Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
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Gratisbeilagen r „Illnstrirtes Ssnnragsblatt" n. „)ünstrirte landwirthschaftliche Veilag*".
Nr. M
Ioniierstlig K« 8. Iezeiiiber
1898.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 3. Dezember 1898.
Auf Antrag des hiesigen Detaillisten-Vereins werden die Verkaufsstunden für die hiesigen Ladenbesitzer für die beiden l e tz t e n S o n n t a g e vor Weihnachten bis Abends 9 Uhr verlängert.
J. I. Nr. 6498. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
Hersfeld, den 3. Dezember 1898.
Der seitherige Bürgermeister Gottlieb Becker zu Heenes ist heute als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden.
I. A. Nr. 4245. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, ________________________Geheimer Negierungs-Nath.
Anfang November 1899 wird eine größere Anzahl Dreijährig-Freiwilliger bei den Seebataillonen zur Ein- ~ stellung gelangen.
Die Dreijährig-Freiwilligen müssen gemäß § 11, 3 b der Marine-Ordnung von kräftigem Körperbau, mindestens 1,65 cm groß und von guter Sehleistung sein. Auch wird die Anforderung der T r o p e n d i e n st - fähigkeit an dieselben gestellt, da sie im Frühjahr | 1900 nach Kiautschau entsandt werden.
Geeignete Leute haben sich unter Einsendung des Meldescheins und sonstiger Zeugnisse, sowie unter Angabe der Körpergröße möglichst bald an das Kommando des I. Seebataillons in Kiel b e z w. des II. Seebataillons in W i l- n helmshafen zu wenden. Anmeldungen ohne diese Papiere rc bleiben unberücksichtigt.
Den Meldeschein hat der Freiwillige bei dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Ausent- | Haltsortes zu erbitten und hierbei folgende Papiere . vorzulegen.
a) eine schriftliche Einwilligung seines Vaters oder Vormundes,
b) eine obrigkeitliche Bescheinigung, daß er durch Zivilverhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat,
c) ein Geburtszeugniß (Auszug aus dem Standesamtsregister seines Geburtsortes).
Dahier gestohlen:
a. Am 26 November d. J. mittelst AufbrechenS von Behältnissen: Eine kleine eiserne Geldkassette mit 200 bis 250 Mark, drei Sparkassenbücher der städtischen Sparkasse hierselbst, ausgestellt auf die Namen: a) Susanna Launhardt, No. 6397 A, über 1000 Mk., b) Jean Launhard, No. 8070, über 500 Mk, und c) Margarethe Dietz, No. 1822 über 301,50 Mk. Einlage, eine Versicherungspolice der Aachener Feuerversicherungs-Gesellschaft, und verschiedene andere Papiere auf den Namen der Familie Launhard lautend.
b. Vom 28 bis 30. Nov. d. I. aus einem unverschlossenen Zimmer: Ein Schmuckkästchen mit grünem Plüsch überzogen, enthaltend eine goldene Damen-Remontoiruhr mit goldener breitgliedriger Kette im Werthe von 145 Mk., eine Doublö-HalSkrtte mit einem Herzchen versehen, Werth 11 Mk., eine silberne Halskette, Werth 9 Mk, ein goldener Damenring mit einem rothen und weißen Stein, Werth 10 Mk., einer desgl. mit weißem Stein, Werth 6 Mark, eine silberne, vergoldete Brache im Werthe von 5 Mark und 5,50 Mark an baarem Gelde, c. Am 17. November d. J.: Ein Adlerfahrrad, Marke 42 mit der Fabrik-No. 94933, schwarzen Rahmenbau, weiße Felgen, Korkgriffen, Peters Union Pneumatikluftreifcn, Sattel mit Spiralfedern und gewöhnlichen Pedalen im Werte von 200 Mark.
Um Nachforschung und event. Nachricht wird ergebenfl ersucht. ♦ #
Das Ausschreiben vom 23. Sept. d. I., No. P. 9782, betreffend die vermißten Realschüler Philipp Bader und Ludwig Ackermann von hier ist erledigt. J.^No. P. 12049/98. Hanau am 3. Dezember 1898.
Königliche Polizeidirektion.
Nichtamtlicher Theil.
Der Reichstag
ist am Dienstag Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses von Sr. Majestät dem Kaiser mit folgender Thronrede eröffnet worden:
Geehrte Herren!
Bei dem Beginn einer neuen Legislaturperiode habe Ich Sie zu Mir entboten, um Sie als die gewählten Vertreter des deutschen Volks Namens der verbündeten Regierungen willkommen zu heißen; möchte es Ihrer selbstlosen Thätigkeit gelingen, die zahlreichen und wichtigen gesetzgeberischen Aufgaben, welche Ihrer harren, einem der Wohlfahrt des Vaterlandes dienlichen Abschluß entgegenzuführen!
Der weitere Ausbau der sozialen Gesetzgebung liegt den verbündeten Regierungen nach wie vor am Herzen. Auf diesem Gebiete wird Ihnen wiederum ein Gesetzentwurf zugehen, der den Mängeln der Jnvaliditäts- und Altersversicherung in wesentlichen Beziehungen abzuhelfen sucht.
Durch eine Novelle zur Gewerbeordnung soll der den gewerblichen Arbeitern bereits gewährte Schutz vor Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit auf die Gehülfen und Lehrlinge im Handelsgeschäft ausgedehnt und gleichzeitig Mißständen gesteuert werden, welche sich namentlich in der Konfektionsindustrie gezeigt haben.
Eine besondere Vorlage schlägt Ihnen vor, die Zulassung von Beauftragten zur Vertretung der Parteien im patentamtlichen Verfahren gesetzlich zu regeln.
Der Terrorismus, durch den Arbeitswillige an der Fortsetzung oder Annahme von Arbeit gehindert werden, hat einen gemeinschädlichen Umfang angenommen. Das den Arbeitern gewährleistete Koalitionsrecht, welches unangetastet bleiben soll, darf nicht dazu gemißbraucht werden, das höhere Recht: zu arbeiten und von der Arbeit zu leben, durch Einschüchterung oder Drohung zu vergewaltigen. Hier die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung nachdrücklichst zu schützen, ist nach Meiner und Meiner hohen Verbündeten Ueberzeugung die unabweisbare Pflicht der Staatsgewalt. Hierzu reichen aber die bestehenden Strafvorschriften nicht aus; sie bedürfen deshalb der Erweiterung und Ergänzung. Diesem Zwecke entspricht ein Gesetzentwurf zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses, welchem Sie, wie Ich zuversichtlich erwarte, Ihre Zustimmung nicht versagen werden.
Nach Vorschrift des Bankgesetzes ist bis zum Abläufe des nächsten Jahres zu beschließen, ob das Privilegium der Reichsbank von Neuem verlängert werden soll; Sie dürfen entsprechenden Vorschlägen entgegensehen, welche gleichzeitig be- stimmt sind, dem Reichsbank-Jnstitute die Erfüllung seiner finanzpolitischen Aufgaben zu erleichtern, ohne die erprobten Grundlagen unserer Bankgesetzgebung zu verlassen.
Um den Gefahren zu begegnen, die der Verkehr mit un- untersuchtem, zum menschlichen Genusse bestimmten Fleische, sei es in- oder ausländischer Herkunft, mit sich bringt, wird von den verbündeten Regierungen die allgemeine Einführung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau erwogen. Ein diesen Gegenstand regelnder Gesetzvorschlag wird Sie, wie Ich hoffe, noch in dieser "Tagung beschäftigen.
Der in der vorigen Legislaturperiode nicht verabschiedete Gesetzentwurf über einige Aenderungen auf dem Gebiete des Post-Taxwesens und der grundsätzlichen Rechte der Post wird in umgearbeiteter und erweiterter Fassung von Neuem Ihrer Beschlußfassung unterliegen. Aus Billigkeitsrücksichten ist darin eine Entschädigung der durch die Erweiterung des Postzwanges unmittelbar Geschädigten vorgesehen; hinzugekommen ist die Neuordnung des Post - Zeitungstarifs. Um den breiten Schichten der Bitttelklassen, die kein Girokonto bei der Reichsbank halten können, einen billigen und bequemen Weg für die Ausgleichung kleinerer Zahlungen zu schaffen, wird beabsichtigt, ein Check und Ausgleichungsverfahren durch Vermittelung der Postanstalten einzurichten.
Den Bedürfnissen des mächtig fortschreitenden Fernsprech- wesens soll eine Gesetzesvorlage dienen, die der Telegraphenverwaltung die Benutzung der öffentlichen Wege mehr als bisher sichert.
Die Einnahmen des Reichs haben auch im verflossenen Rechnungsjahr und bis zur Gegenwart eine stetig steigende Entwickelung gezeigt.
Der Reichshaushaltsplan sieht neben dem Ausivande für die Aenderungen der Heeresorganisation reichliche Mittel vor für weitere Verbesserungen der Lage zahlreicher Klassen von unteren und mittleren Beamten sowie für die Förderung allgemeiner wirthschaftlicher Interessen, insbesondere in den
Dcr Gcldschrauk dcs Bankiers.
Eine Kriminalgeschichte aus Christiania.
Autorisirte Ueberfe^ung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.
(Fortsetzung )
IX.
Genau um 7 Uhr Abends erschienen wir auf der
breiten Treppe des Polizei-Büreaus und wurden sogleich in das Kontor des Polizeichefs geführt.
Der hohe Beamte sah stattlich und würdig aus wie immer, aber eine gewisse Aufregung war leicht an ihm zu bemerken.
Wir waren kaum eingetreten und hatten Platz ge
nommen, als er ausrief; „Sie haben recht gehabt mit £ Ihrer Vermuthung, Herr Monk, es sind ein paar ab- ? scheuliche Mörder, die Sie in die Hände der Gerechtig- - teil geliefert haben! Sehen Sie hier, das Telegramm / aus Paris!"
„Bei der Hausdurchsuchung bei dem Spanier Machetto, ? Taschenspieler von Profession, unter dem Artistennamen ; Don Salino bekannt, in der Vorstadt St. Antoine in ’ Paris wohnhaft, hat man die zerstückelte Leiche des Jean - Marie Benoit gefunden.
„Der Ermordete ist am Abend des 13. ds. bemerkt f worden, als er dieses Haus betrat in Gesellschaft von dessen Bewohner Don Salino und eines gewissen Charles ' | Duval, die wahrscheinlich den Mord begangen haben.
"Es werden augenblicklich Schritte gethan werden, um |^u*e erwähnten Machetto und Charles Duval, die laut
Ihrem Telegramm von der Polizei in Christiania verhaftet worden sind, an die französischen Behörden ausliefern zu lassen. Empfangen Sie vorläufig meinen Dank und die Bezeugung meiner Hochachtung!
Duville, Polizeipräfekt."
„Ich habe den beiden Schurken dieses mitgetheilt, und sie scheinen im ersten Augenblick völlig vernichtet zu sein, besonders Don Salino!
„Inzwischen haben sich die beiden etwas gefaßt und beobachten ein finsteres Schweigen!
„Sie weigern sich, irgend welche Frage zu beantworten. Bezüglich des Diebstahls bei dem Bankier stellen sie sich völlig unwissend und geben auf keine Frage Antwort!
„Endlich muß ich Sie davon unterrichten, daß die beiden Arrestanten im Besitz von ein paar tausend Kronen in Banknoten waren, daß aber keine Spur von Geld bei ihnen gefunden wurde!
„Ich habe in allen Banken und Wechsler - Kontoren der Stadt nachforschen lassen, aber nirgendwo sind größere Summen in Gold eingegangen, weder gestern noch heute!"
„Hat man sonst nichts von Interesse bei den beiden Ausländern gefunden?" fragte Monk.
„Nein, nichts ! Die elektrischen Akkumulatoren, nach denen Sie fragten, sind hierher gebracht worden und stehen dort in der Ecke!"
„Sie scheinen sehr schwer zu sein; sie bestehen wohl hauptsächlich aus Bleiplatten", sagte ich; „ihr Gewicht
bildet eine der größten Schwierigkeiten, mit denen wir Techniker zu kämpfen haben!"
„Monk und ich traten an die beiden Kasten heran. Er nahm eine der Bleiplatten in die Hand und ging damit zur Thüre hinaus nach den äußern Kontoren.
Es dauerte nicht lange, bis er sich wieder in der Thüre zeigte, und ihm auf dem Fuße folgte ein Polizei- Beamter mit dem Ausdruck sprachloser Verwunderung im ganzen Gesicht. In den Händen hielt er nämlich die beiden Hälften der Platte, die mit einem Axthieb gespalten worden war.
Hinter einer ganz dünnen Schale von Blei leuchtete uns der weißgelbe Glanz gediegenen Goldes entgegen.
„Es ist ungefähr ein Kilo Gold in jeder Platte ein- gegossen", sagte Monk, „und da sind zehn Platten in diesem Kasten. Der Bankier erhält seine zehn Kilo wieder, wenn auch in etwas anderer Form!
„Du hast recht gehabt, Fredrick, als Du Don Salino glaubtest von Blei sprechen gehört zu haben!"
„Ja, aber wenn man von Blei sprechen hört, so pflegt man deshalb noch nicht zu vermuthen, daß ein Mann Akkumulatorenplatten mit Gold füllt, antwortete ich, ärgerlich darüber, daß ich das Versteck des Goldes nicht ebenso gut hatte finden können, wie Monk. „Wie konntest Du daraus auf den Inhalt der Bleiplatten schließen?"
„Ich war ziemlich fest davon überzeugt, daß der Mann damals von dem Versteck des Geldes sprach, als er, wie Du sagtest, das Wort „Blei" oder „bleischwer" nannte.