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GvÄLtsbeiLagen rIlluftriVtes SsnnralArblatt" u. ,,3Uuitrirte landwirthschaftUchr Veilage".

Sr. 188. AeiiftW hn 22. Mutter

1888.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 14. November 1898.

Von dem Herrn Kreisthierarzt dahier sind höherer Anordnung zufolge vierteljährlich Uebersichten über das Auftreten der Viehseuchen einzureichen.

Die Ortspolizeibehörden erhalten hierdurch die Wei­sung, dem Herrn Kreisthierarzt bei Vervollständigung und Ergänzung des fehlenden statistischen Materials nach Möglichkeit behülflich zu sein, insbesondere auch Ziffer 2 der Bestimmungen über den Nachrichtendienst in Vieh- feucheangelegenheiten (veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 109 vorn l. I.) vorkommenden Falles zu beachten.

I. I. Nr. 6054. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei u i tz, Geheimer Regierungs Rath.

Hersfeld, den 21. November 1898, Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:

1. vom 23. März 1880 Nr. 3135, Kreisblatt Nr. 24, Ausräumung der Fluthgräben, Ent- und Bewässe- rungsanlagen betreffend,

2. vom 17. Oktober 1898 J. I. Nr. 5630, Kreisblatt

Nr. 124, Zählung des Viehstandes betreffend, im Rückstände sirw, werden mit Frist bis z u in 30. d. M t s. bei M e i d u n g unliebsamer Maß­regeln hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, _________________________Geheimer Regierungs-Rath. :

Fulda, den 17. November 1898.

Die Abhaltung des für den 24. d. Mts. in Aussicht genommenen Viehmarkles ist wegen der im hiesigen Kreise und in den angrenzenden Gebieten noch immer in grö­ßerem Umfange herrschenden Maul- und Klauenseuche durch Verfügung des Röntgt. NegierungS-Präsidenten zu Cassel verboten worden. Ich ersuche entsprechende Be­kanntmachung im dortigen Kreisblatt erlassen zu wollen.

Der Königliche Landrath.

I. A.: Zoberbier, Regierungs-Assessor.

Au den Herrn Landrath zu Hersfeld.

*

Hersfeld, den 19. November 1898.

Wird veröffentlicht.

I. 6254. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i » i tz, Geheimer Negierungs-Nath.

Der Geldschrank des Bankiers.

Eine Kriminalgeschichte aus Christiania.

Autorisirte Nebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von K ä n e l. (Fortsetzung)

Als ich nach beendeter Mahlzeit in das Kontor kam, saß dort ein mit Kalk bespritzter Maurer auf einem Stuhl neben der Thüre. Auf dem Boden zwischen seinen Füßen hatte er einen Kübel mit Kalkmilch, in dem ein Maurerpinsel stand.

Warten Sie auf Herrn Monk?" fragte ich.

Nein, auf Dich", war die Antwort mit Monks ernster Stimme.Die Verkleidung mag also angehen, weil Du mich nicht erkannt hast I"

Ja", antwortete ich, noch ein wenig betroffen; Du brauchst nicht zu befürchten, daß man Dich nicht für einen richtigen Maurergesellen halten könnte. Aber was soll denn das bedeuten; wir wollten ja hinaus, um den Bankier zu treffen!"

Ja, wir gehen hinab zu ihm. Das heißt, Du gehst voraus und unterrichtest ihn davon, in welcher Rolle ich kommen werde!

Du ersuchst ihn auch, dem Pförtner Befehl zu geben, daß er eine Leiter für mich bereit hält!

Ich muß die Wand des Hauses längs der Dachrinne bis zum zweiten Stockwerk untersuchen, ob Jemand auf

Nichtamtlicher Theil.

Tit Stimmung in Frankreich.

Während des bisherigen Verlaufs des Faschoda- Streites hat sich Rußland ganz zurückgehalten, wenigstens ist von Schritten der russischen Diplomatie nichts bekannt geworden, was nicht ausschließt, daß unter der Hand namentlich in Paris freundschaftliche Winke von Ruß­land ertheilt worden sind. Möglich, daß sich dies ge­ändert hätte, wenn von der englischen Regierung das Protektorat über Egypten, wie vielfach und besonders in England selbst, erwartet wurde, förmlich erklärt worden wäre. Möglich auch, daß Lord Salisbury die Protektorats-Erklärung eben mit Rücksicht auf Rußland unterließ, das vielleicht dann offen an die Seite seines Alliirten" hätte treten müssen, während es England bei seinen Rüstungen des leichtern und sichern Spiels wegen zunächst mit Frankreich allein zu thun haben wollte.

Wie dem auch sei die Pariser Blätter, die der Regierung nahe stehen, unterdrücken zwar jeden Miß­muth darüber, daß Frankreich bis jetzt trotzAllianz" isoliert geblieben ist, in den übrigen Pariser Zeitungen aber kommt der Groll recht deutlich zum Ausdruck. Man ist nachdenklich geworden: man fragt, welche Vor­theile der Zweibund eigentlich für Frankreich biete, wenn sich die Republik bei einer so schweren Verletzung der französischen Eigenliebe, wie sie in der bedingungs­losen Abberufung Marchands aus Faschoda lag, ver­lassen sehe; ja, man wirft sogar die Frage auf, ob es nicht am Ende politisch klüger sei, durch einen redlichen Verzicht auf die Revanche ein freundliches Verhältniß zu Deutschland herzustellen und sich in der Abwehr eng­lischer Ansprüche an der Seite Rußlands und Deutsch­lands Kompensationen in überseeischen Gebieten zu ver­schaffen. Ein angesehener französischer Publizist Robert de Caix scheut sich nicht, das Verhalten der französischen Diplomatie in der Transvaal - Angelegenheit vor nun bald zwei Jahren, als man es Deutschland überließ, für den Status quo in Südafrika einzutreten, als einen schweren Fehler zu bezeichnen. In der That liegt für die Franzosen eine drastische Lehre darin, daß englische Redner und Blätter gegenwärtig zu einer schroffen Ge­neral-Abrechnung mit Frankreich auffordern und gleich­zeitig sich bemühen, gegenüber dem deutschen Reiche nur Höfliches und Freundliches zu sagen.

Wir können mit dieser Lage nur durchaus zufrieden sein. Das Nachdenken unserer französischen Nachbarn

diesem Weg hinauf geklettet ist, wo der eiserne Schränk steht!

Wie Du begreifen wirst, können wir dies nicht im Gehrock und weichen Filzhut thun, ohne daß halb Christiania unter uns auf der Straße zusammenströmen würde!

Nun bin ich ein Maurergeselle, der schmutzige Flecken am Hause zu übertünchen hat, unb keine Katze wird sich um mich und meine Arbeit bekümmern!

Ebenso bitte Du Herrn Wendel, daß er so schnell wie möglich Erkundigung darüber einzieht, auf welchen Namen die telegraphische Anweisung gelautet hat, die Herr Duval heute Vormittag absandte. Dies kann Herrn Wendel nicht schwer fallen, da er ja mit den Direktoren und obersten Angestellten der Kreditbank per­sönlich bekannt ist!"

Ich ging voraus, traf Herrn Wendel und über­mittelte ihm meinen Auftrag. Er ertheilte dem Pförtner sogleich Befehl hinsichtlich des Maurers, der kommen sollte, und der Leiter und ging dann selbst aus, um sich in der Kreditbank Aufklärung zu verschaffen.

Ich wurde in den Salon gewiesen, um dort zu warten.

Als ich zum Fenster hinausblickte, sah ich meinen Freund Monk auf der Leiter; er stieg zuerst langsam herauf, schien dann etwas vergessen zu haben und ging wieder hinab, holte den Kübel und den Pinsel und stieg

über die Nachtheile ihrer Revanchepolitik mag ein ge­wisses psychologisches Interesse erregen, einen praktischen politischen Werth hat es für uns nicht. Nach aller Er­fahrung tritt die Selbsteinkehr nur ein, wenn sich Frank­reich von außen bedrängt sieht, und sie dauert nicht länger. als der Schmerz über eine diplomatische Nieder­lage. Auf solchen Flugsand können wir keine feste Politik ausbauen. Wie viel früher der Mißerfolg der Ferryschen Versöhnungspolitik, so hat das Verhalten Frankreichs in der Transvaal-Angelegenheit den Beweis geliefert, daß wir auf eine freundliche Politik Frankreichs selbst da nicht sicher rechnen dürfen, wo die eigensten Interessen der französischen Republik sie zu erfordern scheinen. Deshalb kann es uns auch nur lieb sein, wenn an Stelle der Verärgerung zwischen der deutschen und der englischen Nation der freundschaftliche Ausgleich kolonialer Jnteressenfragen auf dem Fuße vollster Gegen­seitigkeit tritt.

Ae Reise -es Sitiiwitr«.

Einem Telegramm aus M e s s i n a vom Freitag Nachmittag zufolge sind Ihre Kaiserlichen M a - j e st ä t e n nach guter Fahrt bei bewegter See um 3 Uhr Nachmittags dort im besten Wohlsein eingetroffen. Beim Einlaufen derHohenzollern" und derHela" in den Hafen wurde der übliche Salut gewechselt. Die im Hafen liegenden Schiffe und die Gebäude längs des Corso Vittorio Emmanuele trugen Flaggenschmuck. Der deutsche Konsul Jacob und die Vertreter der Behörden begaben sich an Bord derHohenzollern", um die Majestäten zu begrüßen; der Bürgermeister überreichte Ihrer Majestät der Kaiserin einen herrlichen Blumenstrauß. Abends war der Hafen und der Corso illuminirt, auf den Plätzen konzertirten Musikkorps.

M e s s i n a , 19. Nov. Im Laufe des Vormittags begaben sich Beide Majestäten in der kaiserlichen Gig aus dem Hafen von Messina auf die Höhe von San Giovanni, um dort die mit dem Bremer Lloyddampfer Prinz Heinrich" auf der Reise nach Kiautschou durch- passirende Frau Prinzessin Heinrich, königliche Hoheit, zu begrüßen. Die Majestäten begaben sich an Bord desPrinz Heinrich", an dessen Fallreep sie von der Frau Prinzessin empfangen wurden. Se. Majestät der Kaiser besichtigte unter der Führung des Kapitäns den Lloyddampfer, welcher bis auf den letzten Platz be­setzt war, in allen Theilen. Nachdem Ihre Majestäten sich in der herzlichsten Weise von Ihrer königl. Hoheit der Prinzessin Heinrich verabschiedet hatten, verließen

in die Höhe; aber nachdem er tiefsinnig sein Arbeitsfeld betrachtet hatte, stieg er langsam wieder hinab und ver­schwand in der Thüre.

Wenige Minuten später stand er bei mir im Zimmer; aber noch bevor er etwas gesagt hatte, fand sich der Bankier ein und berichtete sehr zufrieden, aber auch ziemlich aufgeregt, daß er den geschäftsführenden Direktor der Kreditbank noch mit einigen Angestellten der Bank an der Arbeit in seinem Kontor getroffen habe. Man habe seinen Wunsch sogleich erfüllt, und es zeigte sich, daß unser Mann eine Telegramm - Anweisung auf 25 000 Francs, zahlbar an Madame Barutel, Rue de Faubourg de St. Honors, Paris, gekauft hatte.Das sind meine 25 000 Kronen, die er sendet", fügte der sonst so gutmüthige Bankier aufgeregt hinzu.Wir müssen diesen Duval zu fassen suchen, Herr Monk, selbst wenn wir die Polizei in Anspruch nehmen müssen. Ich bin nun ebenso überzeugt wie Sie, daß er das Geld aus dem Schränk genommen hat. Ich glaube aber fast, daß ich ihm das Geld schenken möchte, wenn er nur sagen wollte, wie mein Schränk geöffnet worden ist. Mir kommt es vor, als ob es dabei nicht ohne Hexerei zugegangen wäre."

Ja, es ist eine sonderbare Geschichte", antwortete Monk ernst,und ich fürchte, daß uns noch viele Ueber- raschungen bevorstehen. Was bezweckt er damit, daß er 25 000 Francs nach Paris sendet?