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Amtlicher Theil.
Osnabrück, den 11. November 1898.
Der hinter dem Arbeiter, früheren Krankenwärter und ehemaligen Schlächter Gustav Witt, geboren am 13. Mai 1861 in Oberseld, Kreis Marienwerder, wegen Mordes unter dem 12. Oktober 1898 erlassene Steckbrief, siehe mein Schreiben vom 15. Oktober d. Js. Nr. I. 12131, ist nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft hierselbst erledigt.
Der Regierungö-Präsident. (Unterschrift.) An sämmtliche Herren Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten in Berlin. 1. 6393.
* * *
Cafsel, den 18. November 1898.
Abschrift in Verfolg meiner Verfügung vom 22. Oktober d. Js. A. II. 10924 zur weiteren Veranlassung. Der Negierungs-Präsident. I. V.: v o n B r e m e r. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizeidirektoren zu Hanau, Marburg und Fulda und die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 12022.
* * *
Hersfeld, den 29. November 1898.
Wird mit Bezug auf das Ausschreiben vom 29. Oktober d. I. I. I. Nr. 5840, Kreisblatt Nr. 129, hierdurch veröffentlicht.
I. 6393. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Geldschrank des Bankiers.
Eine Kriminalgeschichte aus Christiania. Autorisirte Uebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.
(Fortsetzung.)
Während zwei Negerkomiker sich selbst und das Publikum unterhielten, indem sie sich gegenseitig die Köpfe mit einer Axt, einem Hammer u. dergl. bearbeiteten, konnten Monk und ich in Ruhe das reichhaltige Programm mit der Liste der auftretenden Artisten studiren:
„Die Wiener Soubrette Lolo von Gratzer."
„Nein, die ist es nicht."
„Der Eselkomiker Suliwan."
„Auch nicht, da er wahrscheinlich Engländer oder Amerikaner war."
„Die Taubenkönigin Viola."
„Nein."
„Die Akrobatenfamilie Ducrot aus Paris."
„Vielleicht! Wir werden sehen!"
„Die französische Chansonette Carmen Sylvia."
„Aber hier ist eine verheißungsvollere Nummer: Der elektrische Jongleur: Don Leporello Salino aus Madrid. Elektrizität in der Kunst verwendet! Non plus Ultra, Hofkünstler bei König Alfonso XIII. in Madrid."
Eine kleine Notiz darunter theilte uns mit, daß dieser Künstler zugleich „elektrischer Photograph" sei und sein Atelier im Neutergang habe, wo man in 30 Sekunden sein Bild erhalten könne.
Nichtamtlicher Theil.
Privat-Verfichermizs-Kestil.
Die Versicherung gegen die mannigfachen unvorhergesehenen Schäden und Unfälle im Leben, sowie zum Zwecke der Sicherung eines sorgenfreien Alters und erleichterter Existenz der Hinterbliebenen ist von ungemein hohem sozialpolitischen Werthe. Hagel-, Feuer-, Kranken-, Unfalls-, Alters-, Lebens-Versicherung und die übrigen Zweige des weit ausgedehnten Versicherungs - Wesens spielen eine der wichtigsten Rollen im modernen Wirth- schafts-Leben und verdienen die unausgesetze Aufmerksamkeit aller am Volks- und Staatswohl interessirten Kreise.
Bei der großen Zahl und Mannigfaltigkeit privater Versicherungs - Anstalten ist es nun aber erklärlich, daß sich vielfach auch Mißbräuche herausgestellt haben und die Spekulation nicht immer den nöthigen Grad von Vorsicht und Sorgfalt bei ihren Unternehmungen beobachtet hat. Den Schaden trugen dann allemal die Versicherten, recht häufig wenig leistungsfähige Personen. Nicht nur daß ihnen der erhoffte Vortheil für die Zukunft entging, auch der Baarverlust an Prämien-Geldern gesellte sich noch dazu. Seit lange macht sich daher schon das Bedürfniß nach einem stärkern Maaße staatlichen Einflusses und staatlicher Ordnung auf dem Gebiete des privaten Versicherungs-Wesens geltend.
Diesem Bedürfnisse trägt nun der soeben veröffentlichte Entwurf eines Reichsversicherungs-Gesetzes Rechnung. Der Entwurf ist auf dem Grundsätze der Staatsaufsicht über die Versicherungs - Anstalten aufgebaut. Die Aufsicht ist von weitgehender Art. Sie soll bei allen zugelassenen Anstalten fortlaufend den gesummten Geschäfts-Betrieb im Auge behalten und darüber wachen, daß von dem genehmigten Geschäftsplan nicht abgewichen wird und in der Geschäfts - Führung nicht Mißbrauche Platz greifen, welche die Versicherten gefährden und bei ihrem Fortbestehen aus einem zu gemeinnütziger Wirksamkeit bestimmten Institut ein gemeinschädliches machen würden. Dort, wo infolge veränderter Verhält- niffe eine Umgestaltung der technischen und finanziellen Grundlagen des Geschäfts nöthig ist, soll die Aufsicht dahin wirken, daß der Bestand und die Leistungsfähigkeit der betreffenden Anstalt erhalten bleiben. In Fällen
Wir richteten unsere Aufmerksamkeit auf diese Person, da keine von denjenigen, die weiter unten auf dem Programm standen, uns in Frage zu kommen schien.
Salinos Nummer kam auch, und auf der Bühne erschien ein kleiner, in Trikot gekleideter, untersetzter, dunkler Mann mit einem düstern Gesicht und frisirtem Haar.
Als Gehülfin bei den ziemlich dürftigen „elektrischen Leistungen" trat eine Dame auf, die recht wenig Reize aufzuweisen hatte.
Noch sahen wir keine Spur von Bewegung oder Verständniß von Herrn Benoits Seite.
Don Salino verschwand unter spärlichen Beifallsbezeugungen und „Lady Mary Levendely oder die Tanzkönigin" schwebte herein, um das Publikum mit einem ungraziösem Tanz zu entzücken.
Nun steht Herr Benoit auf und geht leise aus dem Saal.
Wir folgen in der nöthigen Entfernung nach und stellen uns neben den Ausgang, mit den beiden Billeteuren sprechend und von diesen verborgen.
Herr Benoit geht ein paar Mal im Reutergang hin und her, verschwindet aber plötzlich in einem der Neben- räume.
Wir folgen leise nach und bleiben vor der Thür stehen, hinter der der Franzose verschwunden ist.
Ganz richtig. Es ist das photographische Atelier Salinos. „Nach neuester elektrischer Methode. Das Bild wird in ‘/i Minute fertig geliefert."
Wir bleiben an der Thüre stehen. Es ist Niemand
endlich, wo ein Zusammenbruch unvermeidlich ist, liegt es der Aufsichts-Behörde ob, dafür zu sorgen, daß dem Geschäfts - Betriebe rechtzeitig ein Ziel gesetzt wird und die Abwicklung der Geschäfte ohne willkürliche Beschädigungen und Bevorzugungen einzelner und gleichmäßiger Wahrung her. Interessen aller Betheiligten erfolgt.
Als Ausfluß des staatlichen AufsichtSrechtS hat in dem Entwürfe eines Reichs-Versicherungs-Gesetzes weiterhin das K o n z e s s i o n s - S y st e m Geltung gefunden. Vermöge dieses Systems unterliegt schon die Eröffnung des Geschäfts Betriebs einer Versicherungs-Anstalt der behördlichen Prüfung und Genehmigung.
Zur Ausübung der öffentlichen Aussicht über die größern VersicherungS-Anstalten, d. h. diejenigen Anstalten, welche ihren Geschäfts-Betrieb über mehrere BundeS- staaten ausdehnen, sieht der Entwurf die Schaffung einer zentralen Reichsbehörde, eines „Kaiserlichen Privat-Versicherungs-Amtes", vor. An Stelle der Rechtszersplitterung tritt Rechtseinheit, indem künftighin die Beaufsichtigung der größern Anstalten einschließlich der Konzessions-Ertheilung für das gesammte Reichsgebiet einer einzigen Behörde obliegt.
Mit dem Entwürfe eines Reichs - Versicherungs - Gesetzes ist die Erledigung einer Angelegenheit in die Wege geleitet worden, welche seit Jahrzehnten die berufenen Vertreter der Volkswirthschaft wie die gesetzgebenden Faktoren des Reiches und einzelner Bundes- staaten lebhaft beschäftigt hat, und deren hohe wirth- schaftliche wie sozialpolitische Bedeutung von keiner Seite bestritten werden dürste. Der Regelung der öffentlich-rechtlichen Seite des Versicherungs- Wesens aber, wie solche der Entwurf allein vorsieht, wird sich späterhin auch die privatrechtliche Ordnung der auf den Versicherungs-Vertrag bezüglichen Verhältnisse hinzugesellen.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 29. November.
Inland.
Se. Majestät der K a i s e r begab sich am Montag kurz nach 2-/2 Uhr vom Stadtschloffe aus zu Pferde nach dem Born- stedter Feld, wo auch Ihre Majestät die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Victoria Luise zu Wagen eingetroffen war. Se. Majestät ritt
im Raum zu sehen, während man hinter einem Segel- tuch-Vorhang im Hintergrund undeutliche Stimmen hört.
Monk zieht mich vorsichtig mit hinein, indem er mich flüsternd auffordert, meine Ohren offen zu halten! Die den Boden bedeckenden Sägespäne dämpften unsere Schritte.
Monk stellt sich mit dem Rücken gegen den Vorhang und studirt eifrig die aufgehängte Probetafel mit Photographien. Ich stelle mich an seine Seite und horche.
Die Stimmen sind nun deutlicher; es wird eine fremde Sprache gesprochen, es ist nicht die französische, sondern eine andere, die aber meinen Ohren ebenso vertraut klingt, dank den Jahren, die ich in Argentinien verbracht habe.
„Ich verstehe, was sie sagen", flüsterte ich Monk ins Ohr.
Eine heisere Branntweinstimme, diejenige des Künstlers Salino, stößt die Worte hervor, von denen mir einige entgehen :
„Zum Kuckuck, Deine eigene Schuld--unnöthig --wieder Halbpart!"
Eine etwas sanftere Stimme, die ich als diejenige Herrn Benoits wieder erkenne, antwortet ebenso drohend :
„Du läugnest? Gut--nothwendig für uns beide --aber Du bist nicht sicher ohne meine Hilfe!"
Darauf entsteht ein heftiger Wortwechsel, von dem ich nichts verstehen kann, da eine Beifallssalve drinnen im Saale die Luft erfüllt und länger dauert, als es mir wünschbar erscheint.