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Gratisbeilagen: „^Unfirtrtes SonnrÄssblatt" u. ,,3lluftrirte LandwirthschaftLiche Beilage".
Ir. U0.
Soiiiinitiiii Seil 26. NovemKr
1888.
erstes Blatt.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 23. November 1898.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Cassel sind die Herren Ortsvorstände zu
Allendorf i. b. W., Bingurtes, Conrode, Eichhof Eitra, Harnrode, Heenes, Hillartshausen, Kirchheim, Kleinensee, Lampertsfeld, Lengers, Malkomes, Meisebach, Oberrode, Petersberg, Reilos, Sieglos, Sorga, Tann, Wehrshausen, Wilhelmshof, Wölfershausen mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für das I. Kalenderhalbjahr 1898 im Rückstände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die alsbaldige Erledigung der diesseitigen Verfügung v o in 2 4. September 18 9 0 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert, m i t F r i st b i s zum I. D e z e in b e r d. J s. bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir berichtlich anzuzeigen.
^3. I. Nr. 6311. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nalh.
Hersfeld, den 24. November 1898.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hierdurch an Einreichung der Gemeinderechnungen für das Rechnungsjahr 1897/8, welch Letztere nach Maßgabe des Schlußsatzes der ministeriellen (zweiten) Anweisung vom 30. November 1897 zur Ausführung der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 noch in der bisherigen Weise aufzustellen und zu erledigen sind, m i t F r i st bis zum 1 5. Dezember d. I s. erinnert.
Der Vorsitzende des Kreisausschnsses:
Freiherr von Schleinitz,
Königlicher Landrath u. Geheimer Negierungs-Nath. I. A. Nr. 4438.
Hersfeld, den 24 November 1898.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 10. d. Mts. I. I. Nr.
6078, Kreisblatt Nr. 135, den Bedarf an Quittungs- kartensormularen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 30. d. M t s. bei Meidung unliebsamer Maßregeln hieran erinnert.
I. I. Nr. 6078. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Zugelaufen: ein kleiner brauner Hund. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Friedlos.
Uichtamtliäier Theil.
Ae Ätlir des MiserMres.
Berlin, 23. November. Telegramm aus Pola von heute Vormittag: „Hohenzollern" ankerte heute früh 8 Uhr im Hafen von Pola nach ziemlich bewegter, aber sonst guter Fahrt. Ihre Kaiserlichen '1>i a j e st ä t e n setzten die R-ise um halb 2 Uhr mit Sonderzug fort über Laibach, Villach und den Brenner.
Ihre M a j e st ä t e n der Kaiser und die Kaiserin trafen Donnerstag Mittag 11 */-2 Uhr mittels Sonderzuges in M ü n ch e n ein. Der Bahnhof war festlich dekorirt, der Perron in seiner ganzen Länge auf das Reichste mit Blattpflanzen geschmückt. Zur Begrüßung Ihrer Majestäten waren erschienen: Ihre königl. Hoheiten der Prinz-Regent mit seiner Schwester Erzherzogin Adelgunde, Prinz Ludwig mit Gemahlin, Prinz Leopold mit Gemahlin, Prinzessin Therese, sowie alle übrigen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, welche zur Zeit in 'München weilen, ferner die Herzöge Ludwig, Siegfried und Christoph, sowie sämmtliche Minister, der preußische Gesandte Graf Monts mit den Herren der preußischen Gesandtschaft, die übrigen Gesandten der deutschen Bundesstaaten und der österreichische Gesandte, außerdem die obersten Hofchargen, der Stadtkommandant, der Polizeidirektor u. A. Der Prinz-Regent trug die Uniform seines preußischen Artillerieregiments (Magdeburgischen) Nr. 4. Nachdem unter Hochrufen des Publikums der Zug in die Halle eingelaufen war, begrüßten Ihre Majestäten der Kaiser, welcher Admiralsuniform trug, und die Kaiserin den Regenten und die übrigen Fürstlichkeiten auss Herzlichste. Hierauf bot der Prinz-Regent Ihrer Majestät der Kaiserin und Se. Ma
jestät der Kaiser der Erzherzogin Adelgunde den Arm, und die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften begaben sich nach dem Königssalon des Bahnhofes, wo ein gemeinsames Dejeuner eingenommen wurde. Während der Tafel spielte die Kapelle des Jnfanterie-LeibcegimentS verschiedene Weisen, darunter auch eine von dem Musikdirektor Höag komponirte Erinnerung an Konstantinopel. Die Weiterreise erfolgte um 1 Uhr.
Das Kaiserpaar ist am Donnerstag Abend 6 Uhr in Stuttgart angekommen und wurde vom Königspaar auf dem festlich geschmückten Bahnsteig herzlichst begrüßt. Auch die Herzöge Robert und Ullrich von Württemberg, der Prinz von Weimar und der comman- dirende General Lindequist waren erschienen. Der König, der preußische Husareu-Uniform trug, geleitete die Kaiserin zum prächtig geschmückten Fürstensalon des Bahnhofs, der Kaiser geleitete die Königin. Im Fürstensalon, wo Erfrischungen verabreicht wurden, verweilten die Fürstlichkeiten nahezu eine Stunde in lebhaftem Gespräch. Kurz vor 7 Uhr erfolgte die Weiterreise des Kaiserpaares nach herzlichem Abschied. Kurz darauf reiste auch das Königspaar nach Bebenhausen. — In gelingen wurden am Abend anläßlich der Durchfahrt des Kaiserzuges die Burg und die Frauenkirche bengalisch beleuchtet. — Das Kaiserpaar ist am Donnerstag Abend 9'/, Uhr in Baden-Baden eingetroffen und von dem Großherzog und der Großherzogin am Bahnhöfe begrüßt worden. Die Fahrt durch die reichgeschmückten und illuminirten Straßen der Stadt nach dem großherzoglichen Schlöffe fand unter stürmischem Jubel der Bevölkerung statt.
Alisziibeil H RcichslWs.
In den ersten Tagen des Dezember wird der neue Reichstag zusammentreten. Nach dem, was — vom Etat abgesehen — über die Vorlagen verlautet, die den Reichstag beschäftigen werden, wird er gleich in seiner ersten Tagung eine bedeutsame Probe seiner Leistungsfähigkeit abzulegen haben. Zunächst unterliegt es keinem Zweifel, daß sich an den bevorstehenden Ablauf des QuinquennatS eine Reihe neuer militärischer Forderungen knüpfen wird. Eine Verstärkung unserer Landes - Vertheidigung hat sich in der That als nothwendig erwiesen. In zweiter Reihe steht die Vorlage zum bessern SchutzeArbeits williger gegen den Terrorismus Streikender. Es handelt sich hier um eine
Dcr Gcldschrauk des Bankicrö
Eine Kriminalgeschichte aus Christiania
Aulorisirte Uebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.
(Fortsetzung)
„Hier mu6 ein Mensch versteckt gewesen sein, während \. der Bankier den Schränk verschlossen hat", sagte ich. \ „Das ist die einzige Art, außer durch den Mund des l Bankiers, auf die man sich mit dem Wort hat bekannt machen können!"
„Das war natürlich auch mein erster Gedanke", antwortete Monk, während der Bankier trostlos den Kopf schüttelte. „Aber wie Du siehst, ist das Kontor nur wenig möblirt, mit aus Rohr geflochtenen Stühlen und H dito Sopha. Aus dem großen Arbeitstisch mitten im Zimmer ist nicht einmal ein Teppich, und unter dem kleinen Tisch dort gegenüber dem Schränk und unter dem Telephon-Apparat könnte sich kaum ein dreijähriges Kind verbergen."
Ich betrachtete die Möbel, sie entsprachen seiner kurzen Beschreibung.
Auf dem großen Arbeitstisch herrschte eine muster- giltige Ordnung, der kleine Tisch gegenüber dem Schränk und unter dem Telephon - Apparat war dagegen mit Stapeln von Brochüren, Betliebsrechnungen u. dgl. bedeckt, nebst einigen großen, dicken Büchern, die aussahen, wie Adreßkalender.
„Meine nächste Untersuchung ging darauf aus", fuhr Monk fort, „festzustellen, inwiefern Jemand einen ge-
' nügenden Einblick durchs Fenster ins Zimmer gewinnen kann. Aber das ist ebenso unmöglich. Der Schränk । steht ja weit zurück im Zimmer, und überdies ist die Thüre nicht dem Fenster zngekehrt, sondern steht in einem rechten Winkel zu demselben, so daß eine Person, selbst wenn sie gerade draußen vor dem offenen Fenster stünde, die Buchstaben nicht ablesen kann. Gegenüber haben wir das „Hotel Europa", und unser Freund, Herr Duval, kann gewiß durch sein Fenster die Bewegungen des Herrn Wendel hier im Kontor sehen, was ihn aber den Buchstaben um keinen Schritt näher bringt.
„Um das Wort ablesen zu können, muß man gerade vor der Schrankthüre stehen, also in der Richtung des Telephon-Apparates dort an der Wand."
„Schließlich bleibt nichts anderes übrig", fiel ich, stolz auf meinen guten Einfall, scherzend ein, „als daß wir den Telephon-Apparat beschuldigen, das Wort verrathen oder am Diebstahl theilgenommen zu haben."
„Ich kann Sie beruhigen hinsichtlich des Verdachtes, als ob das Telephon geschwatzt hätte", sagte der Bankier scherzhaft. „Es war gestern den ganzen Tag in Unordnung. Gestern Morgen wollte ich nach einem Wagen telephoniren, konnte aber nicht einmal von der Centralstation Antwort erhalten!"
„Konnten Sie die Ursache entdecken, und gelang es Ihnen nachher, den Apparat zu repariren?" fragte Monk völlig ernst.
„Ich hatte die Absicht, heute Morgen einen Boten nach der Centrale zu senden, aber bei nochmaliger Unter
suchung zeigte es sich, daß der Apparat ausgezeichnet funktionirte."
Monk nahm denselben von der Wand, löste die elektrischen Drähte ab, untersuchte ihn sehr genau, besonders die Rückseite und hing den Apparat wieder an feinen Platz.
Ich hatte oft genug erfahren, daß seine Untersuchungen, die mir überflüssig oder unnütz erschienen, schließlich doch zum Ziele führten, und ich hatte mich deshalb daran gewöhnt, über seine Handlungen nicht zu eilig zu urtheilen. Diesmal aber erschien es mir doch über allen Zweifel ei haben, daß seine Untersuchungen ohne irgend welchen Nutzen oder Zweck wären.
Er hatte ersichtlich Eile, und dies war der reine Zeitverlust.
Ich sagte indessen nichts, und bald darauf schien Monk seine Arbeit beendet zu haben.
„Adieu, Herr Bankier!" sagte er schnell. „Ich gehe nun zur Polizei. Wenn möglich, sollen Sie von mir hören; wenn nicht eher doch bis morgen früh!"
Wir nahmen Abschied und gingen.
„Du würdest mir einen großen Dienst leisten, wenn Du mich heute Abend begleiten könntest", sagte Monk, als wir die Straße hinauf gingen. „Jnterefsirst Du Drch für diese geheimnißvolle Angelegenheit, so wird Deine Zeit gewiß nicht verloren sein.' Kannst Du mitkommen !"
„Sehr gerne! Diese Geschichte erscheint mir so seltsam, daß ich glaube, ich würde kaum im Grabe Ruhe bekommen, wenn sie unaufgeklärt bliebe!"