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Grati-beilagen r „Illnftrrrtes SsnntagsblaLt" «. „5Uufirirte Lan-wirthschaftUche VeLlage".
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Snultri Den 21 September
1898.
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Mit dem j. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 21. September 1898.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, Kreisblatt Nr. 18, die Einzahlung des Forstgeldes betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist b i s z u m 30. d s. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i u i tz , Geheimer Negierungs Nath.
x Hersfeld, den 19. September 1898.
Nach § 54 Absatz 2 der Vormnndschastsordnung haben die Waisenräthe die Pflicht, von jedeni Wohnungswechsel der ihrer Aufsicht unterstellten Mündel dem Waisenrath des neuen Wohnortes zu benachrichtigen. Diese Vorschrift ist vielfach nicht beachtet worden, weshalb dieselbe den Waisenräthen hiermit in Erinnerung gebracht wird.
Die Herren Ortsvorstände haben diese Verfügung den Letzteren zur Einsichtnahme vorzulegen.
I I. Nr. 5176. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleiuitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 21. September 1898.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich wiederholt daraus aufmerksam, daß aus den hierher einzureichenden Unfall- Anzeigen stets die N r. d e s Gen ojsen - sckafttzkatasters (Betriebsunternehmer - Verzeich- nisses) und darunter die F l ä ch e n g r ö 8 e des betreffenden Betriebes nach Hectar und Ar angegeben sein muß, was in letzter Zeit vielfach unterlassen worden ist und häufig Anlaß zu Rückfragen gibt.
Der Vorsitzende des Sectionsvorstauds: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
I. A. Nr. 3835.
Die l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e Winterschule H o f g e i s in a r beginnt ihren Cursus am 25. October ds. Js.
Anmeldungen sowie Anfragen sind au den Herrn Director Dr. P a g e n st e ch e r zu richten.
Hofgeismar, den 13 September 1898.
Das Kuratorium : von 3! i e ß , Landrath.
Nichtamtlicher Theil.
Pk Kaisttfahrt nach dm heiligen Fände.
8. Cäsarea.
Mittags gelangten wir nach Cäsarea, der Stadt, welche Herodes der Große an die Stelle von Stratons Thurm gezaubert hat. Vor ihm pflegte man neu begründeten Städten den Namen des Beherrschers des Landes, von Fürsten oder einer Ortsgottheit zu geben. Dem Jdumäer war es vorbehalten, die Herrscher des römischen Reiches durch Städteschöpf- ungen zu feiern • Cäsarea und Sebaste lautete seine HuldigungsAdresse an den Kaiser Augustus, der ihm zu Rhodus nach der Schlacht bei Actium den Königstitel bestätigte.
Der prachtliebende, baulustige Fürst liebte neue Schöpfungen. Die Anlage einer neuen Hafenstadt auf der nunmehr ihm ganz zugefallenen Küste empfahl sich von selbst. Ihm, dem hellenisch Gesinnten, waren die Wogen des Meeres eine Lust, eine Erlösung aus der kleinen Gebirgslandschaft und den ernsten Mauern Jerusalems, wo der starre jüdische Geist seine Bauten bekrittelte und in allem Verletzungen des Gesetzes witterte. Bei Stratons Thurm fand Herodes mehrere Meter über dem Meere eine bebaute Ebene, die sich für sein Vorhaben gut eignete. Oestlich gelegene Höhenzüge lieferten ihm Trink- wasser, Riffe im Meer verbürgten ihm einen sichern Hafen, und so ließ der thatkräftige, gewaltige Mann seiner Herrscherlaune die Zügel schießen. Mauern, Thürme, Burgen und Tempel wuchsen empor, die Riffe des Hafens wurden erhöht und mit Säulenreihen geschmückt. Für Wasserläufe und Cloaken traf er solche Fürsorge, daß der Geschichtsschreiber Josephus zu der Bemerkung veranlaßt wurde, „es seien ebenso viel Bauten unter der Erde als über derselben ausgeführt worden." Von all dieser Herrlichkeit sind nur noch wenige Bruchstücke^ übrig geblieben. Eine Bosniaken-Kolonie hat sich in einem Theile der alten Stadt angesiedelt und aus herumliegenden Steinen Häuschen gebaut.'
Cäsarea ist bis zur Zeit der Kreuzzüge eine reiche und bedeutende Stadt geblieben, heute ist es nur noch ein geschichtlicher Name, an ihn'knüpft sich die Herkunft der zwei Granitsäulen auf ^der Piazetta in Venedig, von denen eine den Löwen von St. Markus trägt. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus hat den Tod des Königs Agrippa I., des Enkels des Herodes des Großen und der schönen, Hingerichteten Mariamne, in ergreifender Weise geschildert. Hier in Cäsarea war es, wo Herodes im Zirkus von plötzlichen Leibschmerzen gepackt, sein Ende fand. Man wähnt den im kostbaren Silberharnisch strahlenden König 511 sehen, wie er am Morgen sich hinaus begiebt zum Feste, welches wohl der Hitze wegen in der Frühe stattfand. Ueber den Ort, wo die königlichen Plätze im Zirkus sich befanden, samt faum ein Zweifel bestehen. Man sieht im Geist, wie er voll Schrecken die Eule bemerkt, die auf einer Säule des Sonnenzeltes faß und wie er bestürzt sich der Weissagung erinnert, die ihm in Rom im Gefängniß gemacht war. In seinem glänzenden silbernen Rock war der gewaltige König von dem Augenblick an ein geschlagener Mann, und am Abend war er eine Leiche im 5 k Jahre seines Alters, seines Herrscherthums aber im siebenten.
Noch lebendiger aber tritt uns das Gedächtniß eines größeren, als Herodes war, entgegen: des Apostels Pau i u s. Nach seinem Auftritt mit dem Hohenpriester war er von Jerusalem nach Cäsarea gebracht worden, und hatte sich da vor dem Landpsleger Felix, einem Freigelassenen und einem Muster dessen, was ein Landpfleger nicht sein soll, zu verantworten. Felix verurtheilte Paulus nicht, gab ihn aber aus Habsucht auch nicht frei, und so blieb Paulus zwei Jahre lang in Cäsarea in Haft. Als der neue Landpfleger Festus ins Land tam, mußte Paulus, neue Verhöre bestehen und wurde dem König Agrippa II. und seiner Schwester Berenike vorgestellt. Des Apostels Vertheidigung vor Agrippa, Berenike und Festus ist eine seiner eindrucksvollsten Reden, und man wundert sich nicht, daß Agrippa zu Paulus sprach: „Es fehlt nicht viel, du überredest mich, daß ich ein Christ würde."
Der Molo, der den heute verlassenen Hasen gegen die Südwinde schützt, und in dessen Fundament Herodes Steine von 16 Meter Länge, 6 Meter Höhe und 3 Meter Dicke versenkte, ist derselbe, aus dem die Augen des gefangenen Apostels oft geruht, wenn auch der Säulenschmuck des Hafens nicht mehr aufrecht steht, — wie gefüllte Baumstämme kreuz und quer liegen die Schäfte auf den Klippen umher. Die Burg, das Richthaus und der Tempel der Roma und des Augustus sind ganz verschwunden. Manchmal, wenn die armen BoS- niaken draußen vor den Mauern der mittelalterlichen Stadt ackern, stoßen sie auf ansehnliche Trümmer. Die Flora des Ortes besteht nur aus üppig blühendem gelben Mohn. Man sieht noch einige Mauern des Amphitheaters, in welchem Herodes nach olympischem Muster fünfjährige Wettspiele auf
führen ließ, und für deren erstes Kaiser Augustus und die Kaiserin Livia Preise gestiftet hatten.
Unser Kaiser wird mit seinem Gefolge am Abend des 26. Oktober ein Zeltlager in der Nähe der Stadt beziehen, vielleicht auf der grünen Ebene, die zwischen der Stadt und dem Zirkus liegt, in welchem Herodes seinen Tod fand.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 22. September.
Se. Majestät der Kaiser hörte am Mittwoch-Vormittag im Jagdschloß Hubertusstock die Vorträge des Chefs des Civilcabinets, Wirkt. Geh. Raths Dr. v. Lucanus und des Chefs des Marinekabinets, Contre- admirals Freiherr« von Senden-Bibran.
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ist gestern Abend von Cronberg im Taunus nach > Breslau abgereist.
Der preußische Kriegsminister hat die Militärbehörden darauf hingewiesen, daß das Kriegerver- einsmesen in erster Linie zum Reffort des Ministe- * riums des Innern gehöre. Es haben sich daher die Vorstände der Krieger^-reine in allen KriegervrreinS- Sachen zunächst an die vom Ministerium des Innern reffoitirenben Behörden zu wenden. — Der Großherzog von Baden richtete an den badischen Militärvereinö-Ver- band ein Schreiben, worin er die alten Krieger auffordert, alle feindseligen Eindringlinge mit Entschiedenheit zurück- zuweisen, nachdem die bisherigen frevelhaften Versuche, die Bande der Treue zu lösen, gescheitert seien.
Die Annahme von Posteleven und Postge- Hilfen kann wegen der vorhandenen ausreichenden Zahl vorläufig nicht stattfinden. Erst wenn es wieder im Bedürfniß liegen wird, können die Bewerber für die erwähnten Laufbahnen wieder zugelaffen werden. Vorläufig läßt sich jedoch noch nicht absehen, wann dieser Zeitpunkt eintreten wird.
Im Kaiserlichen Gesundheitsamts sind kürzlich eingehende Untersuchungen darüber angestellt worden, ob die durch Lungenschwindsucht bezw. Tuberkulose verursachten Sterbefälle neuerdings zugenommen haben, oder ob sich hier oder dort eine stetige Abnahme derselben zuverlässig nachweisen läßt. Die Untersuchungen erstrecken sich in erster Linie auf die Staaten des Deutschen Reiches und deren große Gebietstheile (Provinzen), in zweiter Linie auf diejenigen außerdeutschen Staaten Europas, aus denen verwerthbare Angaben über die Ursache des Todes und das Alter der Gestorbenen regelmäßig veröffentlicht werden. Die Ergebnisse der in Hest III. des XIV. Bandes der Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte veröffentlichten Untersuchungen ergeben Folgendes: Die allgemeine Schwindsuchts-Sterbeziffer, d. h. die auf je 1000 Lebende der Gesammtbevölkerung umgerechnete Zahl der Sterbesälle der unter dem Namen „Schwindsucht' oder „Tuberkulose" zusammengefaßten Krankheiten ist seit dem Jahre 1880 in fast allen europäischen Staaten, aus denen Angabeu benutzt werden konnten, geringer geworden. Mit der Abnahme der all- gemeinen Schwindsuchts-Sterbeziffer ging in der Siegel eine beträchtliche Abnahme der jährlichen Sterbesälle unter den im Alter von 15 bis 60 Jahren stehenden Personen einher. In Preußen, Bayern und Sachsen sind Personen von 15—60 Jahren in größter Zahl im Jahre 1890, d. h. zur Zeit der ersten großen Influenza-Epidemie, an Tuberkulose gestorben Seitdem war die Zahl solcher Gestorbenen zwar in keinem Jahre mehr so hoch, jedoch im Jahre 1893 bezw. 1894 wieder höher als unmittelbar vorher. In Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß- Lothringen ist die höchste Zahl der betreffenden Sterbe- fälle seit 1892 im Jahre 1894 beobachtet worden (für die Zeit vor 1892 fehlen hier die genauen Angaben). Innerhalb des Königreichs Preußen starken im Alter von 15—60 Jahren, wenn man die 4 Jahre um die Zeit der beiden letzten Volkszählungen (d h. 1890, 1891 und 1895, 1896) berücksichtigt, auf je 1000 Lebende dieses Alters die wenigsten Personen in Ost- und Westpreußen,