Einzelbild herunterladen
 

Gratisbeilagen rIllnftrirtes Sonnragsblatt" u.Maftrirte lan-rvirthschaftliche Beilage".

ür. 12.3. gUMta) lii~». Ai,kr U».

Erstes Blatt.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllnstrirtes Sonntagsblatt" ^ . Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern. und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 26. Oktober 1898.

Für den am 17. Januar 1879 zu Kleba geborenen Tagelöhner Johann Heinrich Lipphardt ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht worden.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz ,

Geheimer Regierungs-Rath.

Notenburg a/F., den 22. Oktober 1898.

In der Strafsache gegen den Tagl. Carl Karkus aus Bentwitz, Kreis Breslau, wegen Diebstahls ersuchen wir das Königliche Landrathsamt mit Bezugnahme auf unsere Mittheilung vom 26. August 1898, den 2C Karkus, falls er ergriffen werden sollte, in das nächste Gerichtsge­fängniß einzuliefern und Königlicher Staatsanwaltschaft Cassel zu den Akten J. II. 1121/98 Nachricht zu geben.

Königl. Amtsgericht, Abth. II. Dr. Schotten. An das Königliche Landrathsamt zu Hersseld.

Hersfeld, den 26. Oktober 1898.

Wird den Herren Ortspolizeibeamten und der König­lichen Gendarmerie des Kreises mit Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 29. August d. I., J. I. Nr. 4816, im Kreisblatt Nr. 102, zur weiteren Fahndung nach dem 2C. Karkus mitgetheilt.

I 5794. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Negierungs Rath.

Das haidehaus.

Von T. R o t h s ch ü tz.

(Fortsetzung)

Sagen Sie mir Alles, Herr von Neienstedt", bat sie, als er noch immer schwiegIch bin auf Alles ge­faßt ; ich weiß auch, warum es Ihnen schwer wird zu sprechen, aber ich fürchte mich nicht vor der Armuth! Haidehaus gehört jetzt Ihnen, und ich bin mittellos, muß suchen, mir mein Brod bei Fremden zu verdienen, habe keine Heimath mehr das ist's, was Sie mir sagen sollen. Nicht wahr?"

Curt schüttelte wehmüthig lächelnd den Kopf.Nein, nein, Fräulein Ilse", erwiderte er tief ausathmend im Gegentheil. Ich komme, um Ihnen zu sagen, daß es eine Heimatb für Sie giebt, auf die Sie volles An­recht haben, einen Beschützer und nahen Verwandten statt des Onkels, der nie Ihr Onkel gewesen", und dann erzählte er ihr Alles wie eine auswendig gelernte Auf­gabe, ohne sie anzublicken, das Auge starr hinaus ge­richtet in die Ferne.

Nur so konnte er die Erzählung zu Ende bringen, die Ilse mit keinem Wort unterbrach.

Den Kopf leicht vornüber gebeugt, die Lippen ge­öffnet, wie in sprachloser Ueberraschung, die Hände auf den Knieen gefaltet, lauschte sie seinen Worten, und nur der jähe Wechsel der Farbe auf den Wangen zeigte,

Nichtamtlicher Theil.

In der letzten Zeit ging in den Kreisen der Urwätzler indfudj das Gerücht, es sei im« amtlicher Seite die Mahl des Kerrn Stener-Inspeetors Schmeisser als nicht genehm namentlich den ländlichen Bürger­meistern gegenüber bezeichnet morden.

Mir werden ersucht, darauf hinzuweisen, daß auf Grund zuverlässiger Erkundigungen an maßgebender Stelle dieses Gerücht durch­aus unrichtig ist und jeder thatsächlichen Unterlage entbehrt.

Gerade an leitender Stelle wünscht und erstrebt man unter allen Umständen eine Uerhinderung der Mahl Werners!

y MftrNr im Sritni.

Aus Pera meldet dieKölnische Zeitung" : Die Dankesworte der K a i s e r i n für die Blumenspende der deutschen Kolonie wurden im VereinshausTeutonia" angeschlagen und lauten:Ich freue Mich ganz außer­ordentlich über diese Aufmerksamkeit der Kolonie. Danken Sie ihr in Meinem Auftrag und sagen Sie, daß Ich das beste Andenken mitnehme an Alles, was Ich von ihr gesehen, namentlich von den Kindern."

Haifa, 25. Oktober. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind heute Nachmittag l/2 Uljr an Bord derHohenzollern" vor Haifa eingetroffen und um 4 Uhr Nachmittags gelandet.

DieMidnight Sun" ist am Dienstag Mittag in I a s a eingetroffen. Die Ausschiffung der Festfahrt- Theilnehmer vollzog sich glücklich. Die Stadt ist reich mit türkischen und deutschen Fahnen geschmückt. Nach einem Besuch der Kirche erfolgte die Abfahr? auf der Eisenbahn nach Jerusalem.

Jerusalem, 25. Oktober. Die Theilnehmer an der offiziellen Festfahrt sind heute Abend kurz nach 6 Uhr hier eingetroffen.

Ein weiteres Telegramm aus Haifa vom 25. Ok­tober Nachmittags meldet: Nach prachtvoller Reise bei

daß sie dem, was er sagte, folgte und es verstand.

Und so ist denn kein Zweifel I" endigte Curt mit gepreßter Stimme.Was ich erst für unglaublich hielt, scheint mir jetzt "unbedingte Wahrheit. Die Worte des Freiherr», das Bild meiner Mutter, meine eigenen Er­innerungen alles stimmt überein! Ilse, Sie sind meine Schwester, meine Mutter ist die Ihrige gewesen, i und", fügte er plötzlich, von seinem Gefühl überwältigt, 1 hinzu:Gott der barmherzige mag mir helfen, es zu tragen zuweilen denk' ich, es ist nicht möglich!"

Er wandte sich damit dem jungen Mädchen zu und blickte in ihr totenbleiches Gesicht, in dem er so deutlich las, was er in diesem Augenblick verlor, und seine Kniee bogen sich ohne seinen Willen; sein Kopf sank in den Schooß der so namenlos Geliebten, und Ilse fühlte das Beben, das durch die Gestalt des starken Mannes zog.

Tiefe Stille herrschte eine lange Weile; langsam rollte eine Thräne nach der andern aus den halb ge- schlossenen Lidern des Mädchens, ihre Hände ruhten auf dem Haupte des vor ihr Knieenden.

Curt!" sagte sie jetzt leise und bog sich zu ihm, Curt, um Gottes Willen, um meinetwillen, seien Sie , stark! Wenn es so ist, wenn Sie mein Bruder sind, ; dann erbarmen Sie sich Ihrer Schwester. Gehen Sie, lasten Sie mich allein, nur eine Stunde, damit ich be. greifen und fühlen lerne, was ich eben gehört!"

schönem Wetter und ruhiger See ist S. M. A.Hohen­zollern" heute Nachmittag 2 Uhr im Hafen von Haifa eingetroffen. An Bord Alles wohl. Ihre Kaiser­lichen Majestäten setzen die Reise nach Iafa Mittwoch früh zu Wagen fort. Es herrscht tropische Hitze.

Ueber die Ankunft des Kaiserpaares in Haifa wird gemeldet:Um halb drei Uhr kam dieHohenzollern" in Sicht, eine Viertelstunde später warf sie 500 Schritte von der Landungsbrücke Anker zugleich mitHela" und Hertha". Der türkische Commandant Abdullah Pascha, Graf Wedel und Profestor Moritz begaben sich sofort an Bord der Kaiseryacht, während das Musikkorps des Ertogul-RegimentsHeil Dir im Siegerkranz" intonirte. Das. Ufer war von einem nach Tausenden zählenden Publikum dicht besetzt: Christen, Araber, Türken, Juden, kurz die ganze Bevölkerung war auf den Beinen, um Zeuge der Landung des Deutschen Kaiserpaares zu sein, die um 5 Uhr Nachmittags erfolgte Bei Betreten des Bodens von Palästina wurde das deutsche Kaiserpaar von den Militär- und Civilbehörden empfangen und ehr­furchtsvoll begrüßt. Hierauf wurden sofort die Wagen zu einem Ausflug nach dem Berg Carmel bestiegen. Unter enthusiastischen Hoch- und Hurrahrufen der einheimischen Bevölkerung und der deutschen Kolonisten fuhr das Kaiser­paar, eskortirt von türkischer Gardekavallerie, in einem dreispännigen Wagen, den der Kaiser selbst lenkte, vom Landungsplatz ab. Erst bei einbrechender Dunkelheit er­folgte die Rückkehr nach Haifa: unterdessen hatten die deutschen Kolonisten ihre Häuser illuminirt; auf dem auf der Rhede liegenden LloyddampferBohemia" wurde Feuerwerk abgebrannt, das türkische SchiffOsmanie" war festlich beleuchtet, am Ufer spielte die Militärmusik. Um 8 Uhr Abends fand ein Diner auf derHohen­zollern" statt, zu dem drei Paschas, ferner der deutsche Generalconsul, der Viceconsul Keller und Prof. Moritz geladen waren. Das Kaiserpaar war ungemein gnädig, die Paschas sprachen sich später ganz entzückt darüber aus. Der Kaiser unterhielt sich besonders lange mit Nazim Pascha, dem Vali von Damaskus. Die Kaiserin zog nach der Tafel den Viceconsul Keller in ein längeres Gespräch.

Nachdem das Kaiserpaar die Nacht an Bord derHohen­zollern" zugebracht hatte, kam es heute in aller Morgen­frühe an's Land, um nach den programmäßigen Empfängen die Reise mit der Bahn fortzusetzen. Um 6'/$ Uhr salutirten die Schiffe die Kaiserstandarte, gleichzeitig tönte von den sämmtlichen Schiffen dasHeil Dir im Sieger- kranz" herüber. Das Kaiserpaar begab sich gleich nach

Schweigend erhob er sich und verließ das Zimmer. Ein Kampf, wie ihn das junge Mädchen nun sümpfte, führt ohne Zeugen am ersten zum Ziel. Man sagt ja, daß solch ein Kampf, wenn er stumm und energisch ge- kämpft wird, die Engel tröstet, die ihre Augen von so vielen Bildern der Schwachheit und des Verderbens traurig abwenden und wer sie tröstet, den trösten sie wieder.

Ilse hatte in dem einfachen Leben, dem Verkehr nur mit den alten Verwandten und der freien Gottesnatur sich ein starkes Herz errungen, das sie, trotz ihrer Jugend die Pflicht über Alles stellen ließ.

Als ihr Bruder zurückkam, trat sie ihm fest, fast ruhig entgegen.

Curt", sagte sie, die Hand einen Augenblick in die seine legend,ich habe das Bild unserer Mutter hierher­geholt und es aufgestellt; sie soll gegenwärtig sein, wenn wir weiter mit einander reden. Hat sie mich auch als kleines Kind verleugnet und der Liebe anderer über­lasten einmal ist sie doch gut gegen mich gewesen. Wie dankbar bin ich ihr, daß sie mich damals nach Johnstorf gerufen hat. Nun habe ich doch eine Er­innerung an sie, und", fügte sie nachdrücklich hinzu, jetzt weife ich auch, warum ich das Kreuz heut auf ihren Sarg legen mußte; ich bin froh, daß ich's thun durfte!"

Der junge Mann war tief gerührt von der Fassung