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Amtlicher Theil.
Steckbrief.
Gegen den unten beschriebenen Arbeiter früheren Krankenhauswärter und ehemaligen Schlächter Gustav Witt, geboren am 13. Mai 1861 zu Oberfeld, Kreis Marienwerder, welcher flüchtig ist, oder sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen Mordes verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Gerichtsgefängniß abzuliefern.
Osnabrück, den 12. Oktober 1898.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 37 Jahre, Statur schlank, Größe 1,70—1,73 m, Haare dunkelblond, Bart: Schnurbart, Heller als die Kopfhaare, kleiner Backenbart, Kinn bartlos, Gesicht oval länglich, Sprache deutsch, Kleidung: graues Jacket, dunkle Hose, dunkelbrauner Hut, Vorhemd und Stehkragen, in der Hand einen selbstgeschnittenen Natur-Stock. Besondere Kennzeichen: Narbe auf der rechten Gesichtshälfte dicht am Munde, an der rechten Hand zwei steife Finger, etwas stockende Sprache.
* * *
Osnabrück, den 15. Oktober 1898.
Abschrift zur Kenntniß. Der Gesuchte ist des Mordes verdächtig, welcher am 9. September d. Js. an den Schulmädchen Langem, per und Heidemann in Lechtingen, Landkreis Osnabrück verübt worden ist.
Eine Belohnung von 500 Mark habe ich für denjenigen ausgesetzt, wer den Thäter dergestalt zur Anzeige bringt, daß dieser der That übersührt werden kann. Bei Mitwirkung Mehrerer konimt die Belohnung autheilig zu« Auszählung. (I. 12131.)
i Der Regierungs-Präsident (Unterschrift.) Ari die Polizeibehörden des Regierungsbezirks.
Das H a i d e h a u s.
Von T. R o t h f ch ü tz.
' (Fortsetzung.)
Wie sollte er die Beweise schaffen, von denen er ihr
gesprochen? Die Briefe seiner Mutter und die Doku- me nte, von denen sie dem Freiherrn geschrieben, waren verschwunden, wahrscheinlich von ihr selbst vernichtet, das Geheimniß ihrer zweiten Ehe nicht verrathen
um zu
sehen. Nach Pallanza hatte er gleich nach des Freiherr» Tode telegraphirt und um Abschrift der dort eingetragenen evangelischen Trauungen aus den Kirchenbüchern jenes Jahres gebeten. Die Antwort war aber gastz unbefriedigend ausgefallen. Es hieß: die vorgekommenen Amtstrauungen bei evangelischen Reisenden in - und um Pallanza wären gewöhnlich von irgend einem zut Kur anwesenden deutschen Geistlichen verrichtet würden, schriftliche Nachrichten darüber existirten nicht.
: Wenn Curt trotzdem hoffte, brieflich oder persönlich mit der Zeit etwas erfahren zu können, so war er sich doch bewußt, wie schwierig seine Lage Ilse gegenüber sein werde, und selbst günstigsten Falles, wenn sie beide, auf Kosten des Namens und Rufes ihrer Mutter, Gewißheit erlangt — wie sollte er ein tägliches Zusammen- leßen, so nahen Verkehr mit dem innig geliebten Mädchen ertragen und den Uebergang finden zu dem geschwisterlichen Verhält niß?
Abschrift übersende ich mit der besonderen Bitte, nach dem muthmaßlichen Mörder recherchiren zu lassen.
Der Regierungs-Präsident. (Unterschrift ) An den Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel.
* * *
Cassel, den 22. Oktober 1898.
Abschrift zur schleunigen weiteren Veranlassung.
Der Regierungs Präsident. I. V.: von Bremer. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks.
*
Hersfeld, den 29. Oktober 1898.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Recherchirung nach dem Verfolgten niitgetheilt.
1 5840. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Rotenburg, den 25. Oktober 1898.
Unter dem Schweinebestande des Hofes Rittershain, Gemeinde Rockensüß, ist die Rothlaufseuche ausgebrochen. Der Königliche Landrath.
J. V : Jlliger, Regierungs-Assessor.
An Königliches Landrathsamt in Hersfeld.
Hersfeld, den 29. Oktober 1898.
Wird veröffentlicht.
I. 5853. Der Königliche Landrath
Fi eiherr von S ch l e i u i tz ,
Geheimer R^gierungS-Rath.
Nichtamtlicher 81;eil.
In der letzten Zeit ging in den Kreisen der Urmahler vielfach das Gerücht, es sei von amtlicher Seite die Maßt des Herrn Steuer - Inspeetors Schmeisser als nicht genehm — namentlich den ländlichen Bürgermeistern gegenüber — bezeichnet morden.
Mir werden ersucht, darauf hinzumeisen, daß anf Grund znverlüsstger ErKnndignngen an maßgebender Stelle dieses Gerücht durch
Diesen ganzen Widerstreit löste Ilse mit den einfachen Worten ihres Briefes. Sie schrieb:
„Forsche nicht nach meinen Eltern, nicht nach den Beweisen, daß ich Deine Schwester bin. Wir beide wissen, daß es so und nicht'anders ist; für die Menschen hat es aber kein Interesse und keinen Werth. Wozu also Jemand das Recht geben, einen Stein auf den Namen unserer Mutter zu werfen?
Als ich Deines traurigen Blickes und des Schmerzes in Deinen Zügen gedachte, wie wir nebeneinander in der Gruft am Sarge Deiner Mutter standen, da wart mir klar, was Dein Herz in dem Augenblick bewegte.
Nein, Curt! die Inschrift des Sarges darf nie geändert werden! Laß den Namen der „Baronin von Neienstedt" ruhig darauf stehen. Wir, ihre Kinder, wollen den Schleier, der über der Vergangenheit ruht, nicht lüften!
Ich gehe fort von hier — von Dir, der Du mir eine neue Heimath geben willst, weil ich weiß, daß dies die einzige Möglichkeit ist, Dich zu bewegen, meine Bitte zu erfüllen. Denn wenn ich, die Einzige, für die die Wahrheit in der Sache Werth hat, nicht mehr da bin, um mein Recht zu beanspruchen, fehlt jeder Grund und jede Nothwendigkeit, darnach zu forschen. Ich gehe zu Fremden, die sich meiner an- nehmen werden, von denen Du aber nichts weißt, also mich auch nicht zurückfordern kannst. Auch bitte ich Dich von Herzen, wenn Dir das Andenken und
aus unrichtig ist und jeder thatsächlichen Unterlage entbehrt.
Gerade an leitender Stelle wünscht und erstrebt man unter allen Umstanden eine Uerhinderung der Mahl Werners!
Ias Kaismaar im Sritnl.
Berlin, 28. Oktober. Ein Telegramm aus Jaffa von gestern Abend meldet: Ihre Kaiserlichen Majestäten sind nach elfstündiger, überaus heißer und anstrengender Wagenfahrt heute Abend 6 Uhr in Jaffa im besten Wohlsein eingetroffen, nachdem Aller- Höchstdieselben in Sarona, eine halbe Stunde vor Jaffa, die Huldigung der deutschen Kolonie entgegengenommen hatten. Die Nacht zuvor wurde im Zeltlager in der Nähe von Cäsarea zugebracht. Trotz der großen Hitze — 33 Grad Rsaumur im Schatten — ist das Befinden der Majestäten ausgezeichnet. Der Deutsche Kaiser wurde während der ganzen Fahrt von der schaarenweis herbei- geströmten Bevölkerung in enthusiastischer Weise begrüßt. Die Weiterreise zu Pferde erfolgt Morgen, Freitag, früh 8 Uhr über Ramleh bis zum Zeltlager Bab-el-Wad. Die Ankunft in Jerusalem ist für Sonnabend Mittag 12 Uhr in Aussicht genommen.
Jaffa, 28. Oktob. Heute früh um acht Uhr trat das Kaiserpaar zu Pferde die Weiterreise nach Latrun an. Der Kaiser trug die Tropenuniform, die Kaiserin hatte ein gelbliches Reitkleid mit rosa schimmernder Blouse angelegt und einen Tropenschleier über das Gesicht gezogen. Unter dem Donner der Kanonen erfolgte der Ausbruch des Kaiserpaares, das nach allen Seiten unermüdlich für die jubelnden Kundgebungen der auf der freigehaltenen Hauptstraße herandrängenden Menge dankte. Den Zug eröffnete Graf Wedel, der über der Tropen- uniform einen lang herniederwallenden weißen Staub- mantel angelegt hatte. Dann folgten die Riesengestalten der Leibgendarmen ebenfalls in Tropenuniformen, alle auf hiesigen Pferden. In einigem Abstande davon ritt das Kaiserpaar, dem sich in unmittelbarer Folge die Herren der nächsten Umgebung, Graf Eulenburg, General Plessen, Frhr. von Lynker, Generalarzt Dr. von Leut- Hold, General von Hahnke, Herr von Lucanus, Frhr. von Senden-Bibran, anschloffen. Die dichten Massen drängten ungestüm hinter dem Zuge her und gaben ihrer Begeisterung in ununterbrochenen Zurufen Ausdruck.
Bab-el-Wadi, 28. Oktb. Von Ramleh ritten
der Name unserer Mutter wirklich heilig ist, forsche nicht nach mir! Ich fürchte mich vor Deiner Ueber- redung, deshalb gehe ich fort ohne Abschied.
Ich weiß, daß Du groß und edel denkst und Deinen Reichthum gern mit mir theilen würdest, um mir zurückzugeben, was mir vielleicht zukäme, wenn ich als die Tochter Deiner Mutter anerkannt wäre, deshalb nehme ich, ohne zu fragen, die Barschaft mit, welche in Onkels Schreibtisch lag. Es ist nicht sehr viel, wird aber für den Anfang genügen; Du brauchst also nicht um mich zu sorgen. Der Gott, den ich draußen auf der Haide kennen und lieben gelernt, der den Wind für das geschorene Lamm sänftigt und für den unscheinbarsten Käfer und das kleinste Würm- chen sorgt, geht mit mir und wird mich nicht verlassen!
Deine Schwester Ilse."
Curt war kaum imstande, seiner Bewegung Herr zu werden beim Lesen dieser rührenden selbstlosen Zeilen. „Ich kann Deine Bitte nicht erfüllen, liebe, kleine Ilse!" rief er aus, „wenigstens nicht die, keine Schritte zu thun, um Dich wiederzufinden und Dir beizustehen, so weil ich vermag. Du bist ein starkes, tapferes Herz und denkst, alles allein tragen zu können, aber wie solltest Du imstande sein, es durchzuführen!"
Und damit gab er Befehl, schnell Reisevorkehrungen zu treffen, und begann die sorgfältigsten Nachforschungen nach dem jungen Mädchen. In Kunnewitz, der Eisenbahnstation, war eö noch leicht, von ihr zu erfahren.