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Amtlicher Theil.
Hersseld, den 8. Oktober 1898.
Nach Mittheilung des Königlichen Herrn Kreisthierr arztes zu Hünfeld ist unter einem Transporte Ochsen aus den Kreisen Ziegenhain und Alsfeld die Maut- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Thiere werden zum Durchseuchen nach Rhiua gebracht.
I. 1. Nr. 5520. Der Königliche Landrath
Freiherr v o n S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Die Herbsteottferenz des Bezirks Heisseld II wird am Montag den 17. Oktober, Vormittags um 10 Uhr, im Sckulsaal zu Friedewald abgehalte» werden. Ich lobe hierzu die Herren Lokalschulinspektoren und Lehrer ergebend ein.
Schenklengsfeld, am 6. Oktober 1898.
Barchfeld, Kreisschulinspektor.
Die Herren Lokalschulinspektoren und die Herren Lehrer im Jnspektionsbezirk Hersfeld I. werden benachrichtigt, daß die amtliche Herbstkonsereuz am 14. Ok- lob r d. Js. in Hersseld im Saale des Hotels zilm Stern Vormittags von 10 Uhr ab gehalten werden soll.
Friedewald, den 4. Oktober 1898.
Der Kreisschulinipektor W. Bütte, Pfarrer.
Nichtamtlicher Theil.
Iie Reise des Äiser-Pmes ««ch tot heilizen 8««i>e.
Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria treten am 12. Oktober von Berlin aus die Reise nach
Das Haidehaus.
Von T. Rothschütz.
I
„Tantchen! Tante Leonore!" rief die frische Stimme eines jungen Mädchens munter zur Thür des Zimmers herein, in dem eine alle Dame fleißig strickend saß, ..j tzt weiß ich, was in dem großen Kasten ist, den der Onkel immer so sorgsam verschließt! Denke nur — ein Bild liegt darin, das Porträt einer wunderschönen Dame, mit schwarzen Augen und dunkelm Haar! Ich sah es ganz deutlich durch das Fenster, als ich oben aus der Leiter stand am Weinspalier. Wer hätte das gedacht!"
„Aber Ilse!" erwiderte Tante Leonore vorwurfsvoll, „bist Du schon wieder auf die Leiter gestiegen ? Und wie hängst Du Dich da auf der Stuhllehne hin, gleich einem Schuljungen! Denkst Du denn nie an Deine siebzehn Jahre und daß Du nun ein erwachsenes Mädchen bist?"
„Ach Herzenstanle, daS ist ja doch alles nicht schlimm; oben am Spilier sind die Trauben am reifsten — wie soll ich da hingelangen ohne Leiter! Und da Dir mein Platz auf der Lehne nicht gefällt, will ich mir schnell einen andern suchen", und damit schob sich Ilse ein
dem Oriente an. Noch bis zuletzt wurde in manchen ausländischen Blättern behauptet, der deutsche Kaiser i werde nicht nach Konstantinopel gehen; dabei war offenbar der Wunsch der Vater des Gedankens. Der Besuch beim Sultan ist manchen Leuten unbequem; unser Kaiser- Paar aber erfüllt damit eine natürliche Höflichkeits-Pflicht gegen den Herrscher über die heiligen Stätten in Palästina, die das Hauptziel der Orientreise bilden.
Eine Zeit lang war auch ein Abstecher nach Egypten zum Besuche der Denkmäler einer uralten Kultur am Nil ins Auge gefaßt, wodurch sich die Reise um vier bis fünf Wochen länger ausgedehnt hätte. Unser Kaiser hat sich jedoch aus eigenster Initiative entschlossen, auf den Ausflug nach dem NUlande zu verzichten. Ist schon die Thatsache, daß das Oberhaupt des Deutschen Reiches unbesorgt auf mehrere Wochen in weiter Ferne von der Heimath weilen baif, ein deutlicher Beweis für die gesicherte internationale Lage, in der sich Deutschland dank der Kaiserlichen Politik befindet, so hätte sich gewiß auch noch die Ausdehnung der Fahrt bis Egypten ohne zu große Schwierigkeiten für die Negierungsthätigkeit ermöglichen lassen. Immerhin waren Fälle denkbar, in . denen die Anwesenheit des Kaisers in der Heimath erwünscht sein konnte, insbesondere hätte die weite E»t- femung auf den Fortgang der Arbeiten der gesetzgebenden Körperschaften im Reiche und in Preußen störend ein- wirken können.
Aus diesem Grunde hat der Kaiser auf den Genuß, der ihm im Anblick der Denkmäler des Pharaonen Landes bevorstand, aus freier Entschließung verzichtet und damit ein neues glänzendes Zeugniß für sein höchstes Pflicht- gefübl abgelegt, das gern entsagt, wo sich nur die Möglichkeit eines Schadens für die LandeS-Jnteressen zeigt. Mit umso innigerer Verehrung wünscht sein treues Volk Glück und Heil zur Fahrt nach dem heiligen Lande!
Politische Nachrichten
Berlin, den 8. Oktober.
S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hörte heute Morgen, wie aus Potsdam berichtet wird, die Vorträge des Chefs des Generalstabes, Genecaladjulanten Generals der Kavallerie Grasen v. Schliessen, des Chefs des Militär- kabinels, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke und des Chefs des Civilkabinets, Wukl. Geh. Raihs Dr. v. Lucanus. Zur Frühstückstafel bei Ihren M.Z stäten waren der Großherzog von Baden, der Botschafter Graf Philipp zu Eulenburg und Gemahlin und Oberstlieutenant Graf Moltke geladen.
I Fußkiffen dicht an die alte Dame und saß bald darauf I ihr zu Füßen, den Kopf an ihre Knie gelegt. „So", sagte sie, „hier ist's auch bequemer. Aber nun höre zu und antworte mir. Wen mag das Bild wohl vorstellen? Und warum sah es der Onkel vorhin so sonderbar an unb p ickte es dann schnell wieder in den Kasten, als hätte er sich selbst auf einer bösen That ertappt?"
Die alte Dame strich liebkosend über Ilses krauses Haar und sagte dann zögernd, als spräche sie nur ungern davon: „Ich habe das Bild zwar nie gesehen, mein Kind, aber ich kann mir denken, wen es darstellt; wenn Onkel Adolph ein Damenporträt aufhebt, so kann es nur eines sein, das von Adeline v. Forstner ober vielmehr v. Neienstedt, wie sie zuletzt hieß. Aber ich meine doch, Du mußt Dich geirrt haben — wie sollte er dazu gekommen sein?"
„Neienstedt?" fragte Jlsa erstaunt. „Ist das eine Verwandte von uns? Ich habe nie von ihr gehört!"
„Es ist die verstorbene Mutter des jetzigen Besitzers von Johnstors drüben; sie war früher Gesellschafterin bei der alten Baronin, der Großmutter des jungen Barons, und das schönste Mädchen hier in der ganzen Gegend. Dein DnM Adolph und ich, sowie unsere kleine Schwester Adline, die damals erst vierzehn Jahre alt war, verkehrten eine Zeit lang viel mit den Lehns-
Se. königl. Hoheit der Großherzog von Bade n traf heute Vormittag 10 Uhr 9 Min. in Potsdam ein und wurde von Ihrer Majestät der Kaiserin, den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar sowie dem Stadtkommandanten General v. Nessel und dem Polizeipräsidenten v. Balan empfangen. Nach herzlicher Begrüßung begaben Ihre Majestät die Kaiserin und der Großherzog sich zu Wagen in das Stadtschloß, wo der Großherzog Wohnung nimmt.
Die Gemahlin des Prinzregenten von Braunschweig, Prinzessin Albrecht von Preußen, ist am Sonnabend Nachmittag 2 Uhr auf Schloß Kamenz g e - st o r b e n.
Die Reise Ihrer königl. Hoheit der Frau Prinzessin Heinrich nach China ist neuerdings in Frage gestellt, da in Folge der in China herrschenden Wirren eine vorherige BestimPung über den Aufenthalt der dort Rationirten Schiffe ausgeschloffen ist.
| Vertreter der deutschen Verlagsfirma, welche das । Recht der Veröffentlichung derMemorien Bismarcks I besitzt, sind dieser Tage in London gewesen, um das englische Verlagsrecht zu verkaufen. Wie der „Daily Chronicle" berichtet, verlangt die deutsche Firma 20 000 Lstr. (400 000 Mk ) dafür. Die Memorien sollen deutsch in vier Bänden erscheinen, von denen zwei bereits fertig sind und Exemplare davon den kauflustigen englische» Verlegern zur Ansicht vorgelegt wurden. Das englische Verlagsrecht soll auch das amerikanische einschließen. Das genannte Blatt sagt, daß verschiedene Verleger sehr begierig seien, das Recht zu erwerben, doch das höchste Angebot belief sich bis jetzt erst auf 15 000 Lstr. Die Memorien seien einzig und allein daS Werk des Fürsten Bismarck selbst, der sie zum Theil mit eigener Hand geschrieben und zum Theil selbst dictirt habe. Sie würden jedenfalls von großem historischen Werthe sein und nicht solch fades Geschwätz enthalten, wie daß Buschsche Buch.
Die Eröffnung des Reichstags durch den Kaiser dürfte in den letzten Tagen des November erfolgen. Der Kaiser wird ungefähr am 21. November nach Berlin zurückkehren.
Das neuerbaute Panzerschlachtschiff „Kaiser Friedrich III." wurde am Freitag auf der Kaiserlichen Werst zu Wilhelmshaven in Dienst gestellt, und zwar zunächst zur Abhaltung von Probefahrten. Das Schiff ist das erste derjenigen modernen Linienschiffe, welche den Kern der durch das neue Flottengesetz bewilligten Schlachtflotte zu bilden bestimmt sind.
Am Freitage fand unter dem Vorsitz des Kaisers im Marmor-Palais bei Potsdam eine Sitzung des Krön- r a t h s statt. Es wird angenommen, daß vor der Reise des Kaisers nach Palästina die politische Lage erörtert
vettern drüben, denn eine wirkliche Verwandtschaft ist ist nicht recht nachzuweisen. Aber bann war mit einem Mal alles aus zwischen uns und ihnen, weil — nun, weil das Fräulein v. Forstner sich nicht gut gegen meinen Bruder benommen hat. Nachdem sie ihn lange in. dem Glauben gelassen, seine Neigung zu erwidern, zog sie sich plötzlich von ihm zurück, und als Onkel
Adolph in der Hoffnung, daß es nur der offenen Aussprache seiner Absichten auf ihre Hand bedürfe, hinübergegangen war und sie fragte, ob sie seine Frau werden wolle, hat sie ihn abgewiesen — und sich sechs Wochen später mit dem jungen Baron verlobt, der erst vor Kurzem von seinen Reisen zurückgekehrt war. Freilich machte sie eine glänzende Heirath, während ihr hier im Haidehaus nur ein sehr einfaches Loos beschieden gewesen, denn unsere Linie war von jeher unbemittelt, und Onkel Adolph hatte damals noch die Verpflichtung, für uns beide Schwestern zu sorgen. Addy, wie wir unsere Adline immer nannten, im Gegensatz zu der Baronin btüben, war ihm und mir von unsern Eltern ans Herz gelegt worden. Addy war noch Kind bei deren Tode, und als es dem Bruder gelungen war, eine Stistsstelle in Heiligensee für sie zu erhalten, wodurch ihre Zukunft sicher gestellt ward, hatte er sich endlich berechtigt geglaubt, an sein eigenes Glück zu denken!"