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Sr. 136.
Mittwoch den 16. NooemKr
1888.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 8. November 1898.
Der Vlasenrost der Weymouthskiefer ist in Deutschland letzterer Zeit mehrfach beobachtet, so daß seine weitere Ausbreitung eine große Gefahr für die Bestände dieser Art bedeutet.
Die Besitzer solcher Pflanzungen und größerer Baumschulen werden deshalb darauf aufmerksam gemacht, und ihnen im eigenen Interesse empfohlen, sämmtliche am Vlasenrost erkrankten Stämme, welche, so wie so unverkäuflich sein werden, zu vernichten. Außerdem werden sie bei Neupflanzungen von Kiefernstämmchen in den Baumschulen darauf Bedacht zu nehmen haben, daß sie mindestens 50 m von Nibespflanzen — Stachel- und Johannesbeeren — entfernt bleiben. Zweckmäßig werden dann beide Pflanzenarten noch durch andere Bäume getrennt, um eine Uebertragung der Pilzsporen durch Wind zn verhindern.
J. I. Nr. 6009. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Vrchtag.
Der Bußtag ruft das deutsche Christenvolk auf zur Erkenntniß seiner gemeinsamen Schuld und zum Gebet um gemeinsame Erbarmung. Daß in unserm Vaterlande des Uebels und des Verderbens genug und übergenug vorhanden ist und wir allen Anlaß haben, bußfertig an unsere Brust zu schlagen, das giebt jeder gern zu. Nur sich selber nimmt er gern von der Schar derer aus, denen er Schuld giebt an allem, worin es übel steht mit unserm Volk.
Wehe denen, sagt der Prophet, die Böses gut und Gutes böse heißen! Die Zeit, in der er lebte, hatte Aehnlichkeit mit der Gegenwart. Auch damals waren die Gemüther durch zeitliches Glück verwöhnt, an irdische Interessen hingegeben, dem Gedanken andre ewige Wahrheit und göttliche Gerechtigkeit entfremdet. Ist es nicht heute ebenso? Erfolg und Macht, Lust und Genuß, Reichthum und Ehre, das sind die Götzeri, vor denen die
Dcr Geldschrauk des Bankiers.
Eine Kriminalgeschichte aus Christiania.
Autorisirte Uebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.
(Fortsetzung.)
„Bei dieser Gelegenheit dagegen wählte ich ein neues Wort, stellte das Schloß, als sich niemand außer mir im Zimmer befand und die Thür geschlossen war; ich schrieb es nicht auf und theilte es keinem lebenden Wesen mit. Und doch — als ich den Schränk am Montag Morgen öffnete, waren die Beutel fort, aber Schränk, Schloß, Mechanismus und Alles in der vollkommensten Ordnung.
„Kann mir Jemand eine Erklärung geben?
„Ich ertrage den Verlust von 25 000 Kronen, ohne Aerger zu empfinden, aber was mir am unangenehmsten ist, das besteht darin, daß Dinge aus meinem eigenen Hanse und ans Aufbewahrungsorten verschwinden können, die ich sicherer wähnte als irgend etwas in der Welt!"
„Als Sie am Montag Morgen den Schränk öffneten, Herr Wendel, wie war das Buchstabenschloß gestellt?"
„Es stand, wie es sollte, nämlich auf dem Wort, das ich notirt hatte, also wie ich es am Sonntag Vormittag verließ.
„Ich mußte es wie gewöhnlich auf das Oeffuuugswort, oder wenn Sie lieber wollen, auf das Schlußwort ein- stelleu — das Wort, das ich nicht ausgeschrieben und Niemandem genannt hatte.
Derjenige, der von Sonntag Vormittag auf Montag Morgen die Geldbeutel gestohlen hat, muß das Wort ge
Mehrzahl der Menschen theils beinahe gedankenlos, theils mit frohem Zugeständniß ihrer Gottlosigkeit sich beugt.
Der Prophet ruft über die Verkehrung der göttlichen Wahrheit und der menschlichen Würde sein Wehe aus. Und uns soll die ernste Feier des Bußtags mahnen, an dieses Wehe zu gedenken und die Noth der Gegenwart uns tief durchs Herz gehen zu lassen. Aber wenn der Prophet schon dem abgefallenen Volke die Gnaden-Ver- Heißung geben konnte, daß Gott die- Sünde von ihm nehmen wolle, wenn es sich nur bekehrte, so dürfen wir umso viel weniger verzagen oder verzweifeln. Denn wir misten, daß wir in unserer Mitte eine Kraft haben, die stärker ist als alle Macht des Bösen, das ist Gottes Wort und der Geist Christi, der aus ihm zu uns spricht. Die Mittel zur Heilung unsers Volkes sind da, und uns, den Christen, sind sie anvertraut. Das muß unser Schmerz am Bußtage sein, daß wir diese Mittel nicht treu genug angewandt haben. Denn so verheißt uns der Herr: Bessert euer Leben und Wesen, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort.
Sie Reise des Mrmres.
Vor seiner Abreise von Beirut dankte Se. Majestät der Kaiser dem Sultan in einer längeren Depesche für die ihm seit seiner Ankunft auf türkischem Boden bis zum Verlassen desselben bereiteten Empfänge und erklärte, Alles werde ihm unvergeßlich bleiben und seine Freundschaft für den Sultan für immer befestigen. Der Sultan dankte in wärmster Weise, indem er Kaiser Wilhelm der gleichen Gesinnung versicherte und dem Deutschen Kaiserpaare die glücklichste Weiterreise wünschte.
Der Groß Herzog von Baden empfing, wie die „Karlsr. Ztg." mittheilt, am 11. spät Abends ein Telegramm Sr. Majestät des Kaisers aus Beirut, wo Allerhöchstderselbe Abends aus Damaskus und Baal- bek (Heliopolis) glücklich eingetroffen war. Der Kaiser sprach sich sehr befriedigt über den Besuch von Baalbek aus und rühmt die Großartigkeit der Eindrücke von den Ruinen des alten Heliopolis.
Wien, 14. November. Das „K. k. Telegraphen- Correspondenz Bureau" meldet aus Kanea vom 13. d. Mts.: Um 3 Uhr Nachmittags lief das deutsche Schiff „Hertha" in die Sudabai ein. Der österreichisch- ungarische Generalkonsul Pindter begab sich an Bord, um Depeschen und Korrespondenzen entgegeuzunehmen, und
kannt haben. Es war der einzige Weg zum Schränk."
„Wer den Schränk geöffnet und das Geld genommen hat, dem muß es wahrscheinlich auch bekannt gewesen sein, daß sich dasselbe dort befand", sagte Monk ruhig.
„Wer kann davon Kenntniß gehabt haben außer Ihnen und dem Franzosen?"
„Beim Mittagstisch habe ich meinem Sohn davon erzählt, und es ist möglich, daß die Stubenmagd, die aus- und einging, und aufwartete, davon gehört hat. Sonst habe ich mit Niemandem davon gesprochen."
„Wie viele Personen befinden sich in Ihrem Hanse?"
„Gegenwärtig nur mein Sohn und ich. Wie Sie vielleicht wissen, ist meine Frau vor mehreren Jahren gestorben, meine Tochter ist verheirathet und wohnt an der Drammensstraße.
„Mein Sohn und Kompagnon hat einige Zimmer für sich allein, nämlich die dein Eutree zunächst befindlichen. Mein Schlafzimmer ist weiter drinnen und wird durch den Speisesaal und mehrere andere von dem (einigen getrennt.
»Wir haben zwei ältere Mägde, die inehrere Jahre bei uns gedient haben.
„Der Pförtner, der verheirathet ist, wohnt auf der Seite des Hauses, die dem Hofraum zugekehrt ist. Die beiden andern Seiten werden von einer Mauer und dem Nachbarhause begrenzt.
„In der Wohnung des Pförtners wohnt auch sein Sohn, der Polizist ist. Der Pförtner darf sich nicht von seiner Wohnung entfernen, es sei denn sein Sohn zu Hause,
machte später mit dem an Bord der „Hertha" befindlichen kaiserlichen Gefolge eine Ausfahrt. Um 2 Uhr Nachts erfolgt von der „Hertha" die Postübergabe an Bord der „Hohenzollern" in der Sudabai, worauf beide Schiffe auslaufen und wahrscheinlich um 6 Uhr früh in Kanea eintreffen werden.
Berlin, 14. November. Telegramm aus Kanea von heute Vormittag: S. M. 2). „Hohenzollern" passirt heute früh 4 Uhr Kanea und beabsichtigt, morgen Nachmittag in Malta einzutreffen. Alles wohl.
K o n st a n t i n o p e l, 14. Nov. Der Trink- spruch Sr. Majestät des Deutschen Kaisers in Damaskus hat den Sultan hoch befriedigt; der Sultan hat dem Kaiser für den Trinkspruch auf das Wärmste gedankt. Wie verlautet, wird der Trinkspruch in türkischer Sprache veröffentlicht werden.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 14. November.
Inland.
Der Kaiser wird, wie nunmehr aus bester Quelle verlautet, an der im Dezember stattfindenden H o f j a g d b e i S p r i n g e theilnehmen und bei dieser Gelegenheit auch der Stadt Hannover einen kurzen Besuch ab- statten. Wie der „D. Z." nämlich gemeldet wird, hat der Kaiser dem Militär-Reitinstitut daselbst dieser Tage die Nachricht zugehen lassen, daß er zur Besichtigung desselben am 14. Dezember dort eintreffen werde.
Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hat sich gestern auf 2 Tage nach seiner Besitzung Grabowo begeben.
Wie die „N. A. Z." hört, wird die Eröffnung des Reichstags in den ersten Tagen des Dezember stattfinden.
In einer Denkschrift desReichsgesundheitS- a m t s wird der Grundsatz aufgestellt, daß das F ä r b e n der Wurst vom Standpunkte des Nahrungsmittelgesetzes als ein berechtigter Geschäftsgebrauch nicht anzuerkennen sei.
Der Heimreise Sr. Majestät des Kaisers aus dem Morgenlande widmet die „Neue Freie Presse" eine Betrachtung, in der es heißt: „Darüber, daß Deutschland in Kleinasien keine territorialen Erwerbungen
unb dieser erhält ein festes Gehalt, um mit seinem Vater für die Sicherheit des Hauses zu sorgen.
„Der Schlüssel zu den Kontoren im ersten Stockwerk hängt beim Pförtner in einem Schränk. Zu diesem Schränk besitzen auch ich, mein Sohn und der erste Buchhalter den Schlüssel!" Der Bankier hielt inne, und Monk nahm das Wort.
„Nun hast Du gehört, Fredrick", sagte er, „was mir heute Morgen um 9'/, Uhr erzählt wurde, als Herr Wendel zu mir heraufkam. Er setzte hinzu, daß er sich au mid) wende, weil er nicht gerne bei der Polizei von dieser Geschichte Anzeige und sie dadurch öffentlich bekannt machen wollte.
„Ich ersuchte ihn sogleich um Erlaubniß, Dich um Deine Mithilfe bitten zu dürfen. Es erschien mir nämlich als erster Schritt geboten, einen verständigen Menschen hinauf zu Herrn Duval zu senden, um uns je nach dem Benehmen desselben eine Meinung bilden zu können, ob er mit dem Diebstahl etwas zu thun gehabt hat oder nicht. Ich selber spreche nicht gut genug französisch, als daß ich die Mission mit Erfolg hätte übernehmen können, und Herr Weudel wollte natürlich niemanden von seinen Leuten in diese Angelegenheit einweihen.
„Herr Duval verwunderte sich nicht darüber, als er vernahm, woher Du kämest; das stimmt; denn er mußte darauf vorbereitet sein, daß der Diebstahl entdeckt worden war, und daß der Bankier ihn jedenfalls davon benachrichtigen und vielleicht die Ausbezahlung der 25 000 Kronen verschieben würde.