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Sr. M.
Iienstlig Stil 8. November
1888.
Los Aiserbaar im Lrieiit.
Ueber die Abreise Ihrer Majestäten aus Jerusalem am Freitag früh sagt ein Telegramm: Vormittags */29 Uhr begaben sich die Majestäten, und zwar der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin im Wagen zum Bahnhof, wo das Gefolge, der deutsche Generalkonsul, der türkische Gouverneur, die Würdenträger der verschiedenen Religionsgesellschasten sowie Pater Schmidt und sämmtliche Franziskaner ihrer bereits harrten. Nachdem die Majestäten die Anwesenden begrüßt und verschiedentlich angesprochen hatten, setzte sich der kaiserliche Extrazug nach Jaffa unter den Klängen des Prä- sentirmarsches Punkt 9 Uhr in Bewegung. Die am Bahnhof aufgestellten türkischen Truppen riefen begeistert Sr. Majestät das „Tschok Jascha" — auf Deutsch „mögest Du lange leben" — zu, den Ruf, der sonst nur dem Sultan gebührt. Eine zahlreiche Menge, darunter die in Jerusalem lebenden Deutschen, hatten sich auf dem Bahnhof versammelt und sandten den Majestäten lebhafte Sympathiekundgebungen nach. Das Wetter ist hell und sonnig.
Aus Jaffa wird unterm gleichen Tage depeschirt: Ihre Kaiserlichen Majestäten haben sich bei schönem, aber immer noch sehr heißem Wetter und ruhiger See an Bord der „Hohenzollern" begeben und gehen um 5 Uhr Nachmittags nach Beirut in See. Alles wohl.
Berlin, 5. November. Telegramm aus Beirut vom 5. November Vormittags: Ihre Kaiserlichen Majestäten sind um 9 Uhr bei tropischer Hitze hier eingetroffen und werden bis zu der am Montag früh erfolgenden Abreise nach Damaskus hier an Bord verbleiben. Alles wohl.
Berlin, 5. November. Mit Rücksicht auf die in Palästina und Syrien herrschende tropische Hitze ist Ihrer Majestät der Kaiserin von ärztlicher Seite Rückkehr aus dem Süden nach dem Norden widerrathen worden. Voraussichtlich werden d i e M a j e st ä t e n deshalb auf dem Seewege nach Deutschland zurückkehren.
Politische Nachrichten
Berlin, den 6. November. Inland.
Die Beisetzung der Leiche des Fürsten B i s m a r ck ist für Ende November in Aussicht genommen.
Das h a i d e h a u s.
Von T. R o t b s ch ü tz.
(Schluß.)
Den Briefen von Mama an sie und den übrigen Papieren und Beweisen fügte sie noch am Abend vor ihrem Tode diese Zeilen hinzu: „Ich fürchte, ich erreiche das Ziel meiner Reise nicht mehr — in N. auf dem halben Wege bin ich liegen geblieben, und hier wird das Ende kommen, vielleicht schon in wenig Stunden! ■ Die beiden Bilder, die damals unser guter Paola gemalt, stehen vor mir. Ich lege in das eine Bild alle Papiere, die Dir zugedacht sind, meine liebe, kleine Ilse, und Sophie, die allein bei mir ist, soll es nach meinem Tode dem Freiherr» überbringen; das andere Bild soll wieder in Johnstorf über meinem Schreibtisch hängen, wo es immer seinen Platz gehabt."
Nachdem Ilse diese Worte vorgelesen, schwiegen beide gedankenvoll. „Arme, arme Mama", sagte sie dann, „wie kann sie sich nur so vor dem Bruder fürchten!" und schelmisch zu dem jungen Manne ausblickend, fügte sie hinzu: „Ich würde nie solche Angst vor meinem Bruder gehabt haben, selbst wenn er noch so ernst ausgesehen hätte; aber zum Glück habe ich ja nun keinen Bruder mehr!"
„Ja, zum Glück!" rief er aus, beide Hände des jungen Mädchens ergreifend und es an sich ziehend, „zum Glück habe ich keine Schwester mehr, dafür aber
Am 31. Oktober bei der Einweihung der Erlös e r k i r ch e i n I e r u s a l e in hat unser Kaiser eine Ansprache gehalten, welche weit über die Bedeutung des Augenblicks hinaus dasteht als ein Glaubens - Bekenntniß des ersten evangelischen Kaisers, der Jerusalem betrat. Wie landesväterlich weitherzig unser Kajser den katholischen Unterthanen des Reiches ihre Wünsche erfüllt und ihnen ein fürstliches Geschenk giebt, wie treu seinen Ausgaben als Schirmherr der evangelischen Kirche er es sich nicht nehmen läßt, in Person an der Seite der Kaiserin als ein Zeugniß für Morgen- und Abendland die evangelische Kirche in Jerusalem zu weihen: das schönste Zeugniß, das unser Kaiser in den festlichen Tagen abgelegt, ist und bleibt sein Herzens Bekenntniß zum evangelischen Glauben und zur schlichten Frömmigkeit, die nicht nach Menschen, sondern nach Gott frägt. Inmitten einer weltlichen und kirchlichen Prachtentfaltung, wie sie auch Jerusalem selten sah, giebt der König von Gottes Gnaden zunächst Gott die Ehre, die ihm gebührt, und gedenkt dann der Vorarbeit seiner Vorfahren, die jetzt ihre Vollendung findet; es ist dies ein Zug von Demuth, der aus seinen Worten leuchtet und den Grund der Gottes - Offenbarung schauen läßt, aus welchen unser Kaiser von jeher sich gestellt hat. Von der hohen Warte, auf welcher unser Kaiserlicher Herr steht, schaut er mit weitem Blick über die Grenzen der Konfession und der Nation hinaus über alles Land, er appellirt an das gemeinsame Band, welches alle Christen im apostolischen Glauben eint, und weist auf die gemeinsame Arbeit, welche die weltbewegende Kraft des Christenthums auferlegt, sie soll in jedem Christen und durch jeden Christen wirken und werben. Mit der werbenden Kraft dienender Liebe sollen wieder die Menschen zu Dem geführt werden, in dem allein das geängstete Menschenherz Heil, Ruhe und Frieden findet für Zeit und Ewigkeit. Auch im Rath der Fürsten und Völker wird man verstehen, was der deutsche Kaiser von seinem Volke sagt: „Von Jerusalem kam der Welt das Licht, in dessen Glänze unser deutsches Volk groß und herrlich geworden ist. Was die germanischen Völker geworden sind, das sind sie geworden unter dem Panier des Kreuzes auf Golgatha, des Wahrzeichens der selbst- aufopfernden Nächstenliebe. Wie vor fast zwei Jahrtausenden, so soll auch heute von hier der Ruf in alle Welt erschallen, der unser aller sehnsuchtsvolles Hoffen in sich birgt: Friede auf Erden! Nicht Glanz, nicht Macht, nicht Ruhm, nicht Ehre, nicht irdisches Gut ist es, was wir hier suchen; wir lechzen, flehen und ringen
eine Braut, eine innig geliebte Braut — ist's nicht so, Ilser
Und er richtete ihren Kopf auf, um ihr in die Augen zu blicken, und Ilse ließ es geschehen, daß er sie mit Kliffen bedeckte.
„Es ist besser so, tausendmal besser!" flüsterte sie nur und fügte dann noch leiser hinzu: „Armer Consul! der treffliche Mann wird mir nicht zürnen, hoffe ich!"
Eine ganze Weile noch saßen die beiden, die so nahe daran gewesen, sich zu verlieren, und die nun doch auf so wunderbare Weise zusammengeführt worden waren, am Kamin und erzählten sich von all' den Schmerzen und Sorgen, die sie um einander gehabt, von ihren Plänen für die Zukunft, die nun sonnig vor ihnen lag.
Curt hatte seinen Wagen bestellt, um die Geliebte nach Ambach zurückzubringen, und bis derselbe vorfuhr, hatten sie Zeit genug, sich in alle die neuen Gedanken hinein zu finden. Als sie dann später hinüber fuhren und Ilse eben noch zu rechter Zeit kam, um rasch zu ihrem Reisegefährten in die schon vorgefahrene alte Pfarrkutsche zu steigen — Curt zeigte sich nicht —, sah der Pastor Reinhard mit Staunen im Auge seiner frühern Schülerin alle die Schelmerei und den heitern Muthwillen blitzen, den er seit ihrem Aufenthalt in der Stadt so schmerzlich vermißt hatte. Zum ersten Mal stieg in ihm der Zweifel auf, ob wohl das Leben an der Seite des ernsten, ruhigen Mannes, in den eng be
allein nach dem Einen, dem höchsten Gute, dem Heil unserer Seelen." Im eigenen Volke aber muß einen gewaltigen Widerhall finden das herrliche Wort: „Wie Ich das Gelübde Meiner in Gott ruhenden Vorfahren: „Ich und Mein Haus, Wir wollen dem Herrn dienen", an diesem feierlichen Tage hier wiederhole, so fordere Ich Sie alle auf zu gleichem Gelöbniß. Jeder sorge in seinem Stande und Berufe, daß alle, welche den Namen des gekreuzigten Herrn tragen, in dem Zeichen dieses hochgelobten Namens ihren Wandel führen zum Siege über alle aus der Sünde und der Selbstsucht stammenden finstern Mächte." So wecke die That wiederum Thaten! Hat Gott in seiner Gnade die eine gewirkt, so wird er die andern nicht weigern. „Er, der gnadenreiche Gott, wird unser Flehen erhören, das ist unsere Zuversicht" — so sprechen wir mit unserm Kaiser. Es weht durch die ganze Rede ein Hauch heiliger Ruhe. Der blendende Glanz der Rhetorik, zu welcher Stunde und Ort leichten Anlaß boten, ist verschmäht, allein die schlichte, lebendige, starke Selbstgewißheit des Glaubens thut sich kund, und die Kraft, gepaart mit dem Muth, der in der Demuth seine Wurzel hat, schaut frei und froh um sich. Das lerne unser Volk von seinem Kaiser. „Bei treuem Festhalten an der reinen Lehre des Evangeliums werden selbst die Pforten der Hölle unsere theure evangelische Kirche nicht überwältigen."
Wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" melden, wird am 10. d. Mts. in München eine Konferenz von Vertretern der deutschen Postverwaltungen stattfinden, an deren Schlußberathungen der Staatssekretär des Reichs-Postamts, v. Podbielski, und Staatsminister v. Crailsheim Theil nehmen werden.
Zur Erhöhung der B e t r i e b s - S i ch e r h e i t im Eisenbahn-Fernverkehr der preußischen Staatsbahnen, namentlich bei Güterzügen, haben einige Staatsbahn- Direktionen jetzt verschärfte Bestimmungen für das Bremser-Personal erlassen, die aller Wahrscheinlichkeit nach auf sämmtlichen Staatsbahnen werden eingeführt werden. Es soll in Zukunft eine schärfere Kontrolle der Bremser in Bezug auf ihre Dienstbereitschaft während der Fahrt in der Weise stattfinden, daß die Bremser beim Durchfahren einer Station den dienstthuenden Stations-Beamten oder seinen Stellvertreter durch Anlegen der Hand an die Mütze zu grüßen haben. Wenn es dunkel geworden ist, hat sich der Bremser durch Oeffnen der Thür des Bremserhäuschens und Heben der Handlaterne den Stations-Beamten bemerkbar zu machen. Diese Vorschriften sollen strenge durchgeführt und jeder
grenzten städtischen Verhältnissen wirklich ein Glück sein würde für das heitere Kind, das ein einziger Nachmittag in gewohnter Freiheit des Landlebens so verändern konnte. Und während der schwere Wagen im langsamsten Tempo durch den immer dichter fallenden Schnee gezogen wurde, stahl sich leise Ilses kleine Hand in die ihres Begleiters, und anfangs mit stockender Stimme, dann aber immer eifriger und fröhlicher erzählte sie ihm die Geschichte des Irrthums, in dem sie und Curt gelebt, und von der glücklichen, o so glücklichen Lösung desselben.
„Wie die Verwechselung der Bilder möglich gewesen", fuhr sie fort, „ist uns unerklärlich und wird wohl nie an das Tageslicht kommen, denn jene Sophie, das Mädchen der Baronin, die deren letzte Aufträge ausführen sollte, ist vor zwei Jahren gestorben. Sie mag wohl in der Verwirrung über den plötzlich eintretenden Tod der Baronin die Bilder vertauscht haben. Es ist ja aber auch ganz gleichgiltig, wer Schuld daran war, — mein Glück ist so groß, daß mir nichts es trüben kann, außer —" fügte sie plötzlich ernst und traurig hinzu, „außer die Erinnerung an den Consul, den besten und edelsten Menschen, gegen den ich so treulos gehandelt und dem ich mich kaum getraue, morgen in die Augen zu blicken", schloß sie unter Thränen. Als sie die Station erreicht, und der Zug mit ihnen durch die Winternacht dahinbrauste, ward es wieder hell in Ilses Innern, denn der väterliche Freund an ihrer Seite ver-