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1808.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 3. Oktober 1898.

Gemäß § 82 der Kreisordnung für die Provinz Hessen- Nnssau vom 7. Juni 1885 wird das Ergebniß der am 1. d. Mts. im Saale des hiesigen Rathhauscs stattgefundenen Kreistagssitzung, welche im Kreisblatt Nr. 111 d. Js. be­kannt gemacht worden ist, nachstehend zur öffentlichen Kennt­niß gebracht:

Punkt 1 der Tagesordnung. Der Landwegeban-Etat | für 1899 wurde in der bisher üblichen Weise begutachtet und wurden dabei für die überlasteten Gemeinden und Gutsbezirke entsprechende Unterstützungen aus communal- ständischen Mitteln beantragt.

Punkt 3 der Tagesordnung. Die Kreis-Commuual- kasscn Rechnung für 1897/98, von welcher ein Auszug hierunter abgedruckt ist, würbe auf eine

Einnahme von 97636 Mk. 34 Pf. und eine Ausgabe 96591 38 inithin anf einen Kassenbestand von 1044 Mk. 96 Pf. abgeschlossen; anch wurde dein Rechnungsführer Decharge ertheilt.

Punkt 3 der Tagesordnung. Die bisherigen bürger­lichen Mitglieder der Ersa^-Evinmission würben für die Jahre 1899, 1900 und 1901 wiedergewählt; ebenso die bisherigen Stellvertreter derselben.

Punkt 4 der Tagesordnung. Als Schiedsmann für den aus der Gemeinde Niederaula und bem Gutsbezirk der sisealischen Oberförsterei Niederaula zusammengesetzten Bezirk wurde an Stelle des Postverwalters Heinrich Eichmann in Niederaula, welcher die Annahme der auf ihn am 4. Mai b. Js. gefallenen Wahl verweigerte, der Landwirth Jakob Bieder in Niederaula und als dessen Stellvertreter der Bäcker Heinrich Noll daselbst für die Zeit vom 1. Oktober 1898 bis dahin 1901 gewählt.

Zu Punkt 5 der Tagesordnung wurde der Gemeinde Unterwcisenborn zu der in der Kreistagssitzung am 30. März 1898 bereits bewilligten Unterstützung von 2000 Mark zu den Kosten der Ausführung des Projekts über den Bau des Landwegs Oberufhausen-Uuterweisenborn noch eine weitere Unterstützung von 700 Mark bewilligt.

Punkt 6 der Tagesordnung. Die Uebernahme der durch die mit der Kaualisirung im Orte Friedewald ver­bundene Tieserlegung der Rohre etwa entstehenden Mehr­kosten, soweit dieselben die bereits gestellte Bansnmme in Höhe von 27400 Mark überschreiten, bis znr Höhe von 2600 Mark wurde abgelehnt, wogegen der Gemeinde znr Bestreitung dieser etwaigen Mehrkosten eine Unterstützung von 1300 Mark bewilligt wurde. Zu den Kosten der Ausführung des ursprünglichen Projekts würbe der Ge­meinde eine weitere Unterstützung von 1500 Mark bewilligt. Punkt 7 der Tagesordnung. An Stelle der mit bem

Das h a i d e h a u s.

M Von T. Rothschild.

(Fortsetzung)

III.

M Während Ilses Abwesenheit war aber etwas ge­schehen, was das junge Mädchen in Bestürzung versetzte: Tante Leonore, das Bild der Gesundheit, war plötzlich gefährlich erkrankt. Als ihre Nichte an ihr Bett trat, e>kannte sie dieselbe fast nicht mehr; die Fieber-Phan­tasien wurden über Nacht immer heftiger, und der eiligst Herbeigeholle Arzt gab nur wenig Hoffnung zur Wieder- genesung. Kräftige Naturen, wie die der alten Dame, brechen häufig am schnellsten zusammen, und am nächsten Tage hatte Fräulein Leonore von Neienstedt ihr selbst­loses, an Opfern reiches Leben beschloßen.

Ilse, deren Jugend bisher von allen tiefer eingreifen- ben Ereignissen bewahrt geblieben, war wie vernichtet. Sie vermochte kaum, sich in ihr Geschick zu finden, und dachte mit Sorge an das Zusammenleben mit dem Onkel, der ihrem Herzen so fern stand, von dem sie nie ein herzliches Wort gehört, wenn er anch äußerlich für sie gesorgt und es ihr an nichts hatte fehlen lassen. O,

31. Dezember d. Js. ansscheidenden Mitglieder der Land- wirthschaftskannner (Herren Amtsrath Oldenburg und Guts- besitzer Hoßbach) wurden die Herren Bürgermeister Nutzn in Asbach als erstes Mitglied lind Gutsbesitzer Hoßbach zu Hof Weißenborn als zweites Mitglied gewählt.

Auszug aus der Rechnung der Kreiskommunalkasse in Hersfeld für 1897/98.

E i n n a h ur e :

Mk. Pf.

Titel I. Kassenbestand aus voriger Rechnung 551 49

II. Aus nutzbarem Kreisvermögen . . 5114 06

III. Eingegangene und zurückgezahlte Ka­pitalien ..... . . . . 44737 48

IV. Aus gemeinnützigen Einrichtungen u.

Anstalten des Kreises..... 45 80

V. Dem Kreise überwiesene Gebühren . 2684 75

VI. Dotationen........ 7253

VII. Kreisabgaben....... 18248 70

VIII. Im Verwaltungsstreitverfahren . . 94

IX. Erstattete Vorschüsse ..... 17281 05

X. Eingegangene Rückstände ....

XI. Sonstige Einnahmen . . . . . 1626 01

Summa der Einnahmen 97636 34

Ausgabe:

Mk. Pf.

Titel I. Ueberzahlnng aus voriger Rechnung- II Verzinsnng und Tilgung der Kreis- schulden ......... 2880 111. Kreisverwaltungskosten .... 3228 84 IV. Für das Jmpfwesen..... 888 70

V. Kosten der technischen Revisionen der Maaße und Gewichte..... 173 50

VI. Zu gemeinnützigen und wohlthätigen Zwecken........ 12489

VII. Unterstützungen beziv. Beihülfen an Gemeinden........ 24673 95 VIII. Ausgeliehene Kapitalien .... 34683 95 IX. Vorschüsse ........ 17423 24

X. In Abgang zu stellende Soll-Ein­nahmen ......... 10 XI. Sonstige Ausgaben..... 140 20

Summa der Ausgaben 9659 l 38

Abschluß:

Die Einnahme beträgt..... 97636 Mk. 34 Pf.

Ausgabe . . . . . 96591 38

Mithin verbleibt ein Kassenbestand von 1044 Mk. 96 Pf. i

Der Dorscheude des Kreisausschusses:

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

A. 3934.

warum war ihr das einzige Wesen genommen, das im Leben liebevoll und gütig gegen sie gewesen?Das ein­zige ?" fragte sie sich selbst, während eine leichte Rothe über die weichen Wangen zog, noch feucht von den Ab­schiedsthränen, die sie am Sarge der Verwandten ge­weint, ehe er hinübergetragen wurde in das Erbbegräb- niß zu Johnsdorf.

War Tante Leonore wirklich die einzige Person gewesen, die freundlich zu ihr gesprochen?" Und sie gedachte des Heimwegs neulich über die Haide, des i heitern Lachens ihres Begleiters über Alles, was sie ohne Ueberlegung den Tag über geplaudert hatte des warmen Händedrucks, mit dem sie von dem neu gefun­denen Vetter geschieden war. Nein, Tante Leonore war doch nicht der einzige, ihr freundlich gesinnte Mensch gewesen!Und er wird herkommen, er hat es ver­sprochen", tröstete sie sich weiter und blickte immer wieder hinüber nach dem Wege, der zum Hause führte.Er wird kommen!"

Aber eine Woche verging, und er kam nicht. Ilse war noch zu jung, um solche Enttäuschung ruhig hin- zunehmen.Hält er so Wort?" fragte sie sich empört. Können so treue, ehrliche Augen lügen?" und ein Ge­

Berlin, den 19. September 1898.

Nach dem Runderlasse vom 3. März 1896 (M. Bl. S. 38) sind für die im Auslande lebenden Preußischen Staatsangehörigen Bescheinigungen über das Nichtbe- kanntsein von Ehehindernissen von den Ortspolizeibehör­den auszustellen, in deren Bezirk die Betheiligten inner­halb Preußens ihren Wohnsitz haben oder zuletzt gehabt haben.

Im Anschluß hieran bestimme ich, daß in den Fällen, in welchen die betheiligten Personen einen Wohnsitz in Preußen weder haben noch gehabt haben, die Ortöpoli- zeibehörde des letzten preußischen Wohnorts ihrer Eltern oder, wenn ein solcher nicht bekannt ist, der Geburtsort des Vaters für die Ausstellung der Bescheinigung zu­ständig sein soll.

Dabei wird ev. selbstredend der Polizeibehörde in zweifelhaften Fällen freistehen, durch Vermittelung des betreffenden Kaiserlichen Konsulats die etwa erforderlich scheinenden Elkundigungen über die persönlichen Ver­hältnisse der Verlobten einzuziehen.

Der Minister des Innern.

I. V.: gez. Braubehrens.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel.

* *

Cassel, den 10. Oktober 1898.

Abschrift im Anschluß an meine Rundverfügung vom 31. März 1896 A. I. 1994 zur Kenntniß bezw. weiteren Mittheilung an die Ortspolizeibehörden.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: S ch ö n i a n. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten hier.

* *

*

Hersfeld, den 18. Oktober 1898.

Obiger Ministerial-Erlaß wird den Ortspolizeibehörden mit Bezug auf das Ausschreiben vom 14. April 1896 I. A. Nr. 218 (Kreisblatt Nr. 48) zur Nachachtung mitgetheilt.

I. I. 5645. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 17. Oktober 1898.

Der Landes-Ausschuß hat in seiner Sitzung vom 22. v. Mts. den Beschluß gefaßt, mit Rücksicht auf die Höhe der bezüglichen Reservefonds auch pro 1899 von der Erhebung einer Viehseuchen-Abgabe auf Grund des § 9 des Reglements vom 7. Dezember 1881 bezw. 14. Januar 1882 (conf. Amtsblatt de 1882, Seite 59) ab- zusehen. Da gleichwohl eine Zählung des Viehbestandes am 2. November d. Js. zu statistischen rc Zwecken er­forderlich erscheint, erhalten die Herren OrtSvorstqnde des Kreises die Auflage, unter Benutzung des in den nächsten Tagen Ihnen zugehenden Formulars demnächst

fühl gänzlichen Verlaffenseins beschlich das arme, junge Ding. Sie mochte an nichts mehr denken, nicht an Tante Addy, die ja auch treulos gewesen und die Freundin verlassen hatte, wie der Baron ihr drüben erzählt, nicht an den Vetter Curt, zu dem sie vom ersten Augenblick an so großes Vertrauen gehabt und doch sah sie immer wieder seine tiefen, treuherzigen Augen vor sich und dachte, ob es sie wohl sehr traurig machen würde, sie nie wieder zu erblicken.

Da unterbrach ein Klopfen an der Thür ihre melan­cholischen Betrachtungen.

Für mich?" fragte sie verwundert, als ein Brief ihr abgegeben wurde. Sie hatte noch nie einen Brief erhalten! Kein Wunder also, daß sie diesen ersten an sie gerichteten voll Staunen öffnete. Er lautete:

»Sie werden es hoffentlich verstehen, gnädigstes Cousinchen, warum ich es nicht wagte, gleich in den ersten Tagen nach Ihrem großen Verlust meinen Vor­satz auszuführen und mich im Haidehaus vorzustellen. Aber vielleicht erfuhren Sie nichts von meinem heute gemachten Versuch zu diesem Zweck bei ihrem Herrn Onkel, der, wie Sie richtig prophezeit, so ungünstig ausfiel, daß ich, ohne unbescheiden zu sein, ihn vor