolgt ist, ist unter keinen Umständen zulässig.

Arme Augenkranke aus andern als den vorgenannten Kreisen können, soweit Freibetten vakant sind, eventuell umsonst, andernfalls gegen eine Ermäßigung des etats- mäßigen Verpflegungskostensatzes ausgenommen werden, wenn sie ihre Bedürftigkeit durch ein amtliches Attest nachweisen können.

Marburg, den 1. Dezember 1898.

H e ß , Direktor der Universitäts-Augen-Klinik.

Nichtamtlicher Theil.

Jas kiiSe einer tobiiialum^L

Die spanisch-amerikanische Friedens-Kommission in Paris hat ihre Aufgabe beendet; der Friedens Vertrag ist abgeschlossen, und damit ist für Spanien eine stolze Zeit ins Grab gesunken. Das Land, von dem Kaiser Karl V. einst behaupten konnte, daß in seinen Grenzen die Sonne nicht unterginge, hat bis auf einen kärglichen Rest seine letzten Kolonien verloren. Vor dem Kriege mit den Vereinigten Staaten zählte Spaniens Gebiet ungefähr eine Million Quadrat-Kilometer und 29 Mil­lionen Bewohner. Mit Kuba, Puerto Rico und den Philippinen hat es mehr als 420 000 Quadrat-Kilo­meter mit rund 8 Dtidionen Bewohnern eingebüßt, und auch das Mutterland ist an den Rand des Abgrundes gebracht. Welchen Reiz der geschichtsphilosophischen Beobachtung liegt in den Wandlungen Spaniens von seiner einstigen Größe bis zum heutigen Verfall! Unser Urtheil braucht man weder scharf noch hämisch zu nennen, wenn wir sagen: Spanien hat sein Schicksal verdient! Einen festen Platz in der Weltgeschichte behaupten nur Nationen, denen ein tiefer Fonds von Charakterstärke, Fleiß, Ausdauer und Genügsamkeit innewohnt. Von aQebem hat Spaniens Volk so gut wie nichts aufzu- weisen.

Spanien könnte ein wohlhabendes Land sein. Die Natur hat es landschaftlich und landwirthschastlich frei­gebig bedacht, die Niederungen feiner größten Ströme sind fruchtbare Thäler. In Folge der Trägheit seiner Bewohner aber sehen wir Spanien in Aimuth, Ver­kommenheit und Noth, nach innen zerrüttet, nach außen ohnmächtig. Spaniens ganzer Güter-Austausch mit dem 1

Auslande hält sich innerhalb dessen, was die Natur ohne Mühe von selbst darbietet: Wein, Oel, Südfrüchte, darüber hinaus werden allenfalls seine Mineralschätze noch ausgebeutet. Die Landwirthschaft aber liegt dar­nieder und spiegelt in ihrem Zustande den National- Charakter wieder.

Wenn wir über die Spanier den Stab brechen, so brauchen wir damit noch nicht zu verkennen, daß sich ihnen auch einzelne Vorzüge nachrühmen lassen. Dahin gehört eine gewisse Opferwilligkeit des Volkes für nati­onale Zwecke, wie sie sich in dem langjährigen Kampfe um Kuba bethätigt hat; dahin gehört auch die Liebe zur Kunst und Litteratur. Aber Opfermuth und Kunst­sinn allein können nicht die Größe eines Volkes aus- machen. Und groß im wahren Sinne des Wortes ist Spanien auch in den Zeiten feiner Weltherrschaft nicht gewesen. Die das spanische Weltreich bewohnenden Völker wurden bis aufs Blut gepeinigt und geknechtet 1 und schließlich zum Abfall getrieben. Die Sucht nach immer neuen Herrschafts - Gebieten wurde zur Groß­mannssucht, der prunkende Reichthum war nicht durch Fleiß erworben, er beruhte lediglich auf den den Völkern der neuen Welt geraubten Schätzen.

Im Mutterlande selbst war es zu keiner Zeit besser bestellt. Religiöser Fanatismus auf der einen Seite und sinnlose Wirthschafts-Politik auf der andern waren Dinge, an denen sich die Kräfte des spanischen Volkes nothwendig verzehren mußten. Wie könnte eine Nation auch nach außen hin ihre Macht aufrecht erhalten, die nicht einmal im Innern Ordnung zu halten vermag! Spanien ist aber bekanntlich von politischen Wühlereien durchsetzt. An seinem Mark zehren die Zetteleien der Radikalen und der Karlisten ; die Manifeste revoltirender Generale gehören zu Spaniens stehenden Besonderheiten, und selbst im königlichen Hause hat es an Reibereien und Kämpfen um die Thronfolge nie gefehlt. Als Er­gebniß all dieser Umstände sehen wir das Land heute in voller Zerrüttung. Trotzdem hätte Spanien denZu- sammenbruch vermeiden können, wenn es seine Rüstungen zu Lande und zu Wasser nicht so unverantwortlich ver­nachlässigt hätte.

Wie alle Lösungen großer geschichtlicher Fragen be­deutet auch das Schicksal Spaniens eine eindringliche Lehre für die Mit- und Nachwelt. Wir Deutschen haben ebenfalls noch die Verschiedenheit der einzelnen Stämme unseres Volkes auszugleichen, damit das Ge-

Der Gcldschtlitik des Bankiers.

Eine Kriminalgeschichte aus Christiania Aulorisirte Uebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.

(Schluß.)

Während er auf das Gold wartet, wird er von dem Chef des Bankhauses, Herrn Wendel, höflich in dessen Kontor im zweiten Stockwerk geführt, und während der Unterhaltung kommt man and) auf einen eisernen Schränk zu sprechen, der sich im Zimmer befindet und auf den der Bankier sehr stolz ist, da er ihn in Paris sehr theuer eingekauft hat, und weil der Schränk ein selten vorkommendes künstliches Schloß besitzt.

Er ist nämlich mit einem Buchstabenschloß mit zehn­tausend verschiedenen Kombinationen versehen und kann nur geöffnet werden, wenn das Schloß auf die gleiche Buchstaben - Kombination eingestellt wird, die beim Schließen des Schrankes sichtbar gewesen ist. Mit andern Worten: das OeffnungSwort ist immer das gleiche wie das Schlußwort und kann also so oft gewechselt werden, als es wünschenswerth ist.

Herr Duval erhält sein Geld, 25 000 Kronen in zwei Beuteln und kehrt dann ins Hotel zurück. Er em- pfängt den Besuch seines Mitschuldigen, Don Salino, der erscheint um die Beule zu theilen.

Das Zimmer, das er bewohnt, liegt im Dachgeschoß , des alten Hauses und befindet sich ungefähr in gleicher U Höhe mit der zweiten Etage des neumodischen gegenüber.

Herr Duval erzählt von seinem Besuch bei dem

Bankier, erwähnt dabei vielleicht des Schrankes und daß derselbe von dem Bankier als zeitweiser Aufbewahrungs­ort für Werthsachen bezeichnet worden ist, die nicht in den Gewölben der Bank untergebracht werden können.

Ton Salinos scharfe Augen entdeckten, daß man durch das Fenster gerade in das Kontor des Bankiers sehen kann er sieht ihn vielleicht in diesem Augen­blick den Schränk schließen. Er bemerkt, wie der Tele­phondraht vom Hause gegenüber quer über die Straße und an den Fenstern des Dachzimmers vorüber führt ihm kommt eine Idee, er durchpenkt sie, theilt sie seinem Freunde mit, und das Ergebniß ist, daß am nächsten Vormittag es ist Sonntag, und die Kontore der Bank sind geschlossen Herr Duval an der Woh­nung des Bankiers läutet und ihn ersucht, die 25 000 Goldkronen gütigst in Verwahrung zu nehmen, da er seine Reise verschoben habe.

Der Bankier nimmt die zwei Beutel, legt sie in seinen berühmten Schränk, sieht nach, ob Niemand im Zimmer ist, der ihn belauern könnte, wählt eine neue Kombination von Buchstaben, schließt den Schränk und glaubt, daß Niemand außer ihm Kenntniß von dem Worte haben könne.

Was ist indessen in der verflossenen Nacht geschehen? Nun, Don Salino ist die Dachrinne entlang nach dem Fenster des Kontors emporgeklettert, hat dasselbe, weil es schlecht geschlossen war, geöffnet und das Zimmer betreten.

Auf dem Tisch dem Schränk gegenüber mitten unter den Papieren u. s. w. hat er so verborgen als möglich

einen kleinen Apparat für Moment-Photographie auf­gestellt. Nur die Mündung ist zwischen zwei dicken Büchern und einem Stapel darüber gelegter Broschüren hervorgerichtet.

Niemand kann den Apparat entdecken, wenn nicht eine gründliche Untersuchung vorgenommen wird.

Er kann durch einen kleinen Elektromagneten ge­öffnet und geschlossen werden. Den Leitungsdraht führt Don Salino an der Wand hinauf und verbindet ihn mit den Leitungsdrählen auf der Rückseite des dort aufgehängten Telephon-Apparates.

Als dieses gethan ist, schleicht sich Don Salino wieder hinaus und klettert auf die Straße hinab.

Am nächsten Tage: Im gleichen Augenblick, als der Bankier feinen Schränk mit der neuen Kombination schließt zur Verwahrung der Goldstücke Herrn Duvals, steht Don Salino am Fenster seines Freundes und läßt durch einen Druck auf einen Knopf den photographischen Apparat wirken.

Den Telephondraht des Bankhauses, der dicht am Fenster des Hotels vorüber führt, hat er nämlich durch- geschnitten und ins Zimmer nach der elektrischen Batterie geleitet, die er mitgebracht hatte.

Nun braucht er nur in der Nacht seinen zweiten Besuch im Kontor des Bankiers abzustatten, seinen Apparat zu öffnen und die Buchstaben-Kombination ab- zulesen, welche die präparirte Platte ihm verräth.

Er stellt das Schloß aus die gleichen Buchstaben, und bald sind die 25 000 Kronen in seinem Besitz.