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Gratisbeilagen r „Illuftrirtes Sonntagsblatt" n. „)lln?trLrte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 133.
den 16. NovemKr
1888.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 7. November 1898.
Zufolge einer Mittheilung eines Königlichen Amts- gerichts werden die von ben Herren Ortsvorständen alljährlich aufzustellenden Urlisten über die Personen, welche zti bcm Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, vielfach nicht mit der erforderlichen Sorgfalt ausgestellt. Es sind nicht nur die Altersangaben in der Liste öfters unrichtig, sondern es werden auch Persönlichkeiten nicht miteingekagen, die sich besonders zu dem Schössenamte eigenen und hierzu berufen werden können.
Den fetten Ortsvorständen wird aus diesem Anlaß die sorgfältigste Ausstellung der Urlisten hiermit zur Pflicht gemacht.
J I. 5966. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regicrungs-Rath.
Cassel, den 29. Oktober 1898.
Aus Anlaß eines Einzelfalls ersuche ich Sie, die Ihnen unterstellten Standesbeamten auf den Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 10. Juni 1894 (Mi- nisterial-Bl. f. b. i. V. S. 102) aufmerksam zu machen, wonach den Verwaltungsbehörden, also auch den Standesämtern, im allgemeinen der unmittelbare Verkehr mit ausländischen Behörden untersagt ist. Gehen den Standesbeamten Aufgebotsanträge von außerdeutschen Standesbeamten zu, so sind diese zwar zur Vermeidung von Verzögerungen sofort zu erledigen, die Aufgebotsurkuuden aber alsdann nicht unmittelbar zurückzusenden, sondern Ihnen zur Beglaubigung der Unterschrist und zur sofortigen Weiterbeförderung an mich einzureichen.
Der Regierungs-Präsident. I V.: von Bremer. An die Herren Landräthe des Bezirks.
* * *
Hersfeld, den 8. November 1898.
Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
A. 4259. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Geldschrank des Bankiers.
Eine Kriminalgeschichte aus Christiania. Autorisirte Nebersetzung aus dem Norwegischen von Friedrich von Känel.
(Fortsetzung)
„Vielleicht wird er Dich nach der Ursache fragen, warum man ihm das Geld sendet, statt zu warten, bis es abgeholt wird.
„Darauf hast Du zu antworten, daß Herr Wendel das Geld selbst aus seinem Privatkontor herausgebracht und etwas davon gesprochen habe, daß Herr Duval wohl wenig Zeit habe, da er mit dem Schnellzug nach dem Norden verreisen müsse.
„Du fügst bei, daß Herr Wendel immer sehr höflich und zuvorkommend sei und besonders die Franzosen liebe.
„Achte genau darauf, welchen Eindruck jeder Satz auf den Fremden hervorbringt und suche unbedingt, auf seine Weise einen für ihn schmeichelhaften Ausspruch Deines Prinzipals einzuflechten.
„Uebrigens gebrauche Deine Augen gut in allem, was den Mann selbst, sein Zimmer, Reisegepäck — kurz, alles, was Herrn Duval angeht.
„Hier ist eine kleine Handtasche; sie wird Dich instand setzen, die Beutel sicherer zu tragen und sie überdies vor dem Franzosen zu verbergen, bis zu dem Augenblick, in dem Du Dein Anliegen vorbringst.
„Geh nun sogleich! Nimm einen Wagen auf dem Halteplatz an der Ecke und kehre zurück, sobald Du den Besuch gemacht hast. Vergiß uicht, von dem Franzosen
Nichtamtlicher Theil.
Ias toftiM im Drient.
Das erste Telegramm aus Damaskus, welches dieAnkunftJhrer Majestäten meldet, ist vom 7. November Abends datirt und besagt: „Ihre Kaiserlichen Majestäten sind heute nach 5 Uhr unter geradezu frenetischem Jubel der Bevölkerung bei prachtvoller Illumination in Damaskus eingetroffen. Die Eisen bahn fahrt über den Libanon war höchst genußreich; die Bergluft sehr erfrischend. Alles wohl.
Hieran schließt sich eine ausführlichere Nachricht vom selben Abend: Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin trafen bei beginnenderDämmerung bald nach 5 Uhr ein und hielten unter dem Donner bet Geschütze und unter Musikfanfaren ihren Einzug in die festlich geschmückte und illuminirte Stadt. Die Kaiserin fuhr in vierspännigem Wagen, der Kaiser war zu Pferde. Infanterie und Kavallerie sowie die Schulen bildeten Spalier; die Bevölkerung, die in ungeheurer Menge herbeigeströmt war, hielt die Straßen und die Dächer der Häuser dicht besetzt und begleitete die Majestäten mit unbeschreiblichen Jubelrufen. Die Illumination ist allgemein, Gassterne, Lampions und Laternen leuchten überall, selbst von den Bäumen. Das Wetter ist schön. Im Militärserail findet um 7 Uhr das Diner statt.
Von einem besonderen Korrespondenten wird der „N. A. Z" aus Damaskus vom Montag 7. Novbr. berichtet: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin verließen heute früh mit Gefolge Beirut, um sich mit der Eisenbahn nach Damaskus zu begeben. An dem ersten Halt aus der Station Aleih wurden die Majestäten von dem Generalgouverneur des Libanon, Naoum Pascha, begrüßt. Die Gemahlin Naoum Paschas, eine Tochter von Franki Pascha, der 1869 als Gouverneur des Libanon den Kronprinzen von Preußen empfangen hatte, überreichte Ihrer Majestät der Kaiserin ein Bouket. Die Wachen waren von der Libanon-Miliz gestellt. Die von allen Seiten herbeigeströmten Drusenscheichs des Gebirges brachten Ovationen dar. Se. Majestät verlieh dem Generalgouverneur Naoum Pascha den Nöthen Adlerorden 1. Klaffe. In Muallaka meldete sich der Generalgouverneur von Damaskus, Naszim Pascha. Auf allen Stationen, welche der Eisenbahnzug berührte, war
schriftliche Quittung für das Geld zu verlangen. Diktire ihm ein kleines Formular, das er zu unterschreiben hat.
„Macht er Einwände, so sage, daß es so Geschäftsbrauch sei und Du nicht ohne das Verlangte gehen , könntest. Weigert er sich durchaus, so mußt Du natürlich ! nachgeben, da die Zurückgabe der Bescheinigung in Wirklichkeit als Quittung genügt!"
Der Auftrag, den ich besorgen sollte, schien mir ' ziemlich seltsam und der Zweck desselben unverständlich; aber ich zögerte keinen Augenblick. Ich war davon überzeugt, daß mein Freund Monk im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit gewichtige Gründe hatte, um mich zu bitten, diese Rolle zu spielen.
Nicht gerade, als ob ich gewohnt gewesen wäre, auf solche Weise Monk in seiner Arbeit als Privat-Detektiv zu unterstützen. Im Gegentheil, er pflegte mich sonst nie um meine Hilfe zu bitten, ohne mir vorher klar und deutlich die Suche erklärt und seine Vermuthungen, Schlüsse und Pläne begründet zu haben.
Während der Fahrt nach dem alten Hotel in der Königsstraße wiederholte ich in Gedanken Monks Instruktionen, und ich schmeichle mir damit, daß mir keine Silbe von dem, was er gesagt hatte, entgangen war.
Der Wagen hielt vor dem alten, guten Hotel, vor dessen Eingang ein Schild aus altem, durchbrochenem Eisen baumelte. Mitten unter den geschmiedeten Arabesken prangte mit vergoldeten und verschnörkelten Buchstaben : „Hotel Europa".
Es war einer der ältesten und besten Gasthöfe der Stadt. Er bestand aus dem alten, zweistöckigen Gasthof
Die Bevölkerung in Schaaren versammelt und wiederholte unaufhörlich arabisch den Gruß: „Gott möge den Kaiser segnen und ihm langes Leben schenken." Der Enthusiasmus der Menge in ihren mannigfachen Typen und Trachten machte einen unbeschreiblichen Eindruck. Die Ankunft in Damaskus erfolgte kurz nach 5 Uhr. Se. Majestät ritt zu Pferde in die Stadt. Die Begeisterung erreichte hier ihren Höhepunkt. Die Spalier bildende türkische Truppe ließ unaufhörlich ihr „Tschog Jascha“ (Viele Jahre) erschallen, während eine nach Hunderttausenden zählende Menschenmenge den Kaiser mit freundlichen Zurufen begrüßte. Die Majestäten stiegen im Militär - Serail ab. Der Weg dorthin konnte nur mit Mühe freigemacht werden, da die Menge Kops an Kopf alle Straßen füllte. Trotz des ungeheuren Menschen- zusammenflusses herrschte musterhafte Ordnung. Die Wohnung der Majestäten war von vornehmen Arabern in fürstlicher Weise mit Möbeln und Stoffen aus Damaskus ausgestattet worden. Um 7 Uhr fand bei den Majestäten ein Diner statt, zu welchem die Spitzen der Behörden zugezogen waren.
Berlin, 8. November. Aus Damaskus wird von heute berichtet: Nachdem die Majestäten auch das Grab Saladins besichtigt, nahm der Kaiser Nachmittags unter großem Andrangs der Bevölkerung die Parade über die Garnison ab. Die Beduinen, auf Pferden und Dromedaren wild daherstürmend, führten allerlei Kriegsspiele auf. Die Kaiserin unternahm einen Ausflug nach Salahye, Abends fand Galadiner statt- Der Sultan hatte Illumination und Fackelzug angeordnet.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 8. November.
Inland.
Gesetzgeberische Aufgaben von großer Bedeutung werden den preußischen Landtag schon in seiner ersten Tagung beschäftigen: der Nhein-Elbe-Kanal, die Neuregelung des Kommunal-Wahlrechts, die Rechts-Ver- Hältnisse der Gemeinde-Beamten, die durch das Bürgerliche Gesetzbuch nöthig gemachten Justizgesetze, die Ordnung der Polizei-Verhältnisse in der nächsten Umgebung Berlins u. a. m. sollen dem Landtage zugehen.
Verschiedenen Widersprüchen gegenüber verteidigt der „Hannoversche Kurier" die in Aussicht genommene E r -
mit den großen Dachstuben, die aus dem Schieferdach des Gebäudes hervorspringen, und dann aus den neuen Häusern, die später hinzugekauft worden waren und die Fortsetzung der Facade die Straße hinauf bilden.
In dem ältesten Theile des Gebäudekomplexes befanden sich die Kontore, das Safe, der Speisesaal und einzelne Gastzimmer, nämlich die eben erwähnten Dachstuben des Hotels.
Trotz ihres altmodischen Aussehens und ihrer Lage genossen diese Zimmer den Ruf, die besten des Hotels zu sein, und waren prachtvoll ausgestattet.
Der Pförtner erklärte mir, daß Herr Duval eines dieser Zimmer bewohne und gegenwärtig anwesend sei, jedoch seine Rechnung bestellt habe, um gleichen Tags 2 Uhr mit dem Zug nach Drontheim zu fahren.
Ich schlug das Anerbieten, mich nach dem Zimmer zu begleiten, ab, stieg die alten, teppichbedeckten Treppen hinaus und stand wenige Sekunden nachher vor Herrn Duval.
Es war ein gutgenährter, mittelgroßer Mann mit einem mißlungenen Napoleonsgesicht und ziemlich gelber Gesichtsfarbe. Es war wenig Schönes an ihm, mit Ausnahme einer Fülle von dunkelm, lockigem Haar, das ihm tief über die Schläfen herabhing.
Seine Kleidung war tadellos und die Hände fein und zart. Er stand im Begriff, einen neuen Reisekoffer zu packen.
Ich hatte die Antwort auf mein Anklopfen nicht abgewartet, sondern ziemlich rasch die Thür geöffnet.
Er hielt bei meinem Eintritt mit Packen inne, wich