beabsichtigt, war kein Zweifel; doch gewiß ist, daß seine handelspolitischen und wirthschaftlichen Interessen durch die Reise des Kaisers eine mächtige Förderung erfahren haben. Diese Förderung aber vollzog sich neben und außerhalb der Krise, die das Abendland in Unruhe versetzte, und nachdem diese Unruhe beschwichtigt ist, erkennt man, daß Deutschland in stolzer und zuversichtlicher Unbeweglichkeit nicht bloß am wenigsten von dem Strudel gefährdet war, sondern sogar eine sehr erhebliche Stärkung seiner Autorität als positiven Gewinn der westlichen Krise auf sein Konto schreiben kann. Diese Stellung hat sich Deutschland durch eine beharrliche Klugheit, durch die unerschütterliche Friedfertigkeit, man möchte wohl sagen durch die „meisterhafte Unthätigkeit" seiner Politik erworben. Kaiser Wilhelm findet Heim- kehrend die Wirkung der großen Thatsache vor, daß bei dem deutschen Volke die Erkenntniß seiner befestigten Weltstellung einen neuen Fortschritt gemacht hat. Zu der enormen wirthschaftlichen Blüthe, welcher die morgen- ländische Reise des Kaisers zweifellos sehr zu Stätten kam, gesellt sich das Bewußtsein, daß Deutschland als Freund ersehnt, als Feind gefürchtet wird. Der in der Ferne weilende Kaiser unterließ es nicht, auf seinem Wege für Deutschlands äußere und innere Politik werthvolle Vortheile sicherzustellen. Der wirthschastliche Gewinn wird zweifellos in den Häfen Kleinasiens und dort, wo deutsches Kapital und deutsche Eisenbahnbetriebe die muhammedanische Welt zu befruchten im Begriffe sind, sich eindrücklich offenbaren. Das deutsche Volk erkennt dankbar die Absicht des Kaisers an und rüstet sich, den Zweck seiner Orientfahrt zu seinem Nutzen zu verwirklichen. Von dieser Dankbarkeit schließen sich aber auch die deutschen Katholiken nicht aus, die anfänglich in dem Besuche Jerusalems eine vorherrschend protestantisch - kirchliche Tendenz argwöhnten und freudig ihres Irrthums gewahr wurden, als der Kaiser sich in dem gelobten Lande auf sie und ihre Empfindungen so ernsthaft bedacht zeigte. Wie die deutschen Katholiken, mehr ihren nationalen als ihren kirchlichen Gefühlen folgend, in dem Protektoratsstreite, welcher der Orientsahrt des Kaisers voranging, auf die Seite des Reiches traten, so ist ihnen durch die Schenkung der „Dormition de la Sainte-Vierge“ eine entgegenkommende Aufmerksamkeit zu Theil geworden, die sie mit enthusiastischer Eikenntlichkeit bescheinigten. Für die innere Entwicklung im Deutschen Reiche ist es aber nichts weniger als gleichgültig, daß in den Gemüthern der Katholiken die nationale Saite in Schwingung gebracht wurde. So biingt Wilhelm II. aus dem Orient Gewinn heim und, zugleich findet er zu Hause das Wachsthum des nationalen Selbstbewußtseins vor. Deutschland ist größer geworden in diesen ereignisreichen Wochen, größer in seiner so evident zu Tage getretenen internationalen Machtstellung, wie durch die wirthschastliche und innerpolitische Förderung, welche es der Orientreise des Kaisers wird zu danken haben."
Ihre Majestät dieKaiserinFriedrich, welche seit dem 7. d. M. in London weilte, siedelte am Sonnabend vom Buckingham-Palast nach Schloß Windsor über. In dieser Woche wird die Kaiserin nach Deutschland zurückreisen.
Einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge steht es fest, daß der Chef der Reichskanzlei Geh. Ober-Re- gierungsrath Dr. von W i l m o w s k i zum Unter- staatssekretär im Staatsministerium in Aussicht genommen ist.
Zum Studium der Einrichtungen an den Hauptviehmärkten in Oesterreich und Ungarn, namentlich der an diesen Märkten bestehenden V i e h m a r k t k a s s e n , der dem Lebendgewichthandel dienenden Einrichtungen und
„Bemerke wohl, daß ich hierbei davon ausgehe, daß er schuldig oder mitschuldig ist.
„Und in der gleichen Voraussetzung mußte es ihn sehr verwundern, daß das Geld ihm ohne weiteres zugestellt wurde. Das war auch der Fall. Er weigerte sich anfangs, eine Quittung zu schreiben, obschon er dazu im= staube war, was er durch die spätere Uebersendung derselben beweist.
„Dies erkläre ich auf die Weise, daß das Mißtrauen unb die Schlauheit des Verbrechers ihn unwillkürlich veranlassen, nichts Schriftliches 31t geben; vielleicht hat er auch seine Gründe, die wir nicht kennen, seine Handschrift geheim zu halten.
„Mein Beweggrund, ihn diese Quittung schreiben zu lassen, bestand darin, daß ich in den Besitz seiner Handschrift zu kommen wünschte; sie giebt immer große Aufschlüsse über einen Menschen und ist ferner von großer Bedeutung bei der Jutentifizirung einer Person. Und seien Sie überzeugt davon: „D ieser Mann heißt n i ch t D u v a l u n d ist überhaupt uicht d i e Person, für die er sich ausgiebt.
„Uebrigens, Herr Bankier! Sie haben wohl zum voraus seine Handschrift von Behrens u. Söhne in Hainburg zugesandt erhalten, als sein Kreditiv Ihnen angezeigt wurde?"
„Ja, wie gewöhnlich!"
„Wollen Sie mir das Stück Papier überlassen, sobald Sie können? Und gestatten Sie mir, bis auf weiteres die Quittung zu behalten, die Sie empfangen haben?"
„Gewiß!"
In diesem Augenblick klingelte es am Telephon im Nebenzimmer. Monk ging hinaus und kam sofort zurück: „Unser Droschkenkutscher hat uns nicht im Stiche gelassen. Herr Duval hat sich verspätet und wohnt in' diesem
des Notirungswesens haben Kommissare der Ministerien für Landwirthschaft, Domainen und Forsten, des Innern und für Handel und Gewerbe sich nach Wien und Budapest degeben. Den Kommissaren haben sich der Dezernent des Polizeipräsidiums und der Direktor des städtischen Zentralviehhofes in Berlin angeschloffen. Die Reise steht ausschließlich in Beziehung zu den an den Viehmärkten in Preußen in Aussicht genommenen Reformen des Marktwesens.
Polizeilich verboten wurde eine Anarchisten Versammlung, die gestern Abend zur Erinnerung an die Hinrichtung der Chicagoer Anarchisten in Berlin stattfinden sollte. Vor dem Hause kam es Abends mehrfach zu Ansammlungen. Ein starkes Polizeiaufgebot sorgte für Aufrechterhaltung der Ordnung. In Adlershof sollten am Sonntag Nachmittag und am Abend zwei anarchistische Versammlungen stattfinden, doch sind sie schon vorher vom Amtsvorsteher verboten worden.
Ausland.
Nachrichten zufolge, welche aus Cuba in Key-West eingetroffen sind, ist unter 7000 regulären spanischen Truppen in Puerto Principe und Nuevitas eine Meuterei ausgebrochen. Dieselben verlangen vor ihrer Einschiffung nach Spanien die Auszahlung ihres rückständigen Soldes. Die Meuterei ist schließlich durch Versprechungen beigelegt worden.
Wie der „New Aork Herald" aus Washington meldet, hat der Marinesekretair Long den Befehl gegeben, daß, bis die spanische Regierung eine Entscheidung in der Philippin en-Frage getroffen hat, die weiteren Reparaturarbeiten auf den Kriegsschiffen in der Werft zu Brooklyn einzustellen, die Kriegsschiffe „New - Aork", „Brooklyn", „Texas", „Jndiana" in Hampton Roads zu mobilisiren und die „Oregon" und die „Iowa" in Rio zurückzuhalten sind.
Der „Agence Havas" ging am 13. d. eine mit dem Namen Weill unterzeichnete Depesche aus Colmar zu, in dermitgetheillwurde, daßHauptmannDreyfus gestorben sei. Dreyfus' Schwiegervater Hadamard, der daraufhin befragt wurde, erklärte, er halte die Nachricht für falsch, da er noch vor zwei Tagen durch Vermittelung des Colonialministers gute Nachrichten über Dreyfus erhalten habe. Der Vertreter drr „Agence Havas" in Colmar heißt nicht Weill, er hat der „Agence Havas" vielmehr telegraphirt, daß man in Colmar über den Tod Dreyfus' nichts wisse. Der Colonialminister erhielt am Sonntag Abend eine Depesche aus Cayenne, in der nur laufende dienstliche Angelegenheiten mitgetheilt werden; von dem Tode. Dreyfus' wird nichts erwähnt.
Buh- und Vettag.
Den Tröster hat mein Heiland ausgesendet, Die beste Gabe aus des Himmels Zelt — So groß und herrlich, doch verhüllt der Welt, Und seinen Frieden hat er uns gespendet.
Warum ist denn sein Werk noch nicht vollendet, O Volk des Herrn, was ist es, das dich hält? Was ists, das deinen Augen hier gefällt, Und so den Blick vorn Ziele abgewendet!
In Reu und Buße, Herr, zu dir wir eilen, Denn wir betrübten deinen heiligen Geist, Nur du allein kannst unsre Wunden heilen.
Wir trauen fest dem, was dein Wort verheißt; Du willst Vergebung deinem Volk ertheilen, Du bist es, der den Weg zur Buße weist.
B. G.-Th.
Augenblick im „Hotel Victoria". Ich erhalte später genauern Bericht."
IV.
„Ich nehme an, Herr Bankier", fuhr Monk fort, „daß Sie bald Essenszeit haben und zuerst einen Blick in die Bank zu werfen wünschen. Wird es Ihnen gelegen sein, wenn mein Freund und ich um 4 Uhr zu Ihnen summen ?
„Inzwischen speisen auch wir zu Mittag, unb ich deuke ein wenig über die Sache nach. Ist der Sohn Ihres Pförtners, der Polizist, daheim, so möchte ich gerne mit ihm sprechen!"
„Ich werde dafür sorgen, daß er anwesend ist", sagte der Bankier, indem er sich verabschiedete, „und es wird mir ein großes Vergnügen sein, Sie, meine Herren, um 4 Uhr zu sehen."
„Du speisest wohl mit mir zu Mittag?" fragte Monk, als der Bankier gegangen war, „in einer halben Stunde wird es fertig sein; unterbeffen können wir ein wenig über die Sache sprechen!"
Er ging einen Augenblick hinaus, um Befehl zu geben, daß für mich gedeckt werde, fam dann wieder herein und schritt nach seiner Gewohnheit im Zimmer auf und ab.
Wie schon früher erwähnt, machte Monk vor mir aus seinen Gedanken selten oder nie ein Geheimniß, und es war mir immer ein großes Vergnügen, der Arbeit dieses klaren und scharfen Verstandes zu folgen.
Er begann selbst das Gespräch: „Ich glaube, daß Du nun so ziemlich alle Umstände bei dieser munberbaren Geschichte ebenso gut kennst, wie ich selber; nur habe ich Dir noch zu erzählen, daß ich in Deiner Abwesenheit in Begleitung des Bankiers dessen Kontor besuchte.
„Die Zeit erlaubte mir nur eine flüchtige Untersuchung, aber soviel sah ich, daß die Fenster nicht ordentlich geschlossen waren und während der Nacht konnten geöffnet
Aus Pralllilj 1111H WbWtbill.
* Bei den ans Amerika stammenden Obstsendungen ist, wie bereits früher, so auch noch in der letzten Zeit das Vorhandensein der San Joss-Schildlaus wiederholt festgestellt. In Hamburg wurden am 29. September bei getrockneten kalifornischen Birnen, am 30. September bei frischen kalifornischen Birnen und am 21. Oktober bei getrockneten kalifornischen Nektarinen Exemplare der Schildlaus vorgefunden. Die Sendungen sind angehalten, und es ist deren Wiederausfuhr nach dem Auslande unter amtlicher Kontrole angeordnet worden.
* Dem Gerichtsvollzieher a. D. M a l d f e l d zu Borken im Kreise Homberg und dem Bahnwärter a. D. Geyer zu Körle im Kreise Melsungen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* Die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel betrugen in der preußischen Monarchie (ausschl. Trier) im Oktober 1898: für 1000 kg Reisen 163 (im Sept. 1898 : 159) Mk., Roggen 140 (131) Mk., Gerste 142 (138) Mk., Hafer ■ 133 (134) Mk., Kocherbsen 223 (225) Mk., Speise- bohnen 255 (258) Mk., Linsen 417 (412) Mk., Eßkar- toffeln 46,7 (47,7) Mk., Richtstroh 37,5 (36,5) Mk., Heu 49,8 (47,2) Mk., Rindfleisch im Großhandel 1068 (1068) Mk., für 1 kg Rindstleisch von der Keule im Kleinhandel 135 (136) Pf., vom Bauch 115 (116) Pf., Schweinefleisch 143 (144) Pfg , Kalbfleisch 135 (133) Pfg , Hammelfleisch 127 (130) Pfg., inländischer geräucherter Speck 161 (163) Pfg, Eßbulter 224 (224) Pfg., inländisches Schweineschmalz 159 (158) Pfg., Weizenmehl 33 (33)Pfg., Roggenmehl 26 (25) Pfg.; für 1 Schock Eier 397 (355) Pfg.
* (Warnung vor der Benutzung rother Weihnachtskerzen.) Eine amtliche Untersuchung der rothen Weihnachtskerzen in Berlin hat ergeben, daß diese Kerzen zum größer» Theile mit Zinnober gefärbt sind. Da sich durch diese Färbung beim Verbrennen > giftige Ouecksilberdämpse entwickeln, deren Einathmung besonders für Kinder gesundheitsschädliche Wirkungen haben kann, so wird in Berlin amtlich vor dem Gebrauch solcher Kerzen gewarnt.
* „I ch ivarne Jedermann, meiner Frau etwas z u b 0 r g e n." So ähnlich lauten die Inserate, in denen irgend ein vielgeprüfter Ehemann warnt, seiner Ehefrau Kredit zu gewähren, da er für nichts aufkomme. Eine solche Privat-Bekanntmachung ist rechtlich insofern bedeutungslos, als sie die Haftung des Mannes für die Schulden der Ehefrau, die sich auf den Haushalt beziehen, nicht beseitigen. Hat die Frau trotz der Warnung zu gewöhnlichen Haushaltungsgeschästen Waaren oder Sachen auf Borg entnommen, so muß der Mann dergleichen Schulden als die Seinigen anerkennen. Will er sich dagegen wirklich schützen, muß er die Hülfe des zuständigen Amtsgerichts in Ansprrnch nehmen, welches dann eine bezügliche Bekanntmachung zur Verhütung künftiger Schulden dieser Art erläßt.
Ziegenhain, 15. Nov. Freiwillig zurück- gekehrt. Der vorkurzem entwicheneZuchthauSgefangene Kühn hat sich freiwillig wieder in der hiesigen Königlichen Strafanstalt gestellt. — Die Sehnsucht nach seiner Familie soll der Beweggrund für seine Flucht gewesen \ sein; seine Angehörigen sollen ihn selbst zur Rückkehr in die Anstalt bewogen haben.
Fnlda, 13. Nov. Die gestern am hiesigen Seminar, unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulraths Pachter aus Cassel, abgehaltene zweite Lehrerprüfung hatte für die Prüflinge ein sehr schlechtes Resultat: von 14 Candivaten fielen 8 durch das Examen.
Cassel, 14. Nov. In der Woche vom 21.—26. b.
worden sein. Die Fenster werden geschlossen durch eine senkrechte Eisenstange, die in gewisser Höhe mit einem Handgriff und oben und unten mit zwei gebogenen Krampen, die in ein Geleise im Rahmen eingreifen, versehen ist. Du kennst ja diesen Verschluß und weißt, daß durch nachlässiges oder vorsätzliches Schließen das Fenster als scheinbar geschlossen erscheinen kann, während in Wirklichkeit weder oben noch unten eine Krampe eingreift unb das Fenster einfach dadurch geöffnet werden kann, daß die mittlern Sprossen nach außen gedrückt oder gezogen werden!"
„Ja, ich kenne das!"
„Gut; das Fenster war nur auf diese Art geschlossen, während die Magd erklärte, es am Samstag Morgen geschlossen zn haben. Seit jener Zeit ist der Ranm abge- j sperrt gewesen, und der Schlüssel hat sich bei dem Bankier befunden!
„Ebenso hatte ich Zeit festznstellen, daß ein gewandter Mann von der Straße her an der Dachrinne heransklettern und zu diesem Fenster hereinsteigen kann, wenn es nicht ordentlich geschlossen ist. Bemerke wohl, ich sage, daß ein gewandter Mann das thnn kann. Ich weiß noch nicht, ob es geschehen ist!
„Nnn bleibt nur noch zu berichten übrig, daß einer meiner Agenten seit 10'/, Uhr Erkundigungen über Herrn Duval einzieht und genau verfolgt, was er unternimmt Ich erwarte um 3.j,/( Uhr seinen Bericht. Wir haben Zeit, ihn anzuhören, ehe wir zn Herrn Wendel gehen, um an Ort und Stelle genauere Untersuchungen vorzu- nehmen!
(Fortsetzung folgt.)
— (I m D u s e l.) Sie (am Schluß ihrer Gardinen« predigt): „Glaubst Du, wenn Du jeden Tag betrunken nach Hause kommst, das alteriert mich nicht?" Er (betrunken) : Nee, das, Alte, rührt mich nicht!"